23 Januar 2013


Ein weiterer reboundstarker Big Man, den Heat-Coach Spoelstra vermutlich nicht einsetzen wird (Photo: Sun Sports)

Miamis Neuzugang Chris Andersen trug heute zum ersten Mal das weisse Heat-Trikot, nachdem Manager und Team-Godfather Pat Riley den 34-Jährigen am Sonntag unter Vertrag genommen hatte. Der 'Birdman' war seit seiner Entlassung via Amnestie-Klausel durch die Denver Nuggets arbeitslos und hat seit knapp zehn Monaten kein NBA-Spiel mehr absolviert. In Miami hofft man dennoch, dass das schlaksig-agile Energiebündel mit seinem Rebounding und seiner Above-the-Rim Verteidigung die eklatanten Schwächen unter den Körben ein wenig zukleistern kann.

"Er passt hier gut rein. Wir wollen nur, dass er sein Ding macht. Seine Art passt gut zum Basketball, den wir spielen", wurde Head Coach Erik Spoelstra nach dem Signing zitiert. "Wir haben ihn schon immer gemocht, schon früher, vor den ganzen Tattoos. Wir wollten ihn oft zurück haben." Andersen, der in seiner Karriere 5.4 Punkte, 5.2 Rebounds und 1.6 Blocks in 17.8 Minuten pro Partie produziert, erhielt zunächst einen befristeten 10-Tages Vertrag, der auf einen zweiten ausgeweitet werden kann. Spätestens nach Ablauf der 3-Wochen-Frist müssen Teams dann entscheiden, ob sie den betreffenden Spieler für den Rest der Saison verpflichten oder wieder entlassen wollen.

Noch ist unklar, ob Andersen unter Spoelstra genügend Spielzeit erhalten wird, um die offensichtlichen Problemstellen des amtierenden Champions zukleistern zu können. Noch vor wenigen Jahren war der 'Birdman' einer der besten Ersatz-Bigs der Association und veränderte mit seinem harten, bedingungslosen Einsatz und sehr produktiven Rebounding/Shotblocking Werten von der Bank die Dynamik vieler Partien - sehr zur Freude von George Karl und der Denver Nuggets, für die er damals durch die Lüfte segelte. Miami, das beim Rebounding weit abgeschlagen auf dem letzten Platz rangiert (nur 38 RPG) und auch defensiv stark eingebüßt hat gegenüber den beiden Vorsaisons (nur Platz 11 bei der defensiven Effizienz), spielt seit den letztjährigen Playoffs und dem anschliessenden Titelgewinn fast immer klein. Die Einsatzzeiten von Joel Anthony (10.3 MPG) und Udonis Haslem (19.4 MPG) sind so niedrig wie noch nie, weil Spoelstra lieber mit Bosh auf der Fünf und James oder Battier auf der Vier agiert. Während Andersen also in der Theorie zwar ein starker pro-Minute Rebounder und effizienter Weak-Side Shotblocker ist, bleibt abzuwarten, ob ihn die Heat und Spoelstra als solchen einzusetzen bereit sind.

Vergangene Saison kam die wandelnde Tattoo-Litfaßsäule in Denver auf 5.3 Punkte, 4.6 Rebounds und 1.4 Blocks in gerade einmal 15 Minuten pro Abend - solide Werte, die Miami durchaus helfen könnten. "Sie geben mir hier eine Chance, also werde ich ihnen alles geben, was ich habe. Ich werde mein Birdman-Ding machen, ein bisschen herum fliegen, hart spielen, ein paar Rebounds greifen. Alles, um zu helfen, hier noch eine Championship her zu bringen." Wenn er spielen darf, wie gesagt. Bei heutigen Spiel gegen Toronto saß Andersen vorerst nur auf der Bank. Immerhin: ein anderer, immens wichtiger Punkt scheint intern bereits geklärt zu sein. Obwohl Riley in Miami schon immer eine sehr strikte Stirnbänder-Politik betreibt, hat er beim Birdman beide Augen zugedrückt. "Ich bin gleich als Erstes zu Pat Riley hin und habe ihn gefragt, ob ich mein Stirnband tragen kann, weil ich so viel schwitze. Und er gleich so: Ja!, weil er ja nicht will, dass ich seinen schönen Parkettboden hier vollnässe..."