30 Januar 2013




Der Saisonbalken hat mittlerweile die kollektive 50% Marke passiert - ein guter Zeitpunkt für unsere Tafelrunde, ein paar pressierende Januar-Themen genauer unter die Lupe zu nehmen und uns die grössten Hardware-Kandidaten nach zwei Vierteln anzuschauen. Los geht's heute mit dem ersten Teil. Morgen dann der Rest.


- Stephen Curry ist der grösste All-Star Snub 2013! Seine Nichtnominierung im Westen ist skandalöser als LeBrons 'The Decision' in 2010.

Niklas Dahl, Rose Garden Report: Falsch. Dass Brook Lopez nicht berücksichtigt wurde (Stand: 29.1.) ist um einiges skandalöser. Bester offensiver Center in dieser Saison, dazu mit einem großen Sprung in Verteidigung und Rebounding. Und hey, viertbestes PER der Association, wer daran interessiert ist.

Onur Alagöz, Showtime Redux: Sicherlich kann man hier auch Brook Lopez und in meinen Augen besonders Marc Gasol erwähnen, aber dass Sweet Stroke Stephen nicht dabei ist, ist eine mittelschwere Beleidigung. Die Warriors sind DIE feel-good-story der Saison und Curry zeigt dabei ganz tolle Führungsqualitäten. Ich hätte ihm sogar den Vorzug vor David Lee gegeben.

Florian Schaum, Bring Back the Buzz: Die Nichtnominierung von Curry ist eine absolute Frechheit und noch dämlicher als Dwight Howards Stirnband Look. Dennoch tut es seinem lädierten Knöchel ganz gut, übers All Star Break eine kleine Pause einzulegen.

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Auch wenn ich die Verärgerung verstehe, muss man diesen Umstand nicht überdramatisieren. Bei den Guards lassen sich Parker, Westbrook und Harden nunmal nicht wegdiskutieren, bei den Wild Cards hätte er es meiner persönlichen Meinung nach eher verdient gehabt als LaMarcus Aldridge oder Teamkollege David Lee. Als skandalös empfinde ich diesen Umstand dennoch nicht, Curry wird noch genügend Gelegenheit bekommen, die Coaches von sich zu überzeugen.

Sebastian Dumitru, NBACHEF: Es war ja irgendwie absehbar, dass sich im Westen ein paar Teamkollegen den All-Star Platz gegenseitig streitig machen würden. Dass statt Curry David Lee nominiert wurde, zeugt von der übergeordneten Bedeutung, die Head Coaches immer noch gegnerischen Bigs am Erfolg beimessen. Ich hätte zwar Curry genommen, weil ich ihn für den wichtigeren Mann bei den Dubs halte (höheres PER, höhere TS%, höherer Win Share Anteil), aber dass die Warriors ihren ersten All-Star seit 16 Jahren stellen (Latrell Sprewell), ist die weitaus bedeutendere Neuigkeit in der Bay.


- Die Lakers haben die Kurve gekriegt! Die Siege gegen Utah und Oklahoma City signalisieren eine Gezeitenwende und den Anfang einer furiosen zweiten Saisonhälfte, in der LA noch die Playoffs klar macht.

Niklas Dahl: Kein Kommentar.

Onur Alagöz: Oh, Purp’n’Yellow, was hast du mich um den Schlaf gebracht. Ich würde es gerne glauben, aber so lange noch so viele Faktoren negativ einwirken, kann der Haussegen im Staples Center nur schief hängen. Anderer Coach, Therapeut für Dwight und ein Tritt in den Hintern für Jim Buss – dann vielleicht. Playoffs sind nach wie vor drin, ein tiefer Run scheint aber zu diesem Zeitpunkt Wunschdenken.

Florian Schaum: Zockt Kobe in den nächsten Spielen weiter so mannschaftsdienlich wie zuletzt? Bleiben Howard und Nash fit? Und bekommt es Coach D`Antoni hin, dem Lakers Spiel endlich seinen Stempel aufzudrücken? Dies sind einfach zu viele Fragezeichen, was das Starensamble bislang gezeigt hat war erscheckend. Trotz Leistungssteigerung gibt es dieses Jahr keinen Playoff Basketball für die Laker Boys.

Daniel Schlechtriem: Definitiv nicht! Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu genau, dass man im Westen mindestens 43-45 Siege braucht, um überhaupt in die Postseason zu kommen. Nach aktuellem Stand (20-25) würde das bedeuten, die Lakers dürften nicht einmal mehr 15 Spiele verlieren. Dabei sind die wesentlichen Probleme (D'Antoni, D'Antonis System, Teamchemie, Egoismus, keine Bank) nicht überwunden, das gefühlte Durchschnittsalter eines ZDF-Zuschauers wird im März und April auch nicht hilfreich sein. Selbst nach einem sehr guten Trade werden sie in fremder Halle weiterhin Federn lassen (aktuell 5-15) und daher die Playoffs verpassen.

Sebastian Dumitru: Haben sie. Ich hatte vor der Partie gegen Oklahoma City erklärt, warum ich - entgegen des öffentlichen Tenors - die Playoffs immer noch für realistisch halte: spielerisches Talent setzt sich auf Dauer durch. Wenn die Stars endlich ihre Egos hinten an stellen und ihre illustre individuelle Vergangenheit dem Teamerfolg unterordnen würden, könnten sie auch den 4-Spiele Rückstand auf Platz acht noch wett machen. Und siehe da: neue Rollen, neue Aggressivität, kein Kontrollzwang mehr von der Seitenlinie... die vielen Querelen haben offensichtlich etwas bewirkt.
Das wird reichen für die Postseason.   


- Boston ist ohne Rondo am Ende! Die Celtics verpassen die Playoffs und haben keine andere Wahl, als sofort den Reset-Knopf zu drücken.

Niklas Dahl: Die Playoffs würden sie ohne Rondo in diesem schwachen Osten wohl kaum verpassen (auch wenn der Gedanke an Detroit in den Playoffs mein Herz erwärmt), dennoch scheint nun die Zeit gekommen zu sein, den Kern zu sprengen. Ohne den besten Spieler im Kader wird es kaum reichen, um eine gewichtige Rolle im Playoff Picture zu spielen. Gerade Pierce dürfte jetzt noch Interesse ziehen, denkbar ist hier ein Tauschgeschäft mit Golden State rund um Harrison Barnes. Pull the trigger!

Onur Alagöz: So wenig man – berechtigterweise – menschlich von Kevin Garnett halten mag, er ist und bleibt einer der leidenschaftlichsten Athleten dieses Planeten. Er, Pierce und Doc sind ganz ganz ausgefuchste Zeitgenossen, die den Ausfall zwar nicht ausgleichen, aber zumindest kompensieren können. Wird ein harter Kampf um den letzten Seed und in der ersten Runde ist dann wohl auch Schluss, aber die Playoffs bleiben in Beantown.

Florian Schaum: Die Celtics müssen einen sofortigen Neuaufbau anstreben, nur wie? Garnett hat eine No Trade Clause und Pierce besitzt Legendenstatus, beide sind eigentlich untradebar. Boston wird die Playoffs auch ohne Rondo packen, für die Zukunft der Franchise siehts trotzdem finsterer aus als der Blick von Ex Center Perkins.

Daniel Schlechtriem: Die Verletzung ist noch zu frisch, als dass man sich ein endgültiges Urteil erlauben kann, aber besonders prickelnd ist die Ausgangssituation freilich nicht. Rivers wird die Verantwortung neu verteilen müssen und das Spiel komplett umstellen. Einen Re-Build sehe ich aber derzeit dennoch nicht: Zum einen kann man sich im überschaubaren Osten durchaus noch in die Playoffs mogeln, aktuell reicht es ja. Zum anderen glaube ich derzeit nicht an einen für die Celtics fruchtbaren Trade um die Oldies. Wenn Danny Ainge den Reset-Knopf drücken sollte, dann erst im Sommer.

Sebastian Dumitru: Nicht mehr, als zuvor. Natürlich sinken ohne Playoff-Rondo die Chancen, ein Team wie die Heat zu entthronen, aber mal unter uns: die waren auch vor seiner Verletzung nicht allzu gross. Katastrophale Offensiven, die auf Midrange-Jumpshots basieren und kaum etwas am Ring oder von der Linie generieren, sind kein gutes Rezept für Erfolge im Mai. Egal, ob Ainge einen Backup-Point Guard via Trade oder Free Agency holt oder nicht: die Playoffs im schwachen Osten sind nach wie vor locker drin. Den harten Reset kann man - falls wirklich gewünscht - dann auch noch im Sommer tätigen.


- Chicago gewinnt die Eastern Conference! Auch ohne Derrick Rose sind die Bulls nur drei Siege von Miami und Platz 1 im Osten entfernt. D-Rose wird übrigens direkt nach dem All-Star Break zurück erwartet...

Niklas Dahl: Der Gewinn des Ostens kann und wird nur über Miami gehen. Noch weiß niemand, wann und vor allem wie Rose zurückkehren wird, LeBron wird seinerseits seine Mannen nach dem All-Star Break entsprechend einschwören. Hinsichtlich der Playoffs wird das Thema Chicago dann aber noch einmal an Brisanz gewinnen.

Onur Alagöz: Thibodeau ist ein Genie, Noah der beste Verteidiger der Liga und irgendwie scheinen die Rollenspieler in MJs Arena immer wieder Superkräfte zu entwickeln. Dass Chi-Town ohne Megastar Rose überhaupt um Heimvorteil in der Endrunde mitspielt, ist schon verwunderlich. Sollte aber nicht Isiah Thomas plötzlich wieder in New York auftauchen und bleibt Miami gesund, seh ich an den beiden Teams kein Vorbeikommen. Zumal Brooklyn mit allen Mitteln versuchen wird, den Bullen ein Bein zu stellen. Platz 3 bleibt.

Florian Schaum: Nope. Sensationell zwar, was Coach Thibodeau aus der Truppe rausholt. Wenn Rose wieder vollständig fit wird, ist mit den Bullenköppen in den Playoffs zu rechnen, aber am Ende der Regular Season reicht es höchstens zu Platz drei!

Daniel Schlechtriem: Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist noch spekulativ, außerdem bleibt die Frage offen, in welcher Verfassung ein Spieler, der sehr von seiner Schnelligkeit lebt, nach einer solchen Verletzung zurückkehrt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der ehemalige MVP wieder zu alter Form findet, aber ob ihm das auf Anhieb gelingt? Außerdem haben die Bulls ihr Hauptproblem nicht beseitigt: Außer Rose bleibt keine zuverlässige Scoring Option, so dass eine Defense wie die der HEAT einzig eben jenen aus dem Spiel nehmen müsste. Das haben sie bereits eindrucksvoll geschafft und würden es wieder schaffen.

Sebastian Dumitru: Haltet mich für verrückt, aber ich traue das den Bulls in Anbetracht der aktuellen Situation in der Eastern Conference durchaus zu. Drittbeste Defense, zwei All-Stars im Frontcourt und nur 2.5 Siege Rückstand auf Platz 1... und dazu Rose, der spätestens im April sein altes Leistungsniveau wieder erreicht haben und Chicagos Offensive (22.) beflügeln wird... wer nicht glaubt, dass der emsige Thibodeau zum dritten Mal in Folge Platz eins anpeilt, der hat nicht verstanden, was die Bulls so gnadenlos macht. 


- In den nächsten Wochen dreht sich das Wechselkarussell! Pau Gasol, Andrea Bargnani, Rudy Gay, Josh Smith und Al Jefferson werden allesamt getradet und tragen ab dem 22. Februar ein anderes Leibchen.

Niklas Dahl: Allesamt nicht, aus dem einfachen Grund, dass der Markt für erstgenannten Spieler (Gasol) so dünn ist, dass Los Angeles nicht einmal ansatzweise adäquaten Ersatz bekommen wird (und nein: weder Gasol für Cousins und Evans noch Gasol für Smith, Teague und Picks ist realistisch. Big Market Fans, tzrchrk). Bargnani, Gay und Smith sind allesamt attraktive Namen, die am heißesten für Trades in Frage kommen, bei Jefferson macht das Salär einige Probleme. Das Trade-O-Meter schlägt hier eher in Richtung Millsap aus.

Onur Alagöz: Rudy Gay und Al Jefferson sind für mich die heißesten Wechselkandidaten. Boston wird Pierce nach Rondos Ausfall wohl nicht abgeben wollen, wenn das Angebot aber gut genug ist, juckt auch Danny Ainge der Füller. Jefferson ist noch immer massivst unterbewertet und irgendein Team mit intelligentem GM wird bereits jetzt die ESPN Trade Machine zum Glühen bringen mit möglichen Wechselszenarien. Gasol bleibt wohl, die Lakers sind „All-in“ und auch Smith wird Atlanta wohl nicht verlassen. Ich kann mich aber auch täuschen und die halbe Liga trägt im März neue Trikots. Keine Ahnung. Deadline-Action eben.

Florian Schaum: Wie immer wird viel spekuliert, am Ende passiert wenig. Smith und Gay werden wohl bis zum Sommer bleiben, bei Jefferson stehen die Chancen Fifty Fifty. Wahrscheinlicher ist da schon die Theorie, dass sich Gasol demnächst in einer neuen Stadt auf die Suche nach seinen verlorenen (jemals existierenden?) Eiern macht, und Bargnani für ein anderes Team unter den Brettern für Gelächter sorgen wird.

Daniel Schlechtriem: Die Vielzahl an Wechselkandidaten lässt nichts anderes vermuten. Es werden die Big Men sein, die weitergereicht werden – dabei könnte es zu einer Art Domino-Effekt kommen. Gasol, Smith und Jefferson sehe ich zweifelsohne bei einem neuen Team, bei Bargnani und Gay hängt es doch sehr von überhaupt interessierten Abnehmern respektive guten Angeboten ab.   

Sebastian Dumitru: Ich bleibe, trotz des frischen Windes, der in so manchen NBA-Chefetagen nach der CBA-Ratifizierung weht (Handlungsbereitschaft, Langzeitstrategien, Luxussteuern), nach wie vor skeptisch und sage: no Deals! Und just, als ich hier den Publizieren-Knopf drücken will, platzt in Memphis die Rudy Gay Bombe...