20 April 2013



Die 67. NBA-Saison ist im Kasten, die Playoffs stehen bevor. Dennoch sollte man, ähnlich eines hart umkämpften Spiels auf dem Hartholz, vor dem letzten und wichtigsten Viertel kurz innehalten, einmal tief Luft holen und den Kopf frei machen für die entscheidenden 12 Minuten. Das tun wir hier bei NBACHEF mit unseren end-of-season Starting Lineups, die ihr als Dreigänge-Menü serviert bekommt. Teil eins gab's am Donnerstag, Teil zwei am gestrigen Freitag.  


Welche Erstrundenserie wird am spannendsten und damit Must-See-Basketball?

Florian Schaum, Bring Back the Buzz:
 Der Klassiker zwischen den Knicks und Celtics wird der absolute Kracher. Viele sehen die Knicks schon in Runde  zwei, jedoch sollte man die alten Männer aus Boston nie abschreiben. Kevin Garnett sprach sogar schon von einer Schlacht, mit J.R. Smith dürfte er zumindest einen Sprücheklopfer a la Kim Jong zum Krieg spielen gefunden haben. Diese enge Serie wird von intensiven, harten Basketball geprägt sein, in der sich schlussendlich die Knickerbockers aufgrund der größeren Qualität und Kaderbreite knapp durchsetzen dürften.

Roman Schmidt, No Bull:
 Im Westen treten im Matchup Grizzlies – Clippers zwei absolute Top-Teams aufeinander. Die Clippers haben die Regular Season Serie zwar mit 3-1 für sich entschieden, doch besonders das letzte Spiel im April war besonders giftig und hart umkämpft. Dies sind zwei Teams auf Augenhöhe, die sich kennen und Elite-Spieler in den Reihen haben. Beide haben das Zeug für die Conference Finals. Und wenn man Giftigkeit sucht, verspricht die Serie Knicks – Celtics toxisch zu werden. Garnett und Anthony hatten bereits ihr kleines Vorspiel und auf beiden Seiten sind genügend Hitzköpfe vorhanden, um diese Serie thermonuklear aufzuheizen. Die schießwütigen Bockers gehen zwar gegen Rondo-lose Kelten als klarer Favorit in die Postseason (vorausgesetzt Chandler wird wieder fit), doch mit Doc Rivers, Paul Pierce und Kevin Garnett hat man genug Playoff-Erfahrung in den Reihen, um die Knicks zumindest zu ärgern.

Jeremias Heppeler, Lost in Transition: Logisch, Grizzlies vs. Clippers wird abermals mit der Intensität einer Kneipenschlägerei aufwarten. Aber auch Brooklyn gegen Chicago könnte über sieben Spiele gehen. Die Bulls ergaben sich vergangenes Jahr nach dem Rose-Schock wie Schlachtlämmer – ein solches Desaster wird sich 2013 aber nicht wiederholen. Coach Thibodeau hat einmal mehr eine neue superstarlose Identität kreiert und entsprechend wird das Duell mit den Nets hoffentlich ein offener, brettharter Schlagabtausch.

Robert Jerzy, Knicks Journal: New York - Boston und LA Clippers - Grizzlies

Sebastian Dumitru: Memphis Grizzlies vs. LA Clippers. Nicht nur, weil die Fortsetzung von letztem Jahr zwischen zwei Mannschaften, die sich nicht im geringsten riechen können, an sich schon viel Brisanz verspricht. Sondern auch, weil beide Teams absolut auf Augenhöhe agieren und ähnlich stark sind. Memphis mit der zweitbesten Defensive der NBA, die Clippers mit der viertbesten Offense - eine klassische Patt-Situation, in der Nuancen den Unterschied machen werden. In der Theorie neigt sich die Waage dank des Cousins von Cliff Paul und dem Bench Mob minimal in Richtung LA, aber wie 2012 bereits gezeigt hat: meistens kommt alles anders, als man denkt. Diese Serie wird am häufigsten für Meinungswechsel sorgen.


Welches tiefer gerankte Team hat die besten Chancen auf ein Upset in Runde eins?

Florian Schaum: Neben den bereits angesprochenen Kelten besitzen die Bulls gute Karten auf ein Ticket in die zweite Runde. Was Coach Thibodeau aus der Truppe heraus holt ist einfach fantastisch, das ist eine verschworene Einheit, die trotz enormer Verletzungsprobleme tollen Teambasketball zeigt. Zudem steht Joakim Noah vor dem Comeback, ein Einzug der Bullenköppe in Runde zwei wäre für mich keine Überraschung.

Roman Schmidt: Die Knicks gehen als Favorit in die Serie, jedoch bereiten die Verletzungen des Frontcourts (allem voran Chandler) Sorgen. Die Celtics spielen zwar gerne small aber ohne die Präsenz des Defensivankers sind die Bockers für die Kobolde zumindest schlagbar. Gleiches gilt für Kenneth Faried. Sollte er länger ausfallen, haben die Warriors keine schlechten Chancen, die Klumpen zu eliminieren. Seine Energie würde Denver sehr fehlen.

Jeremias Heppeler: Die Celtics: Klar, Boston hat alles in allem eine enttäuschende Runde gespielt und mit Rajon Rondo seinen egozentrischen Kopf verloren. Dennoch sind Paul Pierce und auch KG noch hungrig genug, um den harmlosen keltischen Bruce-Banner der Regular Season zur grünen Playoff-Bestie mutieren zu lassen. Ich jedenfalls könnte mir als New York Knickerbocker auf dem 2nd Seed definitiv entspanntere Erstrundengegner vorstellen.

Robert Jerzy: Memphis, die mit den Clips noch eine Rechnung offen haben (Playoffs 2012).

Sebastian Dumitru: Milwaukee... nicht. Ich sehe in zwei Serien mögliches Upset-Potential, wobei erstere Situation schon oben angesprochen wurde. Memphis ist zwar an fünf gesetzt, hat aber ebenso viele Siege auf dem Konto, wie die Clippers (56-26) und die Saison sogar noch heißer beendet als LA. Wenn Zach Randolph halbwegs rund läuft und die defensivstarken Grizzlies es irgendwie schaffen, den Ball aus Pauls Händen zu nehmen (die Spurs haben vergangenes Jahr vorgemacht, wie es geht), dann kommen die Bären weiter. Chancen auf ein "echtes" Upset haben die Lakers, die mit einem kleinen Hoch in die Playoffs gehen, San Antonio vor einer Woche geschlagen haben und sich plötzlich als defensivstarkes Team, das vorne über Howard und Gasol im Post geht, sehen. Wenn Parker und Ginobili bei den Spurs nicht fit sind, dann haben die Lila-Gelben echte Chancen.


Welche Superstars werden in den Playoffs am meisten enttäuschen?

Florian Schaum: Blake Griffin, und das nicht nur aufgrund seiner roten Haare! In den Medien wird Griffin wie ein Superstar gefeiert, trotzdem hat es der 2,08 m Forward nicht verstanden seine Skills in diesem Jahr großartig weiterzuentwickeln. Schon in der letztjährigen Playoff-Serie zwischen den Clippers und Memphis hatte der Rotschopf so seine Problemchen mit dem starken Frontcourt-Duo um Marc Gasol und Zach Randolph. Dieses Jahr wird Griffin an der hohen Erwartungshaltung zerbrechen und auf voller Linie versagen.

Roman Schmidt: Eine undankbare Frage aber ich gehe mit Josh Smith. Ob er ein Superstar ist, darüber lässt sich streiten, aber über seine hohe Anzahl an Midrange-Backsteinen (ca.32%) und Dreiern (30%) nicht. Er maßt sich an ein Superstar zu sein und ohne Joe Johnson wird der Ball in kritischen Momenten wohl tatsächlichen bei ihm landen. Und dann viel Spaß, Atlanta. Potenzial für eine Enttäuschung sehe ich auch bei James Harden. Wenn die Referees in den physischeren Playoffs die Messlatte für Fouls in der Zone herunterschrauben sollten, könnten die PPG für Harden schnell gen Süden gehen. Ebenfalls wird OKC ihm alles entgegenwerfen, was sie haben. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist deutlich gering- aber die Gefahr besteht.

Jeremias Heppeler: So außergewöhnlich und unglaublich die Regular Season des Tim Duncan verlief – ich glaube nicht, dass die lebende Legende und auch sein kongenialer Park(n)er eine tragende Playoff-Rolle spielen werden. Die Western Conference strotzt nur so vor Young Guns, die gegen ein angeschlagenes San Antonio jede einzelne Sekunde mit durchgedrückten Gaspedal agieren und die leicht betagten Texaner müde hetzen werden.

Robert Jerzy: Monta Ellis ... der mich gerade angerufen hat und erbost ist, dass ich ihn in die Superstar-Kategorie gesteckt habe. Dann wären da noch Pau Gasol und ich starre Tony Parker sehr lange an ...

Sebastian Dumitru: Das Potential ist bei vielen da, aber wir müssen zwischen "enttäuschen" und "enttäuschen" unterscheiden. Jemand wie Carmelo Anthony wird mit Sicherheit irre Zahlen auflegen, würde aber dennoch enttäuschen, wenn er seine Knicks nicht mindestens bis in Spiel sechs eines Conference Finals schiesst. All-Stars wie Joakim Noah, Zach Randolph oder Tony Parker werden dagegen enttäuschende Stats auflegen, weil sie nicht wirklich fit sind. Die grösste Gefahr sehe ich bei Josh Smith, der die Kritiker seines kommenden Max-Sommers nicht einmal mit 25/10 im Schnitt zum Schweigen bringen wird, und bei Dwight Howard, dessen Leistungen ohne Kobe Bryant noch intensiver analysiert werden, um seinen künftigen Status innerhalb der erfolgsverwöhnten Organisation genau zu prüfen.


Welcher jetzt noch übersehene Spieler wird in den Playoffs seine Coming-Out-Party feiern? 

Florian Schaum: Wilson Chandler von den Denver Nuggets ist hier für mich noch vor Jimmy Butler und Norris Cole der heißeste Kandidat. Der Wingman hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass er einiges auf den Kasten hat und wird nach dem Saisonaus von Gallinari in den Playoffs so richtig abgehen!

Roman Schmidt: Es ist billig, Marc Gasol als übersehenen Spieler zu bezeichnen, aber er bekommt immer noch selten die Anerkennung, die er verdient. Man könnte argumentieren, dass der Spanier allmählich Dwight Howard den Rang als bester Center der Liga abläuft. Er hat alle Waffen um jedem Playoffteilnehmer erheblich weh zu tun. Kawhi Leonard’s Coming-Out-Party ist ebenfalls überfällig und Pop wird ihm alle Minuten geben, die der Junge verkraften kann.

Jeremias Heppeler: Ganz schwere Frage. Es gibt eine ganze Reihe von Youngsters, die bereits jetzt starke Rollenspieler sind und in den Playoffs noch wichtiger werden (müssen): Kawhi Leonhard, Jimmy Butler, Iman Shumpert, Jeff Green oder auch das Duo Barnes/Thompson. Darüber hinaus könnte Wilson Chandler nach Gallinaris Kreuzbandriss seine Einsatzzeit spektakulär nutzen.

Robert Jerzy: Deron Williams, der erst vor einigen Wochen aus dem Koma erwachte sowie Stephen Curry, der absolut auf der Liste der Spieler steht, die einen neuen Playoff Rekord in etwas aufstellen, in dem sie gut sind.

Sebastian Dumitru: Paul George. Die Zeiten, in denen der Youngster mit der ein oder anderen guten Partie auf sich aufmerksam machte und Leute mit seinem All-Around Potential bezirzte, sind offiziell vorbei. George ist ein All-Star, Indianas wichtigster Mann und der Franchise-Spieler, auf den es von nun an besonders ankommen wird. Nur mit einem George am oberen Limit haben die Pacers Chancen gegen die Heats und Knicks der Eastern Conference. Der 22-Jährige kann seinen Status als einer der kommenden Superstars der NBA mit zwei, drei dominanten Playoff-Serien in Offense und Defense zementieren.


Welche Teams treffen sich im jeweiligen Conference Finale?

Florian Schaum: Miami-NewYork und OKC-Denver

Roman Schmidt: An den Heat führt kein Weg vorbei, die Fans können quasi schon Tickets buchen. Wenn die Knicks nicht weiter von Verletzungen geplagt werden, können sie sich definitiv bis in die Conference Finals schießen. Im Osten daher Miami Heat – New York Knicks. Im Westen sehe ich keinen Favoriten. Die Spurs haben alles, um es in die Conference Finals zu schaffen - dort werden sie auch landen. Und da alle anderen wohl OKC sagen werden, nehme ich die Clippers. Sie sind im Klub der 4 Teams, die gleichzeitig in den Top 10 bei points allowed und points per game gerankt sind. Sie haben eine gute Kombination aus jungen Körpern und Veteranen. Und einen ausgeruhten Chris Paul, der dank Bledsoe und Crawford läppische 33,4 Minuten pro Spiel in den Knochen hat. San Antonio Spurs – Los Angeles Clippers.

Jeremias Heppeler: Den Heat-Tsunami wird den Ostern niederwalzen – auch weil die meiner Meinung nach potentiell gefährlichsten Konkurrenten durch gerissene Aufbau-Kreuzbänder eingeschränkt sind. Unter diesen Umständen ist D-Will der stärkste PG im Osten und könnte mit seinen euphorischen Nets die Heat am ehesten ärgern. Jigga What? Im Westen ist OKC für mich gesetzt, als Gegner markiere ich mal ganz Blog-patriotisch die Nuggets. Die gute Luft in der Mile-City-City machts möglich!

Robert Jerzy: Miami - New York im Osten. Oklahoma City - San Antonio im Westen.

Sebastian Dumitru: Miami/Indiana und Oklahoma City/Denver.