22 Januar 2013


Das völlig missglückte CBA zwingt Small Market Teams, Rotationsspieler für Cash zu veräussern (Photo: AP/Nikki Boertman)

Im ersten, aber sicherlich nicht letzten Deal der diesjährigen Trade-Saison haben die Memphis Grizzlies und Cleveland Cavaliers den Reigen mit einem kleinen, aber signifikanten Tauschgeschäft eröffnet. Memphis schickt drei Spieler - Marreese Speights, Wayne Ellington und Josh Selby - im Paket mit einem künftigen Erstrundenpick (nicht in 2013: der ist über Houston mittlerweile bei den Timberwolves gelandet) nach Cleveland, von wo lediglich Jon Leuer nach Tennessee kommt.

Drei Rotationsspieler plus Pick für einen Bankdrücker, den zurecht kaum jemand kennt... haben die Bären eigentlich den Verstand verloren? Speights und Ellington sind beileibe keine Stars, aber sie waren immerhin ein integraler Bestandteil der Grizzlies-Ersatzbank. Speights, ein beweglicher und reboundstarker 2,08 Forward mit gutem Schuss, erzielte bisher 6.6 Punkte und 4.7 Rebounds in 14.5 Minuten pro Partie. Ellington, der vor der Saison aus Minnesota kam, brachte 5.5 Punkte in 16.9 MPG und scheint, zumindest oberflächlich betrachtet (Anm d. Red.: nicht wirklich!), wenigstens einen Teil seiner Treffsicherheit aus der Distanz zurück erlangt zu haben, die ihn ja eigentlich vor vier Jahren von den North Carolina Tar Heels in die NBA hievte. Selby, ein 21-jähriger Kombo-Guard, spielte in Ryan Hollins' Rotation dagegen nur eine kleine Rolle (nur 5.9 MPG). Spielerisch ist der vielbewanderte Leuer sicherlich ein klares Downgrade, das in Memphis genau den gleichen Platz einnehmen wird wie bei seinen drei NBA-Stops bisher (Milwaukee, Houston, Cleveland): am hintersten Ende der Ersatzbank. Doch das war den Grizzlies mehr als bewusst, als sie sich auf diesen Tausch einliessen.

Für Memphis und die neue Besitzergruppe um Robert Pera ging es bei diesem Deal nämlich nicht um Basketball, sondern um's liebe Geld. Finanziell drückt der Schuh gewaltig, seit das neue Collective Bargaining Agreement ein sinnvolles finanziell-sportliches Wirtschaften in den sogenannten kleinen Märkten mehr oder weniger vollständig sabotiert hat. Was eigentlich als Hilfe gedacht war, um Teams wie New Orleans, Oklahoma City oder Memphis zu ermöglichen, ihre über Jahre heran gezüchteten Lineups und Stars langfristig binden zu können, geht völlig nach hinten los. Auch Memphis ist in der Bredouille, obwohl man in der 'River City' eigentlich alles richtig gemacht hat. Rudy Gay, Zach Randolph, Marc Gasol, Mike Conley, Tony Allen... der Kern eines starken Clubs, der im Westen oben mitspielt, drohte auseinander zu brechen, bevor man überhaupt genau auswerten konnte, wie tief es die wohl beste Startformation der Liga in die Playoffs hinein schaffen kann (Gay war in der Endrunde 2011 verletzt, Randolph vergangenes Jahr). Gay, Randolph, Gasol und Conley verdienen zusammen mehr als 58 Millionen Dollar. Da bei 70 Millionen die restriktive Luxussteuer triggert, bei der mehrfache Abgaben für jeden Cent über dem erlaubten Grenzwert fällig werden, waren Personalmanöver in Memphis nur eine Frage der Zeit. Seit Dezember dominierte ein potentieller Rudy Gay Trade die Schlagzeilen, und wenngleich selbiges Süppchen früher (also noch im Februar) oder später (also im kommenden Sommer oder Februar 2014) wieder aufgewärmt werden wird, so nimmt der heutige Trade zumindest den Druck von Pera, General Manager Chris Wallace, Coach Hollins und den Spielern im Team.

"Diese stängigen Gerüchte sind belastend", fasste Conley vor wenigen Wochen den Gemütszustand der Mannschaft zusammen. "Wir spielen so gut, und mit dem neuen CBA hatte man gehofft, gerade dann nicht so etwas durchmachen zu müssen. Und trotzdem sind wir hier und ständig hört man was Neues, was alles passieren könnten bis zur Deadline." Die gute Nachricht für alle Bärenfreunde: mit dem Salary Dump manövriert man sich mit einem Schlag unter die Luxussteuer und hat vorerst Ruhe. Speights (4.2 Mio. $) und Ellington (2 Mio. $) verdienen zusammen mehr als sechs Millionen Dollar. (Selby und Leuer gleichen sich mit dem 0.76 Mio. $ Minimum de facto aus) - viel Geld für zwei Bankspieler, die nicht zwingend notwendig sind.

Cleveland, das mehr als genügend Cap-Freiraum hat und nächste Saison gerade einmal 32 Millionen Dollar an garantierten Gehältern ausbezahlen muss, kann Speights und Ellington dagegen ohne Weiteres absorbieren. Speights hilft sogar spielerisch aus: nach der schweren Verletzung von Anderson Varejao, der neuesten Angaben zufolge für den Rest der Saison ausfällt, sind die jungen Tristan Thompson und Tyler Zeller die einzigen etatmässigen Big Men bei den Edelmännern. Speights wird da in 20-25 MPG Abhilfe schaffen, die offensiven Bretter ein wenig sauber halten und als Stretch Big den gelegentlichen langen Jumper einnetzen. Dann kann er im Sommer entscheiden, ob er seine Spieleroption für 2013/14 ziehen und auch das letzte Jahr seines Deals bei einem jungen Team verbringen oder doch lieber langfristigere Sicherheit auf dem freien Markt anstreben möchte. Der Lotterie-Pick, eine de facto Belohnung für die tradewilligen/opportunistischen Cavaliers, könnte in den nächsten Jahren zum grossen Los werden - dann nämlich, wenn die Cavs einen künftigen Superstar zusätzlich aus dem Nachwuchstopf ziehen und Kyrie Irving an die Seite stellen dürfen. Das ist jetzt schon der vierte extra Erstrunden-Pick (die eigenen einmal ausgeklammert), den man in naher Zukunft zur Verfügung gestellt bekommt. Cleveland geht das post-Decision Rebuilding richtig an.

Für Memphis geht der Kampf hingegen weiter, die Luxury Tax Linderung wird nicht von Dauer sein. Die Vertragsverlängerung für Tony Allen, den besten Verteidiger im Team und einer der Leistungsträger von Coach Hollins, steht im Sommer an. Und wenngleich man für dieses Fiskaljahr auf der sicheren Seite sein sollte, läuft man in spätestens zwölf Monaten vor die gleiche "CBA Small Market Problemwand", die ein neues Wirtschaften erfordern wird. Ob man dann aber Gay oder Randolph veräussert, das sind jetzt Probleme für einen anderen Tag. Für den Moment gilt es, aufzuatmen und die Entscheidungen des Front Office zu begrüssen, es zumindest noch einmal mit der aktuellen Truppe versuchen zu wollen. Dieses Team mit seiner starken Defensive und dem methodisch-langsamen Spiel kann in den Playoffs laut brüllen und den Favoriten Oklahoma City, San Antonio und Los Angeles mehr als Paroli bieten. Sollte das scheitern, kann man die Personal-Pläne dann ab Juli neu ausrichten.

Edit: Der Draft-Pick, der nach Cleveland wandert, ist ein garantierter Lotteriepick in 2015 (der Pick ist 1-5 und 15-30 geschützt, die Restriktionen nehmen von 2016 bis 2018 sukzessive ab und machen den Pick spätestens 2019 komplett frei verfügbar). Die Cavaliers entliessen heute Jeremy Pargo und schicken - wie üblich bei solchen Deals - noch eine Trade Exception nach Memphis. Da deren Lineup aktuell zwei Roster-Spots unter dem vorgeschriebenen Ligaminimum von 13 operiert, nehmen die Grizzlies mit sofortiger Wirkung Guard Chris Johnson aus der D-League unter Vertrag und werden dazu mit Delonte West und Bill Walker in Verbindung gebracht. Das Gerücht, dass Memphis zusätzlich noch Sasha Vujacic ködern will, kann ich unter Berufung auf meine Quellen nicht bestätigen (Vujacic hat bei Efes Pilsen Istanbul m.E. keine Out-Klausel). Mehr Outside Shooting, eine tiefere Bank, keine Luxussteuer... scheint trotz allem ein guter Tag gewesen zu sein in Memphis, Tennessee.


nbachef meint: Vorteil Memphis, Cleveland