25 Februar 2013


Next Nowitzki oder Next Blab? Ohlbrecht erhält von den Rockets einen ungarantierten Mehrjahresvertrag bis Saisonende.



Gute Nachricht für alle Deutschen, denen NBA-News ohne deutsche Beteiligung nur halb so gut schmecken: ab jetzt gibt es neben Nowitzki noch ein weiteres relevantes Gesprächsthema, denn der Wuppertaler Tim Ohlbrecht wurde von den Rio Grande Valley Vipers zu den Houston Rockets befördert und erhält dort einen ungarantierten Mehrjahresvertrag bis zum Saisonende.

Ohlbrecht, der im Herbst trotz lukrativer Angebote in Europa völlig überraschend den Weg in die D-League angetreten war, kam bei den Vipers auf 13.4 Punkte, 7.4 Rebounds und 1.6 Blocks im Schnitt und wurde für seine soliden Leistungen mit einem Spot im D-League All-Star Game belohnt. Dort griff sich der 24-Jährige zwölf Rebounds zu seinen zwölf Punkten und festigte seinen Ruf als harter Arbeiter, der zumindest im Notizzettel der NBA-Scouts vermerkt ist. Die Boston Celtics offerierten Ohlbrecht vor wenigen Tagen einen 10-Tages Vertrag, den der Deutsche unter Berufung auf seinen Agenten Keith Glass ablehnte. Basketball-Deutschland war empört und suchte nach Beweggründen für seine Entscheidung gegen das Engagement beim koboldgrünen Serienmeister (Crossover-Online berichtete).

Es wurde wild darüber spekuliert, ob Ohlbrecht denn noch ein paar Asse im Ärmel hätte - oder ob er sich mit der Absage an die Celtics seine NBA-Chance nicht komplett verbaut hatte. Dass Houstons GM Daryl Morey, der eng mit den Vipers zusammen arbeitet und als einer der kreativsten jungen GMs der Liga gilt, früher oder später einen weiteren sogenannten Call-Up tätigen würde und möglicherweise Tim im Visier hatte, deutete sich da bereits schon an. Die Trades am vergangenen Mittwoch, bei denen die Hälfte der Rockets-Big-Man Rotation nach Sacramento respektive Phoenix verschickt wurde, hatten ein paar Lücken im Frontcourt der Raketen hinterlassen. Dass Morey dem hoch gepriesenen, aber mit mentalen Krankheiten kämpfenden Royce White (noch) nicht vertraut, wurde bisher mehr als deutlich. Thomas Robinson, der Nummer fünf Pick, soll behutsam an die Starterrolle heran geführt werden. Donatas Motiejunas und Terrence Jones sind ebenfalls noch Rookies und damit grün hinter den Ohren, und Greg Smith scheint noch nicht bereit, mehr als 10-15 Minuten pro Partie zu übernehmen. Wie ihr seht, sind hinter oder neben dem etatmässigen Starter Omer Asik durchaus Minuten verfügbar - von den insgesamt 96 pro Spiel auf Center und Power Forward absolviert der Türke 30. Die abgewanderten Patrick Patterson und Marcus Morris kamen zusammen auf 47 pro Abend, Smith greift im Schnitt 14 MPG ab. Die Frage wird nun sein, wie Coach Kevin McHale die Spielzeit in den verbleibenden sieben Wochen umverteilt.

Kann Ohlbrecht dank seiner internationalen Erfahrung, seinen konstant guten Leistungen bei den Vipers und seinem Ehrgeiz - immerhin kämpft er um eine de facto Verlängerung seines nur für '12/13 garantierten Vertrages (die Rockets behalten sich Optionen für '13/14 und '14/15 ein) - Spielzeit ergattern, wenn er McHale im Training von seinen Fähigkeiten überzeugt? Möglich. PT-Garantien gibt es aber nicht, denn die Rockets kämpfen verbissen um die Playoffs, und Ohlbrecht ist nicht mehr als Lückenfüller. Das hört sich vielleicht hart an, ist allerdings nichts gegen den beweglichen 2,10m Mann, sondern simple NBA-Realität. Wenn ein gefeiertes Talent wie Robinson schon hart um Spielminuten kämpfen muss, dann wird es der Wuppertaler ungleich schwerer haben. Zumindest hat er jetzt aber eine echte Chance, die Art Chance, von der er lange geträumt und für die er sogar auf einfachere Wege ans Ziel verzichtet hat. Wenn alles hinhaut, wie gewünscht, dann könnte Ohlbrecht sogar einen neuen Pfad  für ungedraftete europäische Talente vorgestampft haben, die dann über die Minor League ihren Weg suchen, anstatt gleich nach Europa abzuziehen. Die "tapfer kämpfender Underdog" Geschichte kam in den USA schon immer viel besser an als hierzulande (checkt dazu unbedingt das One-on-One Interview von André Voigt mit Ohlbrecht vor zwei Wochen in Houston). Dass ausgerechnet der vielgescholtene Tim Ohlbrecht über den Rangierbahnhof NBDL den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft hat, sollte nicht nur den Entscheidern und Förderern im monokulturellen Basketballentwicklungsland Deutschland mächtig zu denken geben. Gut gemacht, Tim!