22 Februar 2013



von  Onur Alagöz   @NothingButNetDe

In der Welt der NBA sind Teambesitzer eine zwielichtige Angelegenheit. Es gibt gehässige wie Dan Gilbert von den Cavaliers, nervig-laute wie Mark Cuban von den Mavs oder vollkommen inkompetente wie Donald Sterling, der schmierige Geizkragen an der Spitze der Clippers. Aber auch unter diesen Geschäftsmännern gibt es freilich positive Beispiele. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Funktionärswelt ist jüngst von uns gegangen: Der Besitzer der Los Angeles Lakers, Dr. Jerry Buss. Er erlag dem Krebs, im Alter von 80 Jahren.

Wenige können sich damit rühmen, den Respekt der gesamten Sportwelt verdient – und vor allem zu Recht verdient – zu haben. Die meisten Besitzer im US-Sport sind, verständlicherweise, profitorientiert. Schließlich führen sie hier millionenschwere Unternehmen, die Gewinn abwerfen sollen. Allein aus Spaß an der Freude tut sich keiner den Stress an, mit Egos von Stars zu jonglieren oder gigantische Sponsoringdeals auszuhandeln. Jerry Buss jedoch tat dies seit 1979, aus Liebe zum Sport. Der ambitionierte Pokerspieler schockte die Medienlandschaft mit einer Rekordsumme von 67,5 Millionen Dollar (die er für die Lakers, Kings und das Great Western Forum locker machte) - damals die größte Menge an Scheinen, die im Sport je für irgendetwas hingeblättert wurde. 

Stets visionär und ohne jeden Pfennig dreimal umzudrehen, wollte Buss immer möglichst gutes Entertainment abliefern, den Fans ein Produkt bieten, wofür es sich zu zahlen lohnte. Unter seiner Schirmherrschaft wurde die legendäre „Showtime-Era“ eingeläutet, die in den 80er Jahren fünf Titel aus acht Finalteilnahmen erringen konnte. Ein Schwergewicht der Sportlandschaft war geboren, mehr als eine Legende ging hier durch die Hallen.

Seinen Weitblick und sein Verständnis für den Sport bewies Buss, indem er versuchte in begleitender, beratender aber niemals einnehmender Manier die Geschicke der Franchise zu lenken. Dass er Coaches wie Pat Riley, den er eigenhändig beförderte, oder Phil Jackson einstellte, trug essentiell zur positiven Bilanz bei. Auch seine Entscheidungen, Jerry West und später Mitch Kupchak in den eigenen Reihen mit wichtigen Positionen zu betrauen, sorgte für die insgesamt zehn Meisterschaften, die die Lakers unter seiner Aufsicht gewannen. Wie soll es nach seinem Ableben nun weitergehen?

Wie wichtig Buss für den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts wirklich war, zeigt sich seit einiger Zeit. Seitdem er die Verantwortung großteils an seine Tochter Jeannie Buss (Betriebsleitung) und seinen Sohn Jim Buss (Basketballangelegenheiten) abgegeben hat, präsentiert sich die Erfolgstruppe vollkommen dysfunktional. 

Sämtliche jüngsten Episoden der Lila-Gelben-Seifenoper wurden unter der Regie von Jim Buss gedreht. Der entließ nicht nur Mike Brown nach 5 Spielen, sondern versuchte auch, Phil Jackson öffentlich zu demütigen. Phil ist seit einigen Jahren mit Jims Schwester Jeannie verlobt, und man kann hier nur mutmaßen, dass die brüderlichen Schutzinstinkte bei dessen Entscheidung Überhand nahmen. Vollkommen hirnrissig gab er Mike D’Antoni den Vorzug vor P-Jax, was sein mangelndes Verständnis für Personalpolitik einmal mehr demonstrierte. Den größten Bock schoss er schon vor einem Jahr, als er einem befreundeten Barkeeper (!) namens „Chaz“ einen Platz als Scout in der Organisation anbot, obwohl jener absolut gar keine Qualifikation vorzuweisen hat.

Kindische Allüren wie diese haben die Lakers in dieser Saison vom potenziellen Juggernaut zu einem Borderline-Playoff-Team verkommen lassen, bei dem hinter den Kulissen weniger Friede ist als im Nahen Osten. Wie soll denn da das Endprodukt stimmen? 26 Spiele stehen noch aus, aber auch wenn der Spielplan relativ einfach wird, sind im Moment 3,5 Spiele Rückstand auf den letzten Playoff-Seed mehr als genug Grund für Sorgenfalten. 48% der Spiele konnte man bisher mit einem Siegerlächeln abhaken. Um aber ernsthaft in den Wettstreit um die letzten Playoffplätze zu kommen, sollte man mindestens 16, eher noch 18 der letzten Partien für sich entscheiden. Macht nach Adam Riese 62%, respektive 69% Siegesquote für die verbleibenden Begegnungen. 

Es geht immer und immer weiter, diese nicht aufhören wollende Farce einer Saison. Die Tradedeadline ist passé, Kupchak blieb inaktiv, obwohl der Kader immer noch grosse Baustellen aufweist. Der Verlust des langjährigen Teamvaters Jerry Buss und dessen stete, glückliche Hand ist auch hier spürbar. Das Team hat bisher gezeigt, dass es Widrigkeiten nicht trotzt, sondern sich eher von ihnen aus dem Konzept bringen lässt. Eine Schande, diesem großartigen Mann nicht noch bis zuletzt gezeigt zu haben, woraus diese Franchise eigentlich gemacht ist. Showtime und Siegerbasketball. Erfolge und Meisterschaften. Und Stil. 

So long, Jerry...