24 März 2014

Frank Wegener | 24. März, 2014    @Sympartysant






Als Fan der Pelicans ist man derzeit nicht besonders anspruchsvoll. Die Saison begann zäh, oder besser gesagt ohne den Zeh von Ryan Anderson, und wurde durch die Langzeitverletzungen von Jrue Holiday und Anderson maßgeblich korrumpiert. Angesichts der starken Western Conference wäre eine Positionierung auf einem Playoff-Rang allerdings auch in Bestbesetzung in etwa so wahrscheinlich wie ein informatives Ingame-Interview mit Gregg Popovich. Ohne ihren besten Scorer und ohne den Antriebsmotor rutschten die Pelicans schnell wieder in die absolute Belanglosigkeit der Liga ab. Auch im dritten Jahr hintereinander wird man im Big Easy weit entfernt von einer positiven Bilanz landen.

Trotz der verkorksten Spielzeit keimt die Hoffnung in New Orleans, und die trägt einen Namen: Anthony Davis! Die Ausfälle von Anderson und Holiday erwiesen sich als Segen für die spielerische Entwicklung der Monobraue. Davis übernimmt deutlich mehr Verantwortung und ist inzwischen Topscorer des Teams (21,4 PPG) , greift sich die meisten Rebounds (10,4 RPG) und führt die Liga bei den Blocked Shots an (2,9 BPG). Die Entwicklungskurve bei Davis zeigt stetig nach oben, und noch ist kein Ende in Sicht.

Einen Gang höher
Davis hat sich seit Januar in allen wichtigen Kategorien verbessert. Natürlich sind die besseren Zahlen auch auf eine wesentliche Erhöhung der Spielzeit zurückzuführen, dennoch haben sich seine Werte auch qualitativ enorm verbessert. Besonders auffällig sind seine Fortschritte nach dem Allstar-Game Mitte Februar.

Wie wichtig der 'Tweener' für die Pelicans mittlerweile geworden ist, konnte man an der tosenden Stimmung in der New Orleans Arena in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen die Boston Celtics erahnen. Normalerweise ist die Heimspielstätte der Pelicans eher bekannt für halbleere Ränge und eine Atmosphäre ähnlich einer Intensivstation. Nicht aber in dieser denkwürdigen Nacht: New Orleans gewann nach Verlängerung, 121-120. Davis legte 40 Punkte und 21 Rebounds auf. Die Zuschauer feierten ihren Star frenetisch und ließen keine Zweifel daran bestehen, wer der  Nachfolger von Chris Paul als Hometown Hero in Crescent City ist.

Davis attackierte besonders in der Crunchtime aggressiv den Korb und stoppte so immer wieder ein erneutes Aufbäumen der Celtics. Dabei stellte der 2,08m Mann sein komplettes Skillset unter Beweis und spielte sich in einen Rausch. Neben den spektakulären Dunks und Alley Oops zeigte er vor allem aus der Mitteldistanz und von der Freiwurflinie (12/12 FT) ein sicheres Händchen.

Es scheint als habe Davis endlich das Vertrauen in seinen Wurf gefunden, denn mittlerweile nimmt er nicht nur freie Würfe, sondern sucht vermehrt den Kontakt zum Gegenspieler, um entweder mit And One direkt am Korb abzuschließen oder einen wunderschönen Stepbackjumper durch die Reuse fliegen zu lassen. Seit dem er die unumstrittene erste Angriffsoption ist, zieht er deutlich konsequenter zum Korb und generiert extra Freiwürfe. Im Transitiongame kommt kaum ein gegnerischer Big Man mit seiner Schnelligkeit und Agilität zurecht. Außerdem sorgt Davis mit seiner Athletik und dem perfekten Sprungtiming für enorme Probleme unter des Gegners Korb (3,3 Offensiv-Rebounds pro Partie).

Seine Defense ist jetzt schon elitär und bringt die Randolphs und Mozgovs dieser Liga regelmäßig zum Verzweifeln. Dabei glänzt er nicht nur als Shotblocker, sondern ist auch in der Helpdefense extrem präsent. Durch seine Leichtfüßigkeit ist er in der Lage, schnell Löcher in der Verteidigung zu stopfen und ist dennoch schnell genug wieder auf seinem Posten und bei seinem eigentlichen Mann. Die flinken Hände und die enorme Sprungkraft ermöglichen zudem eine schnelle Unterbindung gegnerischer Fastbreaks und Touchdownpässe, weshalb er perfekt für die Initiierung von Gegenstößen aus Gegenstößen geeignet ist.

Rookie - Sophomore
Vergleicht man Anthony Davis' aktuelle Leistungen mit denen aus der vergangenen Saison, wird erst richtig deutlich, welchen Quantensprung die Nummer 23 vollzogen hat.


In der Grafik ist sofort erkennbar, welche ein große Auswirkung der Ausfall von Ryan Anderson auf die Einsatzzeit von Davis hatte. Sicherlich hätte New Orleans mit einem gesunden Anderson häufiger mit Davis auf der Fünf gespielt. Dennoch ist ersichtlich, wie viel Vertrauen er von Coach Monty Williams aufgrund seines Two-Way-Games inzwischen bekommt. Diese Saison ist er im Schnitt 6,9 Minuten länger auf der Platte als letztes Jahr und bedankt sich mit zusätzlichen 7,7 Punkten. Bedenkt man dabei, dass sich seine Defense in etwa proportional zu seiner Offense entwickelt hat, ist dies für einen Zweitjahresprofi unfassbar gut.

Der menschgewordene Pelikan aus Chicago verbesserte sich in jeder Facette seines Spiels. Der aggressive Zug zum Korb ermöglicht deutlich mehr Versuche von der Freiwurflinie (4,4 zu 6,7), was kombiniert mit der stetig besser werdenden Quote ein sicherer Garant für einfache Punkte ist. Seine Antizipation beim Offensiv-Rebound und die Aggressivität am defensiven Brett gehört zum fest zementierten Repertoire. Die Steigerung auf 2,9 Blocks pro Spiel bedeutet nicht nur einen wahnsinnigen Sprung in der Kategorie, sondern den 1. Platz ligaweit.

Wohin geht's noch?
Zwar konnten die Pelicans Davis' immenses Wachstum bisher nicht in Teamerfolg umwandeln, aber dieser Umstand hängt mehr mit den unzähligen Verletzungen zusammen. Das wird in den nächsten Jahren sicherlich anders ablaufen. Außerdem ist noch nicht einmal klar, wohin sich Davis in Zukunft als Spieler entwickeln kann, geschweige denn, wie gut er mal werden wird.

Folgende Szenarien wären vorstellbar:
Davis arbeitet an seinem Dreipunktewurf und stellt sein Spiel auf die Anforderungen eines Small Foward um.
Vergleich: Scottie Pippen

Davis verbleibt auf der Vier - seine natürliche Position - und arbeitet weiter an seinen Postmoves.
Vergleich: Kevin Garnett

Davis legt noch mehr Masse zu, arbeitet weiter an seinen Postmoves und an seinem Midrange Game, bevor er in einem Small Ball System langfristig auf die Fünf geht.
Vergleich: Chris Bosh 

Egal, was noch kommen mag, zumindest dies ist jetzt schon klar: Anthony Marshon Davis Jr. ist bereits mit 21 Jahren im elitären Kreis der 20/10 Big Men angekommen. Wenn er seine Skills weiterhin in solch rasantem Tempo verfeinert – wovon man ausgehen sollte – könnte er schon bald einer der dominierenden Figuren der gesamten Association werden.