16 April 2013



Sebastian Dumitru 16. Apr, 2013                                   


Nur noch zwei Tage, dann ist die 67. reguläre NBA-Saison Geschichte. Zeit also, um sukzessive die Award-Winner in 2012/13 unter die Lupe zu nehmen. Weiter geht's mit den Top-Rookies, wo Portlands Damian Lillard das Rennen dermaßen dominierte, dass es nach zwei Monaten schon gar keinen großen Sinn mehr machte, Rookie-Rankings zu fabrizieren. Zu den Fakten:

Damian Lillard (22)
'12/13 Stats: 19.1 PPG, 3.2 RPG, 6.5 APG in 38.5 MPG

Ich muss eine schockierende Nachricht verkünden: Damian Lillard ist der Rookie des Jahres! Ich weiß, ich weiß, ich bin ebenso überrascht wie ihr. Schließlich platzierte der Trail Blazer ja nur bei den Punkten, Assists, Field Goals, Dreiern, Freiwürfen und gespielten Minuten auf Platz eins unter allen NBA-Frischlingen. Dazu weisen Anthony Davis (21.78) und Andre Drummond (21.63) höhere Player Efficiency Ratings auf als Lillard (16.42), dessen Zahlen ohnehin ein wenig aufgeblasen wirken dank einer klaren Führungsrolle in Portland, wo er vom ersten Spieltag an Hauptverantwortung übernehmen musste. Und: seine Defense ist mies. Spass beiseite: wenngleich Lillard vielleicht nicht der effizienteste Rookie war, und vielleicht auch nicht der erste All-Star oder irgendwann der beste Spieler dieses Jahrgangs sein wird, konnte ihm keiner seiner Kollegen auch nur ansatzweise das Wasser reichen.

Tatsache ist, dass Lillard in Portland mehr, weitaus mehr, machen musste, als jeder andere Rookie. Er musste einen All-Star und drei weitere Veteranen in der Starting Lineup in Szene setzen, konstant den eigenen Abschluss suchen, weil Portland kaum Offensivoptionen hatte, in der Crunchtime Verantwortung übernehmen und gleichzeitig im Eiltempo hinzu lernen, ohne den Luxus einen erfahrenen Mentors auf der Bank, der ihm die Nuancen des NBA-Spiels erklären konnte. Umso erstaunlicher ist, dass Lillard von Monat zu Monat immer besser wurde und die Trail Blazers im März fast im Alleingang auf Playoff-Kurs hielt (21.3 PPG, 6.8 APG, 48% FG). Seine absolvierten Minuten liegen mehr als ein Drittel über denen des zweitplatzierten Rookies (Harrison Barnes), ohne seine Produktivität nur im geringsten negativ beeinflusst zu haben. Lillard musste die mit Abstand meisten und schwersten Aufgaben bewältigen und tat dies mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Das ROY-Rennen war schon lange nicht mehr so einseitig.

Anthony Davis (20)
'12/13 Stats: 13.5 PPG, 8.2 RPG, 1.8 BPG in 28.8 MPG

Vielleicht hätte die Braue den Bewerb etwas spannender gestalten können, wenn er weniger verletzt gewesen wäre (17 Spiele verpasst) und zu Beginn nicht gewirkt hätte wie eine Giraffe auf Schlittschuhen. Nach Anpassungsproblemen an die NBA-Spielweise kam der Nummer eins Pick dann aber immer besser in Fahrt (16.1 PPG, 9.8 RPG im März/April). Man erkennt gigantische Lernzuwächse, vor allem am defensiven Ende. Sein Rebounding gehört schon jetzt zum Besten, was die NBA zu bieten hat. Seine Länge, Beweglichkeit und Beharrlichkeit zahlt sich mehr und mehr aus, auch offensiv, und man sieht Anzeichen eines künftigen Franchise-Players, der einem Spiel durch seine schiere Präsenz den Stempel aufdrücken kann. Wenn Davis gesund bleibt und in den nächsten Jahren ein paar Pfunde drauf packt, dann wird er schon bald alle Erwartungen erfüllen, die ihn als College-Spieler des Jahres so begehrt machten. Davis' Rookie-Jahr war gut. Lillard war einfach nur besser und beständiger.

Bradley Beal (19)
'12/13 Stats: 13.9 PPG, 3.8 RPG, 3.4 APG in 31.2 MPG

Washingtons Bradley Beal war mitnichten die dominante Kraft, die man von einem dritten Pick im Draft vielleicht erwartet. Aber es wäre ein Fehler, die Saison des 19-Jährigen als Enttäuschung zu werten. Ein katastrophaler Start als erste Scoring-Option in einem schwachen Team, das ohne seine Veteranen und Point Guard Katalysator John Wall auskommen musste, warf Beal in der Gunst der Fans sicher zurück. Nach dem Jahreswechsel zeigte Beal aber sein wahres Gesicht: an der Seite der rekonvaleszenten Wall fand der Rookie als zweite Option seinen Groove, profitierte als Shooter von neuen, völlig freien Würfen und zeigte als sekundärer Spielmacher Abgeklärtheit und einen unwiderstehlichen Drive zum Korb. Von Januar bis März stiegen seine Werte auf 16 PPG bei 47% aus dem Feld und 49% von der Dreierlinie - starke Zahlen, die Beal in seiner zweiten Saison an der Seite von Wall ohne Weiteres überbieten kann. Eins wurde klar: der Backcourt in Washington gehört schon bald zu den besten der Liga.

Andre Drummond (19)
'12/13 Stats: 7.8 PPG, 7.7 RPG, 1.6 BPG in 20.5 MPG

Als offizieller Aufsichtsratssprecher der hiesigen #FreeDrummond-Kampagne brüllte ich den Befreiungsslogan zugunsten des imposanten Pistons-Rookies bei fast jeder Gelegenheit in den Äther. Dumm nur, dass Detroits Verantwortliche, allen voran der unterdurchschnittliche Lawrence Frank, den kollektiven Bittgesuchen nie nachkamen und Drummond über weite Strecken auf der Bank parkten - "zum Schutz", wovor auch immer. Wenn er dann mal spielen durfte, verblüffte der Koloss mit seiner schon jetzt ausgeprägten Fähigkeit, beide Zone einzunehmen, die Bretter zu kontrollieren und im Angriff höchst effizient abzuschliessen. Das gelang ihm, weil er fast ausschließlich am Ring agiert und hochprozentige Würfe nimmt. Eine Rückenverletzung im Februar beendete Drummonds überraschend starke Rookie-Kampagne zwar vorzeitig, aber Detroit wäre sehr gut beraten, Frank im Sommer in den Wind zu schießen und 'Dre' zusammen mit Greg Monroe in Zukunft 35 Minuten pro Abend spielen zu lassen. #FreeDrummond!!!!!!!!

Michael Kidd-Gilchrist (19)
'12/13 Stats: 9 PPG, 5.8 RPG, 1.5 APG in 26 MPG

Der jüngste Spieler der NBA offenbarte in seiner ersten Profisaison allen voran zwei Dinge: er verteidigt exzellent und hat offensiv absolut keine Ahnung, was er da eigentlich tut. Vor dem Draft schrieb ich: "...Sein Offensivspiel ist aber insgesamt noch weit davon entfernt, NBA-tauglich zu sein (...) Er ist kein guter Ballhandler, kann sich noch keinen eigenen Wurf erarbeiten, und selbst wenn er es könnte, wüsste er vermutlich nichts damit anzufangen. Da hat Kidd-Gilchrist noch eine Menge Arbeit vor sich." Und so kam es dann auch, was absolut keinen wirklich überraschte. MKG baute im Angriff nach zwei starken Auftaktmonaten vollkommen ab, blieb aber stets Charlottes bester Defender (und der effektivste Rookie am hinteren Ende des Courts). Wenn er im Sommer an seinem Jumper arbeitet, wird er immense Fortschritte in seiner Sophomore-Saison sehen können. Kein spektakuläres, aber eine durchaus solides Jahr für einen emsigen Top-Athleten, der schon mit 18 Jahren in die Liga kam und noch massig Zeit hat, die Lücken in seinem Spiel zu stopfen.