20 Februar 2013


Power Forward der Zukunft in Houston? Thomas Robinson war der 5. Pick im letzten Draft (Photo: Homer McFanboy)

Daryl Morey hat wieder zugeschlagen. Der emsigste General Manager der Association hat den Deadline-Reigen (wird's überhaupt einer?) mit einem unangekündigten Deal eröffnet und dabei einen möglichen Kunstraub begangen: Thomas Robinson wandert zu den Rockets, die ausserdem noch Francisco Garcia und Tyler Honeycutt aus Sacramento verpflichten. Im Gegenzug wechseln Patrick Patterson, Toney Douglas und Cole Aldrich zu den Kings, deren Hauptmotivation in erster, zweiter und zehnter Linie finanzieller Natur war. Überraschend, ich weiss. Ein separater, kleiner Deal macht zusätzlich Platz im vollgepackten Rockets-Kader und schickt Marcus Morris im Tausch für einen Zweitrundenpick zu den Phoenix Suns. Noch einmal alles auf einen Blick:

Houston: Thomas Robinson, Francisco Garcia, Tyler Honeycutt, 2nd Rd. Pick
Sacramento: Patrick Patterson, Cole Aldrich, Toney Douglas
Phoenix: Marcus Morris

Der Deal gefällt mir für Houston ausgezeichnet. Wie unser Rockets-Mann Daniel Schlechtriem schon vor Wochen darlegte, waren Patterson, Aldrich, Douglas und Morris die entbehrlichsten Spieler in Kevin McHales Lineup. Am meisten schmerzen wird den Coach wohl der Verlust von Patterson, der mit bisher 11.6 Punkten und 4.7 Rebounds im Schnitt eine gute Saison spielte und nicht von ungefähr als einer von McHales Lieblingsschülern galt. Stete Verbesserung hatte Patterson zum Starter auf der Vier avancieren lassen, und wenngleich man keine Purzelbäume beim Anblick seines Spiels schlug, so war er doch immerhin ein wichtiger Bestandteil eines Rockets-Teams mitten im Playoff-Rennen. Morris (8.6 PPG, 4.1 RPG) und Douglas (8.1 PPG, 1.9 APG) waren ebenfalls in der Rotation, ohne jetzt aber unverzichtbare Beiträge zu leisten.

Was Houston mit Patterson, der seine Range in dieser Saison bis hinaus zur Dreierlinie verbesserte, und Morris verloren geht (Midrange- und Distanzshooting von den grossen Positionen), wird der Nummer fünf Pick im vergangenen Draft so nicht kompensieren können. Sein Spiel findet statt dessen im Low Post statt. Robinson dominierte auf dem College und galt als Junior an der Universität von Kansas als einer der zwei besten College-Spieler des Jahres, ehe ihn Charakterfragen von Seiten der Scouts im Draft ein paar Plätze absinken liessen. Dennoch, so dachte man zumindest, würde das wuchtige Energiepaket schnell seinen Rhythmus bei den Profis finden, aber Sacramento schob all dem einen Riegel vor, als es Robinson an der Fünf auswählte. Es war ein (weiterer) idiotischer Pick von Seiten der Kings, die im Frontcourt bereits DeMarcus Cousins, Chuck Hayes und Jason Thompson gesetzt hatten. Kein Wunder also, dass Robinson dort nie eine echte Chance erhielt und mit 4.8 Punkten und 4.7 Rebounds in gerade einmal 15.9 Minuten pro Spiel weit hinter den Erwartungen zurück blieb.


Houston macht mit dem Deal sicherlich einen kleinen Schritt zurück, was die unmittelbare Produktivität auf dem Hartholz anbelangt. Patterson ist der momentan bessere Spieler und ein weitaus verlässlicherer Scorer. Robinson hat dafür zigfach mehr Potential und ist mit den Langzeitplänen der Rockets weitaus kompatibler. Sein Rebounding ist elitär (10.6 Rebounds pro 36 Minuten) und seine Aggressivität unter den Brettern zuträglicher für das Spiel, wie es die Raketen in Zukunft gerne spielen möchten - erst recht, wenn McHales Nachhilfeunterricht im Post einmal greift. Die Texaner hatten im Juli vergeblich versucht, sich an Draft-Position fünf hoch zu traden, um Robinson abzugreifen. Jetzt hat Morey über Umwege seinen Wunsch Power Forward doch noch bekommen. Die Abgänge von Patterson und Morris machen zudem zusätzliche Spielzeit für Terrence Jones und Donatas Motiejunas (sowie Royce White, sofern die Geschichte nach Plan verläuft) frei, die in der Summer League und NBDL phasenweise angedeutet haben, zu was sie fähig sind. Garcia, ein 31-jähriger Veteran, der seine besten Tage schon hinter sich hat, bringt ein wenig Treffsicherheit von aussen mit nach Space City und kann bereits im Sommer wieder entlassen werden (Team-Option für 2014). Hier liegt der Hase im Pfeffer: nicht nur, dass Morey in diesem Deal den talentiertesten Spieler mit den besten Langzeitaussichten an Land zieht, er kreiert gleichzeitig Spielzeit für weitere Nachwuchsspieler im Kader und spart dabei Geld ein. Dieser Deal stellt ihm unter'm Strich im kommenden Sommer etwa 20 Millionen Dollar und maximalen Cap-Room zur Verfügung stellt.

Das ist der Riesenunterschied zu einem plan- und führungslosen Team wie den Kings: eine konstruktive Langzeitstrategie, die sowohl spielerische als auch monetäre Aspekte in einem drastisch veränderten Tarifvertrag berücksichtigt und ideal verknüpft. Für Sacramento und seine peinlichen Besitzer Joe und Gavin Maloof ging es bei diesem Deal einzig und allein um's Geld sparen. Als würden die beiden Dilettanten beim bevorstehenden Verkauf - egal ob an Seattles Investorengruppe oder einen Geschäftsmann in Sacramento - nicht schon genug absahnen, gehen sie jetzt schon dazu über, Rookies zu verscherbeln auf der Suche nach ein paar extra Dollar Reingewinn. Verachtenswert! Die direkten Ersparnisse könnt ihr an obiger Grafik nachvollziehen - auf eine volle Saison gerechnet würden die Kalifornier knapp 3.5 Millionen Dollar einsparen (da wir aber schon fast März haben, fällt das Schnäppchen natürlich viel kleiner aus). Die Deals von Aldrich und Douglas laufen nach dieser Saison aus, lediglich Patterson bleibt übrig. Dass ein Faceup-Forward wie Patterson möglicherweise gut ins nicht vorhandene Spielkonzept passt und als ehemaliger Zimmer- und Mannschaftskollege von Cousins in Kentucky den enigmatischen Big Man vielleicht sogar bändigen kann (keine Angst, das wird er nicht), darüber haben sich die Maloofs sicherlich weniger Gedanken gemacht als über den Geruch des Geldes und die extra Million Cash, die sie von Houston in der Transaktion erhielten. Und das ist das wirklich ernüchternde aus Sicht derjenigen, die in Sacramento ein über die Jahre immer mieseres Basketballprodukt vorgesetzt bekamen. Dass vielversprechende Talente jetzt nicht nur dort versauern, sondern auch noch während ihrer Rookie-Saison getradet werden (Robinson ist erst der fünfte Top-5 Pick seit 1966, der sofort gedealt wurde), verdeutlicht wieder einmal, warum die Maloofs Donald Sterling als mieseste Besitzer im Profisport schon längst abgelöst haben. Wird höchste Zeit, diese Schergen für immer auf eine einsame Insel zu verbannen, wo sie sich gegenseitig bis ans Ende ihrer Tage unterbieten können.

Derweil vereint Phoenix in einem kleinen, abwiegelnden Abschluss die beiden Zwillinge Marcus und Markieff Morris in ihren Reihen und setzt den angestrebten Rebuild zurück in Richtung Achtbarkeit fort. Der sieben Minuten jüngere der beiden Morris-Zwillinge gilt als besserer Distanzschütze und hofft, in Phoenix mehr Spielzeit zu erhalten als zuletzt im tief besetzten Rockets-Frontcourt. Die Suns, die für den Lotterie-Pick 2011 (an 14. Stelle selektiert) lediglich einen Secound Rounder abdrücken mussten, hoffen, dass die Morris-Twins die Magie und Produktivität ihrer gemeinsamen Zeit in Kansas wieder entdecken. Alles in allem ein unspektakuläres, risikoarmes Investment für einen Club, der ohnehin nur noch eines zu verlieren hat: viele glückliche Ping Pong Bälle und damit die Chance auf einen Top-3 Pick im nächsten NBA-Draft.


nbachef meint: Nachteil Sacramento