23 Februar 2013


J.J. Redick war der so genannte "Jackpot" der Trade-Deadline am vergangenen Donnerstag - ein klares Zeichen dafür, dass das neue Collective Bargaining Agreement und der mahnende Cap-Zeigefinger noch restriktiver wirkt, als ursprünglich angenommen. Erstrundenpicks und brauchbare Rotationsspieler werden geschützt wie die eigenen Augäpfel - dass nicht einmal ein sehr guter NBA-Starter wie Redick einen First Rounder einbringt, spricht Bände. So bleibt also der J.J. Redick, Gustavo Ayon und Ish Smith für Tobias Harris, Doron Lamb und Beno Udrih Tausch das Highlight während einer durch und durch ernüchternden Trade-Saison.

Redicks Landung in Milwaukee ist verblüffend, aus mehreren Gründen: zum einen, weil genug Contender an seinen Diensten interessiert waren und man eigentlich überzeugt sein konnte, dass sich ein Club wie San Antonio, Indiana oder Chicago seine Dienste sichert. Redicks Talente wären dort wohl ungleich besser ausgeschöpft worden, als das bei den Bucks der Fall sein wird. Sicherlich hat er in Orlando von einer verwässerten Lineup profitiert, die dazu beitrug, dass er nach gerade einmal 41 Karriere-Starts in seinen ersten sechs Saisons plötzlich zum wichtigsten und konstantesten Spieler im Team avancierte. Wer Redick aber immer noch als reinen Catch & Shoot-Typus abtut, der macht einen Fehler. Ich sehe einen Kombo-Guard, der hart an seinen Defiziten gearbeitet hat, in der Defensive solide agiert und vorne mittlerweile eine recht vielseitige Mischung an Dribble Drives und Pässen im Pick & Roll zeigt – neben seinen Qualitäten als Schütze. Einer von Orlandos Lieblingsspielzügen, bei dem ein Guard von unten um Blocks an der Zonenecke gecurlt kommt, von wo er dann entweder abdrückt oder mit dem jeweiligen Big Man zum Pick & Roll ansetzt, könnte Redick in Milwaukee eine schnelle Anpassung garantieren – immerhin verfügen die Bucks über eines der ausgeklügeltsten Curl-Action-Systeme, um seine beiden Guards Ellis und Jennings permanent am Perimeter einzusetzen – aber: hinter Jennings und Ellis werden für Redick kaum mehr als 20-24 Minuten Spielzeit und sechs bis acht Würfe pro Partie übrig bleiben. Zumindest befürchte ich das.

Die Absichten der Bucks sind semi-nachvollziehbar: mit acht Niederlagen aus den letzten zehn Partien ist man in der Eastern Conference auf Platz acht abgerutscht und muss sich dringend fangen, um den angepeilten Playoff-Platz zu halten. Toronto kommt mit Riesenschritten heran geprescht, und in Philadelphia schickt sich Bowling-Bynum an, wieder auf's Parkett zurück zu kehren. Dass Milwaukee dringend etwas tun wollte, um die 25.-beste Offensive der Liga zu verstärken, versteht sich von selbst. Die Redick-Akquisition hilft, aber nur, wenn Coach Jim Boylan die Effizienz des Guards zu maximieren versteht. Ob das in Form einer Starterrolle an der Seite von Jennings (empfohlen!) oder aber neben Mike Dunleavy in der zweiten Fünf geschieht, wird sich zeigen. Sollten die Bucks endlich erkannt haben, dass das schwarze Loch Ellis eine Fehlinvestition war und ihn im Sommer zugunsten von Jennings und Redick ziehen lassen (alle drei sind ab 1. Juli Free Agents, wenn Ellis einen lukrativeren Langzeitvertrag seiner Spieleroption für 2013-14 vorzieht, so wie man das vermutet), dann ist das Redick-Leasing eine kluge Investition gewesen. Ich befürchte aber, dass das chronisch planlose Bucks-Management da erst noch drei Mal hin und her überlegen muss und (wieder einmal) einen möglicherweise vielversprechenden Perspektivspieler (Harris) für eine zweimonatige Leihgabe und ein sicheres Erstrundenaus gegen Miami oder Indiana eingetauscht hat. Nicht, dass Harris und Lamb viel Spielzeit erhielten, aber der Markt für Shooting Guards ist im Sommer extrem dürr. Free Agent Redick wird also absurd hohe Angebote erhalten. Ebenfalls nicht zu verachten: die Bucks werden auch Jennings üppig entlohnen müssen, falls sie ihn weiter anstellen wollen. Die Chance zur Vertragsverlängerung mit ihm ließen sie im Dezember ungenutzt. Viele Fragezeichen also in Milwaukee, die aber unter'm Strich den besten verfügbaren Spieler abstaubten – und das ist ja auch etwas wert (lies: ein Playoff-Platz).

Orlando hat derweil zum richtigen Zeitpunkt verkauft - denn Redick hätte in vier Monaten ganz ohne Gegenwert abziehen können. Dass man also ein Paket, bestehend aus Tobias Harris (Foto), Doron Lamb und Beno Udrihs auslaufendem Deal den anderen Angeboten (hauptsächlich Udrih-ähnliche Verträge und tiefe Erstrundenpicks) oder völliger Inaktivität vorgezogen hat, war smart. Harris ist erst 20 Jahre jung, und obwohl er in Milwaukee seine Starter-Chance zu Saisonbeginn nicht nutzen konnte, war Scott Skiles' System vielleicht auch nicht das Richtige für den offensiv begabten 2,04m Forward. In Orlando kann er sich jetzt mit Mo Harkless um Spielzeit streiten und zeigen, dass er ein Langzeitinvestment rechtfertigt (die Magic schickten ja in einem separaten Deal Josh McRoberts nach Charlotte im Tausch für Hakim Warrick, der wohl umgehend entlassen wird). Im schlimmsten Fall hat Orlando die Chance, die Kompatibilität eines weiteren jungen Spielers mit den eigenen Plänen abzugleichen. Im besten Fall entpuppt sich Harris als Small Forward der Zukunft.


nbachef meint: meh!