17 März 2014

Akaeru | 17. März, 2014   





Wusstet ihr, dass ich vom Land komme? Na hoffentlich nicht, wäre ja schon etwas komisch, gell? Naja, jedenfalls hat das Leben auf dem Land ja durchaus Vorteile: Bio-Bauernhöfe gibt es mehr, als es in Berlin Mitte Jutebeutelmanufakturen gibt, wer bis 14 Jahre noch keinen Kasten Bier aus dem Getränkemarkt geschleppt hat, bekommt auf dem nächsten Schützenfest vom Dorfvorstand sämtliches Liedgut beigebracht, die Luft ist frisch (also bis zur nächsten Gülle-Saison), Verkehrsregeln werden schon einmal, ohne dass es groß juckt, außer Kraft gesetzt, wenn man seinem Nachbarn auf dem Traktor begegnet und man hat die Erlaubnis, auf StudiVZ der Gruppe „ich komm vom Land, ich weiß, dass Kühe nicht lila sind“ beizutreten. Ja, eigentlich kann man schon sagen, dass wir ziemlich überragend sind.

Jedenfalls, Leute vom Land haben in der Regel schon mal einen Wald von innen gesehen. Und sei es auf einer dieser tollen, um 06:30 Uhr losgehenden (buchstäblich) Sommerferienveranstaltungen, zu denen einen die Mütter angemeldet hatten, um wenigstens einen Tag lang Ruhe zu haben. Ich kann sie verstehen. Wo war ich? Ach genau, der Wald. Wusstet ihr, dass der Wald ein empfindliches Ökosystem ist? Wahrscheinlich nicht, ihr Milchschnitte-verzehrenden Stadtkinder. Im Wald hat jeder seine Aufgabe: Vom Baum zum Schmetterling, vom Dachs zum Kleeblatt, vom Reh zur Ranke. Entfernt man ein Puzzlestück oder fügt man ein Fremdes hinzu, so kommt der gesamte Kreislauf zum erliegen. Es hat schon so seine Gründe, dass in unseren Wäldern keine Elefanten oder Pinguine unterwegs sind.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, auch Basketball-Foren sind so ein Ökosystem. Schon bei Anmeldung nimmt ein jeder eine bestimmte Rolle ein, wie in einem Rollenspiel legt er fest, zu welcher Gilde er später gehören und welche Feinde er haben wird. Doch gerade für Anfänger kann so eine Anmeldung bisweilen recht tückisch sein, schließlich lassen sich alle Konsequenzen gar nicht ergreifen. Hier kommen nun wir vom NBACHEF ins Spiel: Untenstehend findet ihr die Starting Five (+6th Man) der Foren-Typen. Sucht euch einfach eine aus, rollt die Würfel und lasst das Spiel der Throne beginnen. Doch vorher, lasset uns zusammenrücken und gemeinsam das Lied von Eis und Feuer singen. So, da müsste jetzt eigentlich jeder eine Anspielung finden, mit der er was anfangen kann. Und falls nicht, hier ein Dragon Ball Video:



PS: Stellt euch mal vor, Bulma wäre Dan Gilbert und Son Goku wäre Pat Riley und der Dragon Ball wäre LeBron James. Hihi. So, jetzt aber endlich zum eigentlichen Thema: Forentypen.

Der Scout (Point Guard)
Ob der Tatsache, dass er sich keinen League Pass kaufen kann (oder darf), scannt er von Montags bis Sonntags, pünktlich ab 5:30 Uhr, sämtliche Spielberichte und Boxscores der amerikanischen Presseagenturen. Zwischen sechs und sieben Uhr schlägt dann seine Stunde: Stakkato-artig - Gewehrsalven sind ein Scheiß dagegen - haut er Einzeiler um Einzeiler in den Forenäther, ist stets um eine allgemeine Schreibweise bemüht, - schließlich darf sein fehlender League Pass Zugang der Kredibilität wegen nicht auffallen - wundert sich aber dennoch, dass seine Posts weder Anerkennung noch Reibung verursachen. Fristet bisweilen ein fast schon bemitleidenswert-einsames Dasein, ist ansonsten aber recht harmlos.

Der Boxer (Shooting Guard)
Hat er vor 10 Jahren unter dem Pseudonym „Tyler Durden“ nebenberuflich noch Kirmesboxkämpfe bestritten, muss er sich heute als Familienvater den weniger martialischen Vergnügungen hingeben. Doch an seinen Werten hat sich nichts geändert: Blut, Schweiß und Tränen. Kampf, Kampf, Kampf. Hustle, Loyalty, Respect (moment…). Von all dem neumodischen Kram hält er nichts, schließlich haben Ivan Drago in Rocky IV seine ganzen Technologien auch nichts genutzt. Findet in der Regel Kevin Garnett und Ingo Naujoks ganz cool, würde sich seine homoerotischen Gefühle aber nie anmerken lassen. KAMPF!

Der Hängengebliebene (Small Forward)
Hat in den 80ern und 90ern als lüddes Blag (für alle nicht Norddeutschen: Kleines Kind) begeistert vor dem Fernseher gehockt und noch die richtigen Spieler wie Jordan, Bird und Magic live miterlebt. Ist für den Kämpfer ungefähr das, was Walrosse für Robben sind: Eigentlich sehen sie sich ziemlich ähnlich, 99 Prozent der Weltbevölkerung könnte auch gut mit einer einzigen Bezeichnung leben, und doch fallen dem geübten Beobachter einige winzige Unterschiede auf. Während der Kämpfer indoktriniert seine Werte herunterbetet und keinerlei Wert auf die Epoche des Spielers liegt, hat für den Hängengebliebenen die NBA mit Ablauf der 90er offiziell aufgehört zu existieren. Heute beklagt er sich mit einer vorbildhaften Standhaftigkeit über alles, was für ihn die NBA Anno 2014 ausmacht: Weiche Jumpshooting-Teams, lasche Verteidigung, fragwürdige Garderobe, Instagram Fotos und eine allgemeine Glücksbärchi-Atmosphäre.

Der Nerd (Power Forward)
Hat ständig vier verschiedene Excel-Files offen, die ihm bis ins Jahr 2575 sämtliche PER, WS, OffRtg DefRtg und RPP (Reh pro Pfeil) Werte liefern. Seine Startseite hat er schon vor vielen Jahren auf basketball-reference geändert, sein Profiabo von mySynergy verlängert mittlerweile automatisch und das Debüt von SportVU auf nba.com wurde größer gefeiert als Weihnachten. Unter seiner Zimmerdecke hat er ein Poster in Lebensgröße von Kirk Goldsberry (die Pappaufsteller waren leider schon ausverkauft) hängen, während auf seinem Nachttisch ein Portrait-Foto von John Schumann steht. Seine Postings werden bisweilen schon einmal zu einem Mathe-Leistungskurs und irgendwie kann er nicht verstehen, warum niemand seinen dreizeiligen Beweis zur Nichtexistenz von Clutchness nachvollziehen kann. Diskutiert gerne und lange und ausführlich und eigentlich nervt es alle anderen, mit dem Kämpfer und dem Hängengebliebenen darüber, welche Epoche der NBA denn nun härter war.

Der Gescheiterte (Center)
Stand so kurz [könnt ihr euch hier einen mit Daumen und Zeigefinger verdeutlichten denkbar kleinen Abstand vorstellen? Wäre cool] davor, in der Bundesliga zu spielen, dann hat es ihn aber im Rücken/Knie/sonstwo gerissen. Statt dem Profitraum lebt er heute den des Jugendtrainers im heimischen Basketballverein, wo Kinder auch mal bei falscher Wurftechnik einen Medizinball an den Kopf geworfen bekommen. In seiner Freizeit meckert er mit Vorliebe über fehlende Fundamentals und Freiwurfquoten unter 90 Prozent und seziert jeden noch so falsch gestellten Block. Gilt bisweilen als Foren Pai Mei, was ihm auch ganz gut gefällt.

Der Fußballfan (6th Man)
Hat außer dem einen Mal Basketball im Sportleistungskurs und seiner Snapback Cap der Brooklyn Nets wenig mit der NBA am [Achtung] Hut [bitteschön], findet die Playoffs aber ganz okay. Steigt in dieser Zeit mit großem Enthusiasmus in die Forendiskussionen ein, versteht aber bis heute nicht, warum sich die Mavs nicht einfach LeBron James und Kobe Bryant kaufen können. Ach, neben den Mavericks findet er auch noch die Oklahoma City Thunders und Miami Heats ganz in Ordnung. Beginnt seine Sätze gerne mit „das kann ja sein, aber beim Fußball…“. Man mag ihn.