18 März 2013



von Tobias Mannhart

Dritter im Westen. 14 von 17 gewonnen. Eine Mannschaft voller Defensiv- Monster. Erst sieben Mal überhaupt 100-plus Punkte kassiert. Das beste Big Man-Duo der Liga. Und nun endlich auch eine Bank. Keine Frage: Memphis ist besser als je zuvor. Die Bären praktizierten mit dem Rudy Gay Trade Addition durch Subtraktion: Ein angeblicher Star wurde subtrahiert, Bench-Power, Teamplay und Effizienz hinzu addiert. 

Tayshaun Prince ist bei weitem kein so potenter Scorer wie Gay, allerdings bringt er Erfahrung, Defense und eine Arbeitermentalität. Gays Usage Rate lag bei 25.5, seine Assist Rate aber nur bei mageren 12.1., Prince hat bei einer um fast 10 Prozentpunkte niedrigeren Usage Rate eine Assist Rate von 14.5! Das heißt: Prince versucht gute Würfe zu nehmen und verzichtet auf ineffiziente Möglichkeiten beim Abschluss. Er sucht eher seine Mitspieler und bringt die beste Waffe der Grizzlies zum Einsatz: Die großen Jungs unterm Korb. 

Der lange Spanier Gasol und Fleischklopps Z-Bo haben mit Ed Davis auch einen weiteren guten Ersatzmann erhalten und zusammen mit Darrell Arthur kann er von der Bank aus Scoring und Rebounds liefern. Hamed Haddadi ist zwar immer noch ein Publikumsliebling der „Grit and Grind“- Fanbase der Bären, allerdings ist er in etwa so groß wie talentfrei. Davis hingegen liefert eine FG% von 56.6 sowie 1.4 BPG und gehört in beiden Kategorien zu den Besten des Teams; und das wohlgemerkt in gerade einmal 14 Minuten pro Spiel. Wenn der spindeldürre Davis demnächst noch ein bis zwei Knödel mehr isst, wie wir in Bayern sagen, und somit ein paar Kilogramm extra auf die Hüften bringt, kann er sich zu einem gefürchteten Big Man entwickeln. Hey, Z-Bo! Rück mal deinen Diätplan raus! Mit dem wird aus Eddy ganz schnell Big Ed! Der dritte Baustein des Trades war Austin Daye. Das ewige Talent trifft wenigstens hier und da einen Dreier und liefert zumindest ansatzweise so etwas wie Spacing.

Aber diese drei Spieler alleine sind nicht schuld am unaufhaltsamen Aufwärtstrend. Es ist das neue Gesamtbild des Teams. Dies lässt sich wohl am besten beschreiben mit dem Antonym von „Rudy Gay“: Effizienz. Die Grizzlies hatten vor dem Trade ein Offensivrating von 100.4 und eine True Shooting Percentage von 50.8. Beide Werte haben sich seitdem signifikant verbessert. (104 und 52.3) Was noch dazu kommt, ist die Weltklasse-Defense – das Spiel der Grizzlies ist einfach effizienter und hat sich in keinem Punkt verschlechtert.

Das liegt auch an der verbesserten Performances verschiedener Spieler: Jerryd Bayless wirkt selbstbewusster und zeigt Anzeichen davon, dass er beweisen kann, was er versprochen hat. Quincy Pondexter ballert von draußen mit 42.1% und die Starter spielen alle konstant gut und wechseln sich ab mit herausragenden Performances. (siehe Mike Conleys 14 Punkte und 15 Assists gegen Portland)

Doch der wichtigste Baustein des Erfolgs war schon vor dem Trade herausragend und wird immer besser. Marc Gasol legt seit dem All Star- Break folgende Zahlen auf: 16 Punkte, 7.1 Rebounds, unglaubliche 4.9 Assists, 0.9 Steals und 1.7 Blocks. Dazu kommen 80% von der Linie und knapp 54% aus dem Feld. Er liefert alles was ein All Star- Center liefern soll und noch viel mehr. Er führte die Grizzlies auf Platz 3 der Western Conference und bietet so die Möglichkeit, den Nuggets im ersten Matchup aus dem Weg zu gehen. In der derzeitigen Form sind die Quoten zwar auf Seiten der Jungs aus Tennessee, allerdings gibt es für eine so langsame Offense schöneres als sieben Spiele gegen die Speed-Junkies und Fastbreak-Freaks aus den Rockies. Alles in allem zittern allen Top-Teams aus dem Westen die Knie und in dieser bestechenden Form kann man jeden schlagen.

Darum sagt der Träumer in mir: Miami, wir sehen uns in den Finals! Kurz darauf dreht der Realist in mir den Träumer durch die Trade Machine und heraus kommt John Hollinger und sagt: Tausche „Star“-Power gegen Effizienz und Bank – Mission accomplished! Und jetzt erst mal ein Schritt nach dem anderen! Wir haben ja jetzt Zeit. Oder wie man in der NBA sagt: Wir zahlen keine Luxussteuer.