15 April 2013



Sebastian Dumitru 14. Apr, 2013                                   



Nur noch vier Tage, dann ist die 67. reguläre NBA-Saison Geschichte. Zeit also, um sukzessive die Award-Winner in 2012/13 unter die Lupe zu nehmen. Den Anfang machen die Most Improved Player, wo Indianas Paul George die Nase vorn hat und vier weitere, durchaus verdiente Kandidaten aussticht. Wie immer gilt: NBA-Sophomores finden bei mir nie nur ganz selten Berücksichtigung, denn einen großen Leistungsanstieg setze ich in Jahr zwei einfach voraus. Zu den Fakten:

Paul George (22)
'11/12 Stats: 12.1 PPG, 5.6 RPG, 2.4 APG in 29.7 MPG
'12/13 Stats: 17.5 PPG, 7.6 RPG, 4.1 APG in 37.6 MPG

Alle auf dieser Liste - und wahrscheinlich noch ein paar mehr - hätten Beachtung als Most Improved Kandidaten verdient, aber keiner von ihnen hat solch einen gigantischen Sprung gemacht wie Paul George. Man kann sicherlich für James Harden argumentieren, der in Houston zum All-NBA-Spieler heran gereift ist, aber dass Harden All-Star-Skills hat, wusste man schon in früher, als er noch für Oklahoma City bärtig war. George dagegen hielten die meisten für einen Rollenspieler - und wer will's ihnen bei seiner ursprünglichen Aufgabe in Indiana verdenken? Hinter Danny Granger, David West und Roy Hibbert war der junge Flügelspieler nicht mehr als ein talentierter Verteidigungsspezialist, der im Angriff die vierte Option gab und hier und da mit seiner Athletik verblüffte.


Grangers Verletzung im Trainingscamp veränderte alles. Als klar wurde, dass der Topscorer des Clubs mehrere Monate ausfallen würde, rückte George in den Fokus. Über Nacht wurde aus dem jungen Talent der Dreh- und Angelpunkt im Pacers-Spiel, derjenige, für den gegnerische Defensiven heute minutiös planen. Nach anfänglichen Anpassungsproblemen im November machte George Quantensprünge im Wochentakt. Er arbeitete an seinem Ballhandling, seinem Playmaking und seinen Drives. Die Quoten aus der Mitteldistanz gingen nach oben, während sich der 22-Jährige als wohl bester Perimeter-Verteidiger der Liga etablierte (Statistiken belegen das) und im Angriff gleichzeitig eines der besten Teams der NBA verankerte. Seinen All-Around-Skills ist es unter anderem zu verdanken, dass Indiana seinen ehemaligen Franchise-Spieler Granger keine Minute vermisste. George verbesserte sich in seinem dritten Profijahr auf 17,5 Punkte, 7,6 Rebounds und 4,1 Assists im Schnitt. Nur drei andere NBA-Spieler können solch ausgeglichene Statistiken vorweisen: LeBron James, Kevin Durant und Josh Smith. Die Coaches honorierten Georges Wachstum mit der verdienten Ernennung zum All-Star - sicherlich nicht die letzte für einen Youngster, der die anvisierte Transformation vom ungepriesenen Talent zum kommenden Superstar viel schneller und schmerzloser durchlebt hat, als das alle antizipiert hatten. So beeindruckend der statistische Sprung allein schon ist - Georges Adaption und die Langzeitimplikationen für Indiana und die Eastern Conference geben endgültig den Ausschlag zu seinen Gunsten.

Larry Sanders (24)
'11/12 Stats: 3.6 PPG, 3.1 RPG, 1.5 BPG in 12.4 MPG
'12/13 Stats: 9.8 PPG, 9.5 RPG, 2.8 BPG in 27.3 MPG

Seid ehrlich zu euch selbst: wer von euch kannte vorher Larry Sanders? Der 24-Jährige kam über Reservistenstatus und knapp 4 Punkte mit 3 Rebounds im Schnitt nie hinaus. Auch heuer ging er als klarer Backup in die Saison, überzeugte seine Coaches aber schnell dank seines unermüdlichen Einsatzes unter dem Brett und dem Skillset eines All-Time-Shotblockers. Sanders rutschte in Jahr drei unter Scott Skiles in die Startformation, legte dort früh ein Triple-Double hin (10 Punkte, 12 Rebounds, 10 Blocks gegen Minnesota), griff später 20 Rebounds (vs. Boston), machte das beste Center-Spiel aller Zeiten direkt gegen Dwight Howard, erkämpfte sich zwischenzeitlich die Pole Position bei den Blocks (mittlerweile Platz zwei hinter Serge Ibaka) und half entscheidend dabei mit, die Milwaukee Bucks in die Playoffs zu führen. Saisonwerte von 9.8 Punkten, 9.5 Rebounds und 2.8 Blocks in 27 MPG lassen erkennen, wo die Reise für "Block Sanders" in Zukunft hin gehen kann.

Greivis Vasquez (26)
'11/12 Stats: 8.9 PPG, 2.6 RPG, 5.4 APG in 25.8 MPG
'12/13 Stats: 13.9 PPG, 4.3 RPG, 9.1 APG in 34.4 MPG

Spätestens, wenn dein altes Team (Memphis) dich schon mehrmals vermisst hat, weisst du, dass du angekommen bist in der NBA. Vasquez war in New Orleans einer der wenigen konstanten Lichtblicke in einer Saison, die wieder einmal für viel Frust und lange Gesichter sorgte. Am Spiel des längst etablierten Spielmachers lag es sicherlich nicht, dass die Hornets unten in der Tabelle herum dümpeln (Verletzungen und ein mieser Kader waren schuld). Der 26-Jährige belegt mit 9.1 Assists pro Abend Platz drei in der NBA und hält hinter Chris Paul die zweithöchste Assist-Rate der Liga inne. Dazu solide 13.9 Punkte pro Abend und 4.3 Rebounds, und es wird klar, dass der Venezuelaner einen grossen Satz nach vorne gemacht hat in seinem dritten Jahr. Was eigentlich als Schwachstelle im Kader propagiert wurde, war in der abgelaufenen Saison eine der Stärken der Hornets. Mit Vasquez kann man langfristig planen.

Jrue Holiday (22)
'11/12 Stats: 13.5 PPG, 3.3 RPG, 4.5 APG in 33.8 MPG
'12/13 Stats: 18 PPG, 4.3 RPG, 8.2 APG in 38.1 MPG

Die Saison in Philly war zum Vergessen, aber wo viel Schatten ist, muss bekanntlich auch ein wenig Licht sein. Und erhellend war in '12/13 definitiv das Spiel von Jrue Holiday, der nach den Abgängen von Andre Iguoadala und Lou Willias (und ohne den verletzten Andrew Bynum) zum neuen Brennpunkt der Sixers-Offensive heran reifte. Früher noch häufig passiv und nur sporadisch angriffslustig, übernahm der 22-Jährige früh und entschieden Verantwortung. Holiday schraubte seine statistischen Werte auf starke 18 Punkte, 4 Rebounds und 8 Assists pro Abend und war die einzige echte Konstante im Sixers-Spiel. Coaches honorierten seinen steilen Formanstieg in Jahr drei mit der Ernennung ins All-Star Team. Ein Blick in die Glaskugel verrät, wo Holiday in einem Jahr stehen könnte: im Januar legte er 21 Punkte (48% FG), 9 Assists und 2 Steals pro Abend auf - durchaus realistische Durchschnittswerte für den nächsten regular season Durchgang.

James Harden (23)

'11/12 Stats: 16.8 PPG, 4.1 RPG, 3.7 APG in 31.4 MPG
'12/13 Stats: 26 PPG, 4.8 RPG, 5.9 APG in 38.3 MPG

37 Zähler im ersten Spiel als Rocket; 45 am Abend drauf; 64 Mal in 76 Partien 20 Punkte oder mehr erzielt; fünftbester Scorer der NBA; All-Star, All-NBA Guard und Top-10 Spieler.... Ihr seht sicher schon, wo dieser Faden hinführt: James Harden ist professioneller Punktesammler, sogar einer der besten der Liga. Was sich früher nur die wenigsten vorstellen konnten, ist Realität geworden. OKCs ehemalige dritte Option ist in Houston zum Franchise-Spieler und Superstar erblüht. Aber so gigantisch Hardens statistischer Jump auch ist (+9.2 PPG), liegt hierin auch gleichzeitig die Crux: der Bart war schon in Oklahoma City fantastisch. Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist die Anzahl seiner Ballbesitze, die Frequenz seiner Angriffe und die Verantwortung, die er heute trägt. Die Advanced Stats verraten das (Anstieg der Usage-Rate von 21.6% auf 28.8%). Was sie leider auch verraten: Hardens True Shooting Percentage (von 66 auf 60%), sein Offensivrating (von 125 auf 117) und seine angepassten Win Shares pro 48 Minuten sind allesamt gefallen. Harden spielt enorm vielseitig und hat aus den Houston Rockets ein Playoff-Team gemacht. Sein Problem: er war schon vergangene Saison einfach zu gut, um für diesen Award ernsthaft berücksichtigt werden zu können.