30 April 2013


Mickrige 14 PPG in den Playoffs - sind die Tage von Monta Ellis in Milwaukee gezählt?  (Photo: Keith Allison)

Dominik Koch 29. Apr, 2013                                      


Ziemlich genau eine Woche Playoff Basketball hat es gebraucht, bis die ersten beiden Teams sich aus dem Rennen um die Championship verabschiedet haben. Noch ein paar Stunden eher als die Lakers ereilte das Schicksal, ohne einen einzigen Sieg nach Hause gehen zu müssen, die Milwaukee Bucks, was angesichts ihres Gegners zwar keinen Basketballfan ernsthaft überrascht haben dürfte. Aber für die Bucks markiert das direkte Aus in ihrem ersten Playoff-Auftritt nach zwei Jahren ohne Postseason eindeutig die Stelle, an der im Nordwesten die Weichen für eine Neuorientierung der Franchise gestellt werden müssen.

Die Notwendigkeit eines derartigen Umbruchs ergibt sich einerseits aus der vertraglichen Situation etlicher Starter und Rollenspieler - Brandon Jennings, Monta Ellis, JJ Redick, Joel Przybilla, Samuel Dalembert und Mike Dunleavy können zur nächsten Saison neue Verträge aushandeln oder sich entscheiden, die Free Agency zu testen. Andererseits zeichnete sich in den letzten zwei Jahren ab, dass in Wisconsin aus dem derzeitigen Kader nicht viel mehr als die Chance, auf einem der letzten beiden Playoffspots im Osten zu landen, herauszuholen ist.

Niemand symbolisiert diese Zwickmühle besser als die beiden Guards der Bucks, die in der Serie gegen die Heat beinahe in jedem Spiel weit unter ihrer Normalform performten. Mit Brandon Jennings hatten sich die Bucks im 2009er Draft einen Point Guard gesichert, der trotz seiner nicht vorhandenen College-Erfahrung von Beginn an mehr als solide Leistungen ablieferte. In seinen ersten drei Profijahren hatte BJ sich zu einem immer verlässlicheren Scorer entwickelt und seine Trefferquote von Saison zu Saison gesteigert. Auch wenn er immer wieder mit starken Leistungseinbrüchen zu kämpfen hatte, so hatten die Bucks in den letzten Jahren auf der Eins in ihm einen der besseren Spieler der Eastern Conference in ihren Reihen.

Als die Bucks dann ungefähr zur Mitte der vergangenen Saison in einem Deal mit den Golden State Warriorsihren ehemaligen #1-Draftpick, den verletzungsanfälligen Big Man Andrew Bogut, gegen den 2005 an Position 40 direkt von der High School gedrafteten Monta Ellis tauschten, sah das ein wenig nach dem verzweifelten Versuch aus, ein Playoff-taugliches Team zusammenzustellen: Direkt nach dem Trade mehrten sich jedoch die zweifelnden Stimmen, die behaupteten, Milwaukee hätte sich damit in eine ähnliche Situation wie vor ihnen die Warriors gebracht, die mit ihrem Curry/Ellis-Backcourt über ein Jahre zwar einen schön anzuschauenden Offensiv-Stil zelebrierten, aber in der Western Conference trotzdem nie eine reelle Chance hatten, unter den Top-8 zu landen. Auch die Bucks verpassten nach dem Trade prompt den Einzug in die letztjährige Postseason.

Was danach folgte, ist die bemerkenswerte Geschichte der Entwicklung zweier Teams: Stephen Curry hat eine weitgehend verletzungsfreie Rekord-Saison gespielt und die Warriors - in weiten Teilen ohne die Unterstützung von Bogut - im Westen zu einer positiven Bilanz und Platz sechs geführt, während die Bucks als einziges below .500-Team in der schwächeren Conference gerade so in die Playoffs gerutscht sind. Dass sie diese nach nur vier Spielen auch schon wieder verlassen haben, ist in Anbetracht des Gegners alles andere als eine Schande - aber es ist symptomatisch für ein Team, dass mit einigen hochkaratäigen Spielern besetzt ist, die letztlich aber einfach nicht in der Lage sind, in den entscheidenden Momenten den Schalter umzulegen. Und niemand verkörpert diese Misere besser als die "Mississippi Missile" Monta Ellis.

Wer die NBA erst seit ein paar Jahren verfolgt, wird unter Umständen verwundert sein, wie Ellis, der in Milwaukee seine achte und neunte Saison in der Liga gespielt hat, mit 11 Millionen Dollar pro Jahr zu Buche schlagen kann. Bei den Bucks ist Ellis' Dreierquote zum ersten Mal seit vier Jahren wieder unter 30% gesunken. Vernachlässigt man sein Rookiejahr, hat er in den beiden Spielzeiten in Milwaukee seine schlechtesten Career-Fieldgoalquoten und zwei der schlechtesten Scoring-Saisons seiner Karriere gehabt. Dass er trotzdem auf einem derartig luxuriösen Vertrag sitzt, hat er seinem Spiel in den Jahren von 2007 bis 2011 zu verdanken: Mit Trefferquoten jenseits der 45% und einem Rekordschnitt von 25 Punkten pro Spiel hatte Ellis seine beeindruckendsten Jahre genau in der Zeit, als ihm gerade eine Verlängerung seines Vertrags ins Haus stand.

Den Niedergang, den der erfolgreichste Scorer in der Highschool-Basketballgeschichte des Bundesstaats Mississippi seitdem erlebt hat, kann man nur tragisch nennen. Denn Ellis mangelt es weder an Talent noch an Selbstbewusstsein: In einem Interview vor ein paar Monaten bekannte er freimütig, dass er seiner eigenen Einschätzung nach auf demselben Level wie Dwyane Wade spielen würde. Er hätte dieselben Tools, nur eben nicht soviele Playoff-Wins und Ringe. Wie passend , dass sich ihm die Chance bieten sollte, daran schon in der unmittelbar folgenden Postseason etwas zu ändern. Montas darauffolgender Auftritt in einer der vorhersehbarsten und spannungsärmsten Erstrunden-Serie der letzten Jahre bestätigte allerdings nur den Abwärtstrend eines Spielers, der wohl - leider, denn wer Monta in seiner Prime-Zeit sehen durfte, weiss, was er kann - seinen Zenit längst überschritten hat: Für seine 57 Punkte in vier Partien benötigte er 53 Würfe aus dem Feld, von 16 Besuchen an der Freiwurflinie schloss er nur sechs mit einem Punkt ab.

Der Rest ist Geschichte: Die Heat brauchten in jedem der vier Spiele nicht einmal ein souverän gespieltes Quarter, um die Bucks auf Abstand zu halten. Im letzten Spiel konnten sie sogar auf Dwyane Wade verzichten und einen ungefährdeten Sieg nach Hause bringen. In der Playoff-Geschichte der Heat wird das Spiel nur eine Fußnote bleiben, denn das Team hat viel, viel Höheres und Bedeutenderes im Sinn - nicht nur in diesem Jahr. Und in Milwaukee? An einem mehr oder minder radikalen Rebuild wird die Franchise nicht herumkommen.