24 Mai 2013


Daniel Schlechtriem 24. Mai, 2013                               



Rückblick Teil II – Zeugnisausgabe

Die zweite Playoff-Runde beendet und während die Übriggebliebenen um den Einzug in die Finals kämpfen, ist für die Eliminierten nicht nur Sommerpause, sondern auch Evaluation angesagt. Der Ärger in Houston über das Ausscheiden gegen die Oklahoma City Thunder wird nicht lange währen, denn die beiden Siege gegen das bestplatzierte Team des Westens sind weit mehr, als alle – inklusive der Beteiligten selbst – sich zum Saisonstart hätten ausmalen können. With the 14th Pick wirft einen mehrteiligen Blick zurück auf die Saison der Rockets. Im ersten Teil wurden die fünf besten Spiele der abgelaufenen Spielzeit gekrönt, nun gilt es, die fünfzehn Spieler des Kaders einzeln zu bewerten und ihnen ein Zeugnis auszustellen.


#0 AARON BROOKS
Aaron ist zurück in seiner sportlichen Heimat, doch wirklich zum Zug kam er erst infolge Lins Verletzung. 'Mighty Mouse' hat nichts an Schnelligkeit und Explosivität verloren, mit etwas mehr Routine würde auch der Wurf wieder sicherer fallen. Diese Routine wird er in Houston, wo Lin und Beverley vorerst gesetzt sind, jedoch tendenziell nicht bekommen. Ob die Rockets ihre Teamoption auf ihn ziehen werden, darf stark bezweifelt werden. 
Keine Note
Sommerhausaufgabe: Rückbesinnung auf bessere Zeiten

#3 ÖMER ASIK
Ömer meisterte den enormen Karriereschritt, von Chicagos Bank in große Verantwortung, in bemerkenswerter Weise und entwickelte sich zu einem der besten Rebounder der Liga. Steht er nicht auf dem Feld, gleicht die Zone der Rockets einem Hühnerhaufen. Arbeitet Ömer auch weiter an seinem Offensivspiel, das sich seit letztem Sommer signifikant verbessert hat, kann der Türke zu einem der besten und komplettesten Center der Liga werden.
Note: Sehr Gut
Sommerhausaufgabe: Freiwürfe, Ballhandling

#4 GREG SMITH
In Houston kann man es auch als ungedrafteter Spieler schaffen, Greg ist das nächste Beispiel dafür. Über den Umweg D-League sprang der Dunk-Spezialist gegen Saisonende sogar in die Starting Five. Dort wird er sicherlich nicht auf Dauer stehen, dafür ist der 21-jährige in allen Bereichen zu limitiert. In seinem ersten wirklichen Profijahr zeigte Greg die in diesem üblichen Lichter und Schatten, stellt aber unter Beweis, dass er ein verlässlicher Rollenspieler von der Bank sein kann, insbesondere wenn er lernt, seine Masse effizienter einzusetzen. 
Note: Befriedigend
Sommerhausaufgabe: Freiwürfe, Durchsetzungsvermögen, Low Post (Defense & Offense), Rebound

#5 JAMES ANDERSON
James kam erst mitten in der Saison, etwa gleichzeitig mit Patrick Beverley, zu den Rockets. Während dieser es geschafft hat, boten sich dem Spurs Pick von 2010 wenig Gelegenheiten, Praxis zu sammeln. Der Flügenspieler wird immer wieder für seine mannigfaltige Offensive gelobt, ob es im Gesamtpaket dauerhaft für die NBA reichen wird, wird aber erst die Zukunft zeigen. Gut möglich, dass er diese in Houston angesichts der großen Konkurrenz auf seiner Position nicht haben wird. 
Keine Note
Sommerhausaufgabe: Praxis, Praxis, Praxis

#6 TERRENCE JONES
Als Rookie hat man es unter manchen Coaches nicht leicht, Kevin McHale zählt zu diesen. Terrence kann kaum Spielzeit aufweisen, obwohl er in jedem Spiel für die Vipers bewies, dass er das D-League-Level längst hinter sich gelassen hat. Auch die Summer League wird für ihn keine große Herausforderung darstellen, deshalb gilt es, die restliche Sommerpause so effizient zu nutzen, dass dem Coach keine Wahl bleibt, als mehr auf ihn zu setzen.
Keine Note
Sommerhausaufgabe: Kevin McHale stalken

#7 JEREMY LIN
Als Massenphänomen nach Houston gekommen, konnte der Spielmacher mit den taiwanesischen Wurzeln die enorm hohen Erwartungen insbesondere zu Saisonbeginn nicht erfüllen. Zu viele Turnover, keine besonders gute Wurfquote, insgesamt zu wenig der klassischen Point Guard Fähigkeiten. Immerhin war gegen Ende der Spielzeit eine merkliche Verbesserung in den genannten Bereichen erkennbar. Dass Jeremy noch Luft nach oben hat, ist unbestritten, er darf sich diesen Sommer nur wenig Ruhe gönnen. Der Druck infolge seiner riesigen Popularität wird nicht geringer werden.
Note: Befriedigend
Sommerhausaufgabe: Ballhandling, Passspiel, Court Vision, Wurfsicherheit

#10 CARLOS DELFINO
Carlos' Leistungen auf dem Feld stellten die heikle Frage in Richtung einiger General Manager, warum ein so talentierter und erfahrener Mann während des olympischen Turniers vergangenen August noch ohne Vertrag dastand. Für die Rockets erwies sich der Argentinier als Treffer, er geht mit hohem Einsatz voran und ist ein wichtiges Vorbild für die vielen jungen Spieler. Carlos erledigt seinen Job als wichtigster Scorer von der Bank, als gefährlicher Dreierschütze passt er ins System, auch wenn er noch zu oft zu viele schwierige Würfe nimmt.
Note: Gut
Sommerhausaufgabe: Wurfauswahl

#12 PATRICK BEVERLEY
Aus dem basketballerischen Exil in die Starting Five eines Playoff Teams: Patrick nahm einen Quantensprung vor und stellte seine NBA-Tauglichkeit mehr als nur unter Beweis. Als McHales Kettenhund wurde er zunehmend unersetzlich, seine giftige Defense und furchtlosen Drives sind eine unübersehbare Bereicherung. Die für einen Rookie übliche fehlende Konstanz im Wurf wird sich mit wachsender Routine von selbst geben, zeigt er Verbesserungen in den klassischen Point Guard Skills, muss sich Jeremy Lin sogar dauerhaft um seinen Platz im Starting Lineup sorgen.
Note: Gut
Sommerhausaufgabe: Passspiel, Court Vision

#13 JAMES HARDEN
James nahm von der ersten Sekunde an die Rolle als Gallionsfigur des ganzen Teams an und wurde den Vorschusslorbeeren eines besten sechsten Mannes und Olympiasiegers mehr als gerecht. Vor allem dank ihm haben die Rockets den Fluch des 14. Picks überwunden und stehen nun vor einen großen Zukunft, mit ihm als kompakten Stützpfeiler. Der 23-jährige ist auf dem besten Wege, bald schon den Platz des besten Spielers seiner Position einzunehmen. Ganz Houston wird die kommenden fünf Jahre seine helle Freude am neuen Superstar haben – und in ihm haben die Rockets auch ein nachdrückliches Argument für weitere Verpflichtungen von Spielern seines Kalibers.
Note: Sehr Gut
Sommerhausaufgabe: Bart wachsen lassen

#14 TIM OHLBRECHT
Der nächste Nowitzki bekam von deutschen Medien Einsätze garantiert, tatsächlich wurde es – wenig überraschend – nur drei Mal Gargabe Time. Das muss kein böses Omen sein, Greg Smith erging es ähnlich. Unser deutscher Nationalspieler wird in der Summer League seinen Wert neuerlich beweisen müssen – ob für Houston oder ein anderes Team, dürfte sich erst Anfang Juli zeigen, wenn die Trade-Periode beginnt und die Karten neu gemischt werden.
Keine Note
Sommerhausaufgabe: Rebound, Defense, Post Defense

#20 DONATAS MOTIEJUNAS
Als einer der vielen Youngster glich die Saison des Litauers einer Achterbahn. Zu Beginn erwartungsgemäß viel in der D-League, stand er nach dem Deadline-Trade plötzlich in der Starting Five, wurde aber wegen Mismatches gegen die wuchtigen Power Forwards des Westens (Griffin, Randolph, Ibaka) vorsorglich wieder auf die Bank versetzt. Donatas zeigte sein vielseitiges Offensivrepertoire, seine Fähigkeiten wirken jedoch häufig noch roh und unvollendet – was für einen Big Man im ersten Jahr aber auch nicht ungewöhnlich ist.
Note: Ausreichend
Sommerhausaufgabe: Masse zulegen, Rebound, Durchsetzungsvermögen

#25 CHANDLER PARSONS
Das verflixte zweite Jahr fand für den Small Forward aus Florida schlichtweg nicht statt, stattdessen steigerte sich Chandler zum echten Leistungsträger und Führungsspieler. Als dienstältester Rocket übernahm er zunehmend Verantwortung und verbesserte sich in seiner Sophomore-Saison praktisch in allen Bereichen weiter. Der 38. Pick des 2011er Drafts ist ligaweit einer der besten seines Jahrgangs, dabei bleibt stets der Eindruck, dass seine Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Mit zunehmender Routine und Abgeklärtheit wird Chandler bald schon ein Kandidat für das All-Star Game sein.
Note: Sehr Gut
Sommerhausaufgabe: Freiwürfe, Help Defense

#30 ROYCE WHITE
Eine verschwendete Saison für den so begabten, aber auch so mental kranken All-Rounder. Royce sorgte in seinem ersten Jahr für wenig Begeisterung, sondern nur für Kopfzerbrechen und stellte lediglich unter Beweis, dass er nicht die geistige Reife für den Profisport und auch den damit zusammenhängenden Öffentlichkeitsdruck besitzt. Er hat alle Anlagen, zu einem der besten Spieler der Welt zu werden, steht er sich aber weiter selbst im Weg, wird seine Profikarriere im kommenden Jahr schon wieder zu Ende sein. 
Note: Ungenügend
Sommerhausaufgabe: Sexualkunde

#32 FRANCISCO GARCIA
Francisco war allerhöchstens eine Randnotiz, bis er mit dem Mute der Verzweiflung in den Playoffs gegen keinen geringeren als Kevin Durant gestellt wurde – und diese zur Überraschung vieler (menschenmöglich) gut verteidigte. Der Neuzugang von den Kings war maßgeblich an den beiden für die nähere Zukunft so eminent wichtigen Siegen über OKC beteiligt. Er gilt als Anker im Locker Room, die Erfahrung des 32-jährigen tut dieser so jungen Truppe gut, als Shooter passt er ins System.
Note: Gut
Sommerhausaufgabe: Finanzielle Bescheidenheit

#41 THOMAS ROBINSON
Der Trade um Thomas war eine Investition in die Zukunft. Auch wenn er in Rot sein Talent, das die hohe Draftposition rechtfertigt, immer wieder aufblitzen ließ, wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis er ein echter Gewinn in der höchsten Spielklasse sein kann. Thomas muss sich in Geduld üben, zumindest ist Kevin McHale der richtige Lehrmeister für den 22-jährigen.
Keine Note
Sommerhausaufgabe: Gemeinsam mit T-Jones Coach McHale stalken

COACH: KEVIN McHALE
Der dreifache Champion meisterte nicht nur seine erste komplette NBA Saison als Coach, sondern überwand auch einen persönlichen Trauerfall mit absoluter Professionalität. An mancher Stelle übertrieb er es mit Small Ball, bspw. Chandler Parsons als Center in der Crunchtime, meist ließ er aber keinen Zweifel an seinem großen Spielverständnis und traf die richtigen Entscheidungen.
Note: Gut
Sommerhausaufgabe: Greg Smith, Terrence Jones, Donatas Motiejunas, Thomas Robinson

GENERAL MANAGER: DARYL MOREY
Daryls vorzügliche Arbeit wurde bereits hier und hier ausdrücklich gelobt, so dass die Wahl von Nuggets GM Ujiri zum Executive of the Year angesichts dieser Leistungen mindestens fragwürdig erscheint. Daryl wurde immerhin mit einem neuen Vierjahresvertrag belohnt – und er wird im Sommer wieder seinen Spaß haben.
Note: Sehr Gut

Sommerhausaufgabe: Dwight Howard? Josh Smith? Chris Paul? Paul Millsap? Al Jefferson?