19 April 2013



Die 67. NBA-Saison ist im Kasten, die Playoffs stehen bevor. Dennoch sollte man, ähnlich eines hart umkämpften Spiels auf dem Hartholz, vor dem letzten und wichtigsten Viertel kurz innehalten, einmal tief Luft holen und den Kopf frei machen für die entscheidenden 12 Minuten. Das tun wir hier bei NBACHEF mit unseren end-of-season Starting Lineups, die ihr als Dreigänge-Menü serviert bekommt. Teil eins gab's am Donnerstag, Teil drei am morgigen Samstag.  


Wer ist der Most Improved Player?

Florian Schaum, Bring Back the Buzz:
 Diesen Titel hätten diese Saison sicherlich einige verdient, mein persönlicher Favorit heißt allerdings Greivis Vasquez. Während bei Spielern wie Harden und George die Entwicklung zum Franchise Player/Allstar tendenziell absehbar war, kam die Leistungsexplosion von Vasquez fast wie aus dem Nichts. Zu Saisonbeginn sprachen ihm viele die Tauglichkeit als Starting PG ab, mittlerweile hat es der Venezolaner allen gezeigt und ist zu einem echten Floor-General gereift.

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Aus Fansicht teilen sich Chandler Parsons und Ömer Asik diesen Award, die beide bemerkenswerte Verbesserungen aufs Parkett gelegt haben und am Überraschungserfolg der Rockets maßgeblich beteiligt sind. Wenn aber ein Spieler eins der besten Teams der Liga offensiv wie defensiv derart an sich reißt und dabei einen All-Star, namentlich Danny Granger, komplett vergessen macht – wie es Paul George bei den Pacers getan hat, dann muss die Wahl auf ihn fallen.

Roman Schmidt, No Bull:
 Paul George. Ohne Danny Granger hatte er endlich genug Raum, sich zu entfalten. Den Sprung vom Rollenspieler zum potenziellen Franchiseplayer hätten ihm bis dato nicht viele zugetraut. Egal ob Offense (17,4 Pkt), Defense (Gegner haben knapp 32%FG bei Isolations), Teamplay (4,1 Ast) oder Rebounding (7,6 Reb), er hat alle Erwartungen übertroffen. Und dazu macht er dies alles mit einer Lässigkeit, die sogar Quantenphysik einfach aussehen lassen könnte.

Tobi Mannhart, Bär Grizz: Omer Asik. Ich stehe mit dieser Meinung wohl allein auf weiter Flur, aber er hat seinen Vertrag absolut gerechtfertigt und das hat kaum einer vermutet vor der Sasion. Offensiv kann er zwar immer noch nur Dunkings liefern, doch zusätzliches Scoring brauchen die Rockets absolut nicht. Er ist der Rückhalt in einer Mannschaft  voller Defensiv-Legastheniker.

Onur Alagöz, Showtime Redux: Knappe Geschichte dieses Jahr, Argumente gibt es zuhauf für viele Akteure. Ganz oben stehen für mich aber Paul George und Jrue Holiday. Die beiden Jünglinge haben gewaltige Sätze nach vorne gemacht und sich als Stars und Nummer 1 in ihren Teams etabliert. Gerade George zeigt, wie viel Potenzial in ihm steckt, ist mittlerweile der beste Perimeterverteidiger der Liga, nennt einen sicheren, butterweichen Sprungwurf sein Eigen und lässt auch den ein oder anderen Dunk nicht missen. Den Zuschlag bekommt Paul George, hier gibt ihm einfach der Teamerfolg Recht.


Wer ist Defensive Player of the Year?

Florian Schaum: Dieser Award kann nur Larry Sanders gebühren, der mit 9.8 Punkten, 9.5 Rebounds und 2.8 Blocks in nur 27. 3 MPG unter den Brettern der Liga dominiert. Sanders spielt mit unglaublich viel Hingabe und Leidenschaft, ohne die Leistungen des Forward-Center hätten sich die Hirsche Platz 8 abschminken können.

Daniel Schlechtriem: Ich bleibe bei Tony Allen. Die Grizzlies haben im Wesentlichen dank ihm die beste Defensive im Westen, wo bekanntlich noch mal ein anderer Wind weht als im Osten und dortige Kandidaten auf diesen Award wie Joakim Noah, Tyson Chandler oder Kevin Garnett im Laufe der Saison bedeutend einfachere Aufgaben zu bewältigen haben. Dass Allen in Gasol oder Conley weitere hervorragende Verteidiger in den eigenen Reihen hat ist unbestreitbar, dennoch macht er als Taktgeber den Rest eher besser als umgekehrt.

Roman Schmidt: Joakim Noah. Er verteidigt unter den Centern am öftesten Isolations und die Gegner kommen bei ihm dort auf knappe 36% FG, was Elite-Wingdefendern nicht nur nahe kommt. Als Post-Defender lässt er 0,7 Pkt und als PnR-Verteidiger des Abrollenden 0,89 Pkt per Play zu, was seine Gegner insg. auf 0,777 Pkt per possession kommen lässt und ihn auch in dieser Hinsicht beispw. über Tim Duncan und Roy Hibbert stellt. Und vor Jo stehen Kirk Hinrich, Nate Robinson und Marco Belinelli. Die Bulls lassen ohne ihn satte 6,4 Punkte mehr per 100 possessions zu. Die Kombination aus Defense in der Zone und am Perimeter macht ihn zu meiner ersten Wahl.

Tobi Mannhart: Marc Gasol. Der Grizzly schlägt in meiner Brust und ich würde am liebsten Tony Allen nominieren. Allerdings haben Flügelspieler kaum Chancen auf den Award. Daher wähle ich Teamkollege Marc. Nicht die Blocks oder irgendwelche spektakulären Szenen sind der Grund – ich habe selten einen Spieler gesehen, der besser in der Defense rotiert als der lange Spanier. Jedes Spiel ein Lehrvideo.

Onur Alagöz: So gern ich es Timmy D. aus S.A. auch gönnen würde, haben hier einfach die Herren Joakim Noah, Marc Gasol, Paul George und LeBron James ein Wörtchen mitzureden. Nachdem sich Dwight Howard früh aus der Diskussion verabschiedet hatte, muss man hier die Hardware wohl dem spanischen Nationalspieler Gasol geben. Als Dreh- und Angelpunkt der zweitbesten Defensive der Liga (DefEff 98,1) geben. Der barttragende Gigant hat Defense bis ins letzte Detail verstanden, kann Pick-and-Rolls verteidigen, Help-Defense liefern und nebenbei noch ein paar Würfe blocken.


Wer ist Trainer des Jahres?

Florian Schaum: Coach Tim Thibodeau macht hier das Rennen. Thib hat nicht nur das Wunder vollbracht, die Bulls ohne Franchise Player Derrick Rose und neu formierter Bank bis auf Platz fünf im Osten zu führen, sondern auch die menschliche Geldvernichtungsmaschine Carlos Boozer wieder zum Laufen bekommen!

Daniel Schlechtriem: Auch wenn es langweilig ist: Erik Spoelstra. Ja, er hat den individuell besten Spieler der Liga in seinen Reihen. Ja, er trainiert eine Ansammlung aktueller und ehemaliger All-Stars. Ja, er spielt in einer sehr einfachen Division und Conference. Dennoch sind 66 Siege Liga-Bestwert, auch die 27 in Folge waren beeindruckend und für die Wahl auf ihn ausschlaggebend. Wer Spoelstras Anteil an diesen Zahlen –  auch am Titelgewinn im Vorjahr – negiert, hat keine Ahnung vom Basketball oder Leistungssport im Allgemeinen.

Roman Schmidt: George Karl. „Als Team ohne Superstar kommst du nicht weit.“ Die Nuggets sind die komplette Antithese hierzu und Carl hat einen sehr großen Anteil daran. Sie halten trotz Verletzungen den 3rd Seed fest und haben ihre eigene Fast-Pace Mentalität entwickelt. Carl hat es geschafft das Beste aus seinem relativ jungen Roster herauszukitzeln, was Top-Coaches ausmacht. Allgemein hat jeder Coach, der Javale McGee im Team hat und es dennoch in die Playoffs schafft, diesen Award verdient.

Tobi Mannhart: Tom Thibodeau. Unglaublich viele Verletzungen. MVP Rose fehlte die ganze Saison. Butlers Integration. Die unfassbare Defense. Eines der wenigen Jahre ohne Pops als Topfavorit für mich.

Onur Alagöz: Weit oben, nahe der Rocky Mountains hat ein Veteran endlich mal seinen ersten Coach of the Year Award gewonnen. George Karl hat aus einer Truppe ohne wirklichen Star oder offensichtliche erste Option ein Gewinnerteam geformt, das momentan #3 im Westen (!) belegt. Zusätzlich zu seinen Pflichten als Übungsleiter spielt er Burgwache (beste Heimbilanz der Liga) und Logopäde für JaVale McGee, der unter ihm teilweise wirkt wie ein Basketballspieler.


Wer ist Executive of the Year?

Florian Schaum: Sam Presti von den OKC Thunder und Houstons Daryl Morey teilen sich den Executive of the year ganz brüderlich. Die Strippenzieher des Blockbuster Deals um James Harden haben beide von dem Trade profitiert und somit alles richtig gemacht!

Daniel Schlechtriem: Daryl Morey.

Roman Schmidt: Daryl Morey. Den potenziellen Franchiseplayer James Harden an Bart Bord zu holen war nur die Spitze des Eisbergs. Mit Omer Asik und Jeremy Lin hat man weitere junge und talentierte Spieler nach Houston gelotst, auch die Verpflichtung von Carlos Delfino hat Früchte getragen. Die Rockets haben es in die Playoffs geschafft, ein talentiertes Roster und Cap Space, um nächstes Jahr erneut abzuheben. Nach viel mehr kann man nicht fragen.

Tobi Mannhart: Masai Ujiri. Iggy war das fehlende Puzzlestück für Denver. Er wird viel gescholten, aber eine 37-3 Bilanz zuhause in den Rockies zeigt, dass er perfekt ins Anforderungsprofil passt und die Nuggets auf eine neuen Stufe hebt. Ehre, wem Ehre gebührt. Auch wenn es die Zahlen nicht zu 100% belegen – dieser Trade war Gold wert.

Onur Alagöz: Persönliche Sympathien hege ich hier für Daryl Morey, der gezeigt hat, dass auch Männer mit Doppelkinn und Mathefetisch im Sport was reißen können. Die Verpflichtungen von Jeremy Lin, Ömer Asik und allen voran Dumbledore-Fan James Harden sind hervorragend aufgegangen. Youngsters sind langfristig gebunden, man hat dennoch Flexibilität und Handlungsspielraum. Gut gemacht, Daryl.


Wer ist für dich der Comeback-Spieler des Jahres?

Florian Schaum: Kein Spieler macht diese Saison mehr Spaß als Steph Curry! Mit 23 Punkten, 6.9 Assists und 4.1 Boards dominiert der Guard seine Gegner, führt die chronisch erfolglosen Warriors nach sechs Jahren Abstinenz endlich wieder in die Playoffs und knackt nebenbei Ray Allens Rekord für die meist verwandelten Dreier in einer Saison. Einfach nur sensationell, gerade wenn man bedenkt, dass nicht wenige nach Currys Seuchensaison 11/12 (26 Einsätze) schon von einem Karriereende des Shooters sprachen.

Daniel Schlechtriem: Raymond Felton hat nach seinen bedenklich bis peinlichen Auftritten in Portland auf bemerkenswerte Weise bei den Knicks wieder die Kurve gekriegt, auch Avery Bradleys Rolle bei den Celtics darf seit dem Ausfall von Rajon Rondo nicht unterschätzt werden. Auf dem obersten Treppchen steht aber John Walls Comeback. Dessen Rückkehr nach seiner Verletzung ist ebenso beeindruckend wie traurig für die Wizards, die mit ihrem Franchische Player in bester Gesundheit gewiss die Bucks vom achten Platz verdrängt hätten.

Roman Schmidt: Stephen Curry. Nach der verkorksten letzten Season so zurück zu kommen, ist ein Statement. Er hat den Rekord für die meisten Dreier in einer Season gebrochen (272) und ist auf Kurs den All-Time Rekord ebenfalls zu schießen (2.857, Steph hat 644 in 258 Spielen). Ray Allen dreht sich im Grab um. Was? Er lebt noch? Dass er das mitbekommt, ist vielleicht noch viel schlimmer für ihn. Der Sharpshooter spielt dieses Jahr zum ersten Mal in der Postseason und der Kurs der Warriors zeigt geradewegs nach oben- nicht zuletzt dank ihm.

Tobi Mannhart: Stephen Curry. From Hero to Zero and back - ich hätte es seinen Gelenken nicht mehr zugetraut. Hoffentlich bleibt er weiterhin gesund und verpasst nicht sich selbst, sondern seinen Gegenspielern die Anklebreaker.

Onur Alagöz: Don’t call it a comeback. Aber The Big Fundamental Tim Duncan hat sich im zarten Alter von 37 Jahren NOCH EINMAL verbessert. Blockt die meisten Würfe seit einer Dekade, Feldwurfquote wieder nördlich von 50% und die meisten Minuten seit 09-10. Irre, diese Spurs, noch wesentlich irrer, dieser Timothy.