27 Mai 2013

Big Ben 27. Mai, 2013                                                        



Was soll man zu dieser Saison eigentlich sagen?! War sie eine Übergangssaison im Rebuild? War sie der Startschuss in eine neue Pistons-Ära? Oder war sie ein deutlicher Fingerzeig, wo man in den nächsten Jahren stehen wird? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Eine Saison mit 29–53 Siegen sieht wahrlich nicht rosig aus. Dazu eine Rotation, bei der sich der eingefleischte Pistons-Kenner erschüttert an den Kopf fassen musste. Lawrence Frank ließ teilweise mit vier nominellen Point Guards auf dem Feld spielen. Dazu verletzte sich Andre Drummond, der in seiner Rookie-Saison durchaus gute Ansätze zeigte, und fiel über weite Strecken aus. Greg Monroe schaffte es nicht, sein Game auf ein neues Level zu heben und Brandon Knight blieb in dieser Saison allenfalls als Opfer von Kyire Irvings Crossover am All-Star-Day in Erinnerung. Bis zu jenem Trade. Dem Trade, der den letzten Spieler aus der 2004er Meistermannschaft aus dem Kader spülte. Dem Trade, dem die beiden letzten Small Forwards im Kader zum Opfer fielen. Aber auch dem Trade, der genau den Spieler in den Kader holte, der den Pistons so noch gefehlt hatte: José Calderon.

Wie sah es vorher aus? Die Big Men hingen ziemlich hilflos unterm Korb herum. Knight war sichtlich überfordert mit der Rolle des Aufbauspielers und brachte kaum Ideen ins Spiel. Rodney Stuckey war dann doch eher ein Scorer, anstatt Lenker und Denker. Will Bynum war als Backup durchaus zu gebrauchen, aber über weite Strecken als Leistungsträger eher fragwürdig. Das Team wirkte oft überfordert in der Defensive und Monroe war alles andere als furchteinflößend. Veteran Jason Maxiell war da noch der härteste Brocken im Kader. Das Prunkstück vergangener Tage - die Verteidigung - war zwar mit 98,9 erlaubten PPG nicht völlig zum Vergessen, aber auch nicht überragend.

Calderon brachte genau das, was man im Spiel der Pistons so sehr vermisst hatte. Übersicht, Ideen, Pässe zu den Langen in die Zone. Er füllte die Rolle des Playmakers endlich aus und ermöglichte so Brandon Knight den Wechsel auf die Zwei. Der machte bei seinem ersten Spiel auf dieser Position gleich mal ein neues Career-High an Punkten und scheint in dieser Rolle aufzugehen. Calderon brachte Ruhe und Ordnung ins Offensiv-Spiel. Die überhetzten Angriffe und verstolperten Bälle wurden weniger. Die gegnerische Abwehr wurde wenigstens ansatzweise seziert und ausgespielt und nicht mehr nur von zwei Spielern hart attackiert.

Auch Jose Calderon schaffte es nicht, aus den Pistons einen Winner zu machen (Photo: Keith Allison)

Bei aller Begeisterung über die positiven Veränderungen: all das reichte letztendlich doch nicht, um den nächsten Schritt zu machen. Monroe und Knight (die designierten Heilsbringer) schafften es beide nicht, als Leader aufzutreten und ihr Game zu verbessern. Drummond, der das neue Triumvirat der Zukunft komplettieren sollte, war verletzt oder schmorte auf der Bank. Doch sind diese drei nicht (alleine) als Sündenböcke auszumachen. Charlie Villanueva, der schlappe 8 Millionen Dollar pro Jahr kassierte, machte mit 37% FG, 34% Dreiern und 55% Freiwürfen nicht gerade Werbung für einen neuen Vertrag. Maggette war mit 10,9 Millionen Dollar sogar  einer der Topverdiener und zahlte das mit 35% FG und 23% Dreiern in 14 MPG für ganze 5,3 PPG zurück.

Ich nenne das mal den „Dumars-Effekt“ der letzten Jahre. Es wurden teure Spieler mit „großen“ Namen gekauft, die das Team nach vorne bringen sollten, aber in keinster Weise zu Konzept und Philosophie des Teams standen. Allen Iverson, Tracy McGrady, Ben Gordon oder Maggette sind wohl die berühmtesten Beispiele der letzten Jahre. Umso wichtiger wird es sein, in den nächsten Wochen und Monaten richtige Personalentscheidungen zu treffen.

In diesem Sommer sind folgende Spieler Free Agents:

Will Bynum (Gehalt: 3,2 Mio $)
Rodney Stuckey (Spieleroption; Gehalt: 8,5 Mio $)
José Calderon (11 Mio $)
Corey Maggette (10,9 Mio $)
Kim English (0,4 Mio $)
Charlie Villanueva (8,0 Mio $)
Jason Maxiell (Spieleroption; 5,0 Mio $)

Je nachdem wie sich Dumars und die Spieler also entscheiden, könnten wir in der nächsten Saison einen runderneuerten Pistons-Kader sehen. Dann sieht der Kader nur noch so aus:

Greg Monroe (C/PF)
Andre Drummond (C)
Jonas Jerebko (PF)
Khris Middleton (SF)
Viacheslav Kravtsov (C)
Kyle Singler (SG/SF)
Brandon Knight (PG/SG)

Was man insgesamt gesehen hat in 2012-13, war wenig spektakulär und noch weniger erfolgreich, machte aber durchaus Mut und konnte ein wenig Vorfreude für die nächste Saison wecken. Es scheint ein Umdenken innerhalb der Organisation stattgefunden zu haben. Lawrence Frank war ohnehin nur eine Übergangslösung. Jetzt ist es an der Zeit, einen neuen Coach zu installieren, der eine gute Philosophie mitbringt, der sein Augenmerk auf Defense und Teamplay legt und die Youngster fördert. Nur darüber lässt sich in Detroit wieder Erfolg haben.

Ich bin der Meinung, wir können uns auf die nächste Saison der Pistons freuen. Wenn Dumars es schafft, einen schlagkräftigen Kader zusammen zu stellen und den richtigen Trainer zu finden, der die richtige Mentalität mitbringt, dann kann man vielleicht schon zur kommenden wieder von den Playoffs träumen. Es wird weiterhin ein langer, schwieriger Weg, sowohl für die Mannschaft, als auch für die Fans, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels und genug Talent im Kader, um endlich wieder an alte, erfolgreichere Zeiten anzuknüpfen.