01 Juni 2013

Sebastian Dumitru 1. Juni, 2013                                      




Der Juni klopft an die Tür, und mit ihm der NBA-Draft in weniger als einem Monat. Perfekter Zeitpunkt also, um in den nächsten Tagen und Wochen die besten und/oder interessantesten Rookies des 2013er Jahrgangs vorzustellen. NBACHEF hat alle wichtigen für euch gecheckt und lässt sie hier sukzessive aus der Reihe tanzen. Im Rampenlicht diesmal: der amtierende 'College Spieler des Jahres', NCAA-Tournament-Superheld und projizierte Top Rookie Point Guard, Trey Burke.

Vor seiner Uni-Karriere war Trey Burke ein Niemand. Im wahrsten Sinne des Wortes. In diversen High School Rankings, die Jahr für Jahr die besten Nachwuchsspieler einordnen, bevor sich diese für eine Hochschule ihrer Wahl oder ein Engagement im Ausland entscheiden (die NBA verbot ab 2005 ja bekanntlich den Wechsel von der High School direkt zu den Profis), tauchte der knapp 1,80 Meter große Point Guard noch nicht einmal unter den Top-100 auf.

Trotzdem wechselte Burke an die Universität Michigan, die 2011 ihren damaligen Aufbauspieler Darius Morris an die NBA verlor, und überzeugte mit 14.8 Punkten und 4.6 Assists pro Spiel auf Anhieb. Obwohl er schon nach seinem Freshman-Jahr in die NBA hätte wechseln können und zahlreiche Teams daran interessiert waren, sich seine Dienste in der späten ersten oder frühen zweiten Runde zu sichern, dachte Burke langfristig und kehrte an die Schule zurück, um physisch und mental stärker zu werden und neben seinem Scoring-Instinkt auch seine Fähigkeiten als Passgeber zu schärfen.

Sein Plan ging perfekt auf. Er verbesserte sich als Sophomore auf 18.8 Punkte und 6.8 Assists pro Partie und führte damit nicht nur die Wolverines ins nationale Rampenlicht, sondern auch sich selbst. Der Lohn: Auszeichnungen satt, unter anderem als Spieler des Jahres, Big Ten Spieler des Jahres und First Team All-American. Der Aktienkurs des prototypischen Floor Generals ging immer weiter nach oben und pendelte sich dank eines alles überragenden NCAA-Turniers im oberen Lotterie-Bereich ein. Die meisten NBA-Scouts sind mittlerweile von seinen Vorzügen überzeugt, obwohl der ein oder andere natürlich seine geringe Körpergröße negativ auslegt und/oder seinen Scoring-Instinkt etwas argwöhnisch beäugt. Ihr kennt den Rap.



Kann er seinen Scoring-Instinkt unterdrücken und die notwendige Balance zwischen eigenem Abschluss und Playmaking für's Team finden? Schafft er es, mit seinen mickrigen 1,80-plus auch am Brett zu vollenden (nur knapp über 50% Trefferquote am Ring als Wolverine) oder sich zumindest einen semi-brauchbaren Floater/Teardrop á la Tony Parker anzueignen? Geht er wenigstens mal an die Linie (4.3 FTA pro Spiel vergangene Saison, 80% Erfolgsquote), oder muss er sich vorne alles hart erarbeiten? Und, die wohl wichtigste Frage: was ist mit seiner Defense? Kann er hinten zumindest ein Null-Verteidiger sein, der nicht an jedem zweiten Screen hängen bleibt oder von physischeren Point Guards Angriff für Angriff überrumpelt wird?

Hier ist der Weckruf für alle Skeptiker: Burke ist der prototypische Point Guard, ein Old-School Leader. Tough, robust, hart im Nehmen und unerbittlich in seiner Herangehensweise. Dass er der Kleinste auf dem Platz ist, hat ihn noch nie sonderlich gestört oder davon abgehalten, Spiele auf jedem Level zu übernehmen. Natürlich würde es helfen, wenn er 1,92m wäre. Oder 93 Kilo wöge. Aber wann haben physische Limitierungen die echten Spielmacher schon von wahrer Größe abgehalten, solcher, die man nicht in Zentimetern, Inches oder Fuß messen kann?

Burke ist ein tödlicher Schütze, der die Dreier vom Parkplatz ballern und jeden Fehler im Pick & Roll sofort bestrafen kann. Er kann sich den Jumpshot entweder selbst erarbeiten oder nach dem Catch abfeuern... und trifft ihn trotzdem hochprozentig. Die Crunchtime-Dinger im NCAA-Turnier 2013 sind Vielen noch in bester Erinnerung. Dazu macht ihn sein Ballhandling und seine Hartnäckigkeit zum gefährlichen Drive & Kick Spieler. Paart man das Scorer-Arsenal mit seiner Übersicht und seinen Fähigkeiten als Anführer (6.7 Assists pro Abend, geringe Turnover-Rate), dann ist man schon ziemlich nahe dran am perfekten Spielmacher. Auch die Defensive dürfte bei geringerer offensiver Verantwortung als in Michigan und dank extrem langer Arme/guter Instinkte besser funktionieren, als zum Beispiel die von Jameer Nelson, Jose Calderon oder Greivis Vasquez. Fazit: Wenn Orlando an Zwei nicht zuschlägt, dann werden New Orleans (6) oder Detroit (8) ihn unter Vertrag nehmen und lange Jahre ihre Freude an Trey Burke haben. Das garantiere ich euch!


Prognose: 2./6./8. Pick!