20 März 2013


Für White war es eine ereignisreiche Rookie-Saison - allerdings nicht im Rockets-Trikot. (Photo: GoIowaState)

Daniel Schlechtriem 20. Mar, 2013                               


Royce White hat es mal wieder geschafft. Gerade wenn die Hoffnung wächst, dass der sechzehnte Pick des letztjährigen Drafts endlich seinem Talent, seiner riesigen Begabung gerecht werde, zieht der so gesegnete All-Rounder jener Hoffnung nicht nur den Boden unter den Füßen weg, sondern schleudert sie ohne mit der Wimper zu zucken mit Gewichten versehen in die tiefste Teergrube. 

Nach all dem Drama, den Anschuldigungen und Forderungen konzentrierte sich der Forward zuletzt endlich auf den orangenen Ball, legte vergangenen Mittwoch gegen die Idaho Stampede sein zahlenmäßig bestes Spiel auf (19 Punkte, 7 Rebounds, 6 Assists, 2 Blocks). Auch wenn White in seiner noch jungen D-League Karriere (zwölf absolvierte Spiele) inzwischen schon zwei Mal des Feldes verwiesen wurde, schien es endlich bergauf zu gehen. Aber wie gesagt: Immer wenn die Hoffnung keimt...

Das Leben fernab des Platzes holt ihn wieder einmal ein. Allerdings geht es  dieses Mal nicht um Angststörungen oder Streitereien über medizinisches Personal, es geht nicht um Reisepläne oder provokante Tweets. Es geht ins Private, sehr sogar. Und doch muss es hier behandelt werden, weil es Rückschlüsse auf den Menschen und damit auch den Basketballspieler Royce White zieht. Am Wochenende verbreitete sich ein Gerücht, nach dem White eine Damenbekanntschaft aus Florida nicht nur geschwängert, sondern ihr auch eine Abtreibung – vorsichtig ausgedrückt – nahe gelegt habe. Gewiss, nicht gerade eine bahnbrechende und noch nie in der NBA zuvor gehörte Neuigkeit, bedenkt man nur die Umtriebe der Herren Kemp, Malone oder Pippen. Aber Royce White stößt in andere Größenordnungen vor, weil er bisher lediglich außerhalb der Parketts für Furore sorgte und Coaches und Management bis zum heutigen Tage Kopfzerbrechen bereitet. Und, weil er, 21 Jahre alt, bereits zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen hat, von denen eine nun ebenfalls wieder guter Hoffnung ist.

Die dritte Glückliche meldete sich bei einer Radiostation in Houston und stand dort in bester Nachmittagsprivatfernsehen-Manier Rede und Antwort. Für die Schmerzfreien (klick), für den Rest eine Kurzzusammenfassung: Sie hält White für unreif und verantwortungslos. Er gibt ihr die 'Schuld' an der Schwangerschaft. Auf die Nachricht reagierte er desinteressiert und teilnahmslos. Von seinen anderen Kindern erfuhr sie erst jetzt aus den Medien. Royce sieht sich selbst (mal zur Abwechslung) in der Opferrolle.

Kurzum: Im kommenden Herbst, wenn die neue Saison startet, wird der dann 22-jährige trotz begnadetem Talent nicht eine Sekunde NBA-Spielzeit in seiner Vita aufweisen können, er wird nicht einen Punkt erzielt, nicht einen Rebound gegriffen, nicht einen Assist gegeben haben. Aber er wird vierfacher Vater mit drei verschiedenen Müttern sein, zwei dieser Kinder gezeugt haben, seit er ein Houston Rocket ist. Und damit, so das traurige Fazit, hat er in seinem Rookie-Jahr im Schlafzimmer mehr Zählbares zustande gebracht, als auf dem Basketballfeld. Ein Umstand, den man so für sich stehen lassen sollte.

Um im Horizont dieser bizarren Hergänge den eigentlich sportlichen Anspruch dieses Textes noch etwas zu legitimieren, ein kurzer Fragenkatalog, den sich die Hand-vor-den-Kopf-schlagenden Verantwortlichen der Rockets nun stellen müssen: Wie soll eben jener Royce White angesichts solcher Verhaltensmuster jemals in einem Mannschaftssport erfolgreich sein? Wie sollen Teamkameraden ihm trauen können, wie will er sich Respekt in der Umkleide verdienen? Wie soll er je einen freien Kopf bekommen und sich voll und ganz auf seine Profession konzentrieren, wenn er Ärger wie diesen nicht nur magisch anzieht, sondern mit ihm Tango zu tanzen pflegt? Wird er überhaupt jemals die geistige Reife entwickeln, die ein Spieler in der besten Liga der Welt an den Tag legen sollte?

Was bleibt einem Außenstehenden abschließend übrig, außer einem Appell? Nichts passt besser, als eben jener Hashtag, den White sonst selbst so gerne benutzt: #BeWell