31 Dezember 2012



von Daniel Schlechtriem

Nicht mehr so sehr aufregen, den Bildschirm anschreien und dabei die Nachbarn wecken. Weniger Beruhigungszigaretten in der Halbzeit. Nicht mehr so häufig bei vermeintlich falschen Auswechslungen den Coach verdammen und verfluchen. Als Basketballfan öffnen sich viele Gelegenheiten, die Zeit zum Ende des Jahres zu nutzen, um gute Vorsätze aufzustellen (die Mitte Januar schon nicht mehr berücksichtigt werden). Doch wie steht es mit den Protagonisten selbst? Was nehmen sich Harden, Lin & Co. vor? With the 14th Pick hat exklusiven Zugang zu den Neujahrsvorsätzen aller Rockets Spieler und Hauptverantwortlichen. Diese haben sie selbstverständlich nicht selbst verfasst – und möchten hier und da mit einem Augenzwinkern betrachtet werden. In alphabetischer Reihenfolge geht es los: 

COLE ALDRICH: Ich nehme mir vor, an den teilweise anständigen Ansätzen, die ich aufs Parkett gebracht habe, anzuknüpfen. Ein offensiver Faktor werde ich vermutlich niemals werden, aber defensiv hat dieses Team insgesamt noch Defizite, hier kann ich mit Zonenpräsenz helfen.

OMER ASIK: Ich nehme mir vor, weiter an meiner Freiwurfquote von immerhin annähernd 60% zu arbeiten und auch generell in der Offensive gefährlicher zu werden. Zu oft gehen relativ einfache Layups daneben. Außerdem möchte ich auch am Ende der Saison noch auf der Liste der besten Reboundern (derzeit 11,6 pro Spiel) der Liga stehen. Der Autor einer deutschsprachigen Rockets-Kolumne hält mich übrigens für einen favorisierten Anwärter auf den Most Improved Player Award.

DAEQUAN COOK: Ich nehme mir vor, die wenigen Chancen, die ich kriegen werde, zu nutzen. Etwas anderes bleibt auch gar nicht übrig, weil das Team auf meiner Position schon sehr stark besetzt ist. Aber die Saison ist noch lang – gut möglich also, dass man mich irgendwann braucht. Dann muss ich zumindest als verlässlicher Distanzschütze zur Stelle sein. 

CARLOS DELFINO: Ich nehme mir vor, als einzig wirklicher Veteran im Team weiter als Vorbild voranzugehen und die vielen Youngster zu führen. Meine Zahlen sind in Ordnung, könnten aber auch besser sein. Für einen Spieler, der seine Offensive über Dreier definiert, reichen 34% Trefferquote nicht. Zu oft neige ich zu einer schlechten Wurfauswahl und überdrehe, dafür wird immerhin meine Defense vergleichsweise besser.

TONEY DOUGLAS: Ich nehme mir vor, den Aufwind mit ins neue Jahr zu nehmen und mir einen neuen Vertrag zu erkämpfen. Die gefühlten 0/100 aus dem Feld in den ersten Spielen muss ich vollends hinter mir zu lassen. Meine Crunchtime-Dreier fallen, Defense und Zusammenspiel mit den neuen Kollegen klappen auch immer besser, deshalb ist mein wichtigstes Ziel, auch 2013 eine verlässliche Stütze von der Bank zu bleiben und mit Lin und Harden eine schnelle, gefährliche Three-Guard-Rotation zu bilden.

Photo: Gregory Oribhabor; Bart: James Harden
JAMES HARDEN: Ich nehme mir vor, die Rockets weiter anzuführen und nicht nur eine zuverlässige erste Scoring Option zu sein, sondern auch weiter als Anführer auf dem Parkett zu glänzen. Die große Verantwortung des Franchise Players nehme ich an und werde zur Stelle sein, wenn wir in den engen Spielen punkten müssen. In puncto Scoring will ich meinen Platz unter den Ligabesten außerdem behalten und die Saison unter den Top 5 beenden. Und: Egal was meine Mutter sagt, der Bart bleibt dran!

TERRENCE JONES: Ich nehme mir vor, weiter geduldig zu sein und mir ein Beispiel an meinen Vorgängern Patterson und Morris zu nehmen, die in ihrem Rookie-Jahr ebenfalls zunächst kaum zum Zug kamen, jedoch sehr von der D-League profitierten.

JEREMY LIN: Ich nehme mir vor, mich vom Personenkult – positiv wie negativ – auch weiterhin möglichst wenig beeinflussen zu lassen. Als junger Spieler habe ich noch viel zu lernen, muss aber aufgrund von Bekanntheit und Position eine echte Führungsrolle übernehmen. Fürs erste ist es meine Pflicht, Turnover zu reduzieren und Sicherheit im Wurf zu finden, häufiger aggressiv zum Korb zu ziehen und das Zusammenspiel mit meinen Backcourt Partnern zu optimieren. Außerdem hatte ich zuletzt zu oft bei einem eigentlichen Dreier den Zeh auf der Linie – verschenkte Punkte, die womöglich am Ende des Spiels fehlen. Dieses Problem sollte ein 2012-Problem bleiben.

SCOTT MACHADO: Ich nehme mir vor, die drei Jahre, die man mir in Houston zur Reife gegeben hat, zu nutzen. In dieser Saison muss ich noch nicht abliefern. Weil die Rockets derzeit keinen echten pass-first Point Guard im Aufgebot haben, könnte ich wegen meiner guten Ballbehandlung nächstes Jahr wichtig werden und eine echte Chance bekommen. Bis dahin muss ich mich fleißig und beharrlich verbessern. Dass es auch ungedraftete Spieler schaffen können, zeigen meine Kollegen Lin und Smith.

MARCUS MORRIS: Ich nehme mir vor, in allen Bereich weiter an mir zu arbeiten. Seit dem Sommer habe ich mich bereits stark verbessert, bringe aber noch keine Konstanz aufs Feld. An einem Abend zweistellig punkten, am nächsten überhaupt nicht, ist für einen Sophomore gar nicht untypisch, insbesondere wenn er im Rookie-Jahr nicht viel Spielzeit sah. Meine Distanzwürfe (38% Downtown) könnten sich zu einer echten Waffe entwickeln. Mit etwas mehr Masse wäre ich am Brett erfolgreicher. Gut möglich, dass man mich regelmäßiger auf der Vier braucht, da kann etwas mehr Wucht nicht schaden.  

DONATAS MOTIEJUNAS: Ich nehme mir vor, wie mein Kollege Jones geduldig zu sein und die Spielzeit bei den Vipers zu nutzen. Coach McHale wird für meine Entwicklung von unschätzbarem Wert sein. Bis ich wirklich bereit bin, muss ich noch an Kraft zulegen, sonst werde ich an den Brettern vernichtet.

CHANDLER PARSONS: Ich nehme mir vor, nicht nur weiterhin mehr weibliche Zuschauer ins Toyota Center zu locken, sondern dem Team mit meinem Allround-Fähigkeiten an allen Ecken und Enden zu helfen. An der Freiwurflinie habe ich mich gesteigert (72% im Vergleich zu lediglich 55% vergangene Saison), aber es ist immer noch ein wenig Luft nach oben, auch von Downtown fiel mein Wurf zuletzt nicht mehr so sicher. Dafür gehe ich mit giftiger Defense und hohem Einsatz voran und erleichtere meinen Kollegen die Arbeit in vielerlei Hinsicht. Das muss so bleiben.

Parsons und Lin haben ihr Potential in Houston noch lange nicht ausgeschöpft. (Photo: The Pan American)

PATRICK PATTERSON: Ich nehme mir vor, mich wieder auf die Basics zu konzentrieren. Mein Mitteldistanzwurf und auch die Dreier (32%) funktionieren zwar halbwegs konstant, weniger als fünf Rebounds pro Spiel sind aber für einen Power Forward mit Starter-Minuten und meiner Statur nicht akzeptabel. Trotz des gut funktionierenden Spacing braucht Asik Entlastung in der Zone, die von mir kommen muss.

GREG SMITH: Ich nehme mir vor, einfach genau so weiter zu machen. Zu Beginn der Saison kannte mich kaum jemand, inzwischen bin ich der wichtigste Ersatz Asiks von der Bank. Defensiv wirke ich manchmal noch etwas zu hüftsteif und unbeweglich, aber meine Entwicklung hat gerade erst angefangen und ich werde allen zeigen, welch großer Fehler es war, mich nicht zu draften. Ich habe die Fähigkeit, mit meinen krachenden Dunks Momentum zu schaffen. 

ROYCE WHITE: (verweigert die Teilnahme, weil Neujahrsvorsätze unmenschlich seien und kein gesundes Umfeld schafften. #AnxietyTroopers)

COACH KEVIN MCHALE: Ich nehme mir vor, die private Trauer mit Hilfe meiner Profession wenigstens halbwegs zu überwinden. Das junge Team braucht meine Führung, gemeinsam müssen wir die positiven Resultate der letzten Wochen mit ins neue Jahr zu nehmen. Wir haben als Tempo-orientiertes Team eine Identität gefunden, die den Verteidigern der Liga große Schwierigkeiten bereiten wird. Ich habe viele Talente im Aufgebot, die meiner Führung und Erfahrung bedürfen. 

GM DARYL MOREY: Ich nehme mir vor, trotz traditioneller Aggressivität zur Trade Deadline dieses Team im Kern zusammenzuhalten. In Asik, Parsons und Harden habe ich schon eine sehr gute Basis geschaffen. Sie brauchen Zeit, um sich einzuspielen. Diese werden sie von mir bekommen. Sollte aber insbesondere ein Power Forward mit All-Star Qualität verfügbar werden, darf ich nicht zögern, ein Paket zu schnüren.

TEAM: Wir nehmen uns vor, endlich wieder eine Postseason nach Houston zu bringen. Der Westen ist noch stärker geworden, doch das bringt auch Chancen mit sich und unsere direkten Konkurrenten werden sich die Siege gegenseitig wegnehmen. Wir müssen das nutzen und als lachender Dritter hervorgehen. Playoff Basketball wäre für die Lins, Parsons' und Morris' dieser Welt von unschätzbarem Wert, ein weiteres Mid-Round Talent brauchen wir nicht.