05 Mai 2013


Memphis geht als Nummer 5 gegen die Nummer 1 OKC favorisiert ins Conference-Halbfinalduell (Photo: NBA)

Tobias Mannhart, Felix Gerk 5. Mai, 2013                      



Oklahoma City trifft im Conference Halbfinale auf Memphis, „Thunderstruck“ trifft „Bär Grizz.“ Tobias Mannhart und Felix Gerk im Streitgespräch über die Serie zwischen OKC und Memphis. Streitgespräch? Überraschenderweise gibt es hier viel Konsens... vielleicht schon zuviel.

Die Matchups

Reggie Jackson vs. Mike Conley

Tobias Mannhart (Bär Grizz): Das Ding geht an Conley. Er spielt eine tolle Saison und punktet im 20+ Bereich. Nach dem Ausfall von Westbrook hat Memphis hier den Vorteil auf seiner Seite. Böse Zungen sagen zu Reggie nur: „Another point guard who will not pass the ball to Kevin! “ (0:1)

Felix Gerk (Thunderstruck): Die Rollen der beiden Point Guards sind klar verteilt. Jackson soll den Ball irgendwie zu Durant bringen, wenn möglich seinen schnellen ersten Schritt nutzen, um zum Korb zu gehen und dort entweder abschließen oder den Ball zu freien Shootern passen. Mike Conley Jr. kann auch durch seinen recht sicheren Dreier (44 Prozent in der regulären Saison) gefährlich werden. Die größere Last liegt hierbei auf Jackson, der in irgendeiner Weise Westbrooks Playmaking kompensieren muss. Punkt Conley: Größere Klasse, weniger Druck und besseres Scoring. (0:2)

Thabo Sefolosha vs. Tony Allen

Mannhart: Zwei Edelverteidiger, nur Thabo hat den besseren Wurf. Allerdings ist dieser trotzdem nicht das Gelbe vom Ei. Tony holt hier den Punkt, weil Memphis für Durant einen Edelverteidiger braucht, OKC für Tayshaun Prince nicht. (0:3)

Gerk: Duell der Edelverteidiger. Wobei ich direkt einschränkend sagen muss, dass ich mittlerweile Sefolosha fast überschätzt finde. Beide Spieler sind in der Lage, jeweils den besten Perimeter Scorer des anderen Teams effektiv zu verteidigen. Sefolosha hat großartige Länge, während Allen vor allem durch Lange Arme auffällt. Da beide defensiv etwa gleichwertig sind, muss ich den Punkt Sefolosha geben, da er in der Offense durch seinen Corner Dreier durchaus gefährlich werden kann (auch wenn er trotzdem kein Shooter ist), während Allens Offensiv Spiel recht rustikal und wenig erfolgsversprechend ist. (1:3)

Kevin Durant vs. Tayshaun Prince

Mannhart: Dazu braucht man keine großen Ausführungen. Prince hat schon bessere Zeiten gesehen, Durant ist mindestens ein Top-5-Spieler, für manche auch Top-2. (2:3)

Gerk: Auf SF steht bei Memphis der Verteran mit Playofferfahrung dem Wunder Scorer gegenüber. Durant muss seine Würfe pro Spiel hochschrauben und die doppelte Scoring Last auf seinen schmalen Schultern tragen. Tayshaun Prince soll einfach nur in der Defensive seine Erfahrung ausspielen und in der Offense für gesundes Spacing sorgen. Der Punkt geht eindeutig an Durant. Warum, braucht nicht lang erklärt zu werden, er spielt in einer anderen Liga als der alternde Tayshaun und kann bzw. muss in den Spielen gegen Memphis mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch um die 35 Punkte auflegen.  (3:3)

Serge Ibaka vs. Zach Randolph

Mannhart: Z-Bo ist leicht angeschlagen und erdgebunden, Ibaka ein Überathlet vor dem Herrn. Klare Sache? Nein. Randolphs Moves und sein Rebounding sind superb. Serge blockt aber wie kein anderer und ist in Sachen Flugkunst weit überlegen. Tie. (3:3)

Gerk: Zach Randolph lässt in der Zone die Sau bzw. den Bären raus und wird das gegen Ibaka auch nicht anders tun. Ibaka scort gerne mit dem locker flockigen Midrange Jumper, den er immer öfter nimmt, während Randolph das physische Spiel unter den Brettern liebt. Besonders nach den starken Auftritten in den letzten drei Spielen, nach mäßigem Start, geht hier der Punkt an den Mann ohne Hals in der rechten Ecke. (3:4)

Kendrick Perkins vs. Marc Gasol

Mannhart: Ähnlich klares Duell wie bei Durant und Prince. Marc spielt eine grandiose Saison und kann wohl bald als Franchiseplayer bezeichnet werden. Defensiv eine Macht, offensiv aus fast allen Lagen gefährlich, ein toller Passgeber und super im Zusammenspiel mit Z-Bo. Perkins ist breit, bringt sechs Fouls und kann gut im Lowpost verteidigen. Advantage Gasol. (3:5)

Gerk: Grobmotorik gegen Finesse, Troll gegen Elfe! Der rustikale Perkins wird so seine Probleme gegen den filigranen, gut passenden und mittlerweile auch mit dem Touch weit außerhalb der Zone ausgestatteten Spanier haben. Punkt Marc! (3:6)

Ersatzbank 

Mannhart: Die Bank von OKC ist solide und erfahren - man weiß was man kriegt. Außerdem haben sie mit Martin auch noch einen legitimen 6th Man of the Year Kandidaten. Die Grizzlies haben in der zweiten Garde viele Wundertüten und an schlechten Abenden gibt’s gar keine Produktion. Daher: Punkt OKC. (4:6)

Gerk: Was auf OKCs Bank herum keucht und fleucht, ist klar durch Kevin Martin definiert, bei dem man in letzter Zeit nie weiß, was man von ihm bekommt, aber der eben an einem guten Tag den Unterschied machen kann. Der Punkt geht recht deutlich an OKC. (5:6)

Endergebnis: 5:6

Nach den Matchups liegt Memphis vorne, wenngleich nur knapp. Der X- Faktor wird wohl Westbrooks Ausfall sein. Serge Ibaka muss einen Teil der neu anfallenden Scoringlast von Kevins Schultern nehmen. Dies schafft er allerdings nur, wenn er auch offene Layups trifft.

Wer gewinnt die Serie?

Mannhart: Man darf es kaum glauben, aber ich bin zuversichtlich, dass Memphis schon wieder einen 1st Seed rausschmeißt, wie schon vor zwei Jahren. Westbrooks Ausfall wirkt sich derartig negativ aus, dass die Grizzlies als Favorit in die Serie gehen. Conleys neues Level, das gewohnt gutes Spiel unter den Körben und die tödliche Defense werden OKC wahrscheinlich niederringen.

Gerk: Es ist traurig, es ist wirklich traurig, dass ich als Thunder Fan und Blogger sagen muss, dass ich keine großartigen Chancen für die Thunder sehe, den Bären niederzuringen. Das Problem der Thunder gegen den Grizzlies-Teamverbund wird sein, dass sie die Variabilität von Memphis nicht einzuschränken wissen. Die Grizzlies können von außen gefährlich sein, lässt man sie schießen (Mike Conley) und die Dominanz inside brauche ich gar nicht erst zu erwähnen. Der defensive Tornado, der Durant entgegenschlägt, wird kein Vergleich zu dem lauen Lüftchen aus Houston sein. Sowohl Allen als auch Prince können ihn eins gegen eins verteidigen, offene Würfe wird es für ihn nicht geben. Thundernation kann nur darauf hoffen, dass Martin einfällt, dass er ein klasse Scorer ist, Durant eine „Mir-ist-alles-scheißegal-ich-hau-die-Pille-drauf“ Attitüde an den Tag legt, Ibaka konstant aus der Mitteldistanz trifft und Sefolosha jeden Tag einen guten Tag hat. Die Thunder können diese Serie nur gewinnen, wenn sie jedes Spiel absolut hochprozentig treffen und das gilt besonders für Durants Beihelfer. Denn defensiv sind die Thunder dem Team-Basketball von Memphis ausgeliefert.

Nur wenn KD auch die Produktivität von RW dupliziert, hat OKC eine Chance (Photo: Gameface)

Wie lang geht die Serie?

Mannhart: Da ich nicht der Meinung bin, dass die Grizzlies ein Spiel 7 in Oklahoma gewinnen würden, müssen sie schon davor ein Heimspiel klauen. Die Heimspiele in Memphis können normalerweise gewonnen werden. Daher sage ich 4:2 für die Bären.

Gerk: Das Momentum, das Memphis durch vier Siege in Folge aufgebaut hat, trägt sie prompt zu einem Auswärtssieg in Oklahoma. Memphis gewinnt alle Heimspiele, klaut ein Spiel in OKC und setzt sich letztendlich mit einem ungefährdeten 4-2 durch! Und das, so hab ich es im Urin, ganz sicher verdient!

Defending our Team

Darum gewinnt OKC (Gerk):
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Jeder der Memphis schon in den Conference Finals sieht, darf nicht den Sport unterschätzen! Im Sport passieren manchmal verrückte Sachen, der Kopf dominiert die Physis, seltsame Dinge spielen sich ab und schon Totgeglaubte erwachen zum Leben und liefern Höchstleistungen ab. Es sind Dinge wie der „ Kevin Ware Effekt“, der Wille es allen beweisen zu wollen, der OKC diese Serie gewinnen lassen kann. In jedem einzelnen Spieler, ganz besonders in Kevin Durant, braut sich innerlich ein Gewitter zusammen, dass sich in einem gewaltigen Donner in den Spielen gegen Memphis entlädt. Die Thunder können die Serie gewinnen, weil es zum ersten Mal, seit längerem keiner von ihnen erwartet! Die perfekte Bühne für Kevin Durant, sein gesamtes Arsenal an offensiven Skills aus seinem Rucksack zu holen, und den Grizzlies 40-plus reinzuwürgen. Er kann seinen starken Worten („Habe keinen Bock mehr, ewig der Zweite zu sein!“) Taten folgen lassen, kann seine ganze angestaute Wut an den Grizzlies auslassen! Mit dem Feuer steckt er die ohnehin schon komplett durchgeknallten Fans an und gemeinsam reiten sie nach einer nervenaufreibenden 7-Spiele-Serie in Richtung Western Conference Finals! Der Supporting Cast packt sich auch in den Schritt und fightet, fightet, fightet! Die Thunder müssen physisch, dreckig und dominant auftreten, wenn sie gewinnen wollen. Sie müssen zeigen, dass sie der amtierende Western Conference Champion sind und dass die Grizzlies sie erst einmal besiegen müssen! Und jetzt genug mit der heroischen Pathetik-Keule geschwungen, jetzt hilft nur noch beten! Bitte Kevin leg 35+ auf, bitte "Kevin Zwei" lass die Dreier hochgehen, bitte Reggie sei aggressiv und fass dir ein Herz, bitte Serge block jeden verdammten Wurf und sei aktiv aus der Midrange und bitte Kendrick, lächle!

Darum gewinnt Memphis (Mannhart):
Nicht so schnell, Herr Donner. Die Cinderella- Story liefern mal wieder die Grizzlies. Conley spielt auf einem ganz neuen Niveau und Allen zeigt dem angeblich zweitbesten Spieler der Liga, dass er gerne 35+ auflegen darf, dazu aber 50 Würfe braucht. Tayshaun liefert dazu noch die eventuell fehlende Erfahrung, die sich die Thunder wohl ernsthaft von Derek Fisher erhoffen. Der alte Glatzkopf wird gar nicht mitbekommen, wie der Sohn eines ehemaligen Olympiaspringers an ihm vorbei flitzt. Außerdem wird Zach wohl mehr Punkte erzielen als alle Thunder Big Men zusammen genommen und das, ohne dass seine Füße auch nur einmal den Boden verlassen. Und als wäre das nicht genug, gibt es ja noch Marc Gasol. Perkins sollte sich schon gleich in Spiel eins sein Autogramm holen. Einen Dwight Howard kannst du wenigstens foulen. Marc trifft auch seine Freiwürfe, scort gerne vom High Post aus und koordiniert die Defensive hinten so, dass Reggie Jackson keinen einzigen, einfachen Punkt ergattern wird beim Drive in die Zone. Allgemein coacht Lionel Hollins die Thunder in Grund und Boden und lässt Scott Brooks mal wieder als den mittelmäßigen Trainer dastehen, der er ist.  Klar, das ist alles meine Traumvorstellung, aber – so traurig wie es für OKC auch ist – Westbrooks Ausfall lässt meinen Traum vom Western Conference Final weiter leben! Und vielleicht geht ja dann sogar noch mehr! In diesem Sinne: Grit’n’Grind, Baby!