07 März 2013



von  Onur Alagöz   @LakersParadigm

53.388 Minuten. In lauten, heißen Hallen. Auf dem Hardwood. In etlichen Arenen. Im hellsten Scheinwerferlicht. In der besten Basketballliga der Welt. In der regulären Saison wie in den Playoffs. Jede dieser Minuten, die Kobe Bryant auf dem Feld stand, gab er sein Bestes. Mit voller Intensität, im Mamba-Modus, willens, die Konkurrenz nicht nur zu zerstören, sondern sie zu erniedrigen.

Sein pathologischer Drang zu gewinnen separiert ihn von den anderen Größen des Sports. Das ist diese feine Nuance, die eine Legende von einem Rollenspieler unterscheidet. Auch, wenn wir es oft gerne so hätten: Spieler wie Kobe, Jordan, Magic oder Bird sind keine Legenden auf Grund ihrer angeborenen Talente. Die Leidenschaft und die Hingabe, an sich zu arbeiten, das Spiel zu leben und transzendent zu werden, sind die Gründe. Andernfalls wären die Derrick Colemans, Kwame Browns und Michael Beasleys der Liga ebenfalls zeitlose Ikonen.

Kobes Arbeitseinstellung ist hinreichend bekannt. Sein maßloses Selbstvertrauen, das manchmal Irrsinn gleicht, ebenfalls. Aber was treibt diesen Mann an, auch noch 5 Monate vor seinem 35. Geburtstag in Sphären zu spielen, die anderen zu ihren besten Zeiten verwehrt bleiben?

#Vino ist der Hashtag, den er seit einigen Tagen auf Twitter verwendet. Wieso? Wie der gegorene Traubensaft wird auch Mr. Bryant mit zunehmendem Alter immer besser. Bereits 27 Mal hat Kobe in dieser Saison die 30-Punkte-Marke geknackt, darunter zauberte er ganze sechsmal mehr als 40 Zähler auf die Anzeigetafel. 27,6 im Schnitt bedeuten Platz 3 hinter Carmelo Anthony und Kevin Durant – noch vor LeBron James.

Die irrsinnigen Quoten vom Beginn der Spielzeit haben sich wieder eingependelt und normalisiert, wie abzusehen war. Wiederum ein ausgezeichnetes Beispiel für einen zu kleinen Stichprobenumfang. Aber dennoch agieren höchstens James Harden und Dwyane Wade auf Kobes Niveau, was die Off-Guards angeht. Mehr als einmal rettete 'Mamba' den Tag für die Lakers. Alles lobenswert, alles schön und gut.

Die Lake Show war seit Anfang Dezember nicht mehr bei .500 (31-31, Stand 8.2.). Golden State ist nur noch 4 Spiele vorne, Houston 2 und die Jazz lediglich 1,5. Die Playoffs sind in Reichweite, man hat endlich wieder ein wenig Rückenwind. Die letzten Siege waren nicht schön, aber es waren Siege. Jedes W ist wichtig, alles super, Sonnenschein und hüpfende Einhörner.

Zwei Dinge, die mit zunehmendem Alter immer besser werden: Vino und Kobe Bryant (Photo: Ellery Chen)

Aber ich musste es sagen,  auf Twitter vor einigen Tagen im Spiel gegen die Dallas Mavericks.
Wird schwer [für Kobe, das] Team weiterhin so zu tragen. Da ist der Köcher leer, wenn er seine Pfeile in diesen Spielen verschießen muss.“ Wie viel bleibt noch im Tank, wenn er 38-12-7 auflegt und gegen eine rundum enttäuschende Mannschaft aus Dallas trotzdem nur ein 4-Punkte-Sieg von der Hand geht? 

Immer mehr fällt auf, dass Kobe der letzte echte Laker ist. Die letzte Konstante, nach dem Ableben von Jerry Buss, im Staples Center. Der Einzige, der wirklich versteht, was es heißt, Lila-Gold zu sein. Nicht umsonst nennt er die Uniform „Golden Armor“, die goldene Rüstung. Und genau deswegen gibt er nochmal Gas, jetzt, wo es langsam aber sicher auf die Zielgeraden geht. Der Körper mag wehtun, zwicken und murren, aber Kobe kämpft, immer weiter:

"There’s a certain commitment," Bryant said. "There’s a lot of sacrifice and a lot of attention to detail that goes into trying to play at a high level for a long, long time. It’s a lot of sacrifice, man. But to me, it’s worth it. After so many years, it becomes easy to lose focus. Some guys lose focus from game to game. I take it as a challenge to try to be focused for many, many years."

Wie ein Château Mouton-Rothschild lässt sich Kobe auch im fortgeschrittenen Alter noch einmal genießen. Vielleicht spiegelt das die Bilanz der Lakers nicht wieder, aber meine Damen und Herren: Kobe Bean Bryant ist besser denn je!