14 März 2014

Mattis Nothacker | 14. März, 2014   




Es sieht äußerst komisch aus. Auf der einen Seite steht ein Spieler, der das Musterbeispiel eines Basketball-Athleten verkörpert. Explosiv, muskelbepackt, sprunggewaltig. Sein Gegenüber, der ihn verteidigen soll, stellt das absolute Gegenteil dar. Es ist ein Mann, der seine ganze Karriere an Übergewichtsproblemen gelitten hat und immer wieder für seine schlechte körperliche Verfassung gescholten worden ist.

Doch so merkwürdig es aussehen mag, diese Begegnung findet statt, und das auf der größten Bühne der Basketballwelt, im Finale der NBA. Es ist eine Begegnung, die Menschen auf der ganzen Welt mit ungläubigen Augen ansehen. Die Begegnung von LeBron James und Boris Diaw.

Im Normalfall würden zwei solche Spieler nie aufeinandertreffen. In den vorherigen Playoffduellen mit den Miami Heat heißen die designierten Verteidiger für den besten Mann des amtierenden Champions Paul George, Jimmy Butler und Luc Mbah a Moute. Alle sind sie für ihre Fähigkeiten bekannt, die Flügel des gegnerischen Teams kaltzustellen. Boris Diaw gilt zwar ebenfalls als guter Verteidiger. Auf die Idee, ihm Lebron James gegenüberzustellen, wäre wohl trotzdem kein Trainer der Welt gekommen. Außer eben Gregg Popovich.

Im ersten Spiel der Finalserie ist es kurz vor Ende der Halbzeit, als der Spurs-Coach Diaw zum ersten Mal anweist, James in der Verteidigung zu übernehmen. ESPN-Kommentator Jeff van Gundy nennt es „ein schweres, schweres Matchup.“ Ein totales Missmatch, will er damit sagen. Doch im Verlauf der NBA-Serie zeigt sich, dass van Gundy mit diesem Urteil falsch liegt. Im ersten und vierten Spiel wird Diaw jeweils nur kurzzeitig auf James gesetzt, doch im fünften kommt schließlich der ultimative Vertrauensbeweis seines Trainers: Diaw wird zum Hauptverteidiger von James bestimmt. Insgesamt steht er 27 Minuten auf dem Feld und bereitet dem MVP enorme Probleme.

Denn James ist Spieler wie Diaw nicht gewohnt. Diaw steht im Vergleich zu den üblichen James-Verteidigern auf der komplett anderen Seite des Spieler-Spektrums. Er ist langsamer, weniger athletisch, hat dafür aber genug Masse, um James' Kraft zu widerstehen. Die meisten seiner Verteidiger überrennt James einfach. Mit Diaw kann er das nicht machen. Oft bleibt der Jumpshot die einzige Abschlussmöglichkeit. Im fünften Spiel trifft James 8 seiner 22 Würfe, gegen Diaw sind es nur 3 von 13 Versuchen. Insgesamt werden es in der Serie 3 von 18 sein. Boris Diaw wird zum Verteidiger, der LeBron James in der ganzen Saison am meisten Schwierigkeiten bereitet.

Im sechsten Spiel, kurz vor Ende des ersten Viertels, wird James gegen Diaw isoliert. Zuerst stoppt Diaw seinen Kontrahenten beim Zug zum Korb. Kurz darauf hält er Ray Allen eine Hand ins Gesicht, dessen Jumper sein Ziel verfehlt. Schließlich greift sich James den Offensivrebound, steigt hoch und wird von dem heranstürmenden Diaw geblockt. Es ist die Defensivaktion, die endgültig alle Zweifel an Diaw verstummen lässt.

Durch seine Defensivaufgabe in den Finals rückt Boris Diaw zum ersten Mal seit Jahren wieder ins Rampenlicht der landesweiten Medien. Die Aufgabe gegen Lebron James ist wie bezeichnend für seine Karriere. Denn Diaw weiß, wie es sich anfühlt, immer wieder angezweifelt zu werden. Kritisiert wurde er schon wegen seinem Übergewicht, seine mangelnde Scorer-Mentalität, seine Unfähigkeit, eine geeignete Position auf dem Spielfeld zu finden. Und doch überrascht er die Menschen immer wieder. 

Als Boris Diaw 2003 als 21. von den Atlanta Hawks gedraftet wird, ist er im Vergleich zu heute kaum wiederzuerkennen. Der frischgebackene MVP der französischen Liga ist ein athletischer Jungspund, der bei Pau-Orthez nicht nur mit Zuckerpässen, sondern auch mit krachenden Dunks Aufsehen erregt hat. Was die Draftexperten besonders an ihm schätzen, ist seine enorme Vielseitigkeit. Von Point Guard bis Center könne er alle Positionen spielen, meinen einige. Die Sports Illustrated nennt ihn „einen gut getarnten Point Guard im Körper eines Forwards.“ Bemängelt wird wiederum, dass er nicht genügend Punkte auflegt. Es ist ein Kritikpunkt, der ihn schon in Frankreich verfolgt hat. Denn Diaw ist seit seiner Kindheit ein Spieler, der zu allererst ans Passen denkt.

Mit zehn Jahren erzählt er seiner Mutter, die als eine der besten weiblichen Center in Frankreichs Basketball-Historie gilt, von seinem Traum. „Ich werde eines Tages zwei Meter groß sein und Point Guard spielen“, sagt Boris. „Nein, nein, wenn du über zwei Meter groß bist, dann wirst du ein Center sein“, antwortet seine Mutter. „Du siehst doch Magic Johnson“, erwidert Boris. Als er bald darauf ernsthaft mit Basketball anfängt, hält er sich an seine Vorgabe. „Ich war der Organisator im Spiel“, erzählt er der Sports Illustrated

In Atlanta darf Diaw tatsächlich öfter die Rolle als Point Guard übernehmen. Richtig durchsetzen kann er sich auf seiner Lieblingsposition jedoch nicht. Sein schlechter Distanzwurf und die schwache Freiwurfquote von 60.2 Prozent machen seinem damaligen Trainer Terry Stotts große Sorgen. Auch seine 4.5 Punkte und 2.4 Assists in 25 Minuten sind keine gute Bewerbung für einen Platz als Starter auf der Eins. 

Vor allem die Spielkultur in Atlanta macht Diaw ordentlich zu schaffen. In einem Team, das mit den Playoffs nichts zu tun hat und im zweiten Jahr sogar den Rekord für die wenigsten Siege der Franchise-Geschichte bricht, dreht sich wenig um gutes Teamplay. „Mit dem Pech, in einem der chaotischsten und talentlosesten Teams spielen zu müssen, (…) war Diaw zwei Jahre lang von (…) zukünftigen Free Agents umgeben, deren einziges Ziel es war, genug Punkte aufzulegen, um sich einen besseren Vertrag zu erarbeiten”, schreibt Jonathan Givony von draftexpress.

Am Ende seiner ersten Saison spricht Diaw das Problem in einem Interview mit InsideHoops vorsichtig an. „Hier in den USA sind es mehr die individuellen Fähigkeiten, die während eines Spiels gesehen werden. In Frankreich konnte man ein Team mit mittelmäßigem Niveau haben, aber wenn man gut zusammenspielte, war man ein starkes Team.“

In seinem zweiten Jahr unter dem neuen Trainer Mike Woodson wird es nicht besser. Schon vor der Saison wirft Woodson Diaw vor, zu selten den Abschluss zu suchen. „Ich will nicht, dass er gute Würfe verweigert“, erklärt der Coach. „Er kann sie treffen, er muss sie nur mit mehr Selbstbewusstsein nehmen.“ Diaws Spielzeit sinkt. Er ist zunehmend frustriert.

Im Sommer 2005 verändert sich seine Situation dann schlagartig. Zusammen mit zwei Erstrundenpicks wird er für Joe Johnson nach Phoenix getradet. Für Diaw ist es eine 180 Grad Wendung, denn Phoenix hat im vergangenen Jahr die beste Saisonbilanz aufgelegt. Die Suns gelten als eines der beliebtesten Teams der Liga, die mit ihrem schnellen und passfreudigem Spiel für Unterhaltung sorgen.

Was schnell fest steht, ist dass Diaw hier weniger als Point Guard fungieren wird. Mit dem amtierenden MVP Steve Nash hat Phoenix im Gegensatz zu Atlanta einen unumstrittenen Anführer auf der Aufbau-Position, um den Mike D’Antoni das Fast-break Spielsystem „Seven-seconds-or-less“ aufgebaut hat. Die Probleme entstehen auf den anderen Positionen. Nashs kongenialer Partner Amar'e Stoudemire muss sich vor der Saison einer Knie-OP unterziehen und kann in der kompletten Spielzeit nur drei Partien absolvieren. Die Suns müssen auf ihren Neuzugang bauen, der nach der Backcourt-Rolle in Atlanta bei den Suns im dünnen Frontcourt eingesetzt wird. 

Bald zeigt sich, dass die Suns mit Diaw einen Glücksgriff gelandet haben. Das passfreudige Angriffssystem ist wie für ihn geschaffen. Neben Nash wird er zum Hauptpassgeber des Teams und agiert aus dem High Post als Ballverteiler. Gleichzeitig macht er seinem Ruf als äußerst vielseitiger Spieler alle Ehre. In seinem neuen Team wird er bald „3D“ genannt, was nicht nur für seine Rückennummer und seinen Namen steht, sondern auch für die vielen verschiedenen Seiten seines Spiels (Dish, Drive, Defend). Ende Januar gelingt ihm sein erstes Triple-Double. Als sich wenig später Stoudemires Backup Kurt Thomas verletzt, wird Boris Diaw auf die Center-Position gerückt. Vor dem Start der Playoffs ist er der unumstrittene Starter auf der Fünf.

Dort steigert er seine Leistungen noch einmal. Seine durchschnittlich 18.7 Punkte, 6.7 Rebounds und 5.2 Assists helfen den Suns maßgeblich auf ihrem Weg ins Western Conference Finale, wo sie auf die Dallas Mavericks treffen. Im ersten Spiel der Serie macht Diaw 34 Punkte und versenkt den Game-Winner. Mit 24.2 Punkten pro Spiel wird er sogar zum Topscorer seines Teams, doch es genügt nicht, um die Suns ins Finale zu bringen. 

Für Diaw ist es trotzdem eine unglaubliche Saison. Er wird zum „Most Improved Player“ gewählt und von Journalisten, Fans und Teamkameraden in den höchsten Tönen gelobt. „Er hat sich großartig entwickelt“, meint Maverick Jason Terry, früher Diaws Teamkamerade bei den Hawks. „Es hat alles mit dem System zu tun. In Atlanta gab es keins. In Phoenix spielt er frei auf und kann seine Talente einsetzen.“

Auch Diaw führt die plötzliche Leistungsexplosion auf seinen Wechsel nach Phoenix zurück. „Ich sage immer, dass es ein Mannschaftssport und kein individueller Sport ist“, erklärt er. „Das Ziel ist es, besser zu werden, um deinem Team helfen zu können. Ich bin sehr glücklich, weil ich das hier gefunden habe.“ Sein langjähriger Freund Tony Parker bringt auch Diaws Positionsveränderung mit ins Spiel. „Die Hawks haben ihn nicht besonders gut eingesetzt“, erklärt Parker. „Er hat die falschen Positionen gespielt. Ich finde, er ist am besten, wenn er auf der Vier spielt.“ 

Die Suns wollen Diaw unbedingt halten und verlängern seinen Vertrag um fünf Jahre. „Er passt perfekt zu uns und wir passen perfekt zu ihm“, sagt damals Mike D’Antoni. Doch die folgenden Saisons werden für Diaw nicht mehr so märchenhaft wie seine erste im Suns-Trikot. 


Erst ist es seine mangelnde Fitness, für die er am Anfang der Folgesaison kritisiert wird. „Er musste ja nicht unbedingt jedes Croissant nehmen, das er finden konnte, oder?“ meint Mike D’Antoni gegenüber der Sports Illustrated. Dann ist es die neue Rolle, an die er sich nach Stoudemires Rückkehr gewöhnen muss. Schließlich wird gelästert, er sei wegen seinem langfristigen Vertrag nicht mehr so agressiv wie vorher. In den Playoffs kommt Diaw von der Bank und kann nicht an die Leistungen des vorherigen Jahres anknüpfen. In der Postseason macht er nur 6.6  Punkte pro Spiel und kann Phoenix' Zweitrunden-Aus gegen die San Antonio Spurs nicht verhindern.

In der Saison 2007-08 sind es dann vor allem die Nebenkriegsschauplätze, die Diaw und die Suns daran hindern, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Der neue Manager Steve Kerr will den NBA-Titel erzwingen, der von den Suns-Fans immer ungeduldiger herbeigesehnt wird, und fädelt im Februar einen Deal mit Miami ein. Shawn Marion und Marcus Banks gehen zu den Heat, Shaquille O’Neal kommt nach Phoenix. Schnell stellt sich aber heraus, dass O’Neal überhaupt nicht in das schnelle System von D’Antoni passt, der sich mit Kerr immer öfter über Kompetenzen und Spielstil streitet.

Das desaströse 1-4 Aus in der ersten Runde gegen die San Antonio Spurs leitet in Phoenix nicht nur das Ende von D’Antonis Amtszeit ein, der sich mit Kerr überwirft und zu den New York Knicks wechselt. Im Dezember 2008 wird Diaw zusammen mit Raja Bell für Jason Richardson und Jared Dudley nach Charlotte getradet. „Der Trade gibt uns mit Richardson jemanden, der rausgehen kann und 20 Punkte macht“, erklärt der neue Suns-Coach Terry Porter. Boris Diaw bedauert das Ende der D’Antoni Ära. „Ich werde mich immer an Phoenix mit Mike D’Antoni erinnern. Wir sind von einem gewinnenden Team, das das aufregendste Team der Liga war, zu einem halb-gewinnendem Team geworden, das überhaupt gar nicht aufregend ist“, sagt er verbittert. 

Sein erstes Jahr in Charlotte wird für ihn zur besten Saison seit seiner Vertragsverlängerung. Da bei den Bobcats eine große Lücke auf der Vier klafft, lässt ihn Trainer Larry Brown durchschnittlich fast 38 Minuten spielen. Diaw zahlt das Vertrauen mit einem Karrierebestwert von 15 Punkten pro Spiel zurück. In der Folgesaison schaffen die Bobcats dann mit dem neuen Eigentümer Michael Jordan ihren ersten Playoffeinzug der Franchise-Geschichte, doch in der ersten Runde gegen die Orlando Magic sind die sie chancenlos. Trotzdem scheint der aus Raymond Felton, Stephen Jackson, All-Star Gerald Wallace und Diaw bestehende Mannschaftskern einiges für die Zukunft zu versprechen.

Doch es kommt anders. Zuerst verlassen Felton und Tyson Chandler als Free-Agents das Team. Später tritt Brown nach einem desaströsen 9-19 Start zurück und wird durch Paul Silas ersetzt. Schließlich wird Bobcats-Urgestein und Fan-Liebling Wallace zu den Portland Trailblazers getradet. Charlotte verpasst die Playoffs und Michael Jordan entscheidet sich für einen Neuaufbau.

Das Verhältnis zwischen den Bobcats und Diaw verschlechtert sich. Diaws extreme Uneigennützigkeit ist dem neuen Coach Silas ein Gräuel. Im Spiel Ende März 2011 gegen Indiana steht Diaw 24 Minuten auf dem Feld, ohne einmal auf den Korb zu werfen. „Ich habe ihm gesagt, dass ich in meinen 40 Jahren in der NBA noch nie einen gesehen habe, der so etwas getan hat“, echauffiert sich Silas nach dem Spiel. 

In der Saison 2011-12 kommt Diaw nach dem Lockout extrem übergewichtig ins Trainingslager, was die Lage nicht unbedingt entspannt. Silas hat dennoch die Hoffnung, dass er Diaws viele Fähigkeiten nach seinen Vorstellungen einsetzen kann. „Er kann rebounden, dribbeln und im Fastbreak den Pass spielen oder selber abschließen”, erklärt der Bobcats-Coach dem Charlotte Observer.“ Es gibt so viele Sachen, die er tun kann, wenn er sich einfach nur darauf einlässt. Und das wird er tun.” 

Silas Aussage entpuppt sich als falsch, denn nur drei Monate später wird Diaw entlassen. Der Trainerstab in Charlotte hat genug von seiner nicht vorhandenen Aggressivität. „Es hat uns nicht geholfen, dass er die ganze Zeit nur den Ball passte“, erklärt Silas kurz vor Diaws Entlassung. „Ich brauchte jemanden, der den Ball in den Korb bringen konnte und er konnte das. Als das nicht passierte, war es sehr beunruhigend.”

Offensichtlich kommt Diaw nicht damit klar, als einer der besten Spieler der Mannschaft vorwiegend als Scorer agieren zu müssen. Dass Diaw nicht in einer Mannschaft spielen will, die nichts mit den Playoffs zu tun hat, ist aber ebenfalls ersichtlich. „Das Verlieren war hart für ihn und er will unbedingt in einem Playoff-Team spielen können“, erklärt sein Berater Doug Neustadt. Diaw muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit seinen Auftritten ein Ende des Charlotte-Kapitels erzwungen zu haben.

Nur einen Tag nach seiner Entlassung nehmen ihn die San Antonio Spurs in ihren Kader auf. Ähnlich wie sieben Jahre zuvor wechselt er damit von einem Verlierer-Team zu einem waschechten Contender und fügt sich ebenso reibungslos ein. Seit 2010 spielen die Spurs ein schnelleres System, was vor allem auf viel Ballbewegung beruht und Diaws Passfähigkeiten akzentuiert.



Diaw spielt in seiner ersten Saison als Spur so wenig wie seit acht Jahren nicht mehr, doch man spürt, dass er sich in San Antonio deutlich wohler fühlt als zuletzt. Vor allem das Tandem mit Tim Duncan ist für die Spurs schon bald eine wichtige Waffe, da Diaw es wie ein Point-Guard versteht, seinen Big-Man Partner in Szene zu setzen.

Seit seiner Ankunft ist Diaw so etwas wie der X-Faktor in San Antonio. Er ist eigentlich zu klein für die Power Forward Position, bringt immer noch einige Kilos zuviel auf die Waage, legt oft keine großen Zahlen auf und ist trotzdem essentiell für die Mannschaft. Ein Fan fasste sein Spiel einmal so zusammen: „Er verwendet nur sein Hirn, sonst nichts. Er kann sich nicht auf seine Athletik verlassen, er ist kein Shooter, er ist zu langsam, zu dick... aber effektiv!“

Obwohl die Spurs das wohl uneigennützigste Team der Liga sind, findet sogar Gregg Popovich, dass es Diaw mit seiner Pass-Mentalität manchmal übertreibt. „Solange ich mich erinnern kann, haben das meine Trainer schon immer gesagt“, erzählt Diaw in einem Interview.

Seit dieser Saison 2013/14 hat sich mit Diaw aber etwas geändert. Er ist aggressiver und wirft oder attackiert den Korb deutlich öfter als früher. „Er hat mit einem Guru in Indien geredet oder so“, meint Popovich. „Ich weiß nicht, was er gemacht hat. Ich habe nichts damit zu tun. Ich hatte ihn deswegen schon so oft angefleht, seit er bei uns ist.“ Diaw führt seine neu gefundene Aggressivität unter anderem auf die Europameisterschaft in Slowenien zurück, wo er im Finale beim Sieg gegen Litauen 15 Punkte beisteuerte. „Die Euro hat mir auf jeden Fall geholfen. Ich wollte aggressiver sein. Wenn ich auf unsere Playoffs im vergangenen Jahr zurückblicke, denke ich, dass ich mehr hätte helfen können. Mehr meinem Wurf vertrauen und weniger passen.“

Dieses Jahr gibt es in San Antonio natürlich wieder nur ein Ziel: den Titel. Schon seit Jahren erklären Medien, die Spurs hätten nun endgültig ihre allerletzte Chance - und werden immer wieder eines Besseren belehrt. Bislang hat die Mannschaft ihrem Alter getrotzt und ist auch in diesem Jahr ein legitimer Contender. Fakt ist aber, dass die Urgesteine Manu Ginobili (36) und Duncan (37) das Altern nicht ewig aufhalten können. Die Tage der Big-Three-Ära sind gezählt. Boris Diaw will dabei helfen, den beiden noch einen letzten Titel zu bescheren, selbst wenn es wieder die Miami Heat sind, die sich im Finale in den Weg stellen.

Zuletzt, am 6. März, gab es wieder die Neuauflage der Finals von 2013. Diaw verteidigte James. Es sah immer noch äußerst komisch aus.