30 Juni 2013

Daniel Schlechtriem 29. Juni, 2013
                                  



With the 14th Pick 34th Pick in the 2013 NBA Draft, the Houston Rockets select... Isaiah Canaan.

Daryl Morey trat am Donnerstagabend entspannt vor die Kameras. Der Rockets GM hatte gerade eben einen der langweiligeren Draft-Abende erlebt, wie er selbst zu Protokoll gab. Langweilig für ihn, weil er lediglich einen Zweitrundenpick zur Verfügung hatte und keine Intention, im Vorfeld der anstehenden Free Agent Verhandlungen einen Trade zu tätigen – und deshalb entspannt die kuriosen Entwicklungen vor und nach seiner Nummer 34 beobachtete. Zweitrundenpicks liegen ihm ohnehin eher, diese entwickelten sich in seiner Amtszeit wesentlich positiver als ihre Kameraden, die an 14. Stelle gedraftet wurden. Patrick Patterson und Marcus Morris mussten das Team bereits verlassen, letzterer sogar für eben jenen Pick, mit dem Isaiah Canaan nun nach Houston kommt. Carl Landry, Chase Budinger und besonders Chandler Parsons – alle Second Rounder – sind hingegen heute hoch angesehene und begehrte Spieler. Und an eben jenen wird sich der Neuzugang von der Murray State University messen lassen müssen, mit der steten Frage, ob auch er sich zu einem echten Steal entwickelt und die Serie fortsetzt. 

Immerhin hatten gängige Mock Drafts Canaan als Erstrundenpick auf dem Zettel. Nicht zufällig absolvierte der 22-jährige Point Guard ebenso wie seine genannten Vorgänger die vollen vier Jahre auf dem College. Von einem Spieler mit dieser Wettkampferfahrung ist mehr geistige Reife zu erwarten, als von einem Freshman, ein ausschlaggebender Punkt für Morey. Canaan ist ein sicherer Schütze – sowohl aus dem Dribbling, als auch als Spot-Up Shooter. Damit passt er hervorragend in Coach McHales Spielsystem, selbst wenn dieses wegen eines All-Star Centers demnächst noch etwas angepasst werden könnte. Aufgrund dessen theoretischer Zonenpräsenz wäre in diesem Falle auf den Flügeln noch etwas mehr Platz. Die Vergleiche mit Orlandos Jameer Nelson sprechen dann sogar für Canaan, immerhin erreichte besagter Center gemeinsam mit eben jenem Nelson den bisher größten Erfolg seiner Karriere: die NBA-Finals 2009. 

Morey ließ bereits verlauten, dass Canaan zunächst in der D-League bei den Vipers geformt werden wird. Diese Ankündigung ist allerdings wenig überraschend, betrachtet man die Spielzeit der letztjährigen Rookies Jones, Motiejunas oder Robinson, die allesamt wenig bis gar keine Playoff-Minuten sahen. Darüber hinaus sind die Spielminuten auf der Eins klar verteilt: Jeremy Lin und Patrick Beverley erheben berechtigte Ansprüche und lassen wenig Raum für Experimente. Dennoch sind Canaans Aussichten nicht gänzlich trüb, wie ein Blick auf den dritten Point Guard der abgelaufenen Spielzeit und baldigen Free Agent Aaron Brooks verrät. Dieser stieß 2007 mit dem 26. Pick gar als vierter Point Guard zu den Rockets und musste sich hinter Rafer Alston, Mike James und Steve Francis anstellen. Eineinhalb Jahre später war jedoch keiner von diesem Trio mehr in Houston, Brooks stattdessen der unumstrittene Starter. Von einer solch steilen Karriere ist im Falle Canaans zwar nicht auszugehen, die Fluktuation der letzten Jahre (von Brooks zu Lowry zu Dragic zu Lin zu Beverley) räumt ihm aber wenigstens eine mögliche Chance ein, sich zu beweisen. Lin wird vermutlich nie seiner gigantischen Popularität gerecht werden und sämtliche Zweifler ruhig stellen, während Beverleys lächerlich-niedriger Vertrag irgendwann zu einem wertvollen Trade-Asset werden könnte.   

Unterm Strich hat Houston weder eine Schwachstelle behoben, noch einen Spielertyp ins Boot geholt, der dem Team bisher abging – das ist von einem 34. Pick aber auch nicht zu erwarten. Stattdessen bleibt Daryl Morey seiner Linie treu, positionsunabhängig den besten verfügbaren Spieler zu draften. Dank seiner Riecher für Talente aus der zweiten Reihe wird die Erwartungshaltung an Canaan möglicherweise untypisch hoch. Er wird vermutlich nicht Houston's Next Chandler Parsons, aber für zuverlässige Shooter ist in jedem Team Platz. Deshalb stehen ihm trotz seiner nur 1,83m die Türen für eine gute Karriere in der besten Liga der Welt offen. Als Point Guard mit diesem Vornamen und der Draft-Position, die Hakeem Olajuwons Rückennummer entspricht, sowieso.