27 Februar 2014

Daniel Schlechtriem, Roman Schmidt, Anno Haak, Johannes Hübner | 27. Februar, 2014   






1. Indianas Trade für Evan Turner war unnötig und der falsche Move für das beste Team im Osten.


Roman Schmidt, No Bull: Sehr hässlich. Die Pacers haben in der Liga ein tadelloses Ansehen, da die Spieler ein familiäres Verhältnis pflegen und das Team gänzlich ohne Top-Picks zusammengestellt wurde. Wenn man böse wäre, könnte man meinen, dass gerade Granger die Pacers in der Vergangenheit wieder auf die Landkarte gesetzt hatte. Und für ihn holt man sich Evan Turner ins Team?? Der Typ, der seit seinem Rookie-Jahr erfolglosen Basketball personifiziert? Ein fürchterlicher Deal, vor allem, weil er den jungen Pacers vor den Kopf stoßen wird.

Anno Haak, Miami Twice: Jep. Ich versteh‘s immer noch nicht. Das Upgrade gegenüber Granger ist minimal. Die Auswirkung auf die Team-Chemie ist nicht absehbar. Granger, ob berechtigt oder nicht, hatte einen großen Ruf in der Indy-Brotherhood. Da einen Wing für 20 Minuten reinzuwerfen, der sich selbst für einen der besten Forwards der NBA hält, aber im Contract-Year und schlicht nur Durchschnitt ist? Ich will nicht sagen, dass Bird den Threep(H)eat ertradet hat. Aber ich bleibe bei meinem ersten Gefühl: es ist der falsche Move zur falschen Zeit.

Johannes Hübner, Yay Area: Falsch, war der absolut richtige Move. Es war zwar nur ein Spiel gegen die Lakers, aber Turner passt in die Systeme der Pacers, kann abseits des Balls gut cutten, hilft mit seinem Ballhandling und kann wahrscheinlich mit Lance Stephenson zusammen spielen. Zu diesem Zeitpunkt in seiner Karriere ist er der deutlich bessere Spieler als Granger. Seine guten Stats und seine hohe Usage-Rate waren zwar bei einem sehr miesen Team, allerdings agiert Turner dadurch jetzt bei einem Contender mit unfassbarem Selbstvertrauen. 

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Keineswegs. Ob Granger je wieder auf All-Star Niveau agieren wird, darf stark bezweifelt werden. Hätte er die Saison in Indiana beendet und gegebenenfalls in den Finals gespielt, hätte ihn eines des verzweifelteren Teams im Sommer gewiss überbezahlt. Nun können die Pacers in aller Ruhe Turner, der bei den Sixers immerhin ein Career Year hingelegt hat, auf Herz und Nieren prüfen und dann entscheiden, ob sie ihn halten wollen. Sportlich werden sie Granger und seine 8,3 Punkte in 22 Minuten kaum vermissen.

Seb Dumitru: Granger war der Pacer mit der längsten Laufdauer in Indianapolis. Ähnlich eines irreparablen, alten Sportwagens mit Getriebeschaden und verbeulter Karosse hatte er emotionalen Wert. Aber als ich das letzte Mal gecheckt habe waren die Teams mit der produktivsten Starter/Bankspieler Kombo auch diejenigen, die am Ende ihre Conference gewannen. Und Turner ist zu diesem Zeitpunkt der produktivere NBA-Spieler als Granger. Lavoy Allen gab's für umme obendrauf. Wenn Danny unbedingt seine Karriere in Indiana beenden will, kann er ja im Sommer wieder dort anheuern. Er wäre immer willkommen - für's Minimum.  


2.  Danny Granger sollte sich nach seinem Sixers-Buyout den Miami Heat anschliessen, um seinem ex-Klub eins auszuwischen.


Roman Schmidt: Sehr unprofessionell. Wieso rennt jeder Experte nach einem Buyout zum nächst liegenden Computer und checkt, ob die Heat noch einen Roster-Platz frei haben? Die Pacers haben mehr gegen die Heat als sie zugeben würden und daher würde Granger auch nicht in Miami ansöldnern. Damit würde er seine früheren Mitspieler und nicht die Franchise beleidigen. Selbst, wenn er auf Rache aus ist, was ich bezweifle, wenn er beispielsweise bei den Clippers unterkommt, gibt es keinen Grund, sich zu beschweren.

Anno HaakNope. Granger hat die Pacers durch die Post-Malice-in-the-palace-Ära getragen. Das wirkt nach. Der Trade war ein Schlag in die Fresse. Aber dass er so hart war, dass er die Pacers vollkacken will, glaube ich nicht. So wenig wie dass die Heat ihn wollen. Butler ist der Heat-Wunschspieler. Die Spurs sind für Granger the place to be. Und da wird er auch landen.

Johannes Hübner: Nein. Granger sollte sich nach einem Buyout dem Team anschließen, in dem er am meisten hilft und eine sehr gute Chance auf den Titel hat. Die Heat fallen natürlich in diese Kategorie, die Clippers gelten momentan allerdings als Favorit für die Dienste von Granger. Die Clippers brauchen Hilfe auf der Drei, da Jared Dudley unfit nach L.A. kam und seitdem seiner Form hinterherläuft. Granger zu den Clippers. Check.

Daniel Schlechtriem: Er sollte vor allem an sich selber denken, denn er steht vor dem größten Wendepunkt seiner Karriere. Noch einmal werden ihm sicherlich keine 14 Millionen angeboten. Um einen angemessenen Marktwert im Sommer zu haben, muss er sich für die Option entscheiden, in der er die meiste Spielzeit erwarten kann respektive am besten ins System passt. Für einen Contender zu spielen und etwas im Licht deren Superstars zu scheinen, kann zwar nicht schaden. Dennoch haben persönliche Eitelkeiten in dieser Entscheidung hintenanzustehen. Als reiner Scorer ist er in San Antonio wahrscheinlich besser aufgehoben.

Seb Dumitru: Wenn er als ultimative Ringhure mit niederträchtigen Beweggrund in die Annalen eingehen will, dann schon. Wenn ihm aber etwas an seiner weiteren Karriere liegt, wählt Granger die für ihn beste sportliche Situation. Einen Klub also, der Dinge wie Championship-Ambitionen mit verfügbarer Spielzeit und einer klar umrissenen Rolle vereint. Ein Team, bei dem er zu einem Playoff-Run beitragen und seinen Marktwert wieder steigern kann. Handtücher für LeBron wedeln machen ja schon Beasley und Oden.


3.  Andre Miller führt mit seiner Erfahrung die Washington Wizards noch auf Platz drei im Osten.


Roman Schmidt: Sehr unwahrscheinlich. Was kann Andre Miller seinem Point Guard-Vorgesetzten John Wall überhaupt beibringen? Wie man sich während der Karriere mit möglichst vielen Coaches anlegt? Er wird Wall vor den Playoffs die ein oder andere Minute Auszeit geben können, die er braucht. Aber ohne Nene ist Platz 3 im Osten utopisch- vor allem, da die Wizards sich jede Sekunde wieder unter .500 befinden könnten.

Anno Haak: Ja, ja und ja. Wer mit Vesely als Backup auf Platz 4 rangiert, kommt mit Miller auf Platz 3. Der Nene-Schock tut weh. Aber es will ja sonst niemand Dritter werden (außer Brooklyn und für die ist es zu spät).

Johannes Hübner: Ich denk nicht. Andre Miller passt exzellent zu den Wizards. Jeder wusste es und die vier Siege in Serie sprechen dieselbe Sprache. Doch in Chicago trainiert Tom Thibodeau den hartnäckigsten Haufen der NBA. Jedes Spiel wird hart verteidigt und alles auf dem Feld gelassen. Die Bulls landen vor den Wizards und auch die Raptors könnten vor der Hauptstadt-Franchise bleiben.

Daniel Schlechtriem: Miller wird für Walls Entwicklung pures Gold sein, aber die Wizards mit ihrer Neverendig-Story – mal rutschen sie über .500 und dann wieder drunter – wirken nicht gefestigt genug, eine ordentliche Siegesserie hinzulegen. Platz vier kann man in diesem schwachen Osten nicht ausschließen, Platz drei hingegen schon. Der geht an Toronto oder Chicago – auch wenn die das nicht so wirklich wollen.

Seb Dumitru: Das wird er. Washington hat zwar einen schweren Ausfall zum schlechtesten Zeitpunkt zu verkraften, aber Nachschub ist bereits im Anmarsch. Miller stabilisiert die zweite Einheit nicht nur, sondern gibt Washington genau die Erfahrung und Lineup-Flexibilität, die Randy Wittman jetzt braucht, um Nenes Fehlen zu kompensieren. Die Wizards waren im Februar (NetRtg +4.9) besser als Toronto und Chicago - und das war vor den fünf Siegen in Folge seit dem Miller-Trade


4Die L.A. Clippers hätten Glen Davis nicht verpflichten sollen.


Roman Schmidt: Sehr dünn. Also nicht Glen Davis, sondern das Frontcourt Depthchart der Clippers. Ersetze im Fragesatz "Glen Davis" mit "Byron Mullens" oder "Antawn Jamison", macht die Frage mehr Sinn. Big Baby Davis ist die Tendenz nach oben. Davis ist kein schlechter Team-Verteidiger und in der Post-Defense ein unbewegbares Hindernis. Außerdem hat er einen Abschluss der Kevin-Garnett-Illegal-Screens-University, was im Clippers Playbook der unendlichen Pick & Rolls nützlich sein wird. Die Clippers haben da einen guten Big Man an Land gezogen. Wer jetzt wegen "an Land gezogen" in Verbindung mit Big Baby Davis an einen Wal gedacht hat, ist ein schlechter Mensch.

Anno Haak: Warum nicht? Sie brauchten einen Big Man für die Rotation. Davis ist ein Big Man. 2,05m? Check. Mid-Range-Jumper? Check. Veteran Leadership und Championship-Erfahrung? Uuuund check. Was kann man mehr für ein paar tausend Dollar erwarten? Eben.

Johannes Hübner: Total falsch. Die Clippers benötigten dringend einen weiteren Big Man in ihrer Rotation. Mit Davis hat L.A. einen erfahrenen Akteur verpflichtet, der zudem das System von Doc Rivers kennt. Davis kann Offensivfouls ziehen, spielt mit viel Einsatz und trifft den Mitteldistanzwurf. Attribute eines Rollenspielers bei einem Contender. Check.

Daniel Schlechtriem: Ich sehe keinen Grund, warum sie dies nicht hätten tun sollen. So gesehen haben sie Antawn Jamison und Byron Mullens gegen 'Big Baby' getauscht und daher sportlich alles richtig gemacht. Auch wenn Davis zur Championship der Celtics eher wenig beigetragen hat, bringt er aus seiner Zeit mit Garnett, Pierce & Co. wertvolle Kriegsnarben mit, die der Clippers Frontcourt bisher vermissen ließ. Finanziell stellt er auch kein Risiko dar, Doc Rivers kennt ihn aus besagten Zeiten bei den Kelten und weiß, wie er ihn anpacken muss – alles richtig gemacht.

Seb Dumitru: In L.A. gibt's genug Burger-Restaurants. Und damit ist die größte und einzige aller potentiellen Clippers-Sorgen schon aus dem Weg geräumt. Davis wertet die zweite Big Man Garde in Tinseltown stärker auf als Friteusen Hühnchenbrüste. Sein starkes Midrange-Game wird neben Chris Paul ins System von Doc Rivers hinein passen wie Tortillas in Salsa-Sauce. Die einzigen, die denken, dass die Clippers Davis nicht hätten verpflichten sollen, sind ihre Gegner. L.A. war auch ohne Bank schon das beste West-Team in 2014.


5.  Houston hat 10 von 11 gewonnen und ist in dieser Form ein ernsthafter Kandidat für’s NBA-Finale. 


Roman Schmidt: Sehr verzerrt. Der Spielplan der Rockets war in diesem Zeitraum zu verkraften (unter anderem die Lakers, Bucks, Kings und Cavaliers). Es fällt mir schwer, Teams gute Playoff-Chancen zu prognostizieren, die auf gute Leistungen von Rollenspielern angewiesen sind (und die haben sie bereits in der Starting Lineup auf PG und PF). Ich traue Rollenspielern vor allem in Playoff-Auswärtsspielen nicht. Die gestrige Niederlage gegen die Clippers spricht da Bände.

Anno Haak: Nein. Es mag die Lakers-Sympathie aus mir sprechen. Aber mit einem reinen Athleten auf der Fünf, den jeder ausschalten kann, der zwei Big Men in der Rotation hat, die nur sechs Fouls einzubringen haben, gewinnt man weder eine Conference- noch eine NBA-Championship.

Johannes Hübner: Schwierig. Das Team findet sich und scheint genau zur richtigen Zeit an seinem Leistungsmaximum zu kratzen. Ein Kandidat für die Finals sind die Rockets auf jeden Fall. Zwei Punkte die gegen eine Finalteilnahme sprechen: Sie spielen im Westen und es kommt in den Playoffs auf die richtigen Match-ups an. Zweitens muss mir die Offensive in der Crunchtime mehr zeigen als vier Spieler um die Dreierlinie zu postieren, Howard in der Mitte zu platzieren und Harden kreieren zu lassen.

Daniel Schlechtriem: Wenn es Coach McHale gelingt, die Defensive weiter zu stabilisieren, können wir uns zumindest über die Conference Finals unterhalten. Die Gegner zuletzt waren sicherlich nicht die schwersten, daher müssen sich die Rockets nun an Miami, Indiana und OKC messen lassen, die allesamt im März auf sie warten. Im Vergleich zum Saisonbeginn wirkt das Team schon sehr viel gefestigter und beständiger, außerdem darf man nicht vergessen, dass die Rockets in dieser Woche zum ersten Mal in Komplettbesetzung antreten und abgesehen von Dwight Howard sämtliche Leistungsträger zeitweilig entweder ausfielen oder mit Blessuren spielten. Das wahre Gesicht der Rockets werden wir also jetzt erst kennenlernen.

Seb Dumitru: Gute Offense plus gute Defense (jeweils Top-10) garantiert zumindest einen Platz in der Conference Finals Kandidaten Konversation. Aber mir fallen auf Anhieb fünf West-Teams ein, denen ich einen Platz im Endspiel eher zutraue als Houston. Nicht nur, weil die nur zwei echte Leistungsträger mit Playoff-Erfahrung im Kader haben. Sondern weil die mieseste Turnover-Rate der Liga (15%) nie ein guter Aufhänger für Postseason-Erfolgsstorys ist.