30 Dezember 2012




Die falsche Erhabenheit und die Arroganz, die die Clippers vergangenes Jahr noch ausmachten, sie sind zugunsten eines reiferen Stils gewichen. Weniger Flops, weniger Jammern, dafür mehr Substanz und mehr Dominanz. Die Clippers sind immer noch „Lob City“ und Abend für Abend der grösste Zirkus in der NBA. Eine Truppe von Ballartisten, Flugakrobaten und genetischen Mutationen, die man unbedingt gesehen haben muss, wenn sie in der Stadt ist. Aber – und das ist die beste Nachricht – sie haben sich weiter entwickelt, zu einem waschechten Contender. Nach 16 Siegen in Folge und dem besten Ball der Liga im Dezember schaffen es die Clippers - ja, die Clippers - zum ersten Mal in der Historie des Homo Sapiens auf Platz eins eines sportlichen Power Rankings. Die grössten Sprünge machten die Pacers, Lakers und Raptors (+5) sowie die Mavericks (-6), die so schnell in der NBA-Hierarchie abgestürzt sind wie kaum ein ex-Champion in der Geschichte des Sports. Zu den Fakten...


Los Angeles Clippers (24-6)   (+2)
Offense: 4.; Defense: 3.
16W in Folge, ein Blowout nach dem anderen, Top-4 in Offense und Defense, eine plus-10 Punktedifferenz, die tiefste Bank der Liga und der beste PG an den Kontrollhebeln... aber manchen sind die Clippers immer noch zu spektakulär.
Oklahoma City Thunder (23-6)  (-1)
Offense: 1.; Defense: 9.
Zwar endete die 12-Spiele Siegesserie mit B2B Niederlagen in Minnesota und Miami, aber das beste Offensivteam der Liga hat im Handumdrehen eine neue gestartet. Durant trifft in den letzten zwei Wochen für 32 PPG bei 52% FG.

San Antonio Spurs (23-8)  (-1)
Offense: 5.; Defense: 5.
Gleich zwölf Spieler durften im Dezember mindestens 11 MPG auf's Parkett. Mit der extrem tiefen Rotation will Popovich den so wichtigen Heimvorteil verteidigen: zu Hause sind die Spurs seit dem 19. November ungeschlagen.

Golden State Warriors (21-10)   (+2)
Offense: 8.; Defense: 10.
Mit 12-4 Siegen im Dezember, darunter gegen Miami, Atlanta, Boston, Brooklyn und Indiana, haben sich die Dubs nicht nur ganz oben festgesetzt, sondern Marc Jackson schon jetzt zum 'Coach of the Year' Favoriten gemacht.
Memphis Grizzlies (19-8)  
Offense: 16.; Defense: 1.
Memphis hat von seiner frühen Dominanz und im Westen folgerichtig ein paar Plätze eingebüßt. Die Defensive bleibt aber ein absolutes Bollwerk (nur zwei Gegner haben bisher die 100 geknackt) und hält die Grizz auf Heimvorteil-Kurs.

Miami Heat (20-8)   (+1)
Offense: 3.; Defense: 14.
Überzeugender Sieg gegen den erklärten Staatsfeind Nummer 1 (OKC) vor uninspirierten B2B Niederlagen gegen Detroit und Milwaukee: Miami verspottet die eigene Repeat-Mmission und präsentiert sich aufgeblasener denn je.

New York Knicks (21-9)  (-3)
Offense: 2.; Defense: 17.
Die Dornröschen-Saison im Big Apple hat nach zwei Monaten einen kritischen Punkt erreicht: drei von sieben verloren, Felton fällt bis Februar aus, und mit Amar'e muss ab Januar das grösste Sorgenkind reintegriert werden. Spannung!

Atlanta Hawks (19-9) 
Offense: 12.; Defense: 7.
Atlanta setzt seine überraschend starke Saison mit 10-4 Siegen auch im Dezember fort und behauptet Platz 3 hinter Miami und NY. Al Horford und Josh Smith brachten diesen Monat 33.5 Pts, 19 Reb und 7 Ast im Schnitt.

Indiana Pacers (17-13)  (+5)
Offense: 26.; Defense: 2.
Es bleibt auch nach mehr als einem Drittel der Saison fast unmöglich, gegen das derzeit heisseste Team im Osten zu scoren. Paul George hat sich in Grangers Abwesenheit als einer der fünf vielseitigsten Flügel der Liga etabliert.

Denver Nuggets (17-15)  (+3)
Offense: 7.; Defense: 15.
Es erschliesst sich mir nicht, wie man dieses Team als grösste Enttäuschung der Saison abtun kann: obwohl die Nuggets unfassbare 22 von 32 auswärts absolvieren mussten, klopfen sie nach 9-6 im Dezember ganz oben an.

Chicago Bulls (16-12)  (-2)
Offense: 24.; Defense: 4.
Lasst euch nicht von Roses Fehlen blenden: Chicago bleibt auch ohne den ex-MVP brandgefährlich und übersteht den brutalen Dezember-Plan mit Siegen gegen Boston, Brooklyn, Philly (2) und New York (2). D-Rose läuft wieder...

Los Angeles Lakers (15-15)  (+5)
Offense: 6.; Defense: 17.
Die Lakers sind mittlerweile über den Berg, die Zeiten als Punchline-Vorlage sind vorüber. Nächster Schritt nach 6 Siegen aus 7: eine gewisse Konstanz im Spiel etablieren und die richtige Balance zwischen vier All-Star Kalibern finden.

Milwaukee Bucks (16-12)  (+2)
Offense: 26.; Defense: 7.
Milwaukee bleibt das Enigma im Osten als einziges Team mit positiver Sieges-, aber negativer Punktebilanz. Dennoch will kein Team die Böcke in den Playoffs sehen. Die letzten vier Bucks-Opfer: Miami, Boston, Brooklyn und Indiana.

Houston Rockets (16-14)  (+4)
Offense: 9.; Defense: 20.
Vor bitteren Niederlagen gegen die Spurs und Thunder hatten die überraschenden Rockets sieben von acht gewonnen. Wie abwegig wäre wohl eine weitere Auszeichnung für All-Star Harden: Most Improved Player '12/13?

Brooklyn Nets (16-14)  (-5)
Offense: 11.; Defense: 21.
Die Schlagzeilen des Monats gingen mit Sicherheit an die Nets, die Avery Johnson feuerten und jetzt offen mit Phil Jackson flirten. Es war nach dem Dezember richtig, die Reissleine zu ziehen, bevor die Saison vollends entglitt.

Minnesota Timberwolves (14-13)  (-5)
Offense: 22.; Defense: 6.
Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Niederlagen gegen Miami, New York und Houston denkbar knapp waren. Trotz schlechtem Jahresende gelten die Euro-Wolves als heisseste Kandidaten für einen grossen Satz in 2013.

Utah Jazz  (15-16)  (-5)
Offense: 10.; Defense: 25.
PG gesucht! So langsam merken wohl auch die Jazzer, warum Mo Williams als Spielmacher eine ganz schlechte Idee war: seine 12 PPG im Dezember stehen in direktem Zusammenhang zur ernüchternden 6-8 Bilanz in diesem Monat.

Portland Trail Blazers (15-14)  (+2)
Offense: 14.; Defense: 22.
Was in Portland als Testsaison und lange Talent-Akkumulationsphase begann, entpuppt sich dank Super-Lillard schnell zur besten Spielzeit seit Langem. Was passiert, wenn GM Olshey jetzt noch einen Bankspieler akquirieren kann?

Boston Celtics (14-15)  (-3)
Offense: 19.; Defense: 12.
Die Celtics kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht einmal mehr als mittelmässig bezeichnen. Sollte Ainge nicht einen Geniestreich aus der Trade Machine zaubern, sind die Playoffs in Gefahr. Avery Bradley ist kein Retter!
Toronto Raptors (11-20)  (+5)
Offense: 13.; Defense: 24.
Was ist denn da in T-Dot los? Scheint ganz so, als hätte es nur ein paar Verletzungen bedurft, um das Rotationschaos zu ordnen. Die Raps haben 7 von 8 gewonnen und in den letzten Wochen die 9.-beste Punktedifferenz der NBA.

Detroit Pistons (10-22)  (+3)
Offense: 16.; Defense: 19.
149 Bank-Punkte in den letzten zwei Partien. Drei Siege aus den letzten Vier. Drummond Double-Doubles bei adäquater Spielzeit. Detroit hat viele Komponenten eines Playoff-Teams beisammen, aber den falschen Coach dafür.

Philadelphia 76ers (14-17)  (-3)
Offense: 19.; Defense: 16.
15 Partien, elf Niederlagen. Andrew Bynum weiter verletzt, Evan Turner im Formtief, Jrue Holiday (der Puls des Teams) von einer Fußverletzung gebremst. Es spricht derzeit alles dagegen, dass die Sixers ihr Saisonziel erreichen.
Phoenix Suns (11-20) 
Offense: 15.; Defense: 26.
Phoenix beendete den Dezember so, wie es ihn begann: mit fünf Pleiten in Folge. Kein Sun erzielt mehr als 14 PPG, und Fans finden sich langsam mit der Realität ab, dass dieser Kader auf lange Sicht im Niemandsland gefangen ist.

Orlando Magic (12-18)  (-2)
Offense: 28; Defense: 11.
Talent und Bilanz gleichen sich in der NBA früher oder später an. Nach 7-3 Siegen zu Beginn des Monats hat die Realität Orlando eingeholt. Glen Davis fällt lange aus, seither haben die Magic fünf in Folge verloren. Der Winter ist da!

New Orleans Hornets (7-23)  (+1)
Offense: 16.; Defense: 28.
Der Monat war mies, aber der Spielplan auch absolut unbarmherzig. Jetzt, da Eric Gordon mit einem Knall zurück ist, können die Hornets endlich ihren Gordon-Anderson-Davis Nukleus evaluieren - und ein paar Teams überraschen.

Dallas Mavericks (12-18)  (-6)
Offense: 23.; Defense: 23.
OJ Mayo in d. letzten 5 Partien: 8.8 PPG, 30% FG, 14% Dreier, 4.8 TO. In verwandten News: Dallas hat fünf in Folge und 8 von 9 verloren. Nur vier Teams hatten im Dezember eine miesere Differenz. Wer stoppt die Mavs-Titanic?

Sacramento Kings (10-19) 
Offense: 21.; Defense: 29.
Drei Suspendierungen in zwei Monaten - DeMarcus Cousins hat im Rennen um den NBA Bad Boy Award keinerlei Konkurrenz. Der GM will ihn traden, die Besitzer auf keinen Fall. Die Kings sind längst zur Karikatur mutiert...

Cleveland Cavaliers (7-25) 
Offense: 29.; Defense: 27.
Reality Check für Cleveland, das auch mit Kyrie Irving nicht in die Erfolgsspur gefunden hat: 8 Niederlagen aus 11 Partien seit Irvings Rückkehr machen deutlich, dass es den Cavs vor allem an talentiertem Spielermaterial mangelt.

Charlotte Bobcats (7-23) 
Offense: 25.; Defense: 30.
Die Bobcats stinken (mal wieder) zum Himmel. Es hat nicht lange gedauert, bis sich unzählige Niederlagen (18 in Folge) und schwindende Moral zur einer verheerenden L-Lawine gebündelt haben. Anfang Januar kommen die Cavs.

Washington Wizards (4-24)
Offense: 30.; Defense: 13.
Nein, nein. Ein mickriges W gegen Orlando reicht noch lange nicht, um die rote Laterne an die 'Cats zu übergeben. Nicht, wenn die Offensive sogar für die D-League zu schwach wäre und die wichtigsten Spieler nach wie vor verletzt sind.