19 Februar 2013




Noch genau 48 Stunden bis zur diesjährigen Trade Deadline. Gerüche fliegen einem links und rechts um die Ohren, es duftet nach Blockbuster-Gumbo und stinkt nach Internet-Ente. Der ideale Zeitpunkt für unsere Tafelrunde, um die wichtigsten Odeure mal genauer zu erschnuppern und den Fisch vom Kopf her zu entgräten. 


- Welche Teams wickeln mindestens einen Deadline-Deal ab? Wer wandert mit Sicherheit über die Ladentheke?

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Josh Smith steht außer Frage. Die Hawks sind im Umbau und werden ihm im Sommer sicherlich nicht das geforderte Maximum zahlen, das er irgendwo anders aber sicher bekommt. Dass Toronto alles versuchen wird, Bargnani loszuwerden, ist ebenfalls kein Geheimnis, ein passender Deal wird sich finden, sobald es auf die Deadline zugeht. Danny Granger ist entbehrlich geworden, für ihn könnten die Pacers Hilfe unterm Korb oder auf der Spielmacherposition holen. Die Nets mit ihrem zahlungsfreudigen russischen Eigentümer sollte man auch immer auf dem Zettel haben. Als Dark Horse bleiben die Celtics, die trotz oder wegen den Verletzungen von Rondo und Barbosa nicht inaktiv bleiben werden. Kevin Garnett kann es bekanntlich nicht erwischen, Paul Pierce dafür umso mehr. GM Danny Ainge muss an die Zukunft denken.

Tobi Mannhart, Bär Grizz: Zwei Kandidaten werden wohl sicher tätig werden: Dallas und Boston. Die Bank Cuban ist offen und ich bin mir sicher in Texas glühen die Leitungen. Boston spielt zwar gut, jedoch wird Ainge auf der Eins etwas tun müssen, um in den Playoffs eine Minimalchance zu haben. Über die Ladentheke wandern ziemlich sicher J.J. Reddick und einer der beiden Jazz Big Men. Höchstwahrscheinlich wird sich auch Atlanta von J-Smoove trennen.

Robert Jerzy, New York Knickerbocker Journal: Ich setze auf Milwaukee, Utah und die Clippers. Die Bucks enden das Jennings/Ellis Experiment, solange es noch etwas zurückgibt, die Clippers spüren den Druck, in diesem Jahr den ganz großen Wurf landen zu können(!). Utah ist - wie die Bucks - im Playoff Race. Der richtige Deal und Kevin O’Connor “d-will-ed” jemanden aus Mormon Mountain (staring at you, Paul Millsap)..

Niklas Dahl, Rose Garden Report: Mit Sicherheit über die Ladentheke, bzw. am wahrscheinlichsten, wird Josh Smith gehen. Dass Danny Ferry Smith zum Abschuss freigegeben hat ist ein offenes Geheimnis, mehrere Teams haben Interesse an J-Smoove bekundet. Wer der Tradepartner am Ende wird? Man weiß es nicht. In meinen Augen würden aber die 76ers Sinn machen.

Sebastian Dumitru, NBACHEF: Detroit, Utah, Phoenix, Brooklyn, Chicago und Milwaukee. Die Pistons trennen sich von Stuckey oder Will Bynum. Die Mormonen müssen einen Big Man (Millsap/Jefferson) loswerden, weil sie sich beide nicht leisten können. Phoenix ist eine absolute Katastrophe und muss fast alle Stühle auf seiner Titanic neu anordnen. Milwaukee muss zwischen Jennings und Ellis auswählen (schon passiert, übrigens), auch wenn ein echter Plan nach wie vor nicht in Sicht ist. Die Bulls müssen Hamilton loswerden, wenn sie unter die Luxury-Tax wollen (ja, sie wollen!). Und Brooklyn war smart genug, keine seiner Exceptions zu nutzen, um finanziell soweit nach oben manövrieren zu können, wie man möchte. Und Prokhorov, der möchte.


Welcher hochkarätige Unrestricted Free Agent (CP3, Dwight Howard, Josh Smith, Paul Millsap, Al Jefferson, David West, Monta Ellis, JJ Redick, Andrew Bynum, JJ Hickson) droht am Saisonende aus freien Stücken abzuwandern, wenn er nicht vor Freitag getradet wird?

Daniel Schlechtriem: Die Jazz werden nicht sowohl mit Millsap, als auch Jefferson verlängern, einer von beiden muss die Koffer packen. Monta Ellis dürfte über seinen Trade vergangenes Jahr ins wenig spektakuläre Milwaukee nicht sonderlich erbaut gewesen sein und im Sommer ein offenes Ohr für Angebote attraktiverer Teams haben, dabei bereitet den Bucks derzeit Brandon Jennings noch größere Sorgen. Sie werden hoffen, dass am Ende das liebe Geld zumindest Ellis zum Bleiben überredet. Dwight Howard hat sich sein erstes Jahr bei den Lakers gewiss anders vorgestellt, allerdings ist ein Verzicht auf Bird-Money praktisch undenkbar. Er wird bleiben, genau wie Paul, West und Bynum.

Tobi Mannhart: Die beiden Kandidaten aus Hollywood werden sich das große Geld keinesfalls durch die Lappen gehen lassen und bleiben. Bynum, West und Hickson sind in den richtigen Situationen und gehen wohl nicht aus freien Stücken. Utah muss aus Geldgründen einen Big abgeben, Smith und Ellis werden dem Ruf des Geldes folgen und Reddick ist wohl bei einem Contender besser aufgehoben.

Robert Jerzy: Erst lese ich “hochkarätig” - dann zwei Vornamen die aus JJ bestehen .... Anyway, Monta Ellis und einer der Jazz Big Men, sollte Utah nicht schon jetzt eine Entscheidung treffen.

Niklas Dahl: "It's all about the Benjamins". Jener Track greift auch heute noch. Chris Paul und Dwight Howard sind in einem der größten Märkte der USA, können von ihrem jeweiligen Team am meisten Salär einstreichen. Einen Trade sehe ich hier nicht. Vor Monta Ellis graut es wahrscheinlich jedem Fan, aber wohl fast sicher abwandern wird nur JJ Hickson. Die Stats rechtfertigen für so manchen General Manager ein +10 Mio. $ Jahresgehalt-Angebot, eben jenes zu matchen würde krass gegen Neil Olsheys Ziele, zukünftige Flexibilität zu wahren, gehen. Bye bye JJ!

Sebastian Dumitru: Josh Smith, in erster Linie. Ich weiss, dass fast alle und ihre Mamas einen Hawks-Trade zur Deadline fest eingeplant haben. Ich bleibe weiterhin skeptisch. Nicht nur, weil ich schon seit Monaten sage, dass Smoove bleibt und es feige wäre, jetzt zu kneifen. Sondern, weil die Situation kompliziert ist (Hoffen auf Dwight, kaum Alternativen im Sommer) und Ferrys Vorstellungen von einem Gegenpaket (Youngster plus Draft-Picks plus auslaufende Deals) völlig überzogen sind, zumal es für Interessenten dämlich und gefährlich wäre, das Smith-Risiko auf Kosten der eigenen Lineup einzugehen, ohne eine Verlängerungsgarantie zu haben. Weitere Kandidaten: Dwight Howard, Monta Ellis und derjenige Jazzer, der im Juli kein Vertragsangebot erhält. 


Siehst du bei den vier Top-Teams Miami, OKC, San Antonio und LA Clippers Handlungsbedarf oder realistische Trade-Szenarien, die ihnen im Meisterschaftsrennen weiter helfen?

Daniel Schlechtriem: Handlungsbedarf respektive Verbesserungsmöglichkeiten bestehen immer, realistisch sind sie jedoch am wenigsten bei Miami, die anderen Teams schlichtweg nichts anzubieten haben. Sollte San Antonio tatsächlich Chancen auf Al Jefferson bekommen, werden sie keine Sekunde zögern, gleiches gilt für die Clippers, sollte erfahrene Verstärkung unter dem Korb verfügbar werden. OKC wird nach dem Monster-Deal zu Saisonbeginn eher die Füße still halten und das Team nicht weiter sprengen, höchstens etwas kleines einfädeln.

Tobi Mannhart: Miami und OKC müssen keinesfalls handeln. Bei den Clippers wird Franchiseplayer/Trainer/GM Paul entscheiden, ob noch nachgebessert werden muss. San Antonio sollte wohl handeln. Ihre größte Stärke entwickelt sich zur größten Schwäche: Das Team ist zu tief. Demnach könnte man mit einem hochkarätigen Big Man an Timmys Seite und einer verkürzten Playoffrotation nochmal nach den Sternen greifen. Mal sehen, ob man z.B. mit den Jazz etwas einfädeln kann.

Robert Jerzy: Miami und OKC sind gesetzt, San Antonio wird es in den Playoffs mit diesem Kader schwer haben, ins Finale einzuziehen, ich sehe allerdings keine passenden (reellen) Szenarien die dies ändern könnten. Die Spurs sind nicht bekannt für knee-jerk Reaktionen zur Trade Deadline. Die Clippers besitzen Assets (Bledsoe, Jordan, Butler), die eventuell etwas geeignetes zurück nach L.A. bringen.

Niklas Dahl: Weder bei Miami, noch bei Oklahoma City, sehe ich a) Handlungsbedarf und b) realistische Szenarien (unablehnbare Angebote außen vor). Dass die Clippers durchauch willig sind, ihren Kader für einen Allstar auseinander zu reißen, ist wohlbekannt. Sowohl Paul Millsap als auch Kevin Garnett wurden bereits mit L.A. in Verbindung gebracht. Während man letzteren meiner Meinung nach nicht holen sollte, hängt ersterer Name vor allen Dingen davon ab, was in San Antonio passiert. Geht dort ein ins Spiel gebrachter Al Jefferson hin, bleibt einer der beiden Trades auf der Strecke. Wirklich Sinn für beide Seiten macht aber nur ein San Antonio/Utah-Trade.

Sebastian Dumitru: Handlungsbedarf gibt es immer, aber das heisst nicht, dass auch realistische Deals da draussen sind. DeJuan Blair ist in San Antonio mittlerweile absolut überflüssig (nur 13.8 MPG) und Must-Trade Material. Miami hat seinen Deal in Form des Birman-Signings schon getätigt, OKC hört sich Angebote für Maynor an und kann dank des Raptors-Picks jederzeit tätig werden - falls gewünscht. In einer höchst interessanten Situation befinden sich die LA Clippers mit Eric Bledsoe. Dessen Rookie-Deal läuft 2014 aus, und da Chris Paul mit Sicherheit verlängert, wird der kleine Guard langfristig entbehrlich und zu teuer. Ich würde ihn lieber jetzt gegen den sehr verfügbaren Paul Millsap traden und meine Frontcourt-Rotation damit für ruppige Playoff-Duelle gegen die Spurs und Thunder aufpolstern. Utah würde keine Sekunde zögern. 


Je fünf Clubs kämpfen in Ost (Boston, Milwaukee, Philly, Toronto, Detroit) und West (Utah, Houston, Portland, LA Lakers, Dallas) um je zwei Playoff-Plätze. Wer tradet am geschicktesten und manövriert sich so in die Postseason?

Daniel Schlechtriem: Zu Houston sollte genug gesagt sein. Für die Mavs und die Lakers ist die Postseason sowieso gelaufen, da hilft kein Trade mehr. Beide haben – die Lakers spätestens nach Gasols Verletzung – ohnehin nichts anzubieten oder irgendeinen verfügbaren Spieler in Aussicht, der sie sofort besser macht und doch noch in die Playoffs rettet. Die Blazers brauchen dringend Tiefe, müssten sich dafür aber von einem ihrer Topspieler trennen, so dass es dann eher ein Schachzug in Richtung Zukunft wäre. Im Osten besteht am ehesten für die Bucks und Raptors Handlungsbedarf, doch auch Toronto kann kaum etwas von wirklicher Qualität bieten respektive bekommen, um noch einen echten Run in Richtung Playoffs zu starten – vorausgesetzt Milwaukee wirft am Donnerstag nicht alles über den Haufen.

Tobi Mannhart: Boston und Milwaukee werden die Playoffs erreichen, wenn in Beantown die Eins verstärkt und in Wisconsin nicht geschwächt wird. Wird allerdings Jennings zu billig abgegeben und Toronto verwandelt Bargnani in etwas Brauchbares, könnten die besseren Zeiten in Kanada schon heuer beginnen. Im Westen wird das Rennen wohl nicht durch Trades entschieden, sondern durch Formstärke. Ausser Dallas traue ich jedem der Teams die Playoffs zu, auch wenn allein die Mavs große Moves planen.

Robert Jerzy: Ich bin mir nicht unbedingt sicher, ob Deadline Deals einen so großen Unterschied bringen. Gerade eingespielte Mannschaften halten den Kern eher zusammen, als das Team massiv zu verändern. Wenn jemand einen Blockbuster Trade abfedern und positiv umsetzen kann, dann die Celtics (aufgrund der “Nobody believed in us since Rondo’s Knee blew out” - Regel) und Lakers (aufgrund ihrer Offense). Sneaky Awesome wäre der angesprochene Bargnani/Boozer Trade, der die Raptors in die Playoffs katapultieren würde.

Niklas Dahl: Von allen genannten Teams sehe ich nur drei, die ernsthaft im Tradekarussell mitfahren: Milwaukee (Jennings, Ellis), Philly (Turner) und Utah (Jefferson, Millsap). Die 76ers sind spätestens nach der Rückkehr von Andrew Bynum ernsthafter Playoffkandidat, auch ohne einen etwaigen Smith-Trade. Milwaukee? Erster Kandidat, der dann hinten runterfallen würde. Etwaige Trades würden an dieser Situation kaum bis gar nichts ändern. Zugegeben: Eine Starting Five bestehend aus u.a. Ellis und Josh Smith wäre...interessant. Im Westen sind mit Ausnahme der Jazz keine größeren Trades vorstellbar, die DEN Unterschied mit Hinblick auf die Playoffplätze machen. Trade-O-Meter-Nadel eher ruhig denn nervös zitternd..

Sebastian Dumitru: Danny Ainge und die Celtics können ein wenig Verstärkung gebrauchen, um die Verletzungen aufzufangen - einen KG/Pierce Blockbuster wird es aber nicht geben. Dallas, Portland und die Lakers haben keine Assets, die andere Teams interessieren. Philly und Utah sehe ich eher als Verkäufer mit anschliessender Liftfahrt nach unten. Toronto und Milwaukee haben derweil kaum Luft nach oben, egal ob mit oder ohne Trades. Bleibt also Houston: GM Morey hat sowohl junge Talente beisammen, als auch genügend finanzielle Flexibilität, um einen risikoarmen Shooter wie Redick, Hamilton, Jared Dudley oder Boobie Gibson zu erstehen (oder alternativ einen der hochkarätigeren Big Men), der die Raketen endgültig in die Postseason schiesst.  


Welches der Teams aus den unteren Regionen wirft das Handtuch und tradet einen Leistungsträger für Draft Picks und/oder Talente?

Daniel Schlechtriem: Phoenix ist ein heißer Kandidat, Marcin Gortat darf womöglich bald die Wüste verlassen. Auch Orlando wird schon aufs nächste Jahr schielen und deshalb den Markt sondieren, was es für J.J. Reddick zu holen gibt. Bei Charlotte und Ben Gordon, Sacramento und Tyreke Evans, Detroit und Rodney Stuckey, außerdem Minnesota und Like Ridnour sowie Derrick Williams ist es ebenfalls gut denkbar, dass sie getrennte Wege gehen.

Tobi Mannhart: Ich möchte nicht „Handtuch werfen“ dazu sagen, aber Cleveland wird weiterhin Picks sammeln. In Ohio steht jeder außerhalb des jungen Nukleus zum Verkauf und wertvolle First Rounder sind das Zahlungsmittel.

Robert Jerzy: Orlando und Charlotte könnten ihren Kurs aus der Offseason weiterführen und Assets wie Redick oder Gordon für Lower Draft Picks abgeben. Atlanta gehört zwar nicht zur unteren Region, Denny Ferry ist jedoch nicht dumm. Beim richtigen Josh Smith Angebot wird der GM gern das Playoff Aus in Kauf nehmen und schon jetzt für die neue Saison planen.

Niklas Dahl: Vorstellbar sind in meinen Augen die folgenden Teams: Orlando (Redick), New Orleans (Gordon) und Seattle, pardon, Sacramento (Evans). Nicht zwangsläufig zur Trade Deadline, alternativ auch im Sommer. Abnehmer dürfte es hier genügend geben. 

Sebastian Dumitru: Die üblichen Verdächtigen wie Charlotte (Ben Gordon), Orlando (Redick), Phoenix (Dudley, O'Neal, Morris, Gortat) und Washington (Jordan Crawford) drängen sich auf. Wobei "das Handtuch werfen" den technischen K.O. in dieser Saison auch nicht mehr abwenden können wird.