05 Januar 2013


Der notwendige, kompakte Blick auf die Rookie Tops und Flops des Draft-Jahrgangs 2012 (Stand: Woche 10)


1. Damian Lillard (Portland Trail Blazers): 18.2 Pts, 6.4 Ast, 1 Stl, 2.2 Dreier in 38 MPG
Zweiter NBA-Rundgang, zweiter Rookie of the Month Award für den lizenzierten ROY-Favoriten aus Portland. Lillard beendete den Dezember mit 18.4 Punkten und 6.3 Assists und führte die Trail Blazers zu 11 Siegen - so viele in einem Monat, wie seit März 2010 nicht mehr. Selbst wenn der Spielmacher nicht den besten Tag als Scorer erwischt, hilft er seinen Farben mit Rebounds oder Assists (5 RPG, 7 APG in den letzten Drei) zum Sieg, wie gestern beim 86-84 in Memphis. Seine Gamewinner, wie am Neujahrstag im Madison Square Garden, brennen sich natürlich langfristiger in unsere Großhirnrinden ein.

2. Michael Kidd-Gilchrist (Charlotte 'Cats): 10.8 Pts, 6.4 Reb, 1.4 Blk, 50% FG in 27 MPG
Der All-Rounder in Diensten der Charlotte Bobcats hält sich nach zwei soliden Wochen auf Platz zwei des wichtigsten Rookie-Klassements der Welt. 10 Punkte, 6 Rebounds und 1 Block sind im Einklang mit seinen Saisonstatistiken. MKG ist nicht perfekt, aber er macht kaum Fehler (nur 1.6 TO/G) und ist seinen erst 19 Jahren meilenweit weit voraus. Sein Monsterspiel gegen den ex-Teamkollegen Anthony Davis (22 Punkte/9 Rebounds) war für Gilchrist nach einem Stich ins Auge zwar vorzeitig beendet, machte aber auch deutlich, dass er dem hoch gepriesenen Nummer Eins Pick derzeit etwas Entscheidendes voraus hat: eine klar definierte Rolle.

3. Andre Drummond (Detroit Pistons): 7 Pts, 7.3 Reb, 1.5 Blk, 59% FG in 19 MPG
Schnell, ohne nachzuschauen: wer ist der effizienteste Rookie des Jahres mit dem höchsten PER, der ihn sogar ligaweit unter die Top-20 bugsiert hat? Wer greift sich die fünftmeisten Rebounds pro 48 Minuten (17.8 RP48) und liegt bei der Rebound-Rate vor Spezis wie Zach Randolph, Dwight Howard, Tim Duncan oder Carlos Boozer? Und wer wird trotz dreier Double-Doubles in den letzten sieben Partien immer noch mit Samthandschuhen angefasst? Ich muss schon sagen: Euch kann man einfach kein A für ein O vormachen. Lawrence Frank dagegen offensichtlich schon...

4. Anthony Davis (New Orleans Hornets): 14.1 Pts, 8.7 Reb, 1 Stl, 2 Blk in 32 MPG
Es war bisher nicht die Saison des Anthony Davis Junior. 13 Spiele wegen Verletzung verpasst, nach der Rückkehr auf den Court dann ziemlich aus dem Tritt und mit den Hornets eine Pleite nach der anderen. Dass die Braue trotz allem mit 8.7 Rebounds, 2 Blocks und 14 Punkten im Schnitt weiterhin zu den produktivsten Youngstern zählt (PER 19.41), zeigt sein immenses, rohes Talent, dass uns ihn Hals über Kopf über allen anderen Frischlingen ansiedeln liess. Aber: seine offensive Entwicklung stagniert (nur 38% FG und 8 PPG letzte Woche), während seine Visitenkarte - die Defense - weit hinter den Erwartungen bleibt. Davis wirkt bei Switches und im Pick & Roll oft verloren und weiss häufig nicht, wen oder was er eigentlich verteidigen soll. Nicht falsch verstehen: AD könnte schon in den nächsten Wochen ein paar Puzzleteile zusammen stecken und zum besten Rookie avancieren. Aber momentan läuft's alles andere als rund. Von einem Nummer Eins Pick muss mehr kommen.

5. Alexey Shved (Minnesota T'wolves): 11.1 Pts, 2.8 Reb, 4.6 Ast, 1.6 Dreier in 28 MPG
Shved drehte im Dezember so richtig auf und beendete den Monat als einer der produktivsten Rookies mit 11.4 Punkten und 5.8 Assists. In den letzten sechs Partien scorte der Russe immer zweistellig und legte bei den Siegen gegen Oklahoma City (12/12) und Phoenix (12/10) sogar die ersten Double-Doubles seiner NBA-Karriere auf. Der Dreier fällt auch immer besser. Die Lernkurve des Timberwolf-Starters ist nach mehreren Jahren auf europäischem Top-Niveau nicht halb so steil wie die der meisten Rookie-Kollegen.

6. Bradley Beal (Washington Wizards): 12.9 Pts, 3.6 Reb, 2.6 Ast, 37% FG in 31 MPG
Für viele gilt der Nummer Drei Pick vielleicht als grosse Enttäuschung. Wiederum andere verstehen vielleicht nicht, warum Beal eine bessere Saison spielen soll als Dion Waiters, obwohl ihre Zahlen auf den ersten, oberflächlichen Blick ähnlich aussehen mögen. Fakt ist aber, dass Beal erst 19 ist (und damit zwei Jahre jünger als Waiters), ein viel besseres Spielverständnis besitzt und im November massives Wurfpech hatte (es besteht ein grosser Unterschied zwischen freien Würfen, die nicht fallen, und schlechten Würfen an sich). Mit 13.4 PPG und 3.4 APG war er im Dezember Bester in der Eastern Conference und erhielt zurecht die Ehrung "Rookie des Monats". Beals Schnitt in den letzten vier Partien: 18.5 Punkte, 4.3 Rebounds, 3 Assists.

7. Harrison Barnes (Golden State Warriors): 9.1 Pts, 4.3 Reb, 42% FG in 25 MPG
Der vermeintlich beste Low Post Spieler des Rookie-Jahrgangs ist zu diesem Zeitpunkt vielleicht ein Small Forward: Barnes fühlt sich in der tiefen Box pudelwohl und hat dort ein paar effiziente Moves auf Lager. Wenn er jetzt auch noch seinen Mitteldistanzwurf in den Griff bekommt (nur 26% von eins bis sieben Metern), dann reift in der Startformation der überraschend starken Warriors ein kleines 'glue guy Juwel' heran: gut im Rebounding, sehr athletisch und mit einem effektiven Inside-Outside Offensivspiel ausgestattet. Genau das, was die Dubs zwischen Curry, Thompson und Lee gebrauchen können.

8. Terrence Ross (Toronto Raptors): 7.3 Pts, 2.1 Reb, 41% FG in 18 MPG
Der spektakuläre Raptors-Rookie, den wir hoffentlich im Dunking-Contest zu sehen bekommen (bitte ohne Gimmicks!) brauchte knapp sechs Wochen, um sich an das höhere NBA-Tempo zu gewöhnen, aber er hat sich angepasst: in den letzten 14 Tagen erzielte der Shooting Guard 12.2 Punkte und 2.5 Dreier pro Partie. Auf sein Karrierespiel gegen Portland (26 Punkte, 6 Dreier in 25 Min.) folgte dann gestern prompt die Korrektur gegen die Kings: 3 Punkte, 1-7 aus dem Feld. Willkommen in der NBA, Rook! Vielleicht kein Zufall: seit Ross mehr Spielminuten erhält (und Bargnani im Anzug auf der Bank sitzt), sind die Dinos viel erfolgreicher.

9. Dion Waiters (Cleveland Cavaliers): 14.2 Pts, 1.5 Dreier, 37% FG in 31 MPG
Byron Scott hatte die Schnauze irgendwann kurz nach dem Jahreswechsel voll und versucht es bei seinem frustrierenden Rookie jetzt mal auf eine andere Tour: Waiters verlor vor dem Mittwochs-Spiel gegen die Kings seinen Platz in der Starting Lineup und soll jetzt von der Bank für Gefahr sorgen - eine Rolle, die der geborene Chucker schon vom College kennt und die ihm vielleicht besser liegt. In zwei Partien als Backup trifft Waiters respektable 44% aus dem Feld - immerhin sieben Prozentpunkte besser als zuvor. Ob er als Ersatzmann aber das schafft, was ihm als Starter nicht gelang (sein Team besser machen und ihm zu Siegen verhelfen)? Es wäre den Cavs zu wünschen.

10. Chris Copeland (New York Knicks): 7 Pts, 50% FG, 42% Dreier in 12 MPG
Der echte Steve Novak, er trägt in diesem Jahr Dreadlocks und die Nummer 14. Chris Copeland hat in New York den ehemaligen besten Dreierschützen der Liga als Sniper vom Dienst abgelöst und trifft bärenstarke 42% von Downtown. Aber er kann mehr. Der 28-Jährige, der über Belgien, Spanien, Holland und Deutschland in die NBA kam, hat nach einigen spektakulären Partien an Stelle des verletzten Carmelo Anthony (29 Punkte gegen Houston, 23 gegen die Kings) den vierthöchsten Effizienz-Wert aller Rookies und sich in Zukunft zumindest um sporadische Spielzeit verdient gemacht.


Aussen vor:
Jonas Valanciunas, Thomas Robinson, Austin Rivers, Kyle Singler, Tyler Zeller, Andrew Nicholson, Jared Sullinger, Jae Crowder, Meyers Leonard, Jeremy Lamb, John Henson, Brian Roberts