24 Januar 2013


Mindestens drei Spieler hätten im Osten ihre erste All-Star Teilnahme verdient (Photos: Sixers | Keith Allison | Pacers)

Die Starter für's 62. NBA All-Star Game in Houston sind zu diesem Zeitpunkt bereits altbekannt, und wenngleich ich mindestens zwei der von den Fans gewählten Spieler nicht für das diesjährige Zusammenkommen der besten Spieler der Liga nominiert hätte (Dwight Howard und Kevin Garnett), so respektiere ich dennoch die Entscheidung der weltweiten Anhänger, ganz gleich, wie absurd und überholt der Wahlmodus in unserer heutigen Zeit geworden sein mag (die neuen Medien haben eine simple Stimmenwahl ohne etwaige Regeln, Vorgaben oder Verstand, wie man sie 1951 eingeführt hat, eigentlich völlig redundant gemacht. Es gibt heute andere, smartere Wege, Fans am Geschehen zu beteiligen. Aber sei's drum).

Meine Wahl der Reservespieler basiert deshalb nicht auf einem leeren Blatt, das mir völlige Narrenfreiheit bei denjenigen 12 Spielern gestattet, die es meiner Meinung nach am meisten verdient hätten, sondern orientiert sich an den jeweiligen Starting Lineups. In der Eastern Conference sieht die bekanntlich so aus: Rajon Rondo, Dwyane Wade, Carmelo Anthony, LeBron James, Kevin Garnett. Das wird noch wichtig werden. Die restlichen sieben Akteure pro Conference werden von den 30 NBA Head Coaches nominiert: zwei Guards, drei Frontcourt-Spieler und zwei sogenannte Wild Cards, also positionsunabhängige Kandidaten. Ich habe persönliche Statistiken, Teambilanzen und kilometerweise VHS-Band berücksichtigt und mich vom sogenannten "Career Achievement" Heiligenschein nur dann beeinflussen lassen, wenn zwei Kandidaten auf der Kippe standen.

In diesem Sinne, ohne weiteres Vorgeplänkel, die NBACHEF All-Star Liste 2012/13 - also die Spieler, die es angesichts ihrer Leistungen in dieser Saison tatsächlich verdient haben, in Houston dabei zu sein, ganz gleich, wie politisch korrekt am Ende wieder abgestimmt wird. Zunächst der Osten (zum Westen geht's hier lang).


Guard: Jrue Holiday (Philadelphia 76ers)
Stats: 19 PPG, 4.2 RPG, 9 APG, 1.4 SPG, 45% FG, 18.89 PER, 2.5 Win Shares
Bei den Point Guards im Osten ist die Sache ziemlich klar gestrickt. Deron Williams' völlig verkorkster Saisonstart hat ihn vollends aus der Gleichung genommen, was die Bühne frei gemacht hat für einen der besten jungen Einser heutzutage: Jrue Holiday, den man vom Gesamtpaket mittlerweile irgendwo direkt hinter Chris Paul ansiedeln muss. Kein anderer Einser punktet und assistiert so ausgeglichen und spielt zusätzlich eine solch beinharte Defense wie der Orchestrator des 76ers Angriffs. Dass die Sixers ohne Bynum überhaupt noch im Playoff-Rennen sind, daran hat Holiday einen Riesenanteil. In seiner vierten Saison hat der 22-Jährige einen massiven Satz nach vorne gemacht, sich in allen relevanten Kategorien verbessert und als einer der gefährlichsten All-Around Playmaker etabliert. Im Osten ist er -in dieser Saison zumindest - der Beste auf seiner Position. Das kann auch die magere Bilanz in der Stadt der brüderlichen Liebe nicht kaschieren.

Guard: Kyrie Irving (Cleveland Cavaliers)
Stats: 23.7 PPG, 3.6 RPG, 5.7 APG, 1.8 SPG, 22.28 PER, 3.2 Win Shares
Bitte nicht davon blenden lassen, dass der Cavs-Dynamo elf Partien verletzungsbedingt verpasst hat oder dass Cleveland bisher nur 11 Partien gewinnen konnte. Irving gibt seine Menschenmöglichstes und hat den deprimierenden Haufen im 'Mistake by the Lake' im Alleingang wieder interessant gemacht. Er punktet, egal ob im ersten Viertel oder in der Crunchtime, er findet Teamkollegen, er wäscht Gegner mit seinen Dribblings wie im Schleudergang... wenn Irving noch lernt, in der Verteidigung halbwegs effektiv seinen Mann zu stehen, dann ist er schon 2015 der beste Point Guard der Association. Auch ohne diesen Titel gibt es am erst 20-jährigen Wunderkind als Eastern Conference All-Star nichts auszusetzen. Das werden nicht nur Doc Rivers und die Celtics, denen Irving zu Wochenbeginn 40 einschenkte, bestätigen.

Frontcourt: Tyson Chandler (New York Knicks)
Stats: 12.2 PPG, 11 RPG, 1 BPG, 67% FG, 21.40 PER, 6.5 Win Shares
Carmelo Anthony ist die sexy Wahl, wenn man dem diesjährigen Erfolg der New York Knicks ein Gesicht geben möchte. Tyson Chandler ist dabei für die 'Bockers aber mindestens ebenso wichtig wie der drittbeste Scorer der Liga. Nicht nur hinten, wo er mit 11 Rebounds pro Partie die viermeisten Abpraller in der Association greift und nach wie vor besser staubsaugt als das neueste Dyson-Modell. Sondern vor allem vorne, wo Chandler dank seiner Athletik im Pick & Roll und absolut surrealen 67% aus dem Feld das verheerende New Yorker Spacing mit den Unmengen von Dreiern erst möglich macht. Chandler bleibt einer der am meisten unterschätzten, aber wichtigsten, weil an beiden Enden produktivsten Bigs der Association. Klarer All-Star!

Frontcourt: Joakim Noah (Chicago Bulls)
Stats: 12.2 PPG, 10.9 RPG, 4 APG, 1.3 SPG, 2.1 BPG, 16.97 PER, 4.4 Win Shares
Ist jemandem aufgefallen, dass die Bulls ohne Derrick Rose und den teilweise ebenfalls verletzten Luol Deng auf dem vierten Platz im Osten rangieren, nur drei Siege von der Spitzenposition entfernt? Das hat viel mit Defense, viel mit Tom Thibodeau und auch ein wenig mit Deng oder Carlos Boozer zu tun. Das fleissigste Arbeitstier der Herde ist und bleibt aber Joakim Noah, der sich langsam, aber stetig vom ulkigen Dauerhustler zu einem der vielseitigsten Frontcourt-Spieler der NBA entwickelt hat, der nicht nur an allen Ecken und Enden des Courts jeden gegnerischen Spielzug durcheinander bringt, bevor der sich überhaupt entwickelt, sondern gleichzeitig die Bretter säubert (knapp 11 RPG), den Spielmacher gibt (4 Assists pro Abend) und genug selbst punktet, um den Gegner zu binden.

Frontcourt: Brook Lopez (Brooklyn Nets)
Stats: 18.6 PPG, 7.4 RPG, 2.1 BPG, 52% FG, 25.42 PER, 4.1 Win Shares
Seine Rebounding-Werte sind immer noch unter dem, was Experten und Fans von einem Hünen wie ihm erwarten, aber Brook Lopez hat sich mit 7.4 RPG zumindest seinem Karriere-Schnitt genähert. Seine Defensive ist nicht elitär, aber er macht die Nets hinten solide, wenn er die Mitte verankert und vor allem als Shotblocker (Platz 7) aufräumt. Offensiv ist Lopez zum wohl gefährlichsten Center in diesem Jahr avanciert. Ein Pivot, der dank seines langsam-methodischen, aber vielseitigen Low Post Games, der guten Treffsicherheit bis hinaus zur Mitteldistanz und seinem hohen Basketball-IQ, den er zu smarten Cuts in die Freiräume nutzt, den meisten Gegnern überlegen ist. Nicht von ungefähr drohte die Nets-Saison just in dem Moment den Bach hinunter zu gehen, als Lopez sich am Fuß verletzte. Mittlerweile ist der 24-Jährige wieder richtig fit und hat Brooklyn zu 12 Siegen aus den letzten 14 Partien geführt. Lopez rechtfertigt als klarer Franchise-Spieler den Maximal-Vertrag, den ihm Prokhorov und die Nyets im Sommer offerierten.

Wild Card: Paul George (Indiana Pacers)
Stats: 17.3 PPG, 3.7 APG, 7.8 RPG, 1.7 SPG, 17.46 PER, 4.7 Win Shares
Harte Entscheidung zugunsten von George, dem ich in einem knappen, unerbittlichen mannschaftsinternen Duell einen knappen Vorsprung vor David West einräume. Sollte an seiner Statt aber West nominiert werden, wäre ich auch nicht allzu unglücklich, zumal der Power Forward der konstantere, wenngleich weniger explosive Pacer in dieser Saison ist. George hat sein Spiel auf ein völlig neues Level gehievt, seit Danny Granger mit einer Knieverletzung ins Krankenhaus musste und den Tempomachern dank seines Wachstums völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Die soliden Zahlen maskieren einen miesen Start, den er benötigte, um mit seiner 'Do-it-All' Rolle im Pacers-Spiel überhaupt einmal zurecht zu kommen: primärer Scorer, wichtigster Wing-Verteidiger, Ballhandler, Spielmacher... viel Stuff für einen 22-Jährigen, der vergangene Saison noch Option Nummer vier war. Ohne sein herausragendes Two-Way Game stünden die Pacers aber nicht an der Spitze der Central Division. Achja: George wird von Monat zu Monat noch besser und legt im Januar 19.5 Punkte, 10 Rebounds und 4 Assists im Schnitt auf.

Wild Card: Al Horford (Atlanta Hawks)
Stats: 15.6 PPG, 9.8 RPG, 3.3 APG, 1 BPG, 18.28 PER, 4.2 Win Shares
Ich hätte hier liebend gerne Paul Pierce nominiert, der allerdings darunter leiden muss, dass bereits zwei Celtics-Teamkollegen die Plätze in der letzten Busreihe besetzt haben. Weder Rondo noch Garnett haben es eigentlich verdient, vor Pierce ins All-Star Team gewählt zu werden - aus verschiedenen Gründen. Da es aber beim besten Willen nicht in Ordnung wäre, gleich drei Vertreter des achtbesten Ost-Teams zu nominieren, von denen übrigens keiner individuell glänzt, geht der siebte und letzte Spot an Atlantas Al Horford. Der 26-Jährige stand bereits in zwei All-Star Teams und legt in diesem Jahr seine wohl besten Werte auf. Gleichzeitig verankert er zusammen mit Josh Smith (der sich durch seine Undiszipliniertheiten selbst aus dem knappen Rennen genommen hat) eine überraschend starke Hawks-Defensive (nach wie vor Platz 9), die in letzter Zeit ein wenig unter Beschuss gekommen ist, weil Atlanta nach bombastischem Start eine kleine Schwächephase durchlebt. Dem Fels in der Low Post Brandung sollte man aber daraus keinen Strick drehen. Horford spielt konstanter als Smith und Bosh, während die Pacers in Person von George (oder West) bereits zu All-Star Ehren kommen werden.


Knapp aussen vor: David West, Joe Johnson, Josh Smith, Chris Bosh, Paul Pierce, Brandon Jennings