08 März 2013



von Daniel Schlechtriem

Mighty Mouse back in the house

Daryl Morey hat wieder zugeschlagen. Als hätten die Rockets zuletzt nicht schon genug gute Neuigkeiten aus Sacramento gehört, wurde vergangene Woche bekannt, dass sich die Kings von Point Guard Aaron Brooks trennen. Vermutlich hatte man im Hause Maloof schließlich festgestellt, dass in Isaiah Thomas, Tyreke Evans, Jimmer Fredette und Neuzugang Toney Douglas diese Position in der Tiefe doch etwas überbesetzt war und deshalb reagiert. Gute Neuigkeiten für Houston, weil sie auf diesem Wege ohne Gegenleistung ihren ehemaligen Starter zurückbekommen. Die Rockets drafteten Brooks 2007 an 26. Stelle und bauten ihn zum Leistungsträger auf der Eins auf.

Seine unvergessene Galavorstellung im vierten Spiel der 2009'er Playoffserie gegen die Lakers gehört noch immer zu den Highlights der jüngeren Teamgeschichte. Der Guard führte die damals von Yao Mings neuerlicher Verletzung geschockte Mannschaft in ein nicht für möglich gehaltenes siebtes Spiel gegen den späteren Meister aus Los Angeles. In der Saison 2009-10 avancierte Brooks, genannt 'Mighty Mouse', zum Most Improved Player. Er startete in allen 82 Spielen und holte in 35 Minuten im Schnitt 19,6 Punkte und 5,6 Assists, traf 40% seiner Würfe von Downtown. 

Im folgenden Herbst begann jedoch der sportliche Abstieg, von dem sich der 28-jährige bis heute noch nicht erholt hat: Brooks verletzte sich unglücklich beim Versuch eines Buzzer Beaters von der Mittellinie. Sein Backup Kyle Lowry spielte in Abwesenheit des amtierenden MIPs derart großartig auf, dass die Rockets ihr Eigengewächs zur Trade Deadline für Goran Dragic und einen Draft Pick nach Phoenix schickten. In der Wüste wurde 'AB' aber nie wirklich glücklich, seine Leistungen waren weit von dem entfernt, was sich die Suns erhofft hatten, daher gaben sie, als der Vertrag auslief, nicht einmal ein Qualifying Offer für ihn ab. Während des Lockouts ging Brooks nach China zu den Guandong Southern Tigers, wo er als früherer Teamkollege Yaos auch heute noch große Beliebtheit genießt. Er führte sein Team als bester Vorlagengeber in die Finals, die Tigers unterlagen jedoch den Beijing Ducks. Im Sommer unterschrieb der Point Guard dann einen neuen Vertrag in der NBA und schloss sich den Kings an. Doch auch in Kalifornien schaffte er es nicht, an alte Zeiten anzuknüpfen. In 46 Spielen holte er lediglich acht Punkte im Schnitt, spielte zuletzt überhaupt keine Rolle mehr in der Rotation Keith Smarts und wurde für jenen entbehrlich. 


Risiko?

Auf dem Papier bekommen die Rockets also einen Spieler, der selbst für eins der schlechtesten Teams der Liga nicht gut genug war. Dennoch sprechen einige Gründe dafür, dass seine Rückholaktion ein guter Zug war:

 Brooks kennt die Stadt, er kennt die Franchise und das Toyota Center. Hier hat er seine besten Spiele gemacht, hier fühlt er sich heimisch. Die Rückkehr wird ihn beflügeln.
 Der kleine, wendige Point Guard passt perfekt in Kevin McHales Up-Tempo System. Brooks bringt Schnelligkeit und einen immer noch gefährlichen Wurf von Downtown mit, er ist wie geschaffen für blitzartige Fast Breaks.
 Finanziell und sportlich stellt 'AB' keinerlei Risiko dar: Die Rockets sind ohnehin weit unterhalb des Salary Caps und haben sich für die kommende Saison eine Teamoption gesichert. Sollte 'Mighty Mouse' in Houston seine Wiederauferstehung feiern, hat man einen weiteren starken Guard in der Rotation, kann aber gleichermaßen den Vertrag zu Saisonende kündigen, sollte er den Anforderungen nicht mehr genügen oder finanzieller Spielraum benötigt werden.
◙ Nach den Rückschlägen in Phoenix und Sacramento steht Brooks vor einem entscheidenden Schritt seiner Karriere. Schafft er es in Houston nicht, wird er es schwer haben, nochmal in der NBA unterzukommen. Er muss um sein sportliches Überleben kämpfen und daher vom ersten Tag an Gas geben. 
 Dass er es immer noch kann, zeigte Brooks im Dezember, als er in seinem besten Spiel für Sacramento sein Team mit 23 Punkten (9-12 aus dem Feld, 3-3 von Downtown) und fünf Assists zu einem Sieg über die Golden State Warriors führte. Zum alten Eisen gehört der 28-jährige also allemal noch nicht.

Zweikampf mit Patrick Beverley

Zu Saisonbeginn hatte 'AB' allein mehr Spiele für die Rockets absolviert, als der gesamte restliche Kader zusammen. Den roten Teppich wird ihm Headcoach McHale deshalb aber nicht ausrollen. Frühere Verdienste zählen nicht, zumal von Brooks damaligen Teamkollegen ohnehin kein einziger mehr übrig ist. Eigentlich sind keine Minuten bei den Point Guards übrig: Jeremy Lin spielt seit Februar stark verbessert, legte vergangenen Monat 14,5 Punkte und 6,7 Assists auf und reduzierte seine Turnover auf 2,5 pro Spiel. Die Starterrolle ist also klar vergeben und auch der Backup Patrick Beverley zeigte zuletzt keine Schwächen, im Gegenteil: Beim Auswärtsspiel in Orlando war es der Rookie vom Arkansas College, der die Rockets mit wichtigen Punkten im letzten Viertel am Leben erhielt und maßgeblich daran beteiligt war, dass die Texaner die Partie in der Schlussphase noch zu eigenen Gunsten drehten.

Brooks wird es also ähnlich schwer wie in Sacramento haben, sich überhaupt erst Minuten zu erkämpfen. Dennoch bringt er etwas Erfahrung ins nun nicht mehr jüngste Team der Liga und könnte noch eine wichtige Rückversichung für die Rockets im Kampf um die Playoffs werden. Zu verlieren hat Houston mit dieser Verpflichtung nichts.