08 Juni 2013

Sebastian Dumitru | 8. Juni, 2013                                        


Die jungen Indiana Pacers waren in dieser Saison nur einen Sieg vom NBA-Finale entfernt (Photo: Lucas Liu)  

Ein kurzer Blick zurück auf die Saison der Pacers, Entscheidungen, die in diesem Sommer dort anstehen und die unmittelbare Zukunft in Indiana. 


Saison 12/13

Vor dieser Spielzeit hatte ich die Indiana Pacers auf Platz 3 in der Eastern Conference eingeschätzt, ihnen "gute Karten auf den ersten Central Division Titel seit 2004" eingeräumt und eine "realistische Chance, sich hinter den überragenden Miami Heat als Schwergewichte im Osten zu etablieren". Am Ende kam es dann genau so: 49-32 Siege und der Division-Sieg, bevor sie in den Playoffs die Atlanta Hawks und New York Knicks mit 4-2 Siegen in den Urlaub schickten. Der enge Conference Finals Showdown gegen die Miami Heat offenbarte dann alles, was man in dieser Saison über diese Pacers gelernt hatte: die Defensive ist erstickend, Paul George ein kommender Superstar, Roy Hibbert seinen Maximal-Vertrag allemal wert, David West das Rückgrat dieses Haufens, Frank Vogel einer der brillantesten jungen Trainer der Association und Indiana nicht mehr allzu viel entfernt von einem echten, ernst zu nehmenden Contender.

Off-Season-Agenda

Da verwundert es kaum, dass die Pacers wohl entspannter als 28 andere Klubs in den Sommerurlaub gehen. Selbst die Stars zeigten sich nur wenige Augenblicke nach der schmerzhaften Niederlage in Spiel 7 gegen die Heat von ihrer positivsten Seite, verwiesen auf die unbezahlbare Lernerfahrung und schworen sich, im nächsten Jahr noch stärker zurück zu kehren. Obwohl es in der NBA ungleich schwerer ist, den einmal erreichten Erfolg dann auch so aufrecht zu erhalten, und man zuerst auf der größten aller Bühnen verlieren muss, war Indiana tatsächlich nur ein paar Nuancen davon entfernt, Miami den Garaus zu machen.

Ich bin überzeugt davon, dass die Pacers mit einer semi-brauchbaren Ersatzbank oder einem fitten Danny Granger die Heat besiegt hätten. Wieso? Die Starting Five um George Hill, Lance Stephenson, Paul George, David West und Roy Hibbert war um Längen besser als jede Lineup, die Miami auf's Parkett schickte. Anders formuliert: besagte Fünf stand in den Playoffs insgesamt 414 Minuten auf dem Platz (23 im Schnitt). In diesem Zeitraum brachte sie ein Offensivrating von 109.5 zustande, bei einem Defensivwert von 94.7. Um diese Zahlen mal für euch einzuordnen: die Defense war besser als der historisch starke Nummer eins Wert der Pacers während der gesamten Saison (96.6). Die Offense hätte Platz drei hinter den Überfliegern Miami (110.3) und Oklahoma City (110.2) belegt. Das sogenannte Net-Rating, also die Differenz zwischen Offense und Defense, war mit 14.8 so absurd hoch und die Leistungen der Ersatzleute DJ Augustin, Sam Young und Ian Mahinmi so absurd schlecht, dass Coach Vogel am liebsten gar nicht mehr gewechselt hätte, wenn das irgendwie machbar gewesen wäre.

Nicht nur die Playoffs offenbarten also Indianas größte Lineup-Schwäche: im Sommer müssen dringend brauchbare Ersatzspieler her, die die Bank verstärken. An Nummer eins auf der 'To-Do-Liste' steht zuvor aber eine viel wichtigere Personalie: David West. Danach erst geht's ans Nachladen. Interessant wird sein, wie Donnie Walsh und Kevin Pritchard (oder der Architekt dieses Teams, Larry Bird, wenn er sich, wie gemunkelt wird, entschliessen sollte, nach überstandener Krankheit doch wieder ins Front Office zurück zu kehren. Walsh hat für den Fall bereits angekündigt, bereitwillig Platz zu machen für 'Larry Legend') mit der Causa Danny Granger umgehen. Granger drängt jetzt schon verbal in die Startformation zurück, was für diese Mannschaft aber der falsche Weg wäre. Falls sich DG dem Teamerfolg nicht unterordnen will, muss der Klub über einen Trade seines ehemaligen Franchise-Spielers nachdenken, der brauchbarere Teamfragmente in die 'Circle City' spült. Dazu gleich mehr.

Personal

David West wird am 1. Juli Unrestricted Free Agent. Der ruppige Power Forward (17.1 PPG, 7.7 RPG, 50% FG) stellte nicht erst in den Playoffs seinen Wert für dieses Team unter Beweis. Er gilt als Wirbelsäule dieser Mannschaft, als Ziehvater, als grösster Einfluss auf und außerhalb des Parketts. Wer Indiana Basketball vor und nach Wests Akquisition im Free Agent Chaos 2011 vergleicht, kommt nicht umhin festzustellen, dass die Pacers insgeheim seine Persönlichkeit angenommen haben und der Erfolg erst durch ihn zurück kehrte. Es wäre ein gigantischer Schritt zurück, sowohl sportlich, als auch zwischenmenschlich, wenn man West ziehen ließe. Die Gefahr, dass irgend ein Team dem zweifachen All-Star ein lukrativeres Langzeitangebot unterbreitet lässt sich dadurch minimieren, dass Walsh und Pritchard am 1. Juli um 0:01 an Wests Türschwelle stehen und ihm einen neuen Deal auf den Wohnzimmertisch legen. West hat schon mehrfach betont, unbedingt in Indiana verlängern zu wollen. Sein bodenständiges Spiel, das nicht auf Athletik, sondern IQ und Kraft beruht, ist ohne Weiteres noch drei, vier Jahre konservierbar; seine Gehaltsvorstellungen dürften die aktuellen 10 Millionen $ pro Jahr nicht übersteigen. Auch die Pacers wissen: 'Onkel West' ist das vielleicht größte und wichtigste Puzzlestück.

Danny Grangers Tage als Schlüsselspieler dieses Teams sind wohl gezählt (Photo: TruthAboutIt)

Direkt dahinter folgt dann eine Entscheidung bezüglich Danny Granger, der verletzungsbedingt nur fünf Spiele absolvieren konnte und in der Hackordnung ein paar Plätze nach hinten durchgereicht wurde. Paul George machte sich als kommender Superstar einen Namen, gewann den Titel des 'Most Improved Player', wurde ins All-Star-, All-NBA und All-Defense Team berufen und in den Playoffs von LeBron James höchstpersönlich geadelt. Ich habe also sicherlich nicht übertrieben, als ich ihn im April als nächsten Scottie Pippen charakterisierte (diejenigen, die Scotties und George Stats im selben Alter kennen, wussten das aber schon damals). Fakt ist also: dieses Team ist unter Georges/Wests/Hibberts Leitung besser dran, als unter Granger. Wenn der sich mit einer reduzierten Rolle zufrieden gibt, etwa als Bankmikrowelle und erste Ersatzoption (der chaotische Lance Stephenson ist in der Startformation weitaus besser aufgehoben, weil seine Hirnfürze dort kaum ins Gewicht fallen), könnte Indianas Offensive in die Top-10 schiessen und in Kombination mit der elitären Defensive verheerenden Schaden anrichten - auch gegen Miami. Sollte sich Granger (Karriere 18.1 PPG in 33 MPG) aber weigern, eine kleinere Rolle anzunehmen, dann gilt er nicht nur aufgrund seines 2014 auslaufenden 14 Millionen $ Deals als lukrativer Tradechip, der im Sommer oder Februar entweder junge Spieler plus Picks oder ein paar fähige Veteranen nach Indy lotsen könnte.

Alle Schlüsselspieler (bis auf West) sind langfristig unter Vertrag. Tyler Hansbrough, DJ Augustin, Sam Young, Ben Hansbrough und Jeff Pendergraph werden Free Agents. Bis auf Hansbrough (Tyler) sollte man alle ziehen lassen und durch brauchbarere Optionen ersetzen.

Kohle

Meinen Kalkulationen zufolge steht Indiana derzeit bei knapp 49 Millionen Dollar (Salary Cap nächstes Jahr: wohl 58,5 Mio. $) in garantierten Gehältern für Hibbert, Granger, George, Hill, Mahinmi, Gerald Green, Miles Plumlee und Lance Stephenson. Der ist mit 0,93 Mio. $ in '13/14 ein absolutes Schnäppchen und dürfte sein Leistungspotenzial erst oberflächlich angezapft haben. Wieder so ein Bird-Geniestreich! Einer der Hauptgründe für Indianas Jump in 2013 war aber zweifelsohne Paul George, der hinter LeBron James mittlerweile zum vielleicht besten Two-Way-Spieler der Liga heran gereift ist (die Center-Position ausgenommen). George läuft noch immer unter seinem Rookie-Deal auf und wird folgende Saison läppische 3,2 Millionen $ verdienen - ein unfassbarer Sonderpreis für einen All-NBA-Spieler seines Kalibers. Aber: er kann bereits im Herbst eine Vertragsverlängerung einfordern, und das sogar als de facto 'Franchise-Spieler', der nach einem Rookie-Deal eine 5-Jahres-Extension im Maximal-Bereich einfordern darf (nur einmal pro Team möglich). Zieht man noch den garantierten, eigenen Erstrunden-Pick (23.) und David Wests 'cap hold' von 13 Mio. $ in Betracht - ein sogenannter "finanzieller Platzhalter" bei eigenen Free Agents, der auf die eigentlichen Gehaltsverpflichtungen drauf geschlagen wird - stellt man schnell fest: der eigentliche Cap Space der Pacers ist keiner.

Am sinnvollsten wäre es deshalb für Indiana, das sich aus oben genannten Gründen keine Sprünge in der Free Agency leisten kann, West zu verlängern und die sogenannte Midlevel-Exception (in dieser Saison 5 Mio $) für Neuverpflichtungen aufzuwenden. Das kann entweder ein einzelner Spieler für den vollen MLE-Betrag sein (z.B. Mo Williams, Jose Calderon, Will Bynum, Nate Robinson, Jarrett Jack oder Matt Barnes, um nur Einige zu nennen) oder mehrere günstigere, auf die die MLE dann aufgeteilt werden darf. Grangers aktueller Deal läuft nächsten Sommer aus - genau rechtzeitig, um Georges neues Supergehalt ohne Schluckauf zu absorbieren. Ein Grund mehr also, vor dem Februar vielleicht nach einem sinnvollen Paket für Granger Ausschau zu halten. Eines mit mehreren, kleineren Bestandteilen, ähnlich des Harden/OKC Trades. Grangers Rollen- und Gehaltsvorstellungen dürften mit dem hier eingeschlagenen Weg ohnehin nicht mehr kompatibel sein. Walsh und die Pacers werden zwar genau haushalten müssen, um nicht in die Nähe des in Indiana gefürchteten Luxury Tax Bereichs zu driften. Die Möglichkeiten sind aber mannigfaltig, und da die wichtigsten Säulen längst einbetoniert sind, geht es nur noch darum, an der Peripherie anzubauen und das ganze Gebäude abschliessend wetterfest zu lackieren.

Zukunft

Insgesamt sind die Indiana Pacers in einer beneidenswerten Position, und knapp 25 Franchises würden sofort mit den Tempomachern tauschen wollen. Sie sind blutjung (jüngstes Eastern Conference Playoff Team), erfolgreich (Conference Finals), haben eine klare Identität (Smashmouth Basketball), einen brillanten Head Coach, eine erstickende Defensive mit einem Anker in Hibbert, einen kommenden Two-Way-Superstar in George, einen Veteranen in West, einen soliden Quarterback in Hill, einen enigmatischen Joker in Stephenson, fantastisches Management und ihre finanziellen Schäfchen im Trockenen. Es fehlt nicht viel für den Trip ins NBA-Penthouse. Eins, zwei brauchbare Veteranen von der Bank, vielleicht einen Rookie wie Shabazz Muhammad, Tim Hardaway oder Allen Crabbe im Draft, und die Pacers sind in dieser desolaten Eastern Conference bis 2016 Dauerkandidaten für's Conference Finale. Vielleicht sogar mehr.