03 Februar 2013



von Daniel Schlechtriem

Die Memphis Grizzlies eröffneten mit ihren aufsehenerregenden Trades die Jagdsaison, das muntere Tauschgeschäft hat begonnen. Bis zur Deadline am 21. Februar wird die Gerüchteküche auf die höchste Stufe geschaltet. Wie immer mitten drin: Rockets General Manager Daryl Morey. Seit er 2007 den Posten übernommen hat, waren die Rockets noch an jeder Deadline aktiv und auch wenn in diesem Jahr so wenig wie schon lange nicht mehr für einen Trade spricht, wirft With the 14th Pick einen genauen Blick auf den Stand der Dinge in Houston. Zunächst wird der aktuelle Rockets-Kader kategorisch beleuchtet, danach mögliche Wunschkandidaten analysiert.


Das aktuelle Personal

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Trade:
James Harden, Jeremy Lin

Harden ist der neue Franchise Player, der einen frischgebackenen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und schon im ersten Jahr Leistungen in MVP-Kategorien abliefert. Derart sportlich unersetzlich ist Jeremy Lin nicht, dafür bringt er gigantische Aufmerksamkeit mit sich, die rein finanziell gar nicht aufzuwiegen ist. Bei einer Umfrage auf der größten Fanseite clutchfans.net nach dem Lieblingsspieler liegt Lin mit gigantischen 77% meilenweit vor dem zweitplatzierten Harden (gut 11%). Sollte also nicht gerade LeBron James keine Lust mehr auf South Beach haben, werden Bart und Linsanity Houston erhalten bleiben.

Trade extrem unwahrscheinlich:
Omer Asik, Greg Smith, Royce White

Asik ist Houstons einzig wirklich qualitativer Center und zeigt schon im ersten Jahr als Starter signifikante Verbesserungen in allen Bereichen. GM Morey hat lange versucht, den Türken via Trade nach Texas zu holen, daher gibt er ihn jetzt nicht mehr ohne weiteres her. Smith besitzt einen sehr niedrig dotierten Vertrag und entwickelt sich gut. Ein solches Eigengewächs wollen die Rockets halten. Bei White scheitert es schlichtweg prinzipiell an Interessenten. Dieses Drama tut sich niemand freiwillig an und auch er selbst bekennt, für kein anderes Team spielen zu wollen. Am 11. Februar will er die Arbeit endlich aufnehmen, man darf gespannt sein.

Trade eher unwahrscheinlich:
Carlos Delfino, Terrence Jones, Donatas Motiejunas, Chandler Parsons

Diese Spieler könnten als Türöffner dienen. Besonders Parsons' Preis-Leistungsverhältnis ist für Interessenten ausgesprochen attraktiv. Dennoch müsste schon ein Spieler von All-Star Kaliber her, um einen Allrounder von dieser Qualität gehen zu lassen. Weil Delfino der einzige Veteran im Team ist und außerdem eine zuverlässige Scoring Option von Downtown, dadurch perfekt in McHales System passt, werden die Rockets auch ihn nur ungerne abgeben. Jones und Motiejunas leisten beide gute Arbeit in der D-League, in Houston plant man zukünftig mit ihnen. Als junge, talentierte Spieler sind sie aber für viele andere Teams interessant.

Trade möglich:
Cole Aldrich, Toney Douglas, Patrick Patterson, Marcus Morris

Besonders die beiden Power Forwards werden bei Spekulationen stets genannt. Patterson hat im dritten Jahr den entscheidenden Schritt noch nicht gemacht und bringt keine Konstanz aufs Parkett, ein Tapetenwechsel inklusive neuem System könnte ihm sehr zugute kommen. Ihn werden die Rockets eher traden als Morris, der ihm zweiten Jahr Fortschritte zeigt und sicherer als "2-Pat" von draußen trifft. Douglas spielt eine ausgezeichnete Saison als Back-up, bekommt jedoch internen Druck von Neuzugang Patrick Beverley, der den Ex-Knick möglicherweise ersetzbar macht. Cole Aldrich hat es nicht geschafft, sich regelmäßig Minuten zu erkämpfen und könnte als Dreingabe wieder weitergereicht werden.

(Anm. d. Red.: James Anderson und Patrick Beverley haben erst im neuen Jahr ihren Vertrag unterschrieben und können aufgrund der Drei-Monate-Vorschrift nicht getradet werden. )


Was brauchen die Rockets?

Vier Positionen sind aktuell gut bis sehr gut besetzt, einzig die Power Forwards lassen noch zu wünschen übrig – und hier ist der Markt offener denn je. Asik benötigt dringend Unterstützung an den Brettern, außerdem offensive Entlastung. McHales System verlangt Spacing, nicht zufällig nehmen Patterson und Morris mehrere Dreier pro Spiel. Welche Spieler sind also verfügbar und würden passen? Ein Blick auf mögliche Kandidaten, die mit den Rockets in Verbindung gebracht werden.

LaMarcus Aldridge (Portland TrailBlazers)
Im Dezember wurde noch spekuliert, ob die Blazers womöglich ihren All-Star abgeben. Nach den Leistungen zuletzt dürften sie sich das aber noch einmal genauer überlegen. Aldridge passt genau ins Profil und würde sehr von McHales Qualitäten profitieren, die Rockets hätten einen weiteren Spieler auf All-Star Niveau neben James Harden und würden jenem zusätzliche Freiräume im Spiel verschaffen. Doch selbst wenn die Blazers Alridge überhaupt zur Disposition stellen, müsste Morey tief in die Tasche greifen, um andere Interessenten zu überbieten. Immerhin hätte er aber genau das zu bieten, was die Blazers suchen: Junges, frisches, hungriges, formbares Talent. Dennoch: Trade extrem Unwahrscheinlich.

Zach Randolph (Memphis Grizzlies)
Im Januar tauchten Gerüchte um Randolph und die Rockets auf. Das Arbeitstier Z-Bo würde die Probleme unter dem Korb sofort beheben, gleichzeitig aber wegen seiner Knieverletzung vergangene Saison ein beträchtliches Risiko darstellen. Randolph wird im Sommer 32 Jahre alt und verdient die nächsten zwei Spielzeiten über 34 Millionen Dollar. Ob er in diese junge Mannschaft passen würde, sei zusätzlich dahin gestellt. Nach dem Trade um Rudy Gay sollten sich sämtliche Eventualitäten bezüglich Randolph ohnehin erledigt haben. Kein Trade

Pau Gasol (Los Angeles Lakers)
Der Trade, der niemals lebte, schickte den Spanier schon einmal nach Houston und noch immer würden sie ihn mit Kusshand begrüßen, ein europäisches Duo mit Asik wäre eine gefährliche Kombination. Doch das monströse Gehalt Gasols schiebt dem einen schweren Riegel vor. Houston müsste entweder Lin, Asik oder Harden abgeben – und das wird, siehe oben, nicht passieren, zumal fortgeschrittenes Alter und Verletzungsanfälligkeit gegen den Laker sprechen. Klares Fazit: Keine Chance, der Trade wird auch diesmal nicht leben und Gasol irgendwo anders landen.

Josh Smith (Atlanta Hawks)
Ein Trade um den 27-jährigen Combo Forward wird mit jedem Tag wahrscheinlicher. Smith brächte die dringend benötigte Toughness nach Houston, würde die löchrige Defense stopfen, Harden entlasten und als Führungsspieler voran gehen. Die Hawks befinden sich mitten in einem Umstrukturierungsprozess, junge Spieler aus Houston könnten dabei helfen. Der auslaufende Vertrag wird hierbei aber ein Dorn im Auge sein. Smith erwartet im Sommer Angebote im Maximum Bereich, also 17 Millionen Dollar Einstiegsgehalt – die wird er zumindest in Houston nicht bekommen. Sollte Morey aktiv werden, ist Smith dennoch eines der wahrscheinlichen Zielobjekte. Trade möglich.

Al Jefferson / Paul Millsap (Utah Jazz)
Dass die Jazz ein Überangebot unter den Brettern haben und gleichzeitig dringend Hilfe im Backcourt benötigen, ist schon länger bekannt. Am Salzsee plant man mit den Youngstern Enes Kanter und Derrick Favors, das macht Jefferson und/oder Millsap entbehrlich. Besonders der auslaufende Vertrag von ersterem weckt Begehrlichkeiten. Die Rockets werden es auf Jefferson absehen, nicht um Gehalt einzusparen, sondern weil die Kombination um Big Al und Kevin McHale schon in Minnesota sehr fruchtbar war. Beide schätzen einander sehr und es ist kein Geheimnis, dass McHale seinen einstigen Schüler nur zu gerne wieder in den eigenen Reihen begrüßen, dieser auch ohne zu zögern in Houston verlängern würde. Dem wendigen Jefferson ist eine Rolle als Power Forward neben Asik zuzutrauen. Gleichzeitig wäre Millsap jedoch die kostengünstigere Lösung, zumal dieser auch einen halbwegs sicheren Distanzwurf im Repertoire aufbieten kann und daher etwas besser ins System passt. Für einen Trade müsste man aber ein drittes Team ins Boot holen, da Houstons Kandidaten eher weniger geeignet sind, die Probleme der Jazz zu lösen. Trade möglich.

Marcin Gortat (Phoenix Suns)
Auf der Suche nach Hilfe unterm Brett sowie einem Pendant zu Omer Asik könnten die Rockets auch ihre Fühler nach Gortat ausstrecken, der aktuell anständige neun Boards pro Spiel abgreift. Die Saison der Suns ist ohnehin gelaufen, so dass der Abgang eines Leistungsträgers kaum ins Gewicht fällt, die Chancen in der Lottery sogar noch erhöht. Der Pole hat nur noch eineinhalb Jahre Vertrag und wird im Sommer 2014 sowieso nicht zu halten sein, so dass die Angebote nach dem 21.2. nicht besser werden. Im Wüstenstaat ergibt ein sofortiger Wiederaufbau – also Gehaltseinsparungen und Spielzeit für Talente – sehr viel Sinn. Daher: Trade möglich.


Fazit 

Daryl Morey wird auch dieses Jahr die Drähte glühen lassen, er gilt als einer der aggressivsten seiner Zunft. Nur um seine Serie beizubehalten, fädelt er jedoch keinen Trade ein, dafür sind die gegenwärtigen Voraussetzungen (jüngstes Team, alle wichtigen Spieler langfristig unter Vertrag) zu gut. Selbst wenn es nicht für einen größeren Deal mit einem der genannten Kandidaten reichen sollte, wird er versuchen, sich als Möglichmacher in einen anderen Trade einzumischen, um seinerseits beispielsweise einen Draft Pick zu ergattern. Von denen kann er übrigens auch noch zwei Second Rounder der Knicks (2014 & 2015) in die Waagschale werfen; auch die Weitergabe der Rechte an internationalen Spielern wie Sergio Llull (Real Madrid) oder Furkan Aldemir (Galatasaray) ist denkbar.