24 Juni 2013

Daniel Schlechtriem | 24. Juni, 2013                                    


Building Block mit starker Saison: Omer Asik überzeugte als Houstons Starting Center (Photo: Sandra Fernandez)  

Die NBA Saison 2012/13 ist beendet. Während in Miami die Korken knallen und die begehrte Trophäe durch South Beach gefahren wird, laufen beim Rest der Liga längst die Planungen für die kommende Spielzeit. Im Saisonrückblick der Houston Rockets wurden zunächst die besten fünf Spiele gekrönt, danach Zeugnisse für die Beteiligten ausgestellt. Im dritten Teil folgt nun der Ausblick auf die nächste Saison im bekannten „Wat nu'“-Stil.

Saison 12/13

Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Selbst nach dem Harden-Trade hielten die meisten Experten die Saison immer noch für ein Übergangsjahr, sahen die Rockets also im Rebuild-Mode: „Houston ist zahlreiche gute Spieler von einem Postseason-Kader entfernt“ schrieb der Chef vergangenen Oktober, nachdem der Bart in Houston gelandet war und prognostizierte gar einen Absturz auf den letzten Rang im Westen (Anm. d. Redaktion: Kein Kommentar). Doch 45 Siege später fehlte den Texanern nicht viel für einen Platz unter den besten Sechs. Asik und Harden entpuppten sich als Volltreffer, Parsons machte den nächsten großen Schritt nach vorne und Nobodys wie Greg Smith oder Patrick Beverley erhoben sich aus dem Nichts zu Leistungsträgern. Die beiden Playoff-Siege gegen die Thunder sind eminent wichtig, um mit breiter Brust ins nächste Jahr zu gehen.

Off-Season Agenda

Der erste Spieler vom Kaliber eines All-Stars ist in der Stadt, der zweite soll kommen. Es wird wie immer ein arbeitsreicher Sommer für GM Daryl Morey, denn die anvisierten Ziele sind keine geringere als die Top Free Agents Dwight Howard und Chris Paul. Sowohl den besten Center als auch den besten Point Guard der Liga aus der Stadt der Engel nach Süd-Texas zu 'entführen' wird ein fast aussichtsloses Unterfangen, doch zumindest bei Howard stehen die Chancen besser denn je. 

Aber: auch wenn die ganz großen Fische nicht anbeißen sollten, hat der Pool an verfügbaren Spielern weitere interessante Optionen zu bieten. Dass die Rockets schon zur Deadline an Atlantas Josh Smith dran waren ist kein Geheimnis, auch Denvers Andre Iguodala wird mit Houston in Verbindung gebracht. Beide würden den Roten Auftrieb geben und sie zu einem Kandidaten auf Homecourt in der Postseason machen. Möglich ist auch ein größerer Trade, der mehrere der jungen Rockets-Spieler involviert: Sollten die Blazers voll auf frisches Blut setzen und LaMarcus Aldridge verfügbar machen, wird Daryl Morey sogleich ein Paket schnüren, selbiges gilt für die Wolves und Kevin Love.

Neben den großen Entscheidungen sind auch mehrere kleine signifikant: Ohne Asik und Harden auf dem Feld ist die Diskrepanz zu eindeutig, sodass beide zuletzt zu lange auf dem Feld stehen musste. Im Idealfall bräuchten die Rockets also einen adäquaten Back-up auf beiden Positionen, um für Entlastung zu sorgen. Sollte tatsächlich einer der ganz großen Namen kommen, wird es nicht an Veteranen mangeln, die nur zu gerne an der Seite von Harden + X in die Schlacht ziehen und dafür Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

Personal

Die Verträge von Carlos Delfino, Francisco Garcia und Aaron Brooks werden von der Gehaltsliste gestrichen, um Platz für die oben erwähnten Free Agents zu schaffen. Dennoch stehen die Chancen zumindest bei Delfino und Garcia – mit deren Leistungen man sehr zufrieden war – auf eine Weiterverpflichtung nicht schlecht, wenn die größeren Personalentscheidungen getroffen wurden. 

Im Draft bleibt den Rockets einer der immer begehrteren frühen Second Round Picks. Es wird jedoch erwartet, dass ein weiterer via Trade dazukommt: Morey will den erst im Februar aus Sacramento geholten Thomas Robinson weiterreichen, um mehr Platz unter dem Salary Cap zu schaffen. Für Robinson werden sie einen Erstrundenpick erhalten, mit dem sie sich die Rechte an einem internationalen Spieler sichern, der dann mindestens eine weitere Saison in Übersee bleibt und deshalb nicht zum Cap gezählt wird. Ein solches Arrangement wurde schon mit Donatas Motiejunas getroffen, den die Rockets schon 2011 drafteten, aber erst ein Jahr später nach Houston holten. Mögliche Ziele aus dem diesjährigen Draftjahrgang sind Giannis Adetokunbo (Griechenland/Nigeria), Rudy Gobert (Frankreich), Sergej Karasev (Russland), Lucas Nogueira (Brasilien) und auch der Deutsche Dennis Schröder, den Morey schon in Braunschweig vor Ort beobachtete, dessen Work-Out in Houston jedoch nur suboptimal gelaufen sein soll und er deshalb etwas vom Radar verschwunden sein dürfte.

Außerdem könnte der letztjährige Draft Pick Furkan Aldemir über den großen Teich kommen. Der 21-jährige türkische Nationalspieler wird vermutlich in der Summer League auf Herz und Nieren geprüft werden und bei ansprechenden Leistungen seine Chance bekommen. Die Rockets halten außerdem immer noch die Draft-Rechte an Sergio Llull, doch der Point Guard von Real Madrid hat kürzlich erst einen Langzeitvertrag mit den Königlichen abgeschlossen. Sein Interesse, in die NBA zu wechseln, soll gegenwärtig eher gering ausfallen.


Kohle

Es geht einzig und allein darum, Dwight Howard das Maximum zahlen zu können, dies wurde bereits im Februar mit dem Abgang Patrick Pattersons eingeleitet. Die Rockets werden voraussichtlich auch James Anderson und Tim Ohlbrecht entlassen. Mit den festen Personal um Harden, Asik, Lin, White, Jones, Motiejunas, Parsons und Smith steht man dann bei geschätzten 37 Millionen Dollar und könnte Howard das erforderliche Maximum anbieten.

Nach einem größeren Deal werden kleinere folgen, eine Wiederbeschäftigung von Delfino oder Garcia ist wie oben erwähnt denkbar, beide Routiniers fühlen sich in Clutch City wohl und sind dem gegenüber nicht abgeneigt. Les Alexander, der Besitzer der Rockets, ließ erst kürzlich verlauten, dass er genug Geld habe, nicht aber genug Championships – und deshalb bereit sei, zu investieren. Die Rockets könnten also bald zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder über dem Cap stehen, mit dem erklärten Ziel, um Harden und Howard(?) herum ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen, das sofort um die Championship mitspielen kann. 

Zukunft

Rosig. Sehr rosig. Selbst wenn Morey diesen Sommer nicht einen der ganz großen Namen landet, bleibt ein starkes Fundament in Asik, Parsons und Harden sowie einigen interessanten jungen Spielern. Wächst dieser Kern noch weiter zusammen und behebt man die offensichtlichen Schwächen der abgelaufenen Saison, sind die Rockets auf dem besten Wege, eines der Schwergewichte im Westen zu werden. Ehemalige solche wie die Lakers und Mavs stehen vor dem totalen Umbruch, auch die Spurs werden – wenngleich man das schon seit gefühlten zehn Jahren glaubt – irgendwann dem Zahn der Zeit Tribut zollen müssen. Dann könnte endgültig die Stunde von James Harden & Co. schlagen.