16 Februar 2013



Chuck hatte einfach smarter gedraftet, als er und Shaq vor einer Woche ihre jeweiligen Teams zusammen stellten, und das Ergebnis beim gestrigen BBVA Rising Stars Challenge gab Charles Barkley recht. Seine Rookie-/Sophomore Auswahl dominierte die guard-lastige Ansammlung von Shaquille O'Neal vom ersten Tip an und spazierte einem nie gefährdeten 163-135 Erfolg entgegen. Bereits zur Halbzeit führte Team Chuck mit 90-66. Der Vorsprung wuchs zwischenzeitlich sogar auf 33 Zähler an, auch weil Team Shaq der ruppigen Spielweise der Chuckster nicht Paroli bieten konnte.

Mehr noch als in all den Jahren zuvor artete die Partie früh zu einem Jumpshooting- und Dreiercontest aus. Am Ende hatten beide Teams mit 64 Versuchen von jenseits der 7,24m Linie und 26 Treffern insgesamt zwei neue Rising Stars Challenge Rekorde aufgestellt. Rekordverdächtig waren auch die 163 Zähler des Siegerteams sowie die 298 Punkte insgesamt. Entry Pässe, Low Post Touches und Rotieren bei gegnerischen Drives waren ebenso verboten, wie mal die Hand zu heben, wenn der Gegner zum Jumper ansetzte. Ich sage nicht, dass ich mir die 74-68 Duelle zwischen den 'Phenoms' und 'Sensations' wieder herbei sehne, aber ich sehne mir die 74-68 Duelle zwischen den 'Phenoms' und 'Sensations' wieder herbei. Dass die Fans auf diese Art der körperlosen Harlem Globetrotters Arcade Action nicht stehen, müsste der National Basketball Association doch langsam aufgefallen sein. Man konnte eine Stecknadel fallen hören im Toyota Center, so langweilig war der Zock.

Ein paar Rubio-Highlight-Pässe hier, ein pausenlos ackerndes Manimal dort und im Vierten dann das kleine Privatduell zwischen den alten High School Buddies Kyrie Irving und Brandon Knight machten wenigstens ein bisschen Stimmung, aber die verpuffte spätestens in den letzten Minuten wieder, als die Spieler eine Schneise frei machten, um dem Gegner halbgare Dunk-Versuche zu kredenzen. Wird höchste Zeit, das Handchecking wieder einzuführen.

Ein paar lose Beobachtungen:

Kenneth Faried war einer der wenigen Lichtblicke in einem völlig redundanten Möchtegern-Showauftritt, weil er den Abend alternativ wie ein richtiges Spiel behandelte. Das Manimal ging hart in die Zweikämpfe, boxte aus, attackierte das Glas und den Gegner und stellte mit seinem gewohnten Hustle-Spiel die Weichen für den Erfolg seiner weissen Farben.

• Nur zwei Spieler hatten zuvor jemals 40 Punkte erzielt: Kevin Durant in 2009 (46 Zähler) und Russell Westbrook in 2010 (40). Farieds Wahl zum Most Valuable Player war ein absoluter No-Brainer.

• Team Chuck war viel homogener zusammen gestellt. Neun von zehn Spielern punkteten zweistellig, und der zehnte (Ricky Rubio) machte mit zehn Assists das Spiel für die anderen.

• Gleich drei Chuckster verbuchten Double Doubles: der angesprochene Faried (40/10), Tristan Thompson (20 Pts, 10 Reb), der gerne mal länger am Ring baumelt, und der emsige Isaiah Thomas (18 Pts, 10 Ast), den ich so liebend gerne mal in einem professionellen Basketballteam mit echten Mitspielern sehen würde.

Kawhi Leonard ist das volle Basketball-Paket und vielen seinen Alterskollegen entwicklungstechnisch meilenweit voraus. Die gute alte Spurs-Schule und Pop's Lehre scheint beim Sophomore zunehmend durch. Gestern machte der Flügelspieler 20 Punkte, 7 Rebounds, 3 Assists, 3 Dreier und spielte sogar Mann gegen Mann Defense. Dass er dafür kein Technisches kassierte, war eine der Überraschungen des Abends.

Anthony Davis ist noch lange nicht soweit, wie viele das vor dem Draft und nach seiner überragenden College-Saison vermutet hatten. Defensiv fehlt ihm die Dominanz, die ihn in der NCAA so furchteinflößend machte, und vorne fehlen die Moves, um sich konstante Wurfchancen zu erspielen. Gestern waren es 11 Punkte, 9 Rebounds und 2 Blocks für die Monobraue.

• Die Cleveland Cavaliers können sich auf eine gute Zukunft freuen, wenn Kyrie Irving und Dion Waiters irgendwann konstant so harmonieren können, wie gestern. Irving zog mit 32 Zählern seine Uncle Drew Show ab und beendet seine BBVA Karriere mit 33 Zählern pro Partie. Waiters zeigte mit 23 Punkten bei unglaublichen 11 von 12 aus dem Feld die absolute Anti-Waiters Effizienz, die man von ihm so gar nicht kennt. Macht nach Adam Riese 55 Punkte und 75% Field Goal Quote für den Edelmann-Backcourt der Zukunft. Byron Scott hätte nichts dagegen, diese Werte allabendlich einplanen zu können.

• Highlight des Freitags: Karl Malones brillante Anekdote über seinen ehemaligen Gegenspieler Charles Barkley, der früher angeblich Vaseline im Bauchnabel mit sich herum schleppte, um damit seine Lippen während des Spiels geschmeidig halten zu können. Unbezahlbar!