29 Juni 2013

Onur Alagöz | 29. Juni, 2013                                           


Playoff-Aus in Runde eins für die LA Lakers: das gab es vor dieser Saison zuletzt 2007 (Photo: John Coke)  

Saison 12/13

Frohlocken und Freudensprünge machten die Runde. Was haben wir uns gefreut, zwei zukünftige Hall-of-Famer im Kader begrüßen zu können. Immer wieder typisch Hollywood: die Anziehungskraft des Marktes und Mitch Kupchaks Gerissenheit hatten Steve Nash und Dwight Howard an die Westküste gelotst. Titelfavorit, Powerhouse und Juggernaut, alle überschlugen sich mit unvorsichtigen Superlativen. 

Der Sturzflug in den Folgemonaten ließ aber Felix Baumgartner wie einen Amateur aussehen. Gibt euch nur mal folgende Schlagzeilen: Miserabler Start – Entlassung von Brown nach fünf (!) Spielen – Einstellung von D’Antoni inklusive figurativer Ohrfeige für Phil Jackson – Verletzungen von Nash, Blake, Gasol, Howard, Artest, Bryant, Hill – Coaching Probleme – Interne Streitigkeiten – Zweifel an Dwight – Nashs rapider Abbau – Chris Duhon in einer NBA-Starting lineup – Achillessehnenriss bei Kobe – Mit Hängen und Würgen in die Playoffs – Gesweept von San Antonio – Ende.

Einfach, weil es mich so sehr anp***t, belassen wir es jetzt mal dabei und kritisieren nicht die unterirdische Defense, die unklare Rollenverteilung, fehlende Teamidentität, Verletzungspech, D’Antonis fehlende Kreativität und Dwights feminine Seite. Nein, nein, das sprechen wir nicht an. Die letzte Saison ist nie passiert.

Off-Season Agenda

Ron Artest muss dringend ein paar seiner Gangbanger-Komparsen aus Queensbridge anfunken, LeBron James kidnappen und Dwight ins Gewissen reden lassen. Zusätzlich brauchen wir Doc Brown, der mit seinem DeLorean Gasol und Nash jeweils fünf Jahre jünger macht und einen Schamanen, um Kobes zerschossene Achillessehne zu richten.  

Im Ernst jetzt? An Nummer eins steht natürlich die Wiederverpflichtung Dwight Howards. In Hollywood hängen bereits Plakate mit der Nummer 12 und dem Hashtag #Stay, um Dwight zum Bleiben zu bewegen. Die Lakers können ihm den längsten und somit ergiebigsten Vertrag anbieten, was mit den weiteren Vorzügen des Clubs/der Stadt mehr als genug sein sollte. Ob man Howard überhaupt einen Max-Vertrag anbieten sollte, sei mal dahin gestellt und wird möglicherweise nochmal gesondert behandelt. Tatsache ist aber, dass die Rockets bereits Barden zu Howards Hütte geschickt haben, die seinen Balkon besingen. Hier offenbaren sich einige Möglichkeiten potenzieller Sign-and-Trade Szenarien, bei denen die Namen Ömer Asik und Chandler Parsons kursieren.

Gasol steht (mal wieder) auf’m Trading Block. Der lange Spaniard und heimliche Medizin-Student bekommt nächste Saison astronomische 19,28 Millionen grüne Scheine in den Rachen gestopft. Auslaufende Verträge sind jedoch immer wieder gern gesehen und ein beliebtes Trade Asset. Utopisches Traumszenario für mich wäre z.B. Gasol zu den Blazers für Nicolas Batum, Meyers Leonard und Joel Freeland. Allzweckmesser (Batum), Backup-Center zum Anlernen (Leonard) und Handtuchwedler par exellence (Freeland). Kollege Dahls Reaktion („No Way“) war ebenso abzusehen wie sein Versuch, mir Aldridge aufzuschwatzen.

Auch in aller Munde ist der Streit darum, ob D’Antoni unfähig oder sehr unfähig ist. Alvin Gentry, persönlicher Freund von Mr. Bryant, schließt sich wohl den Clippers an. Phil Jackson hat keinen Bock mehr zu coachen. Einige gute Kandidaten wären verfügbar, allen voran Lionel Hollins und George Karl, sowie Trainer-savant Del Negro, aber vermutlich wird die Entlassung MDAs ein Traum meinerseits bleiben. Prinzipiell fehlt es am Kader an allen Ecken und Enden. Jedoch wird Kupchak – mit Ausnahme von Dwights Verpflichtung und einer möglichen Artest-Amnesie – den Teufel tun und große Verträge aufnehmen. Alles wird gerüstet für den nächsten Sommer - dazu später mehr. 


Personal

Unter Vertrag stehen für die kommende Spielzeit Kobe Bryant, Pau Gasol, Steve Nash, Ron Artest, Jodie Meeks, Steve Blake, Chris Duhon und Jordan Hill. Dwight Howard wird, wie beschrieben, Free Agent und spielt mit dem Gedanken, den Namen „Dwightmare“ patentieren zu lassen. Ebenfalls vertragslos ist Earl Clark. Der wuchtige Forward war einer der wenigen Lichtblicke in der abgelaufenen Saison, spielte sich in die Rotation und teilweise in die Starting Five und wird vermutlich ein Angebot in der 3-Millionen/Jahr-Gegend bekommen. Clark ist erst 25, groß und lang, kann verteidigen und bringt dringend benötigte Athletik und eine legitime PicknPop-Option. Der Draft bringt wohl kaum Verbesserung: in der ersten Runde hat man gar keinen Pick und an Nummer 48 wird kaum ein zweiter Jordan verfügbar sein. (Nachtrag: es sei denn, Ryan Kelly ist ein zweiter Jordan. Vermutlich nicht).

Kohle

In Tinseltown war Kohle unter der Führung von Dr. Buss nie ein Grund für Kopfschmerzen. Mit 79,63 Millionen liegt man zwar weit über dem Salary Cap, aber das macht nichts. Viel wichtiger ist, dass nach '13/14 die Verträge von Kobe und Gasol mit 30, respektive 19 Millionen, von den Büchern verschwinden. Nach der kommenden Saison steht tatsächlich nur noch Steve Nash mit 9,7 Mille auf der Gehaltsliste. Halten wir uns bitte vor Augen, dass die Lakers niemals rebuilden, sondern immer nur reloaden. Wofür also dieser untypische Sparkurs? Einige Gründe dafür sind LeBron James, Carmelo Anthony, Chris Bosh, Rudy Gay, Andrew Bogut und und und..

Zukunft

Wie die kommende Saison aussehen wird, ist genauso leicht vorherzusagen wie die Lottozahlen. Kobe will nach seiner Verletzung zwar zum Saisonbeginn wieder dabei sein, kann möglicherweise aber auch erst 2014 ins Geschehen eingreifen. Enorm viel hängt zudem von der Gesundheit Steve Nashs und Pau Gasols ab. Beide haben rapide abgebaut, waren sehr anfällig und blieben weit unter den Erwartungen zurück. Das kann passieren, wenn man schon älter ist. Sollte es aber nicht noch einmal, wenn die Lakers in die Playoffs wollen. 

Fragezeichen Nummer eins ist und bleibt jedoch wie immer Dwight Howard. Falls der Center/Hobbyclown/Freizeitdiva in Los Angeles bleibt, bleibt auch die Mannschaft zumindest konkurrenzfähig. So wenig man menschlich auch von ihm halten darf, je nach Betrachtungswinkel ist er der beste oder zweitbeste Pivot der Liga und sein Abgang wäre ein herber Verlust. Die Free Agent Phase geht ja bekanntlich bald los, Howard hat erst für den 10. Juli seine Entscheidung angekündigt. Also sollten wir uns zurücklehnen und mit einer Schüssel Popcorn auf dem Schoß der Seifenopfer folgen. Here we go again..