04 Mai 2012

Tyson Chandler, Verteidiger des Jahres




Dwight Howard's Dominanz als amtierender "bester Verteidiger der NBA" ist vorerst vorüber. Tyson Chandler gewann gestern den Defensive Player of the Year Award, als erster New York Knickerbocker der NBA-Geschichte. Er verwies Serge Ibaka, Dwight Howard und LeBron James auf die Plätze und offenbarte einmal mehr, dass es der Association mittlerweile um mehr geht als nüchterne Statistiken auf dem Box Score Bogen. Es geht um die Story hinter dem Award.

Der 2,16m Hüne war der Hauptgrund für New Yorks historischen Umschwung in dieser Saison und dafür, dass man die Knicks wieder mit beinharter Defense assoziiert. Im vergangenen Jahr rangierte das Team bei der defensiven Effizienz noch auf Platz 22. In diesem Jahr war es ein fantastischer fünfter Platz. Ich schrieb Anfang April: "...Seine Antizipation, seine Wahrnehmung und seine Fähigkeiten als Defensivkoordinator haben ihn in den letzten Jahren zu einem der dominantesten Verteidiger der Liga gemacht, dem erstmals ernste Chancen auf den “Defensive Player of the Year” Award eingeräumt werden. Für mich ist er in dieser Saison der unumstrittene DPOY, noch vor Dwight Howard, LeBron James, Serge Ibaka oder Kevin Garnett, dank seines statistischen Impacts auf die Standings und indirekt auf die Psyche einer ganzen Metropolregion."

Diejenigen, die nun laut aufschreien und sich echauffieren über die Wahl Chandlers, verstehen nach wie vor nicht, was die Auszeichnung eigentlich honoriert. Es geht nicht um den besten Shotblocker oder den dominantesten Rebounder. Es geht auch nicht um den "besten Verteidiger" per se und für alle Zeiten. Es geht um den wertvollsten Defensivspieler der abgelaufenen Saison. Und da gibt es an Chandler überhaupt nichts zu rütteln. Ibaka blockte mehr Würfe. Howard pflückte mehr Rebounds. Und James sorgte, wenn er Lust hatte, mit glanzvoller one through five Defense für Uuhs, Aahs und schöne Highlights. Aber kein anderer Spieler agierte von Dezember bis April auf einem derart hohen Level, veränderte eine ganze Teamkultur mit seinem unermüdlichen Einsatz und beeinflusste ein Spiel am hinteren Ende auf so viele Arten und Weisen. Es gehört schon mehr dazu, eine der besten Defensiven der Liga Abend für Abend zu koordinieren und zu lenken, als nur spektakulär zu blocken oder seine Gegner am gestählten Latissimus Dorsi abprallen zu lassen.

Chandler war überwältigt von der Auszeichnung und der Art, wie sie zustande kam: "Es ist eine unglaubliche Ehre, diesen Preis zu gewinnen. Als ich nach New York kam, konzentrierte ich mich besonders darauf, meine Verteidigung zu verbessern. Es stimmt nämlich, was man sagt: Offense wins games, Defense wins Championships. Harte Arbeit und zähe Plackerei repräsentieren diese Stadt, New York. Ich wollte dieses 90er Flair mitbringen, die physische Härte und den Stil der Pat Riley Ära. Ich habe den ganzen Sommer über daran gearbeitet, kräftiger und schneller zu werden und meine Technik zu verbessern, um eine weitere Meisterschaft zu gewinnen und zum beste Verteidiger der Liga zu werden. Dass ich, vor diesem Hintergrund, den Award überreicht bekomme, ist etwas ganz Besonderes für mich."


Die Stimmen im Einzelnen (Gesamtpunktzahl der Wähler in Klammern)

Tyson Chandler, New York Knicks (311)
Serge Ibaka, Oklahoma City Thunder (294)
Dwight Howard, Orlando Magic (186)
LeBron James, Miami Heat (112)
Kevin Garnett, Boston Celtics (44)

Tony Allen, Memphis Grizzlies (36)
Andre Iguodala, Philadelphia 76ers (33)
Shawn Marion, Dallas Mavericks (17)
Luol Deng, Chicago Bulls (16)
Josh Smith, Atlanta Hawks (9)

Joakim Noah, Chicago Bulls (6)
Marc Gasol, Memphis Grizzlies (5)
Chris Paul, L.A. Clippers (5)
Avery Bradley, Boston Celtics (2)
Mike Conley, Memphis Grizzlies (2)

Grant Hill, Phoenix Suns (2)
Iman Shumpert, New York Knick (2)
Greg Monroe, Detroit Pistons (1)
Dwyane Wade, Miami Heat (1)
Russell Westbrook, Oklahoma City Thunder (1)

Kommentare:

  1. Sein Dank an die Teamkollegen war auch klasse, dass sein defensives Talent nur erkannt wurde, weil sie mit ihrer schlechten Verteidigung so viele Gegenspieler zu ihm durchgelassen haben. ^^

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  2. Grant Hill, Phoenix Suns (2) :D

    Und in ein paar Tagen kann er das Teil auch den ganzen Tag im Urlaub angucken

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  3. Schöner Bericht...super geschrieben und eins a auf den Punkt gebracht. Schön auch der Kommentar von Chandler...super Typ.

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  4. Schöner Bericht, gute Abstimmung. Aber Ibaka hat nix auf Pos. 2 verloren. Würfe blöcken ist zwar schön und gut, aber sowohl Howard als auch LeBron haben defensiv einen größeren Impact (wie man so schön sagt) auf das Team.

    "oder seine Gegner am gestählten Latissimus Dorsi abprallen zu lassen."
    Haha, das ist klasse.

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  5. Seit wann geht es beim Defensive Player of the Year nicht um den besten Verteidiger, sondern um den wertvollsten? Wo steht das? Und wo taucht in dem Award das Wort "valuable" auf? Ich will gar nicht Chandlers Klasse in der Verteidigung in Abrede stellen, er ist da auf einem unglaublich hohen Niveau. Aber wenn es sich Orlando leisten kann, ein Team aus Defensivlegasthenikern aufzustellen, weil sie wissen, dass Dwight Howard in der Zone aufräumt, sagt das schon einiges darüber aus, wie wertvoll er alleine für Orlando ist. Dazu gibt es auch genug teamorientierte Statistiken, die seinen Impact unterstreichen - und die alle deutlich besser aussehen als bei Chandler (auch wenn die Werte bei Tyson schon gut sind).

    Ich finde es einfach lahm, dass Chandler wegen der besseren Story (hat eine der Traditionsfranchises, die aber sowieso überall völlig überschätzt wird, defensiv maßgeblich beeinflußt) und Howard wegen seines Kleinkindverhaltens diesen Award entschieden haben. Sonst echauffiert sich doch jeder, dass nicht mehr der Sport, sondern das ganze Theater drum herum im Vordergrund stehen würde. Hier ist es tatsächlich so, denn rein sportlich betrachtet will ich mal die Argumentation hören, die an Howard vorbei zu Chandler führt.

    Auch wenn Howard den Award dreimal in Folge gewonnen hat - wenn er nach wie vor der beste Verteidiger ist, dann gehört ihm eben auch dieser vierte Award. Mein Eindruck ist, dass sich neben oben angesprochener Geschichten rund ums Spiel einige gedacht haben, Howard wird langweilig, nehmen wir einen anderen (á la Karl Malone/Michael Hordan 1998 MVP). Sowas ist aus meienr Sicht einfach nur saudämlich und wird der Sache an sich nicht gerecht.

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  6. Wenn man mal überlegt wo Chandler stand als Dallas ihn geholt hatte? Söldner der seine besten Jahre hinter sich hatte... Nun dieser Impact!

    Dennoch sind die ganze Awards immer fragwürdig! Manchmal werden einfach die Stats genommen manchmal der "Impact" fürs Team.... seine Leistung sind stark und die Knicks hingegen sind nen Haufen der gerade in die Playoffs kam und sich dann nen Sweep kassiert....

    Genauso der 6th Man Award! Da haben die Kollegen viel mehr Spielzeit als ihre Starter...Terry kommt quasi nach 5 Minuten rein und ist das ein 6th mann?

    MIP Award ist meistens auch eher Hohn & Spott! Wenn James 48 min spielen würde müsste man auch ihm den MIp Award geben...(siehe 2012 MIP Anderson, improved weil mehr Spielzeit?)

    Am Ende zählt nur eins: Champion!

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  7. @Malte Arndt:

    Defensive Player of the Year. Stimmt das steht nix von Valuable, aber auch nichts von "bester Defensivspieler der Liga". Es bezieht sich auf die vergangene RS der NBA 11/12.

    Bei Howard gibt es abseits der "Story" noch ein weiteres Problem: Howard hatte sehr viele SPiele in der Saison, wo er nicht annähernd mit der Intensität oder der Lust gespielt hat, die in den Jahren davor ausgezeichnet hat. Howard hatte ganz offensichtlich diese Saison oft keine Lust, war ein schlechter Anführer (auch defensiv) und hat mit seinen Metzchen die ganze Mannschaft verunsichert.
    Sowas DARF nicht honoriert werden. V.a. nicht, wenn man wie ihr "Go-to-Guys"-Jungs immer viel Wert auch auf das legt, was man statistisch nicht erfassen kann. Chandler war im Vergleich zu D12 eben Organisator, emotionaler und verbaler Anführer und hat immer 100 Prozent Einsatz gegeben. Unter Anbetracht der Tatsache, dass Melo öffentlich zugegeben hat, unter D´Antoni nicht mit vollem Einsatz gespielt zu haben, und dass man Defensivallergiker Amare im Team hat, ist auch der statistische Impact nicht zu verachten.

    Orlando hat dagegen, auch aufgrunds Howards schwächer werdenden Leadership sich beim Defensivrating von Platz 3 im Vorjahr auf Platz 13 verschlechtert.

    Deshalb geht die Wahl des Defensivspieler des Jahres (dieses Jahres, nicht grundsätzlich) völlig in Ordnung.

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  8. Malte Arndt, warum kümmerst du dich nicht ein Bisschen um deinen eigenen Blog? Der sieht in letzter Zeit leider ganz schön tot aus...

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  9. Wenn man die Story mal außen vorlässt (die hat für mich eben wenig bis nichts mit dem Award zu tun), finde ich eben nicht, dass man davon sprechen kann, Chandler hätte den größeren Einfluss. Wie viel Einfluss kann Chandler denn gehabt haben, wenn sich Anthony nur eine halbe Saison lang richtig ins Zeug legt? Sicherlich nicht seine Schuld, aber so groß kann er ja dann doch nicht gewesen sein - könnte man argumentieren.

    So oder so, wenn man sich alleine die Statistiken ansieht, sprechen die klar für Howard (Beeinflussung der eFG% des Gegners, DRtg on/off the Court, Rebounds, Blocks). Genauso kann man sich fragen, wieso der hype plötzlich mit dem Run der Knicks am Ende aufkam und nicht schon viel früher, als man z.B. im MSG von den Bobcats deutlich geschlagen wurde. Ich sehe eben keine sportliche Argumentation für Chandler, deshalb bin ich mit der Wahl unzufrieden.

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  10. Ich schreibe auf go-to-guys und das auch regelmäßig. Welchen Zusammenhang hat das eigentlich mit der Sache hier?

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  11. Ihr Jungs von GTG zeichnet euch doch bei der Beurteilung aller Facetten des Spiels gerade dadurch aus, dass ihr eben nicht nur nackte Zahlen betrachtet.
    D.h., dass man von jmd. der für die GTG schreibt, erwarten kann, auch eben nicht direkt messbare Details zu berücksichtigen; Stichwort Leadership, Intensität etc.
    Sollte ja kein Angriff sein ;-)

    Zum Melo-Argument: Die Knicks Defense war schon vor Woodsen eine der besten der Liga. Und das trotz Melos Null-Bock-Einstellung etc. Dort hat man Chandlers Impact noch sehr viel deutlicher gespürt...

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  12. Betrachtet man den Impact beider Spieler, finde ich immer noch Chandler klar vor Howard. Bei solchen Ansichten und Wahlen müssen zwangsweise Geschenisse außen rum mit einfließen, da diese genauso ihre Wirkung auf das Spiel haben wie spektakuläre Blocks oder Dunks. Dadurch, dass Howard dieses Jahr einfach seiner Leaderrolle in Orlando nicht gerecht geworden ist, geht für mich der DPoY an Chandler vollkommen in Ordnung.

    mfg
    Sellerie

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  13. Das mit Chandler ist einfach eine netter Story als den Award dem verletzten Oberbösewicht zu übergeben. Denn Howards Statistiken sind besser...und er beeinflusst den Wurf des Gegners schon bei beginn der 24 Sekunden Uhr weil gegen Ihn gewisse Plays einfach garnicht oder nicht gerne gespielt werden oder gar können. Aber gut, die Awards gehen halt immer an Spieler mit dem größten Hype um sich herum, ich gönne es Chandler durchaus, jedoch währe Howard auch nach seinem Arschloch-comingout die bessere wahl gewesen.

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  14. Chandler hat New York von 22 auf 5 der besten Defensivteams gebracht, ich denke das zeigt schon alles. Shumpert war da sicherlich auch hilfreich, aber der absolute Großteil war Chandlers Einfluss. Und Orlando auf Platz 13 ist kaum überragend oder? Bin großer Dwight Howard Fan, aber diese Saison geht der Award an den richtigen. Wer letztes Jahr die Playoffs gesehen hat, weiß zudem, wie viele Würfe Chandler beeinflusst und vor allem, wie er das auch in der Crunchtime dauernd macht. Sein Einsatz ist außerdem immer mehr als 100%.

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