16 Februar 2013


Kein Event wird während des All-Star Wochenendes mit mehr Spannung erwartet als der jährliche Slam Dunk Contest. Polarisierend, euphorisierend, nervtötend... das beliebte Spektakel umfasste in den bisherigen 27 Editionen die volle emotionale Bandbreite und riss die Zuschauer in der Halle und vor den TV-/Computerbildschirmen mal von den Sitzen, mal in den Tiefschlaf. Vor der heutigen Neuauflage in Houston, bei der ex-Champion Gerald Green und James White die hohen Favoriten sind, wirft NBACHEF einen kurzen Blick zurück auf die drei besten Dunking Contests aller Zeiten... natürlich in der Hoffnung, dass uns 2013 ähnlich denkwürdige Momente bescheren mag.

1985 - die Stunde Null

Zwar hatte die NBA schon ein Jahr zuvor, nämlich 1984, den aus der ABA bekannten Dunk Contest adaptiert, um den Fans etwas Neues zu präsentieren (einige werden sich an Dr. Js ersten Foul-Line Dunk oder den Sieg von Nance erinnern), aber 1985 gilt für Viele als Stunde Null, was die Beliebtheit und den Einfluss dieses Bewerbs anbelangt. Nicht nur, dass die Lineup und Star-Qualität mit Julius Erving, Larry Nance, Dominique Wilkins, Michael Jordan, Clyde Drexler, Orlando Woolridge, Terence Stansbury und Darrel Griffith bis heute die beste ist, die uns je präsentiert wurde. 1985 bereitete auch die Bühne für das beste One-on-One Duell aller Zeiten: 'Nique vs. MJ, ein Klassiker, der sich über Jahre ziehen und uns einige der spektakulärsten und denkwürdigsten Slams der Geschichte präsentieren sollte. Das erste Match ging an den damals solideren, weil ernsthafter bei der Sache seienden Wilkins. Es war diese Niederlage, die den jungen Jordan antrieb und '87/88 zu Back to Back Siegen führte. Wilkins gewann den Contest 1990 ebenfalls ein zweites Mal.


2000 - Renaissance Man

Der Dunk Wettbewerb war töter als tot, ehe ihn Vince Carter eigenhändig und in seiner einzigen Teilnahme überhaupt wieder zum Leben erweckte. 1998 hatte ihn die NBA eingestampft, ein Jahr später war er dem Lockout zum Opfer gefallen. 'Air Canada' machte all das in knapp einer Stunde vergessen und inspirierte all diejenigen, die nach ihm kamen, mit einer nie für möglich gehaltenen Kreativität. Windmills 360s, Off-the-Bounce-Between-the-Legs, die 'Arm in den Ring' Geschichte... und alles serviert mit einer Leichtigkeit und einem Flair, die bis heute ihresgleichen suchen. Das Duell mit seinem Cousin und Teamkollegen Tracy McGrady pushte beide über ihre Grenzen hinaus und machte aus der Oracle Arena in Oakland ein Tollhaus. Carter flog und flog und flog und flog... und als er dann irgendwann endlich wieder landete, war der Dunk Contest nie wieder der selbe.


1988 - Godfathers

Jordan gegen Wilkins allein würde diesen Contest schon auf die Pole Position heben. Clyde Drexler, Spud Webb und Jerome Kersey als Statisten am Zenit ihrer athletischen Entwicklungskurve und die absurde Anzahl ikonischer Dunks betonieren ihn dort fest. Die Dramatik des Events aber katapultiert ihn endgültig in einen Orbit, wo er mutterseelenallein um die Planeten kreist. Wenn man einer geistig und technologisch fortgeschritteneren Rasse jemals die Dynamik, Ästhetik und sozio-kulturellen Implikationen eines Dunk Wettbewerbs nahebringen müsste, dieser Contest würde dafür aus dem Archiv heraus gekramt werden. Von Jordan, der hier am Anfang der grössten Sportler-Karriere aller Zeiten steht (und der damit einhergehenden Marktrevolution in mannigfaltiger Hinsicht) über Wilkins, den Anti-Helden, bis zum dramaturgischen Höhepunkt im altehrwürdigen 'Chicago Stadium'... 1988 war eine Poesie von einem Dunking Contest und kam, ganz ohne Hype, widerwärtige Hallen-MCs und stupide Gimmicks, zehn Mal authentischer daher als der Humbug, der uns mittlerweile serviert wird. Korb, Spalding und Mann gegen Mann würden es auch heute noch tun, ganz sicher...