13 März 2014

Pascal Gietler | 13. März, 2014   






Mit 14 Jahren und einer Größe von 1,78 m stand die Basketballkarriere von Gordon Hayward auf der Kippe. Für Hayward war eine Sache klar: Er wollte am College sportlich etwas reißen. Basketball war zwar immer seine erste Liebe, Erfolge feierte er aber auf dem Tenniscourt. Hayward war zwischenzeitlich ein hochgehandeltes Tennistalent, das im Bundesstaat Indiana sogar mal auf Position 2 im Einzeltennis rangierte. Trotzdem riet ihm seine Mutter, ungeachtet seiner physischen Defizite, niemals seinen eigentlichen Traum von einer Basketballkarriere aus den Augen zu verlieren – es sei ihr gedankt.

Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner ahnen, dass Haywards Körper weitere 25 cm in die Höhe schießen würde, da weder seine Zwillingsschwester Heather Hayward noch seine Eltern die 1,80m-Marke überschreiten. Diese Laune der Natur ermöglichte es Gordon, doch noch am College Basketball zu spielen - und dies nicht gerade erfolglos. An der Butler University führte Hayward die Bulldogs in seinem zweitem Jahr unter dem heutigen Celtics-Head Coach Brad Stevens ins NCAA-Finale 2010, in dem man nur knapp gegen die renommierte Duke University verlor. Haywards Leistungen im Turnier ließen ihn in den Mock Drafts hochklettern und resultierten darin, dass er im Draft 2011 an 9. Stelle von den Utah Jazz gezogen wurde.

In seiner Rookie-Saison zeigte Hayward sein Talent dann auch ansatzweise auf der großen Basketball-Bühne. Als solider Spot-Up Shooter kam Hayward größtenteils von der Bank und legte in durchschnittlich 16,9 Minuten Spielzeit 5,4 Punkte auf. Ein Traumeinstand sieht allerdings anders aus: Zu eindimensional war Haywards Spiel zu diesem Zeitpunkt noch.

Nur ein Spot-Up Shooter
Seit seiner Rookie-Saison nutzt Hayward die spielfreie Zeit, um an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Hayward war in der Lage, sein Ballhandling und sein Spielverständnis zu verbessern, was ihm in seinem Sophomore-Jahr half, sich in die Guard-Rotation der Jazz zu spielen. In der vergangenen Saison folgte dann der Durchbruch. Als dritte Scoringoption hinter Paul Millsap und Al Jefferson avancierte Hayward zu einem äußert effizienten Shooter von Downtown (41,5% Dreier) und konnte in durchschnittlich 29,2 Minuten 14,1 Punkte und 3 Assists auflegen. Nachdem man in Salt Lake City knapp die Playoffs verpasst hatte, standen einige Personalentscheidungen an.

Mit Millsap und Jefferson ließen die Jazz ihre beiden Topscorer ziehen; den beiden Youngstern Hayward und Derrick Favors bot der Klub daraufhin jeweils neue 4-Jahresverträge an. Favors hat zugeschlagen und für 4 Jahre und 49 Mio. $ verlängert, Hayward hingegen schlug Utahs Angebot aus. Er und sein Agent wollten mehr haben als die durchschnittlich gebotenen 10 Millionen US-Dollar pro Jahr. Sie hatten das Gefühl, dass ein Allrounder wie Hayward viel wertvoller ist und mit einem Maximal-Vertrag vergütet werden sollte. Haywards Motivation für die laufende Saison war ab diesem Zeitpunkt also klar: Dem Jazz Front-Office und der gesamten Liga zeigen, dass er ein „Max-Spieler“ ist.

Sonderbehandlung
Hayward soll laut diversen Quellen eine Menge Fans unter NBA-Coaches und Front Office-Mitarbeitern haben. Das ist einerseits natürlich ein Vorteil und Kompliment, andererseits sichert ihm diese Tatsache aber auch eine „Sonderbehandlung“ von gegnerischen Coaches auf dem Parkett zu. Die Gegner der Utah Jazz wissen um Haywards Fähigkeiten und versuchen, diese so gut es geht in Schach zu halten – mit Erfolg. 15,8 Punkte macht Hayward in dieser Saison - für ihn ein neuer Karrierebestwert, allerdings für die erste Scoring-Option einer Mannschaft auf Dauer zu wenig.

Hayward nimmt mehr Würfe als in der Vergangenheit (+3,0 Wurfversuche pro Spiel), die in den meisten Fällen vom Gegner aber bestmöglich verteidigt werden. Hayward trifft nur noch 40,7% aus dem Feld und 31,3% von Downtown. Beide Werte sind Career-Lows und langfristig nicht tragbar. Die Gründe für seine Ineffizienz liegen auf der Hand: Hayward ist der einzige Jazz-Spieler, der dem Gegner in der Offensive Angst macht.

Mit Favors haben die Jazz zwar jemanden im Low-Post, der in Sachen Scoring Fortschritte macht (12,8 PPG), mit Trey Burke einen noch inkonstanten Rookie-Punktesammler (12,7 PPG) und mit Richard Jefferson einen Veteranen, der die Dreier versenkt - aber das war es dann auch schon fast. Von der Bank können Alec Burks (13,8 PPG) und Enes Kanter (12,2 PPG) zwar noch Punkte beisteuern, in der Starting Five fehlt aber die konstante Hilfe für Hayward. Hayward hat in der vergangenen Spielzeit bewiesen, dass er effizient scoren kann. Es wäre also sicherlich nicht die schlechteste Idee, Gordon Hayward in Zukunft  einen weiteren Scorer an die Seite zu stellen.

All-Around Game
Trotz der statistischen Verschlechterung kann Gordon Hayward ein Spiel offensiv übernehmen und 20+ Punkte machen. Diese Leistungsexplosionen kommen jedoch nur sporadisch vor, und alles in allem ist seine Offensivleistung in dieser Saison zu inkonstant. Neben seiner Tätigkeit als Spot-Up-Shooter läuft Hayward mittlerweile des Öfteren erfolgreich das Pick & Roll mit Favors und nimmt auch vermehrt Würfe aus der Isolation. Offensiv versucht Hayward also, seine neue Rolle anzunehmen und sein Spiel zu erweitern, was ein Indiz für seine gute Arbeitsmoral ist.

Neben seinen leicht erhöhten Punktzahlen zeigt Hayward vor allem bei den Assists einen Schritt nach vorne: Durch die erhöhte Zeit mit dem Ball in der Hand und seiner Pick & Roll Tätigkeit findet Hayward immer öfter den freien Mann und legt pro Spiel 5,3 Assists bei 2,8 Turnovern auf. In der Kategorie Pässe liegt er somit auf seiner Position auf einem äußerst guten Platz 3, sogar noch vor Lance Stephenson.

Defensiv macht Gordon Hayward vieles richtig und ist einer der wenigen positiven Faktoren in der schlechtesten Defensive der NBA (108,0 DefRtg). Hayward knöpft sich in der Regel den stärksten Offensivspieler auf dem Flügel vor und lediglich 38,7% der gegnerischen Wurfversuche sind von Erfolg gekrönt. Die Pick & Roll Verteidigung ist noch eine Baustelle in Haywards Spiel, jedoch gelingen ihm auch dort Fortschritte. Positiv hervorzuheben sind außerdem die wenigen „And-Ones“, die Haywards Kontrahenten gegen ihn ziehen. Bei bisher 411 verteidigten Wurfversuchen foulte er lediglich bei 5 erfolgreichen Körben - ein Wert, der sich sehen lassen kann.

It’s all about the money…
Gordon Hayward ist im Prinzip - um die Analogie aus der Überschrift noch einmal aufzugreifen - ein guter Arrangeur für eine Mannschaft. Er kann eine Mannschaft führen und seinem Team von allem etwas geben. Hayward ist ein solider Verteidiger, der auch vorne weiß, wo der Korb hängt. Seine durchschnittlichen 5 Rebounds und 5 Assists sind weitere Argumente für seine ausgeprägten Allrounder-Qualitäten. Von den Zahlen erinnert Gordon Hayward womöglich Viele an einen gewissen Paul George, der ja auch für das ganz große Geld bei den Pacers unterschrieben hat, noch bevor er auf der Schwelle zum Superstar stand.

Wie oben erwähnt, genießt Hayward in der Liga einen guten Ruf und dürfte wohl von irgendeiner Ecke des Landes einen mit knapp 60 Mio. Dollar dotierten 4-Jahresvertrag erhalten. Spontan fallen einem die Boston Celtics mit einer Menge Cap-Space und Haywards ehemaligem College-Coach Brad Stevens ein. Da Hayward jedoch ein Restricted Free Agent wird und er sich in Salt Lake City wohl fühlt, könnte er langfristig in Utah bleiben, zumal die Jazz mit jedem Angebot gleichziehen können. Es gab in der Vergangenheit sicherlich Spieler, die für weniger Leistung fürstlich vergütet worden sind. Außerdem ist noch längst nicht ausgeschlossen, dass Hayward den Status eines (All-) Stars schon bald erreicht. Die Frage ist nur: Wird Utah bereit sein, dieses finanzielle Risiko einzugehen?