17 April 2013


George Karl führte die starlosen Denver Nuggets zur besten Saison der Franchise-Geschichte (Photo: Bruce Boyer)

Sebastian Dumitru 17. Apr, 2013                                   


Nur noch einen Tag, dann ist die 67. reguläre NBA-Saison Geschichte. Zeit also, um sukzessive die Award-Winner in 2012/13 unter die Lupe zu nehmen. Weiter geht's mit den Coaches, wo selbst das folgende Quartett verdiente Kandidaten wie Vinny del Negro, Frank Vogel, Tom Thibodeau oder Marc Jackson außen vor lassen muss, weil das sonst den Rahmen sprengen würde. Zu den Fakten:

George Karl (Nuggets)
56-25 Siege, OffRtg 107.5 (5.), DefRtg 102.1 (11.)

Es hätte ein halbes Dutzend wohlverdienter Kandidaten für den Coach of the Year Award gegeben, und einer Ernennung zum Trainer des Jahres wohnt - wie übrigens bei allen Awards - eine nicht von der Hand zu weisende Subjektivität inne, aber wenn ich den in-season Impact mit den Langzeitimplikationen dieser Spielzeit zusammen lege, gibt es an George Karl als COY kein Vorbeikommen. Karl hielt seinen blutjungen Kader (drittjüngste Lineup der NBA) trotz massivem Spielplannachteil im November/Dezember zusammen und installierte die richtigen Verhaltensmuster in einem Team, das ohne eine einzigen Superstar auskommt - und bestens gedeiht.

Karls Strategie mutet so simpel wie revolutionär an in einer Liga, die das Spiel zunehmend breit macht und von draussen drauf hält, was die nutzlosen Shooting Sleeves hergeben (noch nie wurden so viele Dreier genommen wie in dieser Saison). Die Nuggets gehen lieber nach innen, verschmähen lange Jumpshots und drücken 48 Minuten lang aufs Tempo. Karl hat es geschafft, balanciert und ausgeglichen aufzustellen und zuvor Aussortierte (Corey Brewer, Wilson Chandler, zuletzt Evan Fournier) zu Leistungsträgern zu machen. Selbst Verletzungen der Protagonisten Ty Lawson und Danilo Gallinari konnten den unerbittlichen Nuggets-Express nicht aufhalten. Denver platziert bei den Punkten, Rebounds, Assists, Steals und Blocks unter den Top-5, ist seit dem All-Star Break eines von nur drei Teams (OKC und Miami) mit offensiver und defensiver Top-10 Effizienz und rangiert mit der besten Heimbilanz der Liga (37-3) auf Rang vier der NBA-Gesamttabelle. Karl, der seit 33 Jahren coacht, mehrfach das Conference Finale erreichte und noch nie als Coach of the Year geehrt wurde, hat sich diese Auszeichnung spätestens jetzt mehr als verdient.

Gregg Popovich (Spurs)
58-23 Siege, OffRtg 106.1 (7.), DefRtg 99.1 (3.)

Und jährlich grüßt der Murmel-Pop... Es ist ja mittlerweile zum Running Gag geworden, die Spurs vor der Saison drei bis fünf Plätze weiter unten anzusiedeln als dort, wo sie im April dann letztendlich landen werden. Gregg Popovich ist Schuld daran, dass alle Experten-Prognosen in Schall und Rauch aufgehen. Pop hätte den Award eigentlich jedes Jahr verdient. San Antonio wird in diesem Jahr zum 16. Mal in Folge die Playoffs erreichen, nachdem das Team trotz Verletzungssorgen von Tony Parker bis Manu Ginobili lange Zeit um den Top-Spot im Westen buhlte. Popovich revolutioniert weiterhin das Spiel mit einer Offensive, die auf Ballbewegung und schnellen Seitenwechseln beruht und schaffte es gleichzeitig, die Spurs in der Defensive zurück in die Top-5 zu führen. Die Frage wird nun sein, ob Pops' schwarz-weisse Maschinerie in den Playoffs wieder auf Hochtouren kommt.

Mike Woodson (Knicks)
53-28 Siege, OffRtg 108.6 (3.), DefRtg 103.6 (16.)

Manche tun sich schwer, Coaches von Veteranen-Teams wie diesen Knicks zu honorieren. Aber Woodson hat nicht nur die Offensivphilosophie seines ehemaligen Bosses Mike D'Antoni, den er letzte Saison beerbte, mit seinen eigenen Ideen verschmolzen und die 'Bockers zu einem der effektivsten Angriffsteams der Liga gemacht. Sondern gleichzeitig auch eine geradezu lächerliche Anzahl von Verletzungen, vor allem der Big Men (das kommt davon, wenn man all seine Bigs direkt aus dem Altersheim holt) geschickt aufgefangen, indem er sein Spielsystem anpasste und mit Smallball und Unmengen von Dreiern (Platz 1) durch die Saison manövrierte. Carmelo Anthony avancierte zum NBA-Topscorer, J.R. Smith ist erwachsen(er) geworden, und New York hat seinen ersten Division-Titel seit 1993 (Pat Riley, Trainer des Jahres) im Sack. Woodsons dauerentspannter Coaching-Stil hat an all dem einen großen Anteil.

Erik Spoelstra (Heat)
65-16 Siege, OffRtg 110.3 (1.), DefRtg 100.5 (7.)

Eine Schule sagt: wer die beste Bilanz der NBA hat, der sollte auch zum Trainer des Jahres gewählt werden, unabhängig von anderen Faktoren. Schließlich ist doch das Ziel eines jeden Übungsleiters, so viele Siege wie möglich zu akkumulieren. Miami sicherte sich nicht nur die beste Bilanz der Liga, sondern schrieb mit 27 Siegen in Folge auch noch NBA-Geschichte. Spoelstras Rolle als Motivator, Ego-Jongleur und gewiefter Taktiker (LeBron im Low Post, Bosh an der Dreierlinie) kann und darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Dennoch hat kein Coach mehr zur Disposition als Spoelstra, der nicht auf zwei den besten Spieler der Welt, einen weiteren Top-15 All-Star, den besten Dreierschützen aller Zeiten, den möglicherweise vielseitigsten glue guy der NBA und eine Vielzahl weiterer Rollenspieler-Optionen zurück greifen kann, sondern auch noch im erschreckend schwachen Osten antritt, wo in diesem Jahr gefühlte 50% aller relevanten Franchise-Spieler verletzungsbedingt ausfielen. 58 Siege im Westen sind für mich allemal mehr wert als 60-plus in der Eastern Conference. Nachtrag: ich bin dennoch fest davon überzeugt, dass Spoelstra hier den Zuschlag erhält...