16 Mai 2013


Daniel Schlechtriem 15. Mai, 2013                               


Rückblick Teil I – Die besten fünf Spiele

Die zweite Playoff-Runde ist in vollem Gange und während die Übriggebliebenen um den Einzug in die Conference Finals kämpfen, ist für die Eliminierten nicht nur Sommerpause, sondern auch Evaluation angesagt. Der Ärger in Houston über das Ausscheiden gegen die Oklahoma City Thunder wird nicht lange währen, denn die beiden Siege gegen das bestplatzierte Team des Westens sind weit mehr, als alle – inklusive der Beteiligten selbst – sich zum Saisonstart hätten ausmalen können. With the 14th Pick wirft einen mehrteiligen Blick zurück auf die Saison der Rockets. 

Im ersten Teil werden die fünf besten Spiele der abgelaufenen Spielzeit gekrönt. Wann war der Jubel am größten, die Spannung am höchsten, der Eindruck am tiefsten? Hier die Top 5 der Saison 2012/2013:

5. Atlanta Hawks – Houston Rockets 102:109 (02.11.2012)
Es war erst das zweite Spiel der Saison, eigentlich unwichtig und an sich auch nicht besonders spektakulär, zumal jedes Team noch in der Findungsphase ist. Und doch wurde am diesem Novemberabend in Atlanta der Grundstein für den späteren Erfolg gesetzt. Houston hatte zwei Tage zuvor zum Auftakt Detroit besiegt, der neue Franchise Player James Harden streute den Pistons 37 Punkte ein. Aber es waren ja nur die Pistons! – Die gehören zum Bodensatz des ohnehin nicht sonderlich starken Ostens! – Es war Hardens erstes Spiel als erste Option, Scouting und Defense konnten sich nicht darauf einstellen! – So dachte man, und wurde in Atlanta eines besseren belehrt. Gegen die Hawks, im Gegensatz zu den Pistons ein legitimer Playoff Contender, setzte Harden noch eins drauf und erzielte gar 45 Punkte. Houston gewann seine beiden Auftaktspiele und setzte eine dickes Ausrufezeichen, meldete gleich zu Saisonbeginn Anspruch auf einen Platz unter den besten Acht in der Western Conference an. Innerhalb einer Woche war das neue Gesicht (bzw. der neue Bart) der Franchise nahtlos von einem sechsten Mann zum Dirigenten in der Offensive geworden. 

4. New York Knicks – Houston Rockets 96:109 (17.12.2012)
Die Rockets sind kurz vor Weihnachten im Madison Square Garden zu Gast. Alle Welt blickt auf die Rückkehr Jeremy Lins zum Schauplatz seiner sportlichen Auferstehung. Gleichzeitig brennen die zu Hause noch ungeschlagenen Knicks auf Revanche, denn sie waren wenige Wochen zuvor in Houston regelrecht aus der Halle gefegt worden. – Das Spiel versprach Elektrizität, wurde aber aus Sicht der Kniehosenträger zum nächsten Debakel. Die Defense der New Yorker fand keine Antwort auf die schnellen Guards der Rockets, die ungehindert zum Korb ziehen konnten und einen einfachen Korbleger nach dem nächsten verwandelten. So absolvierte Lin (22PKT, 9AST, nur 4TO) in sportlich-heimischen Gefilden eines seiner besseren Spielen in Rot. Das Team von Kevin McHale zog zwischenzeitlich bis auf 27 Punkte Vorsprung davon und unterstrich auf größtmöglicher Bühne gegen eines der besten Teams des Ostens seine Ambitionen.

Das Toyota Center war schon immer Schauplatz spannender Duelle - auch in dieser Saison (Photo: Slip Stream JC)

3. Houston Rockets – Los Angeles Lakers 107:105 (04.12.2012)
Sind die Lakers in der Stadt, gibt jeder nur zu gerne mindestens 10% mehr. Das ist sogar der Fall, wenn sie Ärger auf der Trainerbank, ein in Richtung Golden Girls tendierendes Durchschnittsalter und außerdem Verletzungssorgen mitschleppen. Anfang Dezember galten die Probleme der Lakers noch als temporär – es sei nur eine Frage der Zeit, bis dieses Team in Fahrt käme. Im Toyota Center kamen die Lakers auch in Fahrt und sie sahen über weite Strecken aus wie die Lakers, angeführt von Kobe Bryant, der mehr Würfe nahm, als die restlichen vier Starter. Dank ihm lagen die Lakers zwischenzeitlich 17 Punkte vorne – bis Dwight Howard an die Linie geschickt wurde. Oft. Sehr oft. Hack-A-Dwight hatte Erfolg, der Center traf nur 50% seiner Freiwürfe und wurde darüber hinaus noch in der eigenen Zone von einem ungedrafteten Sophomore namens Greg Smith (21PKT, 9REB) düpiert. In einer dramatischen Schlussphase verfehlte Bryant einen möglichen Game Winner, auch die Putback Versuche von World Peace und Jamison scheiterten. Houston siegte knapp, die Freude im Toyota Center war groß. Denn selbst wenn sie weit von der Glorie früherer Tage entfernt sind, Siege über die Lakers sind für Team und Fans immer bedeutsam, vor allem auf diese Art und Weise.

2. Oklahoma City Thunder – Houston Rockets 100:107 (01.05.2013)
Playoff-Time! Die Rockets waren in diesem Erstrundenduell mit 0-3 im Rückstand und bereits abgeschrieben, ein knapper Sieg im vierten Spiel brachte die Serie zurück nach Oklahoma City, wo die Zuschauer fest mit dem Einzug in die nächste Runde rechneten. Besondere Brisanz brachte die Rückkehr Patrick Beverleys in die Chesapeake Arena, denn er wurde für die schwere Verletzung Russell Westbrooks verantwortlich gemacht und musste sich wegen Morddrohungen infolge dessen unter Polizeischutz aufwärmen. Beverley wurde bei jedem Ballkontakt ausgebuht, ließ sich davon aber nicht beeindrucken, sondern legte starke 14 Punkte und acht Assists auf und war maßgeblich daran beteiligt, dass dieses so eindeutig prognostizierte fünfte Spiel nicht das Ende der Serie bedeutete. James Harden, der es Dreier regnen ließ (7-9) , verschaffte seinem Team eine gute Ausgangsposition im Schlussabschnitt, so dass sich Thunder Coach Brooks gezwungen sah, Ömer Asik via Hack-A-Turk (O-Ton Kevin McHale) an die Freiwurflinie zu schicken. Doch der türkische Center (21PKT, 11REB, 2BLK) war dem großen Druck gewachsen, verwandelte an der Linie insgesamt 11 seiner 16 Versuche im letzten Viertel. So kamen die Thunder gar nicht erst in bedrohliche Nähe. Die Rockets führten ungefährdet bis zur Schlusssirene und erweiterten die eigene Postseason um ein weiteres Spiel.   

1. Houston Rockets – Golden State Warriors 140:109 (05.02.2013)
Im Duell der beiden jungen und hungrigen Teams des Westens flogen im Februar nicht nur die Dreier, sondern auch die Fetzen. Den Rockets wollte von Downtown einfach alles gelingen: 40 Würfe von hinter der Linie sind in Houston nichts ungewöhnliches, 23 Treffer für 57,5% Trefferquote (14-18 zur Halbzeit) allerdings schon – erst recht wenn in Carlos Delfino einer der besten Schützen aussetzen muss. Lin (5), Parsons (4), Harden (4), Morris (3), Anderson (2), Douglas (2) und Patterson (1) ballerten nur so, was das Zeug hält, gegen Ende versenkten auch Beverley und Motiejunas noch einen Wurf für Drei. Und ebendiese Phase brachte dieses Spiel auch auf Platz eins dieser Liste, denn es trug sich unglaubliches, bisher nicht gesehenes zu. Die 23 Dreier markieren einen NBA Rekord, den die Rockets von diesem Tag an mit den Orlando Magic teilen. Es fehlte nur ein weiterer, um alleiniger Rekordhalter zu werden – und ebendies versuchte Warriors Coach Mark Jackson mit allen Mitteln zu verhindern. Bei einem Rückstand von über 30 Punkten ordnete er vorsätzliche Fouls an, um die Rockets an die Freiwurflinie zu schicken und den Dreierrekord nicht Realität werden zu lassen. Die nach dieser Galavorstellung hochgekochte Menge im Toyota Center hoffte bis zuletzt auf den einen Treffer, der Geschichte schreiben würde, doch die Warriors nahmen jedes Mittel in Kauf, um ihre Gegner am Wurf von Downtown zu hindern, Draymond Green handelte sich bei diesem Unternehmen sogar einen Platzverweis ein. Auch wenn der Rekord nur eingestellt und nicht gebrochen wurde: Das Team von der Goldküste musste gedemütigt die Segel streichen, während die Fans im Toyota Center einen unvorhergesehen und unvergesslichen Abend erlebt hatten. 


Auf den Plätzen dahinter (ohne spezifische Reihenfolge):

Chicago Bulls – Houston Rockets 97:120 (25.12.2012)
Zu Weihnachten lag ein saftiger Blowout unterm Baum, den nicht jeder hat kommen sehen.

Houston Rockets – Dallas Mavericks 136:103 (03.03.2013)
Nach neun Niederlagen in Folge gegen den texanischen Rivalen bekam auch Dallas die neue, geballte Rockets-Offensivpower zu spüren.

Houston Rockets – Phoenix Suns 101:98 (09.04.2013)
Dieser Sieg hatte mit Jermaine O'Neals eigenartigem Goaltending nach Hardens Fehlwurf zur Schlusssirene nicht nur ein sehr skurriles und unterhaltsames Ende, sondern bedeutete auch die erste Playoff-Teilnahme für Houston seit 2009.

Houston Rockets – Oklahoma City Thunder 105:103 (29.04.2013)
Den Sweep vermieden und nach zwei knappen Niederlagen den wohlverdienten ersten Playoff-Sieg seit dem 3:3 gegen die Lakers im Mai 2009 eingefahren.