28 Mai 2013

Sebastian Dumitru 28. Mai, 2013                                      




Der Juni klopft an die Tür, und mit ihm der NBA-Draft in weniger als einem Monat. Perfekter Zeitpunkt also, um in den nächsten Tagen und Wochen die besten und/oder interessantesten Rookies des 2013er Jahrgangs vorzustellen. NBACHEF hat alle wichtigen für euch gecheckt und lässt sie hier sukzessive aus der Reihe tanzen. Nach Ben McLemore zum Auftakt liegt der Fokus heute auf Otto Porter, Georgetowns Schweizer Taschenmesser.

Otto Porter ist ebenfalls einer dieser Spätzünder, die kein AAU-Ball spielten und die vor ihrer College-Karriere niemand auf dem Profiliga-Radar hatte. Alles, was Porter dann bei den Hoyas tat, war sich über 9.7 PPG und 6.8 RPG als Freshman auf 16.2 Punkte und 7.5 Rebounds als Sophomore zu verbessern und als vielleicht komplettester und "NBA-ready"-ester Spieler dieser NCAA-Saison zu entpuppen. Nicht nur Hoyas-Cheftrainer John Thompson, sondern auch gegnerische Coaches waren voll des Lobes für den 19-Jährigen, den sie als "besten All-Rounder" weit und breit einstuften.

Da ist was dran. Porter hat nur wenige Schwächen in seinem Spiel und bringt ein unglaublich ausbalanciertes Skillset zu jedem Team, das ihn als einen der ersten Rookies am 27. Juni selektieren wird. Auf den ersten Blick fällt seine dürre, lange Physis auf - Gibbon-Arme inklusive, die ihn zu einem exzellenten Verteidiger machen, der bei den Hoyas alle fünf Positionen deckte und allen voran genau diese Fähigkeit nahtlos zu den Profis transferieren kann. Porter reboundet fantastisch, macht Lücken und Wurfmöglichkeiten durch seine schiere Länge geschickt zu und könnte dank seiner unglaublich guten Fußarbeit sehr schnell zum Lockdown-Verteidiger avancieren, der von Point Guards bis Power Forwards alles checken kann (Letztere aber erst in ein paar Jahren konstant, wenn er ein paar Pfunde drauf gepackt hat).

Im Angriff war Porter der Dreh- und Angelpunkt der Princeton-Offense in Georgetown - ein extrem intelligenter Systemspieler, der das Spiel ausgezeichnet versteht und gegnerische Defensiven permanent nach Lücken scannt, in die er entweder selbst schneidet oder dort Nebenleute mit einem smarten Pass in Szene setzt. Obwohl Porter schon immer eher der Typ "unermüdlicher Slasher/Cutter" war (ein weiterer Aspekt, bei dem ihm sein Spielverständnis zugute kommt), hat er in seinem zweiten Jahr auch seinen Wurf aus der Mitteldistanz und von der Dreierlinie (42.2 Prozent) als Waffe entdeckt.



Eine ganz wichtige Frage wird sein: "Wie verlässlich ist sein J auf dem NBA-Level?" Die Dreierlinie bei den Profis ist bekanntlich einen guten Meter weiter hinten angesiedelt, und Porters Wurfmechanik ist ohnehin recht wacklig (lies: Tayshaun Prince trifft Shawn Marion). Das muss kein Ausschlusskriterium sein, aber es wird Klubs zumindest zum Nachdenken anregen. Im Idealfall gewöhnt sich der Youngster den Seitwärtsdrall schnell ab und wird schon bald zu einem zweiten Nicolas Batum. Die Gefahr, dass er für immer im Prince-Territorium versumpft (Karriere 45% Quote) ist aber real; die Warnlämpchen blinken bereits.

Nicht nur der ausbaufähige Jumpshot ist letztendlich Schuld daran, dass Porter kein Angriffsspieler im klassischen Sinne ist, keine erste Option, kein go to guy. Der Wing hat große Probleme, sich mittels Dribbling oder erstem Schritt den eigenen Wurf zu erarbeiten oder seinen Verteidiger zu schlagen. Insgesamt fehlt es einfach an Athletik und der Schnellkraft, mit der man Scorer normalerweise assoziiert. Wer also erwartet, dass Porter bei seinem neuen Team das Heft in die Hand nimmt oder schon übernächstes Jahr im All-Star Team steht, der wird enttäuscht werden: Porter ist vielseitig, kann viele Dinge gut, aber ein Two-Way-Führungsspieler im Sinne eines Paul George wird er nie werden.

Das ist kein Nachteil. Seine Fähigkeiten als off-the ball Gefahr, die ständig in Bewegung ist, Fouls zieht (5.1 FTAs pro Spiel vergangene Saison) und auch am offensiven Brett ackern kann, seine fantastische Verteidigungsarbeit und seine sogenannten "Intangibles", also nicht messbare Qualitäten wie Spielintelligenz, Ausdauer, Einsatzbereitschaft, Teamdienlichkeit und Entwicklungspotential, machen ihn zum vielleicht sichersten Lotteriepick dieses Jahrgangs. Ein Rundum-Sorglos-Paket im Körper des perfekten Ergänzungsspielers.

Genau hier aber trennt sich die Spreu vom Weizen, denn genau das unterscheidet erste Picks von dritten oder sechsten: die Aussicht auf einen Superstar, egal wie theoretisch und subjektiv die in manchen Fällen auch konstituiert sein mag. Spieler wie Tayshaun Prince oder Shawn Marion hatten fantastische Profikarrieren und waren wichtige Bausteine zweier separater Championship-Teams. Aber selbst retrospektiv würde niemand auf die Idee kommen, einen von beiden mit dem ersten Draft-Pick zu selektieren. Porter würde einem Team wie Cleveland exzellent zu Gesicht stehen, aber für einen ersten Pick ist er einfach nicht explosiv genug, nicht vielversprechend genug. Die logische Schlussfolgerung (es sei denn, Cleveland tradet den Pick): Washington an Position drei. Porter auf Small Forward an der Seite von John Wall, Bradley Beal und einem oder zwei semi-potenten Big Men wäre für die Wizards der endgültige Retour-Schein zurück in die Eastern Conference Playoffs.


Prognose: 3. Pick!