07 Februar 2013




 Mehr Drama als Vom Winde verweht
Vom Regen in die Traufe: die Albtraum-Saison der LA Lakers wäre keine, wenn es nicht alle paar Tage Chaotisches und/oder Tragisches zu berichten gäbe. Just als es so aussah, als würde Purp & Yellow einen kleinen Run in Richtung Postseason-Plätze starten können, riss sich Pau Gasol im Spiel gegen Brooklyn die Plantar Fascia ab und muss mindestens sechs Wochen pausieren. Das ist der Zeitplan bei traditioneller Reha, wohlgemerkt. Sollte Gasol sich für eine OP entscheiden, werden aus 6-8 Wochen drei volle Monate. Damit sind die Lakers mittel- bis langfristig ohne ihre drei wichtigsten Big Men. Dwight Howard hat immer noch Probleme mit seinem Rücken, die seinen Angaben zufolge manchmal so schlimm sind, dass er seine Beine nicht spürt und plagt sich dazu mit einer Schulterverletzung herum. Jordan Hill ist bereits für den Rest der Saison ausser Gefecht. Gasol kehrt frühestens Mitte März zurück. Howard (6), Gasol (13), Hill (20), Nash (24) und Blake (37) haben bis zu diesem Zeitpunkt bereits 100 Partien verpasst. LA liegt zur Zeit drei volle Siege hinter Platz acht.

 Rustikale Tempomacher
Erinnert sich noch jemand an Indianas miserablen Start? Danny Granger ausser Gefecht, Roy Hibbert satt und überbezahlt, Paul George noch sichtlich überfordert mit der Rolle des Alphamännchens... die Tempomacher krebsten zu einer 4-7 Auftaktbilanz, die Mitte Dezember bei 10-11 nicht viel besser aussah. Seither haben die Pacers 21 von 29 Partien für sich entschieden und ersticken einen Gegner nach dem anderen mit ihrem Warenzeichen: Defense. Die 69 kassierten Punkte gestern gegen Philadelphia waren neue Saisonbestleistung für die beste Verteidigung der NBA - in einem Back-to-Back-to-Back wohlgemerkt, also drei Spielen in drei Tagen (dem einzigen aller Teams in dieser Saison nach absurden 42 in der Lockout-Saison). Die Härte, Einsatzbereitschaft und Willensstärke dieser Pacers ist mehr als faszinierend. "This team plays with a lot of grit, unselfishness and hustle. I love coaching this team", sagt Coach Vogel über seine Jungs. Nach fünf W in Folge peilen die Pacers sogar die Tabellenspitze an.

 HGH
NBA-Chef David Stern gab gestern bekannt, ab nächster Saison offizielle Doping-Tests einführen zu wollen, um HGHs auf die Schliche zu kommen. HGHs oder Somatotropin sind menschliche Wachstumshormone, die Muskeln aufbauen, Fett verbrennen, die Leistungsfähigkeit erhöhen und die Regenerationszeit verkürzen, aber sie können auch schwere körperliche Schäden hervor rufen. Eines vorweg: auch in der NBA wird, genauso wie in jeder anderen hochkompetitiven Sportliga dieses Planeten, getrickst und geschummelt, was Ergänzungs- und Dopingmittel anbelangt. Da brauchen wir uns alle nichts vormachen. Im Gegenzug zu Baseball oder Football, zwei Disziplinen, die zu grossen Teilen auf purer Power beruhen, sind die direkten Vorteile von HGH im Basketball aber mehr oder weniger beschränkt. Der stets ums Marketing bemühte Stern wollte hier wohl in allererster Linie mit der NFL und MLB mitziehen - beide Ligen mussten sich im Gegensatz zur NBA empfindliche Doping-Vorwürfe gefallen lassen und starten ab 2014 flächendeckende HGH-Tests.

 Wirklich?
Drei Airballs von der selben Spielfeldseite innerhalb einer Spielminute - und das als designierter Scharfschütze... musste erstmal so hinkriegen wie Mirza Teletovic!


 Muffige Bären
Im Bärenreservat herrscht dicke Luft. Coach Lionel Hollins ist alles andere als begeistert über die Art und Weise, wie die neuen Entscheidungsträger um Besitzer Robert Pera sein erfolgreiches Team aus Kostengründen auseinander rissen. Nicht nur der Rudy Gay Trade (bei dem auch Hamed Haddadi veräussert wurde) stiess Hollins übel auf. Jener Deal, in Kombination mit dem vorherigen Marreese Speights Salary Dump nach Cleveland, hat Hollins ohne Ersatz-Bigs zurück gelassen. Memphis hat drei seiner letzten vier Partien verloren und - schlimmer noch - wirkt derzeit platt und uninspiriert. Irgendwo ist es ja verständlich, dass die Spieler ein wenig besorgt sind - immerhin ist unklar, ob das neue Management wirklich einen Winner aufbauen möchte oder nur finanzielle Interessen verfolgt. Aber es war genau dieser Kern, der in den Playoffs 2011 die Spurs überraschte und danach nur einen Sieg vom Conference Finale entfernt war. Trauer und Wut über den Abgang von Gay (und von mir aus auch Haddadi/Speights) hin oder her: so ist das Business. Höchste Zeit also für die restlichen Grizzlies und Dompteur Hollins, wieder die Krallen auszufahren.

 Il Grande Fiasko
Andrea Bargnani is back. 'Il Mago' kehrte nach 26 verpassten Partien gestern gegen Boston ins Team zurück und fügte sich mit 13 Punkten (5-10 FG) in 24 Minuten wieder ein. Die chronisch frustrierten Fans in Toronto interessierte die Einsatzbereitschaft des Italieners herzlich wenig. Sie buhten den ehemaligen Nummer eins Pick gnadenlos aus, mehrfach, mehrere Minuten lang. Das machte einmal mehr deutlich, dass Bargnanis Tage in Toronto gezählt sind. Da ich es nach wie vor nicht für möglich halte, dass irgend ein GM betrunken genug ist, um Toronto den unproduktivsten Vertrag der NBA für einen unterdurchschnittlichen, eindimensionalen Big Man von der Hand zu nehmen (nein, auch nicht für Carlos Boozer), bleibt für Colangelo wohl nur das Ziehen der Amnestie-Karte im Sommer, um endlich ein Schlussstrich unter dieses unsägliche Kapitel zu ziehen.

 .500 Bärte
Die Meldung, dass sich Dirk und diverse Mitglieder der Dallas Mavericks ihre Bärte auf unbestimmte Zeit stehen lassen und die üppige Gesichtsbehaarung nicht mehr abrasieren würden, ehe der texanische ex-Champ nicht wieder .500er Basketball spielt, liess mich schmunzeln. Die Mavs liegen mit 21-28 Siegen weit unter der angepeilten Bilanz, und obwohl der Basketball in den letzten Wochen dank Dirks Genesung und zunehmender Synergie zwischen ihm und O.J. Mayo besser geworden ist, fehlt die Durchschlagskraft, um einen Run zu starten. Bis auf eine kurze 4-Spiele-Serie Anfang Januar jagt Dallas seit zwei Montagen vergeblich einer Wining Streak hinterher. Das dürften also gewaltige Bärte werden im grossen D.

 Celtics Renaissance
Kein Rondo, kein Problem? Auf den ersten Blick sieht das natürlich schon sehr beeindruckend aus, was die Celtics ohne ihren schwer verletzten All-Star Point Guard da bisher spielen. Mehr Ballbewegung, eine schwer ausrechenbare Spread/Motion Offense, die die Spielmacher- und Passer-Qualitäten von Paul Pierce, Jason Terry und Kevin Garnett ausnutzt, und weitaus mehr Balance in der Lineup hat die Kobolde zu 6-0 Siegen seit Rondos Kreuzbandriss gegen Atlanta katapultiert. Der Teufel liegt aber wie immer im Detail: bis auf den Erfolg gegen Miami kann man keines der anderen Ws als qualitativ hochwertig bezeichnen: Sacramento, Orlando, Toronto und die schwer abgestürzten Clippers ohne Chris Paul sowie der gold-lilane Lakers-Sieb können beileibe nicht als Gradmesser für Bostons neue offensive Extraklasse dienen. Den Großteil ihres Schadens richten die Celtics nach wie vor mit ihrer Defense an. Die wird sie letzten Endes auch in die Playoffs hieven. Spätestens dort (vermutlich aber schon vorher) wird Rondos Neigung zu grossen Spielen unter dem hellen Schweinwerferlicht der Postseason aber fehlen und Teams sich nach ausgiebigem Scouting auf die neuen Celtics-Stärken eingestellt haben, befürchte ich. Die Obergrenze ohne Rondo ist ungleich tiefer anzusiedeln, als mit ihm. Auch wenn das derzeit nicht so aussehen mag.

 Hall Ticket
Kevin Garnett trat mit dem sechsten seiner 16 Punkte beim deutlichen 116-95 Heimsieg gegen die Lakers am Donnerstag einem illustren Club bei: 25K! Nur 15 Spieler vor ihm haben jemals die 25000 Punkte Marke geknackt. Noch besser: 'The Big Ticket' ist der erste Spieler der NBA-Historie mit 25000 Punkten, 10000 Rebounds, 5000 Assists, 1500 Blocks und 1500 Steals. Garnetts Reaktion: "Nichts besonderes, zumindest nicht jetzt. Eines Tages wird mir das sicherlich etwas bedeuten. Aber ich steh' nicht so auf individuelle Errungenschaften..."


 Kaum Liebe in Philly
Und es wird immer noch schlimmer für die Philadelphia 76ers, deren Saison mittlerweile einer schlecht geschriebenen Nachmittags-Soap auf RTL gleicht. Zuerst das Bynum-Bowling-Debakel. Der Absturz von Evan Turner. Daraus resultierend: viele Niederlagen, ganz miese Zuschauerzahlen und halb leere Hallen. Die Verletzung von Thaddeus Young, dem zweitbesten Mann in Philly, der nach einer Oberschenkelzerrung mindestens drei Wochen ausfällt. Und als letztes I-Tüpfelchen dann Jason Richardson, der am Knie operiert werden muss und für den Rest des Jahres raus ist. Falls sich wirklich noch jemand für die Sixers interessiert, die 2012 nur ganz knapp das Conference Finale verpassten: die sind Geschichte. Jrue Holiday ist der einzige aktive Spieler mit einem überdurchschnittlichen PER-Wert (18.7). Selbst, wenn Bynum wie angekündigt Ende des Monats auf's Parkett zurück kehrt, dort schnell seine All-Star Form wiederfindet und mit Thad Young imposant harmoniert, ist der Playoff-Zug in der Stadt der brüderlichen Liebe schon längst abgefahren. Nächster Halt (mit Blick auf nächstes Jahr): Tankonia?

 Lineup d. Tages (Mittwoch)
G  Eric Bledsoe - 27 Pts, 6 Reb, 3 Ast, 6 Stl, 3 Blk
G  James Harden - 36 Pts, 12 Reb, 7 Ast, 3 Stl, 10-16 FG
G  Dwyane Wade - 31 Pts, 8 Ast, 4 Stl, 2 Blk, 13-13 FT
F  Josh Smith - 19 Pts, 11 Reb, 6 Ast, 3 Blk, 7-13 FG
C  Kevin Garnett - 27 Pts, 10 Reb, 11-18 FG, 5-5 FT
6  Enes Kanter - 17 Pts, 9 Reb, 5 Blk in 17 Min.

 Lineup d. Tages (Donnerstag)

G  Ty Lawson - 16 Pts, 3 Reb, 12 Ast, 2 Stl
G  Kobe Bryant - 27 Pts, 7 Reb, 9-15 FG, 9-9 FT
F  Paul Pierce - 24 Pts, 7 Reb, 6 Ast, 10-17 FG
F  Kenneth Faried - 21 Pts, 12 Reb, 2 Stl, 9-10 FG
C  Kevin Garnett - 15 Pts, 5 Reb, 4 Ast, 3 Stl
6  Wilson Chandler - 24 Pts, 8-9 FG, 5 Dreier in 19 Min.

 All-Star Saturday Protagonisten
Mit freudiger Anspannung wurden die Verkündungen am heutigen Donnerstag betreffs All-Star Saturday Teilnehmerfeld erwartet. Gerald Green und James White sind die Headliner des Slam Dunk Contests 2013, bei dem auch Vorjahressieger Jeremy Evans, Clippers-Flummi Eric Bledsoe, Flugsaurier Terrence Ross und Kenneth Faried um die Gunst der Fans stopfen werden.


Der Drei-Punkte-Wettbewerb bietet ebenfalls hochkarätige Competition: Paul George, Ryan Anderson, Stephen Curry, Steve NovakKyrie Irving und Matt Bonner lassen die Spaldings aus der Distanz um die Wette fliegen. Anderson, Curry, Novak, George und Irving rangieren bei den Makes und/oder der Dreierquote unter den Top-10 ligaweit. Wen Bonner allerdings bestechen musste, um nach Houston eingeladen zu werden, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.


Im Skills Challenge treten Tony Parker, Jrue Holiday, Jeff Teague, Brandon Knight sowie Super-Rookie Damian Lillard und Lokalmatador Jeremy Lin gegeneinander an.

Russell Westbrook und James Harden geben sich als Coaches im Celebrity Game die Ehre und werden sich aus folgender Lineup ihr jeweiliges Team zusammen draften: Usain Bolt, Vorjahres-MVP Kevin Hart, Common, Ne-Yo, Trey Songz, Nick Cannon, Josh Hutcherson, Arne Duncan, Terrence Jenkins, John Schriffen, Ryen Russillo, Dikembe Mutombo, Clyde Drexler, Sean Elliott, Bruce Bowen, Tamika Catchings und Maya Moore (beide WNBA).

Eines der grossen Highlights dürfte wie jedes Jahr das Rising Stars Challenge werden, besser bekannt als Rookie/Sophomore Game. Shaq und Chuck durften vorhin aus einem 20er Pool an Youngstern ihre Mannschaften zusammen stellen, und gingen wieder einmal in zwei völlig verschiedene philosophische Richtungen. Während Shaq auf einen Killer-Backcourt und Speed setzte, konterte Barkley mit Frontcourt-Tiefe und schierer Grösse/Wucht unter den Brettern. Davis/Faried/Thompson/Vucevic gegen Irving/Lillard/Thompson/Walker... das wird ein Spass!

Team Chuck: Anthony Davis (Hornets), Kenneth Faried (Nuggets), Kawhi Leonard (Spurs), Bradley Beal (Wizards), Ricky Rubio (Timberwolves), Tristan Thompson (Cavaliers), Nikola Vucevic (Magic), Brandon Knight (Pistons), Isaiah Thomas (Kings), Alexey Shved (Timberwolves)

Team Shaq: Damian Lillard (Blazers), Kyrie Irving (Cavaliers), Andre Drummond (Pistons), Klay Thompson (Warriors), Harrison Barnes (Warriors), Chandler Parsons (Rockets), Dion Waiters (Cavaliers), Michael Kidd-Gilchrist (Bobcats), Tyler Zeller (Cavaliers), Kemba Walker (Bobcats)