26 Juni 2013

Sebastian Dumitru 26. Juni, 2013                                      




Der 27. Juni klopft an die Tür, und mit ihm der NBA-Draft in diesem Monat. Perfekter Zeitpunkt also, um in den nächsten Tagen und Wochen die besten und/oder interessantesten Rookies des 2013er Jahrgangs vorzustellen. NBACHEF hat alle wichtigen für euch gecheckt und lässt sie hier sukzessive aus der Reihe tanzen. Noch ein NBA-Zeller? Sowohl Tyler Zeller als auch Luke Zeller spielen oder spielten bereits in der besten Basketballliga der Welt. Jetzt kommt auch noch das Küken hinterher: Indianas Cody Zeller liebäugelt mit einem Platz unter den Top-10.

Vor seinem Sophomore-Jahr bei den Indiana Hoosiers galt der lang gewachsene, agile Filius des Basketballstammbaums Zeller/Eberhard als aussichtsreicher Kandidat für einen hohen Lotterie-Pick in 2013. Und mit "hoch" meinten echte und Pseudo-Experten einen Platz unter den besten fünf Frischlingen des Jahrgangs. Mit gesunden Aussenseiterchancen auf den First Pick, wohlgemerkt. Aber wie so oft, wenn hoch gepriesene Freshmen für ihr nächstes College-Jahr zurück kehren und nicht alles in Grund und Boden spielen, was sich ihnen in den Weg stellt, beginnen Scouts, Journalisten und Hobby-Nörgler wie darbende Schiffsratten am All-Around-Game der jeweiligen Talente herum zu nagen, bis schließlich nur noch ein skelettoides Skills-Gebilde übrig geblieben ist. So auch bei Zeller. Je länger die NCAA-Saison dauerte, desto offensichtlicher wurde, dass er nicht abgehärtet und garstig genug ist, um in der tiefen Box zu bestehen. Und dass er niemals ein echter Führungsspieler sein wird, ebenfalls.

Das sang- und klanglose Ausscheiden der hoch favorisierten Hoosiers gegen Syracuse im Sweet Sixteen, bei dem Zeller nur auf mickrige 10 Punkte bei 3-11 aus dem Feld kam, besiegelte sein Schicksal als Lotterie-Pick. Dachte man zumindest. Seine überragende Darbietung bei den Pre-Draft Combines, wo athletische und physische Attribute in niedlich-nerdigen Leistungstabellen festgehalten werden, ließ den kommenden Rookie schneller wieder in der kollektiven Gunst empor schießen als er selbst beim Jump & Reach Test. "Halt, Kommando zurück, der kann ja doch was!" Zellers Ausmaße, in Kombination mit seinen legendär guten Fitnesswerten, katapultierten ihn schnurstracks wieder unter die zehn begehrtesten Prospects dieses Jahrgangs.



Zeller wird sein Spiel aber massiv umstellen müssen, um im Haifischbecken NBA nicht von den Dwight Howards, Tim Duncans und Marc Gasols aufgefressen zu werden. Was auf dem College noch einigermaßen funktioniert hat, nämlich im Post hochprozentige Würfe am Ring zu nehmen, wird in der Association nicht mehr möglich sein. Der 20-Jährige ist zwar groß, aber er spielt "zu klein" und zu soft, um dort unten auf Dauer bestehen zu können. Als Center wird er also nicht lange überleben, auch, weil ihm die nötigen Pfunde fehlen. Seine Chance? Eine beneidenswerte Beweglichkeit und Geschmeidigkeit, auch bei riesigen 2,13 Metern, dazu ein ausgeprägtes Spielverständnis und ein guter Wurf.

Mit 76 Prozent von der Freiwurflinie und starken 64 Prozent True Shooting stellte Zeller seine Anlagen als potentieller Stretch Vierer bereits in Indiana unter Beweis. Natürlich muss er sich jetzt ein verlässliches Face-Up Spiel aneignen, welches er auf dem College nur selten benötigte, weil er grösser und besser war als die meisten seiner Gegner. Aber die Feinmechanik im Wurf, die Fluidität in seinen Bewegungen und sein stark ausgeprägter Basketball-IQ dürften aus ihm mit der Zeit eine durchaus attraktive dritte Option in einer Mannschaft machen, in der er keine Führungsqualitäten übernehmen muss. Zeller ist kein "Killer", kein Alphaspieler und auch niemand, der eine Partie über mehrere Angriffs- und Verteidigungssequenzen dominieren wird. Der Vergleich mit LaMarcus Aldridge ist aus diesem Grund vielleicht irreführend, vielleicht aber auch nicht: ich sehe Zeller nicht als potentiellen All-Star. Lediglich die Körpergröße/Spielweise, inklusive der Fähigkeit, bis weit nach draußen zu driften, das Pick & Pop zu laufen und trotzdem 8 Rebounds pro Abend abzugreifen, erinnert stark an LMA.

Wie ironisch wäre es also, wenn Zeller ausgerechnet bei den Trail Blazers landen würde? Was auf den ersten Blick wie 'Roster Overkill' aussieht, käme Portland alles andere als ungelegen: Aldridge plus Zeller wäre zumindest offensiv eine höchstinteressante Kombination. Ich bin davon überzeugt, dass der athletische Big Man letztendlich irgendwo im 10er bis 12er Bereich über die Bühne gehen wird - also nach Portland, Philadelphia oder Oklahoma City (Stand pre-Draft). All diesen Mannschaften würde er enorm weiter helfen. Solange von Zeller keine Wundertaten in Angriff (solide) und Verteidigung (gut gegen das Pick & Roll, ansonsten unterdurchschnittlich) erwartet werden, ist er als Komplementärspieler für einen strukturell bereits soliden Kader die perfekte Addition.


Prognose: 10./11. Pick!