11 Mai 2013



Amar'e Stoudemire ist ab heute wieder einsatzbereit... Fluch oder Segen für die Knicks? (Photo: NBAE)

Sebastian Dumitru, Robert Jerzy 11. Mai, 2013             



Die New York Knicks haben angekündigt, dass Amar'e Stoudemire am Samstag in Spiel drei der Conference Semifinals zum ersten Mal seit dem 7. März wieder das 'Bockers-Trikot überstreifen wird. Der sechsfache All-Star war die vergangenen zwei Monate nach einer erneuten Knie-OP außer Gefecht. Was soll man davon halten? Sebastian Dumitru und Robert Jerzy (New York Knicks Journal) werden sich bei diesem Thema wohl nie ganz einig...


Dumitru: Oh boy, here we go again! Amar'e Stoudemire ist wieder gesund und soll in Spiel drei gegen Indiana für seine Knicks zurück auf's Parkett kehren. Die Serie steht bekanntermaßen 1-1 Unentschieden und verspricht Ausgeglichenheit und Spannung bis zum Schluss zwischen zwei gleich starken Mannschaften. Just, als es in Spiel zwei so wirkte, als hätte NY seine alte, erfolgreiche Basketball-Formel wieder gefunden, droht der Elefant im Raum den Notizblock mit selbiger unter seinen mächtige Stampfern zu zerquetschen. New York plus Amar'e, in dieser Saisonphase... Das kann nicht gut gehen, Robert!

Jerzy: Es gibt eine goldene Regel im professionellen Sport: wann immer du einen Spieler mir Herz, Charakter und der richtigen Einstellung zu deinem Kader hinzufügen kannst, hilft dies mehr statt es dir schadet. Die Kritiker der Rückkehr Amar'es rollen die Situation von der falschen Seite auf. Wäre er DeMarcus Cousins würde ich als Coach jemanden anheuern, der Amar'e in der Nacht mit nem Stemmeisen überrascht. Im Falle Stoudemires kommt allerdings jemand zurück, der der Moral der Mannschaft nur helfen kann und sich dem Ziel unterordnet. Ob nun 10 oder 20 Minuten, STAT tut was er tun kann. Aus diesem Grund Daumen hoch für Spiel 3 + Amar'e.

Dumitru: Den Rap hör ich aber mittlerweile seit Jahren: "STAT hilft hier, STAT hilft da, STAT ordnet sich unter, STAT hebt die Moral..." Fakt ist, dass New York ohne Stoudemire erfolgreicheren Basketball spielt, und das nicht nur in dieser Saison. Um mal aktuell zu bleiben, hier ein Blick auf die nackten Zahlen in 2012/13. New Yorks Bilanz mit Stoudemire in der Lineup: 16-13 Siege (.552). Ohne ihn: 43-18 (.705). Es geht noch tiefer: der Angriff operiert durch ihn keinen Deut besser, die defensive Effizienz der Knicks fällt ins Bodenlose, sobald er hinten den Matador gibt (Def. Rtg. 105.1, Platz 22), und er spielt die selbe Position wie Carmelo Anthony (Wer unter einem Stein gelebt hat: Anthony ist heute der Power Forward). Die einzige realistische Möglichkeit wäre also, ihn für die 6-10 Minuten zu bringen, die 'Melo verschnaufen muss. Ein 20 Millionen Dollar pro Jahr ex-Megastar, der sich mit der Degradierung zum Mop-Up-Spieler zufrieden gibt? I don't think so...

Jerzy: You have to think so ... New York fehlt ein wichtiges Puzzleteil zur Championship - die richtige Mentalität und Einstellung auf und Abseits des Feldes (staring at you Earl). Der Mannschaft fehlt in vielen wichtigen Momenten die richtige Mentalität, um "die letzte Meile" zu gehen. STAT bringt diese. Und sprechen wir doch mal a) die Einstellung des $100 Mio Mannes an, die er in dieser Situation an den Tag legt und b) die "Statistiken", die den schlechten Einfluss der Stars untermauern. Fakt ist, dass es nie einen realistischen Zeitraum gab, der wahre Messwerte erlauben würde. Er kam zurück, ordnete sich in die Mannschaft ein und verletzte sich wieder.

Gegenargument 1) 2011 First Round vs. Celtics, in der er KG platt machte bevor ihn seine Rückenverletzung limitierte. In dieser Serie funktionierten STAT & Melo sehr gut.
Gegenargument 2) Der Stretch in dieser Saison, in der Melo M.I.A. war und Stoudemire das Team trug ... bevor er sich erneut verletzte.

Natürlich wird er in diesen Playoffs keine 30-35 Minuten mehr spielen ... allerdings reicht mir der Fakt aus, dass er a) der Grund ist, warum "The Knicks are back" sind und b) mindestens ein gutes Spiel in sich hat. Die Zukunft der Knicks geht nur mit Amar'e.

Dumitru: In einem Punkt geb' ich dir sogar Recht: NY könnte einen weiteren Widebody gegen die ruppigen Pacers gut gebrauchen. Melo hat gegen West Probleme in der Defensive, weil Indianas Power Forward gut 25 Pfund mehr auf die Waage bringt, und dann sind da ja noch Hibbert, Hansbrough, Pendergraph und Mahinmi, die in der Zone gerne mal austeilen (okay, Pendergraph ist in Wirklichkeit ein trojanisches Pferd, das eigentlich auf der Gehaltsliste von James Dolan steht, aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Außerdem hat New Yorks Offensive in der mikroskopisch kleinen Sample Size, in der sie heuer mit zwei traditionellen Bigs auflief, exzellent funktioniert - sogar dann, wenn einer dieser Bigs Stoudemire war (Stichwort: Pick & Roll auf beiden Seiten und Ball-Movement). Aber auf der Vier spielt nun mal Anthony. Der okkupiert den selben Bereich auf dem Parkett, wo Amar'e am effektivsten ist, und dass man beide nicht zusammen als PF und C auflaufen lassen kann, ist denke ich selbstredend (Hibbert würde über Nacht zu Hakeem Olajuwon, wenn er es nur mit Stoudemire zu tun bekäme). Wie also bringst du all diese Faktoren und Melo/Chandler/Amare/Martin unter einen Hut gegen die beste Defensive der Liga? Riddle me this!

Jerzy: Okay here's the thing.
Rational: Die Offense hat mit Melo auf SF funktioniert und zwar dann als beide Großverdiener jeweils eine Seite der Parketts für sich hatten. Amar'e brachte das Low Post Game als Element mit, welches ... sind wir ehrlich, genauso sehr im Playbook Mike Woodsons fehlt wie Second Round Playoffs in Brooklyn (*oh snap*). STAT im Low Post und Melo auf der Weak Side brachte den Cross-Court-Pass, nachdem sich die Defense auf den Low Post konzentrierte. Zudem war Stoudemire stets einer der besten P&R Bigs der Liga - auch mit Felton in 2010. Sofern NYK dies wieder etablieren kann (anstelle des katatonischen Tyson Chandler ab und an), übt dies mehr Druck auf die D der Pacers aus ... die ohnehin nur mittels Floor Spacing + High Screen P&R + Dribble Penetration geknackt werden kann. Und gerade in dieser Konstellation sollte auch Woody in der Lage sein, Amar'e nützlich einzusetzen.
Irrational: Es wird eine Szene in den Playoffs geben, in denen Amar'e den Knicks einen wichtigen Impuls geben wird, der ein Spiel dann entscheidet. Das liegt in der Luft wie die nächste randomly awkward naked scene in Game of Thrones.

Dumitru: Versteh' ich das richtig? Ein limitierter Amar'e als das letzte, entscheidende, wenn auch kleine Puzzlestück, das alle Einzelteile zu einem harmonischen Ganzen zusammen fügt und New Yorks eklatante Schwächen in den Playoffs - katastrophale Offense (die schlechteste aller verbliebenen Teams), phasenweise lethargische Defense, zu viel Melo/Smith Isolationsball und zu wenig Spielanteile für Felton im Pick & Roll - ausmerzt, weil die Knicks plötzlich wieder begreifen, wer sie sind und wie sie am erfolgreichsten Basketball spielen?

Jerzy: Der Irrational Confidence Guy bin jetzt mal ich. Exactly! Nein, natürlich ist es so einfach nicht. Allerdings hat man in den wenigen Spielen in der Saison gesehen, dass Amar'e "Low Post" zurück auf die Landkarte schreibt und die Knicks ein Zimmer im Hotel 'Almost Certain Doom' buchen, wenn sie auf Tyson Chandler im Pick & Roll bauen. Kenyon ist besser im P&R ... selbst John McEnroe wäre derzeit besser als TC. Irgendwie hat in anderthalb Jahren jeder vergessen, dass dieser Spielzug STATs M.O. war. Wir alle sehen derzeit, das Felton in beiden Serien der dritt- oder vielleicht sogar zweitbeste Knick in den Playoffs ist (don't count out my man Shump). Insofern würde Woodson gut daran tun, Felton mehr Screen Time zu geben, solange Earls Playoff-Heroics in Rihanna passieren. Die Knicks müssen vielseitiger werden in der Offense. Ein Amar'e Experiment für 10 Minuten schadet nicht ... zumal STAT wie mein alter Kater Max ist, mit dem man alles anstellen konnte ohne dass er sich gewehrt hat. Der Character-Factor!

Dumitru: Ich will wirklich nicht derjenige sein, der deine romantische Bro-mance mit Amar'e durch den Kakao zieht. Wirklich nicht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als euch beide wieder Händchen haltend und glücklich lächelnd die Promenade entlang schlendern zu sehen, verfolgt von unauffälligen Paparazzi und glücklichen Kindern, die Autogramme verlangen. Er war die Stunde Null. Der Mann, der New York vor knapp drei Jahren aus Absurdistan eigenhändig zurück auf die NBA-Landkarte hievte und so die 180 Grad Wendung für diese einst so stolze Franchise einleitete. Aber das ist eine halbe Ewigkeit her, und der Hase läuft mittlerweile anders im MSG. Stoudemire ist - zumindest in diesen Playoffs - nicht mehr Wert als Chris Copeland oder Steve Novak. Oder anders gesagt: der teuerste Bankwärmer aller Zeiten.

Da wir uns hier aber ohnehin nie einig werden, lass uns doch die nächsten Spiele abwarten - und unseren Talk dann bei Instant Replay fortsetzen. 'Bragging Rights' stehen auf dem Spiel. Ab heute Nacht, 2 Uhr Ortszeit, ist es also offiziell 'On'...