28 März 2014

Sebastian Seidel | 28. März, 2014   






Die Knicks spielen aktuell ihren besten Basketball der Saison. Neun Siegen aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache und lassen die Knicks-Fans sogar noch auf die Playoffs hoffen. Sinnbildlich für die Streak der Knicks steht Amar'e Stoudemire, der den furiosen Push der 'Bockers im März befeuert und endlich wieder an den Stoudemire aus Phoenix-Zeiten erinnert. Gegen die muss er heute in seiner alten Heimat ran.

Der Saisonverlauf
Wie so oft in den letzten Jahren war Amar'e Stoudemire bei Saisonstart nicht fit. Der Grund dafür war seine dritte Knieoperation innerhalb eines Jahres. Sichtlich gehandicapt startete Amar'e in die Saison, kam im gesamten November nur auf durchschnittlich 15 Minuten Spielzeit und erzielte auch nur 5 Punkte pro Partie. Mit knapp 12 PPG bei 60% aus dem Feld und schon etwas mehr als 20 Minuten Spielzeit schien Amar'e im Dezember langsam wieder stärker zu werden - ein Aufwärtstrend, der sich auch Anfang Januar fortsetzte, bis ihn eine erneute Verletzung wieder zum Aussetzen zwang.

Stoudemire spielte einen soliden Februar mit einigen Highlights, wie zum Beispiel gegen die Sacramento Kings, als er 20 Punkte erzielte und 8 Rebounds pflückte, zeigte allerdings auch schwächere Partien, wie etwa gegen die Miami Heat mit mageren 4 Punkten und 3 Rebounds in 20 Minuten Einsatzzeit. Seit Beginn des Monats März wirkt Amar'e plötzlich wie ausgewechselt: seine Aktionen sind konsequenter und allgemein wirkt er viel selbstbewusster und vor allem athletischer. In 28 Minuten, die er im März durchschnittlich spielt, erzielt er 16.8 Punkte bei 60% aus dem Feld, auch seine Reboundzahlen sind auf 6.1 pro Spiel angestiegen.

Was bringt Stoudemire wirklich?
Der Knickerbocker legt über die Saison gesehen bisher "nur" 11.4 Punkte und 4.7 Rebounds auf, seine Feldwurfquote von 55.6% ist dabei aber sehr gut. Allerdings muss man diese Zahlen auch in Relation zu seiner Spielzeit sehen, denn Stoudemire spielt lediglich 21.6 Minuten pro Abend. Rechnet man seine Zahlen auf 36 Minuten hoch, kommt er er auf exzellente 19 Punkte und 8 Rebounds pro Spiel, was seine Leistungsfähigkeit schon deutlicher hervor hebt.

Betrachtet man nur den Monat März, so käme STAT in 36 Minuten auf knapp 22 Punkte und 8 Rebounds pro Spiel. Diese Leistungen sind in etwa vergleichbar mit dem, was ein Dirk Nowitzki oder ein LaMarcus Aldridge auf ihrer Position leisten; im Vergleich zu Aldridge agiert Stoudemire dabei aber deutlich effizienter. Durch seine Fähigkeiten im Lowpost schafft Amar'e es, zwei Drittel seiner Abschlüsse in der Zone zu nehmen. Dabei ist Amar'e auch ein guter Finisher (64%), denn er beherrscht den Hakenwurf sowohl mit der linken als auch der rechten Hand nahezu in Perfektion.

Trotz seinen guten offensiven Leistungen muss bei Stoudemire natürlich auch auf das defensive Ende des Feldes hingewiesen werden, wo er auch mit seinen mittlerweile 32 Jahren immer noch Probleme hat, wenn es darum geht, defensive Rotationen zu erkennen. Im Pick & Roll hat sein direkter Gegenspieler eine Feldwurfquote von 61.3%, im Post verteidigt Stoudemire dafür ein bisschen besser und lässt nur 40.6% FG zu. Auch im Rebounding hat der Power Forward manchmal so seine Probleme, weil er manchmal vergisst auszuboxen oder oft einfach nicht aktiv genug zum Brett geht. Früher konnte er diese Defizite noch regelmäßig mit seiner unmenschlichen Athletik wett machen. Heute fällt das schon schwerer.

Der Einfluss auf das Spiel der Knicks
Durch die Wiedererstarkung von Stoudemire haben die Knicks offensiv deutlich mehr Optionen. Viel öfter wird nun das Pick & Roll mit Amar‘e gelaufen, Anthony kann dadurch auch off-Ball als Spot-Up-Shooter agieren. Im Gegensatz zu Chandler, der nach dem Pick eigentlich nur zum Korb abrollen kann, kann Amar'e auch das Pick & Pop laufen und aus der Mitteldistanz den Sprungwurf nehmen. Seine Wurfquoten aus der Mitteldistanz sind mit 45% in einem guten Bereich.

Natürlich läuft bei den Knicks immer noch das meiste über Melo, doch sie haben nun mit Stoudemire endlich wieder eine verlässliche zweite Scoring-Option und nicht mehr so viel Probleme in der Offensive, wenn Melo einmal auf der Bank sitzt. Auch wenn Stoudemire kein guter Verteidiger ist, hat seine Rückkehr in die Starting Five den Knicks auch defensiv gut getan. Allem Anschein nach haben deutlich mehr Mannschaften Probleme mit der großen Aufstellung der Knicks, und Punkte im Fastbreak haben die Knicks auch mit der Smallball-Aufstellung kaum bis nie generiert.

Die Zukunft von STAT
Natürlich ist das wichtigste, dass Stoudemire gesund bleibt. Seine Krankenakte ist lang und seine große Verletzungsanfälligkeit wird ihn wohl auch in Zukunft daran hindern, dauerhaft gute Leistungen zu bringen. Gerade deshalb sollte man ihm für die Leistung, die er momentan bringt, großen Respekt zollen. Nicht jeder schafft es nach so vielen Rückschlägen, sich so wieder in Form zu bringen und auch mit der in New York durch die Medien verursachten Kritik so einfach fertig zu werden.

Natürlich wird Stoudemire in diesem Sommer nicht aus seinem Vertrag aussteigen und die ihm zustehenden 23 Millionen Dollar für das nächste Jahr abgreifen. Im Sommer 2015 wird er dann natürlich für deutlich weniger Geld einen neuen Vertrag unterschreiben. Ob er dann Teil eines neu aufgebauten Knicks-Team wird oder noch einmal bei einem echten Contender unterschreibt, um die Chance auf eine Meisterschaft zu haben, wird sich noch zeigen.