02 März 2014

Sebastian Thelen | 2. März, 2014    @PostupPlay





Nach der Trade-Deadline ist vor der Trade-Deadline! Der letzte Tag des Transferfenster schloss sich am 20. Februar. Das Vorüberziehen des Stichtages ist aber kein Grund für die echten NBA Freaks, auf weiteres Herumspinnen und Basteln an potenziellen Trades zu verzichten. NBA-Teams können nach wie vor noch Free Agents unter Vertrag nehmen, um sich für die Playoffs zu stärken und die letzten Mängel innerhalb ihrer Teams zu beseitigen. Außerdem ist es sicherlich nicht unangebracht, schon mal ein Auge auf die kommende, spannende Offseason zu werfen und über mögliche Trades und Free-Agent-Signings zu spekulieren. Hier also ein paar weitere Ideen für alle, die den Rest der Saison nicht ohne Wechselgerüchte oder überbordernde Hirngespinste auskommen:

LeBron James  Miami Heat (ETO)
Mögliche Landingspots: Miami Heat, Cleveland Cavaliers, New York Knicks

LeBron James führt natürlich, wie seit 2010 bereits feststeht, 2014 wieder die Free-Agent-Klasse an. Meiner Meinung nach dieses mal jedoch mit einem gewaltigen Unterschied: 2010 stand LeBron vor einer klassischen Lose-Lose-Situation. Verlässt er Cleveland, wird er gehasst (wie wir beobachten konnten), bleibt er aber, gewinnt er vermutlich keine Titel. Betrachtet man jedoch nun die aktuelle Situation und beschränkt die Möglichkeiten auf Miami und Cleveland, befindet er sich in einer Win-Win-Situation. Wählt er Miami, ist er der treue Star, der bei dem Klub bleibt, welcher ihm seine zwei (oder vielleicht sogar drei) Meistertitel ermöglichte. Geht er zurück nach Cleveland, ist er der Champion, der wieder nach Hause kommt, um nun für seinen Heimatklub einen Titel zu ergattern.

Die größten Einflussfaktoren auf LeBrons Entscheidung werden wohl zum einen das diesjährige Abschneiden der Heat sein, zum anderen aber auch die Zukunft von Dwyane Wade und Chris Bosh (ebenfalls beide Free-Agents). Ist Wade weiterhin oft verletzt und kann nicht mehr konstant die Leistung abrufen, die wir von ihm gewohnt sind, und will Bosh noch einmal richtig Kasse machen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Big Three gesprengt werden und LeBron Miami verlässt. Vielleicht ja sogar in Richtung New York, um sich mit seinem Kumpel Carmelo Anthony zusammenzuschließen? Wer weiß das schon!

Carmelo Anthony – New York Knicks (ETO)
Mögliche Landingspots: New York Knicks, Los Angeles Lakers, Chicago Bulls

Die Zukunft Melos ist, wie zuletzt 2011 in Denver, sehr undurchsichtig. Auf der einen Seite sagt seine Frau, dass sie glaubt, er bleibt. Auf der anderen Seite ließ er bereits zu Anfang der Saison verlauten, dass er den Free-Agent-Markt testen möchte - was für ihn finanziell auch Sinn macht.

Die konkrete Frage die sich nun auftut, ist: Welche Möglichkeiten hat Melo in New York? Die Knicks haben mit Amar'e Stoudemire einen relativ schlechten Vertrag, da er verletzungsbedingt nicht die Leistung bringen konnte, die sie von ihm erhofften. Stoudemire wird nächste Saison immer noch über 20 Millionen Dollar verdienen. Mit Melos (neuem) Vertrag zusammen wären die Knicks, insofern sie ebenso versuchen, Iman Shumpert, Andrea Bargnani und Tyson Chandler zu halten, über der Gehaltsgrenze. Dies macht es nicht gerade einfach, Melo tatsächlich in New York zu halten, denn die weiteren Möglichkeiten dieses Kaders sind extrem eingeschränkt. Andererseits scheint Melo sogar gewillt, auf Geld zu verzichten, um weitere Spieler zu den Knicks zu locken. Die Lakers und die Bulls bleiben attraktive Alternativen für Anthony, solange sich Derrick Rose und Kobe Bryant von ihren Verletzungen erholen und an alte Leistungen anknüpfen können.

Rajon Rondo – Boston Celtics (UFA '15)
Mögliche Landingspots: Boston Celtics, New York Knicks, Los Angeles Lakers, Minnesota Timberwolves, jedes andere Team mit Point Guard Sorgen

Zu meiner großen Verwunderung blieb Rondo über die Trade-Deadline hinaus ein Celtic. Nicht erst seit der Auflösung der Big Three und den Abgängen von Ray Allen, Paul Pierce und Kevin Garnett schwirrte Rondos Name in diversen Tradegerüchten umher. Möglich wäre es natürlich, dass die Celtics ihn behalten und ihr Team um ihn herum neu aufbauen. Jedoch scheinen die Celtics sehr an Draftpicks interessiert zu sein, und bei Danny Ainge als General Manager muss man immer mit einem plötzlichen Deal rechnen.

Möglich wäre natürlich eine Vereinigung Rondos mit Melo in New York oder mit Kobe in L.A., wobei Ersteres in Hinblick auf Kobes doch etwas fortgeschrittenem Alter und der vergangenen Celtics-Lakers Rivalität logischer erscheint. Prinzipiell wäre Rondo eine große Verstärkung für jedes Team, das zur Zeit Point Guard Sorgen besitzt. Sicher würde er sich mit einem echten, produktiven Big Man zusammen sehr gut machen und beispielsweise zusammen mit einem Kevin Love in einer Pick and Roll zentrischen Offensive für Furore sorgen.

Kevin Love – Minnesota Timberwolves (PO '15)
Mögliche Landingspots: Minnesota Timberwolves, Los Angeles Lakers, Los Angeles Clippers, Dallas Mavericks

Um das Verbleiben von Kevin Love in Minnesota lassen sich schon seit Längerem Gerüchte beobachten, die besagen, dass er womöglich Minnesota verlassen möchte, obwohl er noch einen Vertrag bis 2015 besitzt. Zuletzt berichtete ESPNs Chris Broussard, dass ihm ein General Manager sagte, die Wahrscheinlichkeit für eine Verpflichtung Loves durch die Lakers in 2015 läge bei 100 Prozent. Als ehemaliger Collegespieler für UCLA wäre Los Angeles natürlich ein geeigneter Platz für Love. Andererseits soll er bereits gesagt haben, dass die Timberwolves das bessere Team hätten und ein Verbleib nicht ausgeschlossen werden könne.

Sollte Kevin Love Minnesota verlassen wollen, müssen die Timberwolves ihn in der kommenden Offseason oder spätestens in einem Jahr traden, da er ansonsten im Sommer 2015 ohne jegliche Gegenleistung gehen könnte. Auch die Mavericks waren in der Vergangenheit an Love interessiert. Sollten die Clippers diese Saison wieder vorzeitig aus den Playoffs ausscheiden, könnten sie sich vielleicht mal einen Griffin/Love Tausch durch den Kopf gehen lassen, wobei Blake Griffin sich diese Saison, gerade in Bezug auf seinen Sprungwurf, doch ein gutes Stück weiterentwickelt hat.

Luol Deng – Cleveland Cavaliers (UFA)
Mögliche Landingspots: San Antonio Spurs, Indiana Pacers, Chicago Bulls, Cleveland Cavaliers, Meisterschaftskandidaten

Die Cavs verpflichteten Deng im Februar. Für die Bulls war der Trade ein klarer Schritt in Richtung Zukunft war, da sie effektiv „nur“ die Draftpicks für einen grundsoliden ehemaligen All-Star bekamen, bevor er im Sommer möglicherweise für Nichts gegangen wäre. Leider läuft Deng leider weit den Erwartungen der Cavaliers hinterher, die sich von der Verpflichtung erhofften, ein klares Playoffteam im Osten zu werden, jedoch zum heutigen Zeitpunkt nur auf Platz 9 in der Eastern Conference stehen.

Dies wirft natürlich die Fragestellung nach Dengs Zukunft auf, da er im Sommer ein unrestricted Free Agent wird und mit jedem anderen NBA Team einen Vertrag schließen kann. Er wird kein Max-Player werden, also keinen Vertrag an der Gehaltsobergrenze bekommen, jedoch war er jahrelang für ein starkes und lange erstplatziertes Playoff-Team einer der wichtigsten Bestandteile. Möglich ist also durchaus, dass er im Sommer nach Chicago zurückkehrt, jedoch wohl für etwas weniger Geld, als sein letzter Vertrag wert war.

Andererseits könnte er für viele NBA-Teams, insbesondere diejenigen, die Meisterschaftskandidaten bzw. „Contender“ sind, wie beispielsweise die San Antonio Spurs oder Indiana Pacers, eine deutliche Verstärkung sein. Die Spurs könnten ihn als Sixth-Man, Ersatz für Kawhi Leonard und weiteren Flügelscorer/Verteidiger nutzen. Bei den Pacers könnte er nach dem Abgang von Granger und der unsicheren Zukunft von Evan Turner womöglich neben Paul George die Flügelposition besetzen, insofern Indiana Lance Stephenson von der Bank bringen möchte. Eine Vertragsverlängerung bei den Cavaliers ist dagegen eher unwahrscheinlich, es sei denn, sie erreichen entgegen den Erwartungen doch noch die Playoffs und Deng legt eine richtige Show aufs Parkett, die ihn unentbehrlich macht und fürstlich entlohnt.

Harrison Barnes – Golden State Warriors (TO '16)
Mögliche Landingspots: Memphis Grizzlies, Chicago Bulls, Houston Rockets, Los Angeles Lakers, jedes Rebuilding-Team

So wie ich die Situation einschätze, wird Golden State schon bald eine Entscheidung bezüglich David Lee, Andrew Bogut und Klay Thompson treffen müssen. Mit Curry, Bogut, Lee und Iguodala haben die Warriors hochbezahlte Spieler und auf Klay Thomson haben sie zwar noch eine Spieleroption für das kommende Jahr, jedoch wird er danach auch einiges an Gehalt fordern. Barnes bleibt bis jetzt hinter den Erwartungen der Warriors zurück und nimmt hinter dem neu verpflichteten Iguodala nur die Sixth-Man Rolle ein. Lee und Bogut wären natürlich ebenso mögliche Kandidaten für einen Trade, jedoch sind sie aufgrund ihrer Größe relativ wertvoll. Lee ist All-Star und Bogut der wichtigste Verteidiger im Team.

Mit seinen 21 Jahren und dem nach wie vor großen Potential könnte Barnes ein attraktiver Tradekandidat für jüngere Teams oder solche im Umbau werden. Bei den Chicago Bulls könnte er die Rolle Luol Dengs und nach der möglichen Amnestierung von Carlos Boozer auch viel Zeit auf der Vier übernehmen. Ebenso wäre er aufgrund seiner Effektivität aus der Mittel- bzw. Dreierdistanz auch als Stretch-Four für die Houston Rockets denkbar, damit Dwight Howard mehr Platz im Lowpost hat. Ein Beispiel für ein Team, welches Barnes als Baustein für den Neuaufbau benutzen könnte sind z.B. die L.A. Lakers. Vor der vergangenen Trade Deadline haben auch die Memphis Grizzlies großes Interesse an Barnes gezeigt, um das Athletik-Loch, welches Rudy Gay auf Small Forward hinterlassen hat, stopfen und gleichzeitig Zach Randolph auf der Vier entlasten zu können. Sollte Golden State in Zukunft auch nur ansatzweise daran interessiert sein, Barnes abzustoßen - an Interessenten wird es ganz bestimmt nicht mangeln.

Greg Monroe – Detroit Pistons (RFA)
Mögliche Landingspots: Boston Celtics, Los Angeles Lakers, so ziemlich jedes Rebuilding-Team

Der Frontcourt der Pistons ist mit Smith, Monroe und Drummond deutlich überbesetzt. Die Wurfschwäche Smiths spricht nicht dafür, ihn weiterhin auf der Drei spielen zu lassen, und Andre Drummond hat in dieser Saison sein enormes Potenzial gezeigt. Der Dritte im Bunde ist hier Greg Monroe, der zwar auch Talent mit sich bringt, aber den direkten Vergleich mit Drummond wohl verliert. Monroe wird im kommenden Sommer restricted Free Agent, Detroit könnte also theoretisch mit jedem Gebot einer anderen Mannschaft gleichziehen und ihn auch halten. Die Frage ist jedoch, ob dies hinsichtlich der Überbesetzung im Frontcourt und dem wohl hohen Investitionspreis sinnvoll ist, da auch keiner drei Spieler für eine Bankrolle geeignet wäre.

Genau deshalb würde Monroe möglicherweise auch schwer in das Team eines Meisterschaftskandidaten passen, es sei denn, dieses Team ist sehr schwach auf der Power Forward Position. Von allen Contendern kämen da wohl nur die Houston Rockets in Frage, wobei Monroe neben Howard keine allzu elegante Lösung wäre. Ein mögliches, realistischeres Szenario für Monroe wäre also, als Fundament für ein Team im Neuaufbau her zu halten, wie es beispielsweise bei den traditionsreichen Lakers und Celtics der Fall wäre. In Boston würde er mit Kelly Olynyk oder Jeff Green einen athletischen und zukunftsträchtigen Frontcourt abgeben - vor allem neben einem Rajon Rondo.

J.R. Smith – New York Knicks (PO '16)
Mögliche Landingspots: Eine Stadt mit wenig Ablenkung abseits des Spielfeldes, im Worst-Case Ausland oder arbeitslos

J.R. Smith ist einer der Hauptgründe für die miserable Saison der Knicks in diesem Jahr. Er stößt immer wieder mit Coach Woodson aneinander, er wird suspendiert, er bekommt Geldstrafen, er bindet gegnerischen Spielern die Schuhe auf und zieht ihnen die Headbands ins Gesicht. Die Frage ist, inwieweit die Knicks ihm noch vertrauen und ob er jemals an seine Vorjahres-Leistungen als Sixth-Man of the Year anknüpfen kann. Im Worst-Case Szenario könnte es sein, dass sein Vertrag vorzeitig aufgelöst wird und er aufgrund seines Rufverlustes kein neues Team findet. Andererseits könnte ihm ein stabiles Team mit einem Head Coach, der auch mit hitzigen Charakteren umgehen kann, eine neue Chance geben. Für die Knicks würde es sicherlich viel Sinn ergeben, Smith in einem Trade unterzubringen, auch wenn auch nur als Zusatz. Das Problem: keiner will das Teamchemie-Geschwür zu diesem Zeitpunkt mehr haben.