21 März 2013


Howard präsentiert sich seit dem All-Star Break wie ausgewechselt und um Längen reifer. (Photo: Scott Mecum)

Onur Alagöz 21. Mar, 2013                                     


Was haben wir ihn verteufelt und gescholten. Er sei eine Diva, nicht gemacht für die größte aller Bühnen, für das helle Scheinwerferlicht und den Erwartungsdruck in L.A. Dwight Howard enttäuschte. Klar, er ist eine Naturgewalt, ohne Frage. 120 Kg verteilt auf 211 Zentimeter pure Power. Aber anstatt die jeden Abend in die Schlacht zu werfen, wirkte er ein wenig passiv, gelangweilt, stellenweise frustriert und antriebslos.

Dabei waren es nicht seine Statistiken, die enttäuschten: Vor dem All-Star Break legte Dwight 16,3 Punkte, 11,8 Abpraller und 2,3 Blocks im Schnitt auf. Auch die 57% Erfolgsquote aus dem Feld war nicht zu verachten und das alles, obwohl er sich noch von einer schweren Rückenverletzung erholte. 
Immer wieder stellte sich der Verdacht ein, dass dieser Mann nicht zum Gewinnen gemacht ist. Ein großes Baby, unreif, verantwortlich für „Dwightmare“ und einer der Hauptgründe für das erzwungene Teammeeting am 23. Januar. In seiner Rolle und mit dem mangelnden Erfolg unzufrieden, brachte Howard nicht einmal genug 'cojones' auf, um auf Kobes Fragen zu antworten. Mamba fragte Howard, ob er ein Problem damit hätte, neben ihm zu spielen. Dwights Reaktion? „Despondent“, berichtete die amerikanische Presse, also niedergeschlagen oder bedrückt.

Aktuell hat man 16 der letzten 23 Partien gewonnen, davon ein äußerst beeindruckender Arbeitssieg in Indiana. Seit dem Spiel der Besten in Houston holt Dwight schlappe 14,7 Rebounds im Schnitt, blockt 2,8 Würfe und zeigt die Energie am defensiven Ende, die ihn so sehr ausmacht. Verschiedene Aspekte seines Spiels wurden in verschiedenen Spielen deutlich:

• Seine Arbeit am Brett gegen Chicago, als er 7 Offensivrebounds und 21 insgesamt holte, vier Würfe zurück an den Absender schicken konnte und als kleines Sahnehäubchen auch noch 16 Punkte lieferte. Er spielte mit Noah und Boozer nach Belieben und zeigte die schöne Pick-and-Roll-Action, die wir von Nash/Kobe mit Howard sehnlichst erwartet hatten.

• Seine pure, athletische Dominanz gegen seinen Ex-Verein Orlando. Vor der feindlichsten Kulisse, unter schallenden Buhrufen sah der Statistikbogen für ihn wie folgt aus: 39 Punkte, 25 verwandelte Freiwürfe bei 39 Versuchen, 16 Rebounds und 3 Blocks.

• Der enorm wichtige Sieg gegen Indiana zeigte dann ein wiederkehrendes Muster, welches den wachsenden Optimismus unter Lakers-Fans weiter anschürte: Die Big Men der Pacers hatten keine Chance gegen D12, der sie vorführte, defensiv terrorisierte und dem gesamten Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte. Besonders Roy Hibbert musste als Opfer herhalten, der trotz eines glücklichen Dreiers am Ende nur auf 7 Punkte kam und von Dwight immer und immer wieder attackiert und somit in Foulprobleme gebracht wurde.

Es freut zu sehen, dass Howard sich wieder in Richtung 100% bewegt und Spiele dominieren kann. Gerade jetzt, in der vielleicht wichtigsten Etappe der Saison, ist das Team auf ihn enorm angewiesen.  Kobes Knöchelverletzung könnte sich als ein riesiger Stolperstein erweisen. Bei den Pacers und den Kings konnten die Lakers den wachsenden Rhythmus und die endlich entstehende Synergie zur Schau stellen. Gegen die Suns am Montag zeigte sich dann aber ein wenig die Müdigkeit. Trotzdem. In dieser verrückten, enttäuschenden Saison kann man jetzt noch einen versöhnlichen Abschluss finden. 

Die Playoffs stehen vor der Tür und man hat eine relativ realistische Chance, sie auch zu erreichen. Die Powerhäuser im Westen sind allesamt nicht gerade erpicht darauf, den Lakers in der ersten Runde zu begegnen und auch wenn der Titel Lichtjahre entfernt zu sein scheint, wenigstens ein wenig ärgern kann man die Thunder oder die Spurs ja. Viel hängt davon ab, wie viel Energie und Reife Dwight jetzt zeigt. Will er nur der Pausenclown sein, der ab und an mal kraftvoll dunkt und einen Wurf in die 8. Reihe befördert? Oder will er der sein, der nach dem Spiel als MVP der Partie auserkoren wird. Der nicht zwei, drei Würfe blockt, sondern dafür sorgt, dass erst keine in Ringnähe entstehen. Der defensiv das Monster zeigt, das er nun mal ist. Der zwingend Doubleteams notwendig und somit seine Mitspieler ein wenig besser macht. Er muss diesen „mean streak“, wie es im Englischen genannt wird, beibehalten und konservieren. Diese gemeine Ader, die für 39 Freiwurfversuche sorgt, wenn das Publikum dich ausbuht. Oder Spaß daran findet, die Guards dazu zu bringen, sich nicht mal in die Zone zu trauen. 

Er muss reifer werden. Aber bei aller Kritik, die wir – berechtigterweise – angebracht haben: Es geht in die richtige Richtung. Er findet seine Komfortzone im Spiel der Lila-Gelben und versucht, Spiele und nicht das Publikum für sich zu gewinnen. Den Manager, der für Dwights Seifenoper in Orlando mitverantwortlich war, Kevin Samples, hat er entlassen. Ein großer Schritt, wenn man bedenkt, dass Samples sein Cousin ist.

Vielleicht durchlebt Howard auch langsam diesen Schritt vom Entertainer zum Profiathleten, wie ihn LeBron in den letzten 1 ½ Jahren durchgemacht hat. Vielleicht hat er es satt, individuell zu dominieren ohne sichtbaren Erfolg. Möglicherweise, aber auch nur ganz ganz möglicherweise, versteht Dwight Howard, dass Kobe nicht zu viel verlangt, sondern genau das, was nötig ist, um alles zu gewinnen. Dwight Howard geht weiter Richtung 100%, meine Damen und Herren und davor sollte sich die ganze Liga fürchten.