Kevin Durant, der Pickup-Games-MVP des Lockout-Sommers, macht genau da weiter, wo er vor der Saison aufgehört hat. Einen hinten, 1.4 Sekunden übrig, Dreier vom Parkplatz? Kein Problem für KD. Game Winner, Rucker Park Style.
San Antonio und Oklahoma City clashen im WC-Finale. Die Parallelen gehen tief...
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Ricky Rubio, der grosse Hoffnungsträger der Minnesota Timberwolves, ist endlich eingetroffen. Die Welpen hoffen inständig, dass sich das Warten auf den kleinen Spanier gelohnt hat, und er aus der jährlichen Comedy-Show im hohen Norden dank seiner Spielmacherqualitäten eine respektierte Mannschaft machen kann. Der Grundstein für eine erfolgreichere Zukunft als zuletzt (nur 19 Siege im Schnitt in den letzten vier Jahren) ist aber nicht Rubio, sondern einer der besten Trainer, der je in der NBA gearbeitet hat. Rick Adelman wird eigenhändig dafür sorgen, dass die jungen Spieler des Clubs ihr enormes Potential irgendwann erreichen und zu einem Team zusammen wachsen. Für Euphorie sorgt auch der Nummer 2 Pick des Drafts, Derrick Williams, der zu einem überfüllten Frontcourt dazu stösst. Im Backcourt vervollständigt NBA-Championship Guard JJ Barea die Riege der Neueinkäufe.
Realistisch: man darf den bevorstehenden, langen Rebuilding-Prozess nicht unterschätzen. Das Team liess vergangenes Jahr die meisten Punkte zu (107.7), hatte die viertschlechteste Trefferquote (44%) überhaupt und leistete sich die meisten Ballverluste (16.5 TO). Love, Williams, Beasley und Rubio werden für haufenweise Highlights sorgen. Und dank eines kompetenten Coaches, der weiss, wie man junge Spieler fördert, haben auch die Peinlichkeiten vorerst ein Ende (zumindest auf dem Court). Bis er im hohen Norden aber wieder ein Playoff-Team errichtet hat, steht Adelman noch ein langer Weg bevor. Immerhin soviel: die Wolves sind jetzt offiziell das aufregendste schlechte Team der Liga!
Best Case Szenario: Die grosse Stärke der Klumpen ohne Carmelo Anthony war die Ausgeglichenheit. Gleich acht Spieler punkteten zweistellig. "Teams sind besser als Superstars", findet Karl. "Dallas hat das vergangene Saison eindrucksvoll bewiesen. Und wir können das hoffentlich auch wieder beweisen." Tatsächlich ist die Tiefe auch in diesem Jahr wieder das grosse Plus. Neben der soliden Starformation mit Nene, Gallinari, Afflalo und Ty Lawson (der 5. Starter wird je nach Matchup-Situation wohl Al Harrington oder Timofey Mozgov) verfügen die Nuggets mit Andre Miller, Chris Andersen, Rookie Kenneth Faried und den zwei Neuzugängen Rudy Fernandez und Corey Brewer über eine komplette Ersatzlineup. Damit kann Karl beliebig durchmischen und sein bevorzugtes Highspeed Tempo konstant hoch halten. In der Höhenluft der Rocky Mountains sind die Nuggets ohnehin nur schwer zu schlagen. Die konditionellen Vorteile und Team-first Mentalität bescheren Denver einen weiteren Playoff-Platz - es wäre der 21. in 22 Saisons, die Karl von Beginn bis zum Ende durchcoachen durfte.
Realistisch: Das grösste Fragezeichen steht hinter Denver's Defensive. Ohne Martin fehlt dem Team ein kapabler Rebounder, der dem ohnehin nicht sehr reboundstarken Brasilianer Nene den Rücken frei hält (Karrierschnitt nur 6.9 RPG). Ohne die Bretter sauber zu halten wird es für die Nuggets unmöglich, den Defensiv-Erfolg vom Vorjahr über eine komplette Saison zu replizieren. Ob der grosse, aber unkonstante Russe die Lösung auf der Fünf ist? Wohl eher nicht. Die neu verpflichteten Bankspieler sind zwar solide, können begnadete Scorer wie Smith und Chandler aber qualitativ nicht ersetzen. Alles in allem riecht diese Nuggets-Edition nach guter regulären Saison, Platz 5 bis 7 im Haifischbecken Western Conference und Playoff-Aus in Runde 1.
"Hand Down, Man Down!" Was bin ich froh, den hohlsten Spruch in der Geschichte der NBATV-Berichtserstattung vorerst nicht mehr hören zu müssen. Ex-Analyst Mark Jackson verlässt die Gemütlichkeit seines Kommentatorenplatzes und wagt sich in den Dschungel von Oakland - namentlich zur chronisch erfolglosen Warriors-Franchise, die in den letzten 17 Jahren insgesamt 16 mal die Playoffs verpasst hat. Angesichts dieser Bilanz nimmt sich Jackson's Prognose schon recht dreist aus: "Wir werden ein Playoff-Team sein". Aber Jackson wäre nicht Jackson, wenn hinter seinem losen Mundwerk nicht auch ein erhebliches Mass an Fachwissen und Können stecken würde. Immerhin spielte der ehemalige Guard 17 Jahre in der NBA und beendete seine Hall of Fame Karriere als drittbester Passgeber in der Geschichte des Spiels (10334 Assists). Wenn das junge Warriors-Team irgend etwas vom Rookie-Coach lernen kann, dann Uneigennützigkeit, Zusammenhalt und harte Arbeit. Das wiederkehrende Thema der letzten 12 Monate in der 'Bay' ist der offensichtliche Wunsch nach Veränderung. Die neuen Besitzer Joe Lacob und Peter Gruber wollen unbedingt die Kultur des Vereins auffrischen. Der Markt gehört zu den Besten der Liga - das Basketballprodukt aber nicht. Das soll mit Jackson alles anders werden.
Realistisch: Der Kader der Warriors ist weder qualitativ hochwertig noch ausgeglichen genug, um in der harten Western Conference die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Das war auch einer der Hauptgründe, warum das Management im Herbst/Winter verzweifelt nach Upgrades auf allen Positionen gesucht hat (Chandler, Jordan, Nene, Paul). Kein Warriors-Akteur ausser Curry war unantastbar - und keiner sollte sich allzu sicher fühlen. Die grossen Transaktionen stehen noch bevor, vor allem im Backcourt, wo nach dem Draft von Klay Thompson drei austauschbare Shooter-Typen um Minuten konkurrieren. Die Richtung ist durch das Jackson-Signing bereits vorgegeben: wer nicht verteidigt, dürfte schon bald eine neue Postleitzahl haben.
1. Tag des Trainings-Camps, einer der schwärzesten in der Geschichte des Vereins: Brandon Roy ist im Alter von nur 27 Jahren gezwungen, seinen Rücktritt zu verkünden, nachdem klar wird, dass seine Langzeitgesundheit auf dem Spiel steht (die Gefahr, später nicht mehr laufen zu können, ist einfach zu real, um sie zu ignorieren - Liebe zum Spiel hin oder her). Greg Oden fällt wieder einmal auf unbestimmte Zeit aus, nachdem sich der Zustand seiner Knie verschlimmert hat. Lamarcus Aldridge gibt bekannt, sich einer Herz-OP unterziehen zu müssen. Und Teambesitzer Paul Allen verkündet, in Zukunft den Gürtel etwas enger schnallen zu wollen. Keine idealen Voraussetzungen für den Start in eine neue Saison. Aber wenn irgend ein Team mittlerweile gelernt hat, das Beste aus den Schlägen zu machen, die das Schicksal so bereit hält, dann sind es die Trail Blazers. Auch letztes Jahr hatte Portland eine Verletzung nach der anderen weggesteckt, sich zu einer 48-34 Bilanz und in die Playoffs gekämpft, bevor man dort dem späteren NBA-Champ Dallas Mavericks unterlag. Roy ist nun weg, genauso wie Andre Miller, Oden kommt so schnell nicht wieder, und hinter den Kulissen bestimmt Ungewissheit den Alltag beim Club. Schade eigentlich, denn auf dem Platz sind die Trail Blazers eines der aufregendsten Teams der Western Conference.
Realistisch: Traurigerweise geht es hinter den Kulissen in Portland heiss her. Die letzten beiden Manager (Kevin Pritchard, Rich Cho) verloren beide ihren Posten, weil Teambesitzer Paul Allen sich immer wieder in interne Spielerverpflichtungen einzumischen versucht. Chad Buchanan, der die Geschäfte leitet, hat keine feste Anstellung, sondern operiert quasi als Interims-GM. Die Verträge von Felton, Wallace (PO), Crawford (PO), Oden und Batum laufen im Sommer allesamt aus. Es ist nicht ganz klar, in welche Richtung Allen, ein Multimilliardär, mit seinem Club gehen will. Er hat mehrfach einen Verkauf angedeutet, weil ihm die vielen Rückschläge in den letzten Jahren arg zugesetzt haben. Andererseits ist das angesammelte Spielermaterial durchaus beneidenswert, und mit der ein oder anderen punktuellen Verstärkung sogar reif für's Conference Finale. Aber wenn der Besitzer nicht überzeugt ist... insgesamt sind die Blazers wirklich nicht zu beneiden.
Wie ein Uhrwerk ticken die zwei Dauerbrenner in der Wüste von Phoenix immer weiter und weiter und weiter: Steve Nash (37) und Grant Hill (39) trotzen weiterhin jeglicher Logik und Profisport-Gesetzmässigkeit und bleiben auch noch kurz vor der Rente die wichtigsten Spieler der Suns. Darin liegt irgendwie auch das Problem begraben, denn Phoenix muss in naher Zukunft eine neue Richtung einschlagen. Zwar scheint Nash der einzige Mensch der Welt zu sein, der noch nicht nach einem Trade zu einem Contender verlangt hat, aber knappe 6 Monate vor seiner Free Agency muss das Suns-Management zumindest in Betracht ziehen, seinen Hall of Fame Point Guard irgendwann ziehen zu lassen. Letzte Saison belegten die Suns nach einer 40-42 Saison den 10. Platz im Westen und verpassten die Playoffs um 6 Siege. Vince Carter wurde vor dieser Saison entlassen, Aaron Brooks steckt in China fest. Ansonsten sieht der Kader stark nach dem des vergangenen Jahres aus.
Realistisch: Die Bank ist zwar tief, aber nicht unbedingt hoch qualita-tiv. Müssen Nash, Gortat oder Frye mal sitzen, geht der Offensivfluss schnell flöten. Rutscht Phoenix wider Erwarten irgendwann in den Tabellenkeller ab, zum Beispiel ab Ende Januar, wenn der unmenschliche Spielplan seine ersten Opfer fordert, wird das notorisch ungeduldige Suns-Management die ersten Trades anzetteln, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Das würde die ausgezeichnete Teamchemie durcheinander bringen - eine der wenigen wirklichen Stärken dieser Suns-Mannschaft - und eine potentiell zufriedenstellende Saison schnell zum Desaster werden lassen. Ungeachtet dessen wird Nash als definitiver Impact-Spieler einer der Hauptpreise vor Ablauf der Wechselfrist bleiben.
Die Houston Rockets gewannen in der letzten Saison 43 Partien, verloren nur 39. Trotz einer Siegesquote von 52% reichte es in der bärenstarken Western Conference trotzdem nicht für die Playoffs. Der alte Coach Rick Adelman ist mittlerweile in Minnesota. Kevin McHale ist die neue Stimme auf der Bank. Und nach einer total verkorksten Offseason versucht der Club, irgendwie wieder anzugreifen. Der Plan, den man die letzten Jahre verfolgt hatte, war ja, mindestens einen dominanten Big Man nach Houston zu locken. Man wähnte sich bereits dort, als man zunächst Pau Gasol via Trade verpflichtet hatte. Mit Gasol und Free Agent Nene, den man mit dem massenhaft verfügbaren Cap Space zusätzlich einkaufen wollte (Denver hätte das Rockets-Angebot sicherlich nicht abgleichen können), sah man sich bereits in der WC-Elite. Das NBA-Veto aber warf den Club drei Jahre zurück. Samuel Dalembert kann nicht der prominente Center sein, den man in Houston sehen wollte. Irgendwie steht man mit leeren Händen da, ohne wirklich was dafür zu können.
Best Case Szenario: das BCS hat sich durch das Liga-Veto bereits in Luft aufgelöst. Statt das dominanteste Forward/Center Tandem der Liga aufzubieten, dürfen die Rockets nun irgendwie versuchen, ihre vergraulten Semi-Stars Luis Scola und Kevin Martin bei Laune zu halten. Sicher: Scola ist ein solider Power Forward mit einer Reihe effektiver Offensivmoves, der "grösser" spielt, als es seine 2,05m suggerieren. Martin ist und bleibt einer der fleissigsten Punktesammler der gesamten NBA (23.5 PPG), der vor allem von seinen Distanzwürfen lebt. Martin ergänzt sich perfekt mit Point Guard Kyle Lowry, einem fantastischen Verteidiger und soliden Spielmacher. Aber danach ebbt die Talentoberfläche schon ab. Chase Budinger, Courtney Lee, Jordan Hill, Jonny Flynn, Goran Dragic oder Hasheem Thabeet sind entweder zu unkonstant oder nicht gut genug, um diesen Kader in die Playoffs zu hieven. Selbst wenn Neuzugang Dalembert - wirklich mehr ein Trostpreis, nachdem man alle relevanten Center in diesem Winter verpasst hat - eine defensiv dominante Saison abliefert, fehlt dem Team die nötige Feuerkraft, um sich im Westen für die Playoffs zu qualifizieren. Im besten Fall schafft es GM Daryl Morey, irgendwie einen grossen Namen nach Houston zu locken. Klappt das wieder nicht, scheint der Rebuild-Weg die sinnvollste Strategie zu sein.
New Orleans, indirekter Schauplatz des grössten Offseason-Theaters aller Zeiten nach 'The Decision'. Obwohl nie direkt involviert, hatten die Verantwortlichen beim Small Market Club in Louisiana die am schwersten wiegenden Konsequenzen des langen Tarifdisputs zu tragen. Nachdem klar wurde, dass Superstar Chris Paul nicht in NO bleiben würde, fing das Wettbieten für den besten Einser der Liga an. GM Dell Demps und Coach Monty Williams hatten einem Blockbuster-Trade mit den Lakers und den Rockets schon zugestimmt, da mischte sich die NBA ein, verbannte das Hornets-Management auf die Ersatzbank und annulierte den Deal. Wenige Tage später wechselte Paul dann doch, zu den Clippers, inmitten von Korruptionsvorwürfen, Verschwörungstheorien und Debatten darüber, ob die Liga das Recht hat, den freien Markt zu reglementieren. So was passiert eben, wenn der Interessenskonflikt aus erwünschter Neutralität einerseits und Parteilichkeit zugunsten eines bestimmten Clubs andererseits die Integrität einer ohnehin nicht ganz unbescholtenen NBA-Führungsriege befleckt. Lange Rede, kurzer Sinn: Paul ist jetzt ein Clipper, die Hornets stecken plötzlich mitten im Rebuild, und das Team gehört immer noch der National Basketball Association. Klares Technisches Foul!
Realistisch: Chris Kaman ist schon so gut wie weg. Sein Vertrag läuft nach der Saison aus, er ist der ideale Frontcourt-Spieler für einen Playoff-Aspiranten und als solcher spätestens Ende Februar in einer anderen Stadt. Okafor's Monster-Deal ist schon weitaus schwieriger abszustossen. Es wäre ein Coup, wenn
Sacramento. Ein winziger NBA-Markt. Eine Franchise, einst an der Schwelle zu Ruhm und Ehren. Fans, so loyal und basketball-verrückt wie kaum woanders in den USA. Und dennoch waren die Kings Ende der letzten Saison eigentlich schon weg, auf dem Weg nach Süden, nach Anaheim. Als drittes Team in der Metropolenregion Los Angeles. Eine von der Liga einberäumte Extrafrist gewährt dem Club nun eine weitere Spielzeit, um die nötigen öffentlichen Gelder für den Bau einer neuen Arena aufzutreiben. Dann, und nur dann, bleiben die Kings langfristig in Sacramento. Langfristig, das ist auch das Ziel in Punkto Teambuilding. Mit DeMarcus Cousins, einem der drei besten Rookies der vergangenen Saison, und Tyreke Evans, einem hochexplosiven Kombo-Guard, verfügten die Kings schon 2010 über zwei Eckpfeiler. Weil aber Veteranen und Vorbilder fehlten, bekam das gesamte Team den mentalen Aspekt des Profiseins nie wirklich auf die Reihe und stolperte einer mageren 24-58 Saison entgegen. Das soll in 2011/12 alles besser werden.
Realistisch: Das Hauptproblem bleibt nach wie vor die mentale Verfassung von Cousins und Evans. Ich hatte vor seiner Rookie-Saison noch geglaubt, dass Cousins zunächst zahm wie ein Lamm an seinem Post-Spiel arbeiten würde. Weit gefehlt. Er legte sich mit Coaches und Mitspielern an, kassierte die fünftmeisten technischen Fouls der Liga, und zeigte sich von seinen Emotionen immer wieder überwältigt. Dieses Team geht nirgendwo hin, solange DMC nicht professioneller auftritt. Ohne einen einzigen Veteranen im Team, der den Weg vorgibt, kann man diese überaus beneidenswerte Ansammlung von Talent nicht sonderlich ernst nehmen. Unterhaltsam mit Sicherheit, aber von den Playoffs weit entfernt. Vielleicht in ein paar Jahren dann, in Sacramento oder wo auch immer...
San Antonio gewann im vergangenen Jahr 61 Partien und qualifizierte sich als bilanzstärkstes Team für die Western Conference Playoffs - und das, obwohl All-Star Big Man Tim Duncan die schwächste Saison seiner Hall of Fame Karriere ablieferte (13.4 Pts und 8.9 Reb in 28 MPG). In den Playoffs waren die jungen Memphis Grizzlies dann aber ein paar Nummern zu gross - im wahrsten Sinne des Wortes - und fegten San Antonio sang- und klanglos aus der ersten Runde. Die Texaner starteten mit vielen Fragezeichen in die Offseason (Tony Parker, Richard Jefferson), und man hatte den Eindruck, als wäre es das gewesen mit den alten Haudegen aus dem 'Lone Star State'. Aber Parker, der eine ganz starke EM spielte, und Jefferson kamen beide zurück. Kawhi Leonard kam via Draft-Day-Deal, um den Flügel zu verstärken. Die Spurs scheinen überaus zuversichtlich mit ihrer alten Lineup in eine neue Saison zu starten.
Realistisch: die Basketballwelt ist geteilter Meinung, was die kommende Saison in San Antonio anbelangt. Die eine Hälfte verweist auf das immense Alter der Leistungsträger und fügt an, dass der brutale Spielplan in 2011/12 für die müden Beine der Spurs-Veteranen zu viel des Guten sein werden. Duncan und Ginobili werden nicht jünger, und ohne Hill und Dyess fehlen den Sporen wichtige Bankoptionen. Optimisten blicken lieber auf die letztjährige Bilanz und auf die Tatsache, dass San Antonio am Ende der letzten Lockout-Saison 1998/99 ja auch die Larry O'Brien Trophäe gewann, sich also mit einer verkürzten Spielzeit bestens auskennt. Stimmt natürlich. Aber jener erste Titel ist jetzt 13 lange Jahre her. Duncan wird über weite Strecken - vor allem in back-to-backs - komplett geschont werden, und ob Ginobili mit seiner Kamikaze-Spielweise die Saison unbeschadet übersteht, wissen nur die Fledermäuse. Insgesamt könnten die Texaner dank eines vorteilhaften Spielplans wieder unter den besten drei Teams im Westen landen. Ohne eindeutige Frontcourt-Upgrades ist dann aber in den Playoffs gegen lange Lineups wie Memphis, Oklahoma oder die LA Lakers Schluss.
Letzte Saison brachte für den Utah Jazz zahlreiche, einschneidende Veränderungen mit sich. Nach dem Beef zwischen All-Star Guard Deron Williams und Head Coach Jerry Sloan brachen alle Dämme. Sloan kündigte nach gefühlt 250 Jahren an Utah's Seitenlinie mit sofortiger Wirkung seinen Trainerposten, und D-Will fand sich nur wenige Tage später in New Jersey wieder, wohin er im Tausch für Devin Harris, Derrick Favors und mehrere Erstrundenpicks getradet wurde. Ty Corbin übernahm die Zügel eines Teams, das nach Jahrzehnten der Franchise-Stabilität nun vor der alles entscheidenden Frage steht: Wer sind wir, und wohin soll die Reise gehen? Das muss General Manager Kevin O'Connor abwägen, eine klare Richtung ist aber (noch) nicht erkennbar. Der Jazz verfügt mit Favors (20), Gordon Hayward (21) und den frisch gedrafteten Enes Kanter (19) und Alec Burks (20) über vier vielversprechende Kids fürs Rebuilding. Dem Neuaufbau stehen aber solide Veteranen wie Al Jefferson, Paul Millsap, CJ Miles und Devin Harris im Wege, die den Youngstern die Minuten und Wiederholungen wegnehmen. Auf einigen Positionen (SG, PF/C) ist Utah überrepräsentiert, auf anderen dagegen (SF, PG) viel zu dünn besetzt.
Realistisch: der Jazz wird wohl auch in dieser Saison zunächst seinen angestammten Jefferson/Millsap Frontcourt ins Rennen schicken. Wenngleich offensiv nicht schlecht, und in der Addition auch durchaus passabel, hat dieses Duo schon zu oft bewiesen, dass es einem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken kann. Der Jazz rangierte bei der Verteidigungsarbeit im unteren Liga-Drittel und im Defensiv-Rebounding sogar auf Platz 28. Obwohl Favors hier überall helfen könnte, wird man den Youngster weiterhin bevormunden und nur langsam ans NBA-Spiel heran führen. Der Club hofft, dank eines jungen Rosters den Gegnern davon laufen und um die Playoffs mitspielen zu können. Leider übersieht die Führungsetage dabei, dass alle Anzeichen auf Umbruch stehen und verpasst so goldene Momente, weiteres junges Talent via Trade anzuhäufen. Utah landet in der Western Conference unter den letzten Vier.
Obwohl die Philadelphia 76ers ohne grosse Veränderungen in die vergangene Spielzeit starteten, standen sie am Ende mit 41 Siegen - 14 mehr als im Jahr zuvor - völlig überraschend in den Playoffs. Es war die Wohlfühlstory der Saison, initiiert vom neuen Head Coach Doug Collins. Wie schon bei seinen vorherigen Stops in Chicago, Detroit und Washington hatte Collins eine Loser-Truppe wieder auf Vordermann gebracht. Hauptanteil am Erfolg hatte die stark verbesserte Defensive (Platz 7 Def. Efficiency) sowie das Spiel der Sixers-Jungspunde, allen voran Jrue Holiday und Thaddeus Young. Auch in dieser Saison setzt man auf einen weiteren Leistungssprung der eigenen Talente. Von Holiday erwartet Collins einen Satz unter die besten zehn Point Guards der Liga. Die hohen Erwartungen lasten aber allen voran auf den Schultern von Sophomore Evan Turner - dem bisher enttäuschenden Lotterie-Pick der 76ers. Turner, der in der Sommerpause seinem Wurf von Grund auf umgestellt hat, zeigte sich schon in der Preseason stark verbessert (15 Pts, 8 Reb, 4 Ast im Schnitt) und scheint bereit, etwas mehr von den All-Around Skills zu zeigen, die ihn 2010 zum Nummer 2 Pick machten.
Realistisch: siehe Best Case Szenario. Philly ist eines der wenigen Teams, dessen kollektiver Erfolg nicht von einem bestimmten Starspieler abhängig ist. Iguodala's Zukunft in der Stadt der brüderlichen Liebe ist nach wie vor ungeklärt, aber auch ohne Iggy Hop stünde das Team an der Schwelle zu den Playoffs. Das tiefgründigere Problem scheint ein latentes 'Atlanta Hawks Dilemma' zu sein: zu gut für die Lotterie, aber ohne wirklichen Plan, wie genau man in die High Society der Eastern Conference gelangen soll.
Eine neue Epoche hat begonnen für die Toronto Raptors, die mit einem neuem Coach und neuer Identität einem langfristigen Ziel entgegen steuern. In dieser Hinsicht muss man den Dinos Respekt zollen, denn sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind - im Gegensatz zu Detroit beispielsweise - 'all in' mit den eigenen Rebuild-Plänen. Dwane Casey, defensives Mastermind während des Championship-Runs der Dallas Mavericks, wurde als neuer Übungsleiter verpflichtet, um der katastrophalen Verteidigung (Defensiv-Rating Platz 30) Leben einzuhauchen. Zur neuen Philosophie passt auch der Nummer 5 Pick, Jonas Valanciunas, der allerdings erst nächsten Sommer über den Teich wechseln wird. Die restlichen Verpflichtungen der letzten Wochen sind unspektakulär und/oder regionaler Nostalgie verschuldet (Magloire ist Kanadier), beissen sich aber nicht mit den Zukunftsplänen in T-Dot. Man will maximale Cap-Flexibilität wahren, junge Spieler evaluieren und beobachten, wie sie sich in Casey's Verteidigungs-Schemata machen. Dafür opfert man gerne eine ohnehin verlorene Saison, in der es für die Raptors ohnehin um nichts gegangen wäre.
Realistisch: siehe oben. Casey's Mann-Zone Defensivsystem hatte an Dallas' erstem Titelgewinn massgeblichen Anteil, und das soll auch die neue Visitenkarte der Raps werden. Wer nicht verteidigt, sitzt. Das gilt hoffentlich insbesondere für Divas wie Bargnani, denen ihre Haut zu schade ist, um unter den Körben aufzuräumen (ein Karriereschnitt von 4.9 Rebounds bei 2,13m Körpergrösse ist einfach nur peinlich). Mit Barbosa's auslaufendem Vertrag hat Colangelo einen weiteren Tradechip auf der Hand. Die Raptors werden aus basketball-puristischen Gesichtspunkten unmöglich anzuschauen sein. Man erkennt aber ein Flackern am Ende des Tunnels.
Willkommen im NBA-Niemandsland, irgendwo zwischen sicheren Playoff-Plätzen und Erstrunden-Exits, Heimat der verwahrlosten Atlanta Hawks. Mit Besitzern, die das Team nicht wollen und völlig unkompetentem Management ausgestattet, dümpelt diese Ansammlung von Talent seit Jahren irgendwo im Mittelmass vor sich hin, ohne festes Ziel oder Bestimmungsort. Vom Fiasko des 2005er NBA-Drafts, als man trotz PG-Bedarfs sowohl Chris Paul als auch Deron Williams überging, um Marvin Williams zu ziehen, hat sich der Club nie erholt. Alle Personalentscheidungen seither (Bibby, Hinrich) versuchen irgendwie, den katastrophalen Patzer von damals wieder gut zu machen - ohne Erfolg. Die Hoffnungen der Vögel ruhen auf Jeff Teague, dem besten Hawks-Spieler im Conference Halbfinale gegen Chicago. Ein echter PG, der die letzten zwei Jahre hinter Bibby und Hinrich auf der Bank versauern musste. Das Center-Problem wurde trotz mehrerer solider Free Agents in diesem Jahr wieder nicht addressiert, so dass Al Horford und Josh Smith wieder von ihren angestammten Positionen nach oben weichen müssen - taktisch dilletantisch, wie alles in Atlanta. Der Salary Cap ist dank des 500 Milliarden Dollar Deals von Joe Johnson bis oben hin ausgereizt. Man darf sich also auf eine weitere mittelprächtige Hawks-Saison freuen. Zu gut für die Lotterie, aber viel zu schlecht, um in den Playoffs erheblichen Schaden anzurichten.
Realistisch: Man darf sich nicht blenden lassen vom Erstrunden-Sieg der Hawks gegen Orlando. Die Magic glichen zu jenem Zeitpunkt einem Regionalliga-Team und waren kein ernst zu nehmender Gegner. Fakt ist, dass Atlanta's hässliche Isolation-Offensive schrecklich ineffizient bleibt. Ohne Jamal Crawford im Spiel erzielten die Hawks nach der All-Star Pause magere 93 Punkte pro 100 Angriffe - schlechteste offensive Ergiebigkeit der Liga. 17 Niederlagen in den letzten 27 Partien verdeutlichen den Abwärtstrend. Der bevorstehende Verkauf des Teams legt alle wichtigen Personalentscheidungen vorerst auf Eis und verspricht eine durch und durch holprige Saison 2011/12.
Deron Williams fragt sich immer noch, ob seine Entscheidung vor knapp 10 Monaten die richtige war. Anstatt mit Utah weiter um Heimrecht in den Western Conference Playoffs zu spielen, formt der All-Star Point Guard mittlerweile den Ein-Mann Angriff in den Sümpfen von New Jersey - und das wird in absehbarer Zukunft so bleiben. Obwohl sein alter Teamkollege aus Jazz-Zeiten, Mehmet Okur, den schwer verletzten Brook Lopez (2-3 Monate Pause) auf der Center-Position ersetzen wird, steht Williams alleine auf weiter Flur da. Von der dritt-schlechtesten Offensive der Liga (94.2 PPG) darf in dieser Konstellation keine grosse Steigerung erwartet werden. Die unendliche Dwight Howard Saga liegt ohnehin wie ein überdimensional grosser Schatten über der Franchise. Schafft es das Team des schwerreichen russischen Oligarchen Mikhail Prokhorov nicht, D12 bin zum Sommer an Land zu ziehen, könnte ein für die Nets sang- und klangloser Umzug in die neue Arena in Downtown Brooklyn anstehen - vielleicht sogar ohne D-Will.
Best Case Szenario: Deron Williams schultert die extra Verantwortung nach dem Ausfall von Lopez wie der All-Star, der er nun einmal ist. Er punktet mehr, assistiert mehr und hält die Nets bis zu Lopez' Rückkehr im Februar im Playoff-Rennen. Neuzugang Okur und Rückkehrer Kris Humphries bilden eine respektable Frontline, während Sophomore Damion James und der erst kürzlich verpflichtete DeShawn Stevenson dem bisher butterweichen Perimeter ein wenig Garstigkeit einhauchen. Orlando gesteht sich den eigenen D12-Bluff endlich ein und lässt sich zu einem 'Howard für Lopez, Okur und zwei Erstundenpicks' Tauschhandel breitschlagen. Williams verlängert und die Nyets ziehen mit Pauken und Trompeten in ihre neu glitzernde 5 Milliarden Dollar Arena um. Die eigene Zukunft sieht mit dem imposantesten One-Two-Punch der Liga und einem russischen Goldesel rosig aus.
Der Fokus lag im letzten Jahr zurecht auf John Wall, der Point Guard Sensation aus North Carolina. Mit 16 Punkten, 8 Assists und 5 Rebounds im Schnitt zeigte der 21-jährige, wieviel Potential in ihm steckt. Ein deutlicher Leistungssprung in seiner Sophomore-Saison ist so gut wie sicher, und die Wizards werden jedes bischen davon gut gebrauchen können. Es ist nicht so, dass in der Hauptstadt nicht genug Talent angesammelt wäre. Aber trotz Backcourt-Scorern wie Nick Young und Jordan Crawford und einem vielversprechenden Big Man Tandem in Andray Blatche/Javale McGee kann man dieses Team einfach nicht ernst nehmen. Head Coach Flip Saunders - ein durchaus begabter Taktiker - wird wieder sein Möglichstes versuchen, um die Kindsköpfe bei Laune zu halten, ein durch und durch unmögliches Unterfangen.
Realistisch: John Wall ist in seiner Entwicklung noch nicht so weit, ein mental so schwaches Team im Alleingang in die Postseason zu tragen. McGee und Blatche werden beide ihre Szenen haben, und man denkt, wie so oft: die Youngsters könnten es endlich gerafft haben. Dann folgt wieder irgend ein 'Dick und Doof' Moment, und es wird deutlich, dass die Wiz noch eine ganze Weile lang Mitläufer im Osten bleiben werden. Zwar unterhaltsam, aber alle Jahre wieder in der Lotterie. Wenigstens sind die Trikots schön...
Erstaunlicherweise verpassten die Charlotte Bobcats in der letzten Saison nur knapp die Playoffs (3 Siege Rückstand). Nachdem der 120-jährige Paul Silas das Team von Schleifer Larry Brown übernommen hatte, gewannen die Rotkatzen 25 ihrer letzten 54 Partien und jagten den Indiana Pacers bis wenige Tage vor Saisonschluss hinterher. Letztendlich wurde es nichts mit der Postseason - und das war gut so. Will Charlotte, ein vom "kleiner Markt Fluch" und schlechten Manager-Entscheidungen gebeutelter Verein, in den nächsten Jahren wieder halbwegs Relevanz erlangen, ist der Weg durch die Lotterie der einzig richtige - zumal für spektakuläre Free Agent Akquisitionen das Geld fehlt. Dabei hätte das Team dringend Hilfe nötig. Die Offensive (93.3 PPG, Platz 29), wird nach den Abgängen von Gerald Wallace und Stephen Jackson noch grausiger sein. Wenn ein 33-jähriger Corey Maggette dein bester Scorer ist, sieht's eben düster aus. Die Hoffnungen ruhen ganz auf den Schultern von Kemba Walker, einem elektrisierenden Rookie-PG, der das Potential zum Star hat.
Realistisch: Nüchtern betrachtet sind die Bobcats das zweit-mieseste Team der Liga. Maggette hat zwar schon in sieben Saisons 20 oder mehr Punkte im Schnitt erzielt, aber nur ein mal die Playoff erreicht. Ein echter Winner-Typ. Tyrus Thomas, ein irrsinning talentierter Frontcourt-Hüpfer, driftet immer mehr in die obskure Stromile Swift Ecke ab, weil er seinen Fokus nie länger als 4 Spiele am Stück bündeln kann. Der beste Center im Team ist Boris Diaw, der sich auf Anraten des Clubs auf knapp 140 Kilogramm fettgefuttert hat, um im Low Post zu bestehen. Biyombo hat aufgrund von Vertragsquerelen die komplette Vorbereitung verpasst, und Walker wird sich mit dem etatmässigen Point Guard DJ Augustin um Minuten streiten. Sieht man von eklatanten Schwächen im Scoring, Rebounding und Passspiel einmal ab, wird spätestens die non-existente Ersatzbank dem Team das Genick brechen.
Aller (Neu-)Anfang ist schwer - das erfuhren die Cavaliers letzte Saison auf ganz bittere Art und Weise. Dank einer brutalen Niederlagenserie (36 von 37 verloren) inmitten der Saison und einem neuem NBA-Rekord (26 L in Folge) sicherte man sich wenigstens den Nummer 1 Pick - auch wenn der eigentlich von den Clippers kam (der Baron Davis Deal). Mit Kyrie Irving, einem echten Point Guard, hat man nun einen potentiellen Franchise-Changer auf der Hand. Wenn die frühere Arbeit von Head Coach Byron Scott mit Jason Kidd (Finals '02 und '03) und Chris Paul uns irgend etwas gelehrt hat, dann dass Scott weiss, was er tut. Gut für Irving, der zusammen mit Rookie-Kollege Tristan Thompson versuchen wird, den Post-Lebron-Decision Mief aus der Quicken Loans Arena zu vertreiben und eine neue Begeisterung im Dorf zu etablieren. Die Entscheidung, Baron Davis zu entlassen, war deshalb auch die einzig richtige - sportlich, menschlich und finanziell betrachtet. Das Zukunftsbild sieht nicht mehr ganz so düster aus wie letzte Saison - vorausgesetzt, man lässt sich Zeit und überhastet nichts in den nächsten Jahren.
Realistisch: Keiner will Jamison und seine nicht vorhandene D haben, die Cavs spielen de facto an jedem Abend 4 gegen 6. Thompson's Saison läuft genau wie seine Preseason ab - das Spiel ist noch viel zu schnell für den Rookie, der ausser ein paar Rebounds und dem zufälligen Block hier und da nur Fouls einsammelt. Irving hat Anpassungsschwierigkeiten, wie jeder PG, der frisch in die Liga kommt (Ballverluste, miese Trefferquote). Die Cavaliers laufen viel zu selten, beenden die Saison als zweitschlechtestes Team im Osten und gehen in der Lotterie trotzdem leer aus - was Dan Gilbert wieder einmal auf den Plan ruft.
Best Case Szenario: In Wirklichkeit hat Joe Dumars den Master-Plan, wir erkennen ihn nur alle noch nicht. Mit dem Prince-Resigning hat er den perfekten Mentor für seine beiden SF-Youngster Jonas Jerebko und Austin Daye, die mit ihrer ungebändigten Energie und ihrem Skillset für ständige Matchup-Probleme beim Gegner sorgen. Rodney Stuckey und Brandon Knight entwickeln sich unter der Ägide von Coach Frank zu pass-first Point Guards, die das Team zusammenhalten. Ben Gordon findet nach dem Abgang von Rip Hamilton zu den Bulls zu alter Stärke zurück und avanciert, wie schon vor drei Jahren, zu einem der tödlichsten Scoring-Guards der Liga. Greg Monroe, der heimlich, still und leise eine exzellente Rookie-Saison spielte (9.4 Pts, 7.5 Reb, 1.2 Stls), wird zum defensiven Anker und neuen Franchise-Spieler des Teams, das dank seiner Präsenz und einer tiefen Bank mit jungen Beinen einen Playoff-Platz erspielt.
Realistisch: Auch wenn in der neuen Saison dank eines neuen, respektierten Coaches keine Meutereien und etwas mehr Stabilität zu erwarten sind, ist diese Mannschaft noch mindestens 2-3 Jahre von den Playoffs entfernt. Weder das unterirdische Rebounding (Platz 30), noch das mehr als suspekte Playmaking wurden in der Offseason addressiert. Statt dessen gab's mehr vom Altbekannten. Vielseitigkeit und Austauschbarkeit statt klar definierten Skills und positionsspezifischen Stärken positionieren die Kolben auch in der neuen Saison im unteren Tabellen-Drittel der Eastern Conference.
Interimscoach Frank Vogel übernahm inmitten der letzten Saison die Trainerzügel von Jim O'Brien und führte die zuvor verwirrten Indiana Pacers dank einer 20-18 Schlussbilanz in die Playoffs. Und obwohl dort Chicago, das bilanzbeste Team der Liga, ein paar Nummern zu gross war, machte diese jungen Pacers mit ihrem inspirierten Team-Basketball Lust auf mehr. Vogel bekam im Sommer eine Festanstellung, Team-Präsident Larry Bird schlug auf dem Spielermarkt zu, verpflichtete Free Agent David West und George Hill via Trade, und urplötzlich sehen die Tempomacher wie ein Top-5 Team im Osten aus. Weitere Stabilität und Langfristigkeit verleihen die jüngsten Personalentscheidungen hinter den Kulissen: ex-Laker Brian Shaw wird neuer Assistenztrainer, ex-Blazers GM Kevin Pritchard ist in Zukunft für Roster-Angelegenheiten verantwortlich. Die Finanzen sind beneidenswert gesund, es stehen noch knapp 9 Millionen $ unter dem Cap zur Verfügung. Hoffentlich merken auch die Menschen in Indiana, dass der zum Saisonende scheidende 'Larry Legend' mit viel Weitsicht und Geduld ein grundsolides Small Market Team auf die Beine gestellt hat, und finden in Zukunft wieder häufiger den Weg ins neu benannte Bankers Life Fieldhouse.
Realistisch: David West und sein chirurgisch operiertes Knie müssen der Dauerbelastung einer verkürzten Saison erst standhalten, bevor man die Pacers in die Ost-Elite hieven will. Zumal auf der Off-Guard Position nach den Abgängen von Dunleavy und Rush ein verlässlicher Distanzschütze fehlt. Der Dreier war in den letzten Jahren ein grosser Bestandteil des Pacers-Angriffs (Platz 10 in 2010/11). Ein weiterer Shooter kann also nicht schaden. Insgesamt scheint die mittelprächtige Defensive (Platz 17 Def. Eff.) einem erfolgreichen, längeren Playoff-Run im Wege zu stehen. Nur wenn Paul George über Nacht zum erhofften Perimeter-Stopper avanciert, ist mehr als Runde 1 drin.
Vergangene Saison war für die Milwaukee Bucks eine ganz schwierige. Center Andrew Bogut spielte nach seinem Splatter-Horror-Unfall einarmig und unter starken Schmerzen. Starting PG Brandon Jennings verpasste 19 Partien verletzt. Carlos Delfino fehlte 33 mal, Drew Gooden sogar 47 mal. Coach Scott Sklies hatte zu keinem Zeitpunkt seine volle Startformation zur Verfügung, und die Ergebnisse wiederspiegelten es. Nur 91.9 Punkte pro Spiel - kein Team war schlechter als die Hirsche. Die Defensive aber stand - bereits das dritte Jahr in Folge - ganz sicher und war der einzige Grund, warum Milwaukee nur zwei Siege an einem Postseason-Platz vorbei schrammte. Mit einem gesundeten Kader und der Neuverpflichtung von Stephen Jackson, der das schwarze Loch Corey Maggette auf der Zwei ersetzen wird, ist eine Playoff-Teilnahme in '11/12 durchaus realistisch. Jedes Skiles-Team muss zwangsweise hart verteidigen, und mit ein paar Offensivoptionen mehr dürfte auch das ein oder andere 100er Spiel für die Böcke keine reine Utopie mehr sein. Die Bucks gewannen 17 von 21, wenn sie dreistellig punkteten.
Realistisch: Ganz so geschmeidig wird die Verwandlung nicht vonstatten gehen. Stephen Jackson und Scott Skiles, zwei Hitzköpfe vor dem Herrn, werden mehr als einmal aneinander geraten. Die Situation darf nicht kippen. Überhaupt wird vieles davon abhängen, wie schnell die Mannschaft ihres Coaches überdrüssig wird. Schon bei seinen vorherigen Stops in Phoenix und Chicago hatte sich Schleifer Skiles nach anfänglichen Erfolgen mit seinen Teams überworfen. Sein harter Umgangston nutzt sich schnell ab. Wenn Jackson und Jennings sich im Backstein-Werfen zu überbieten versuchen, können die Erwartungen schnell ins Negative umschlagen. Mehr als ein kurzer Playoff-Auftritt ist dann nicht drin.
Das dritte ernst zu nehmende, aufstrebende West-Team neben den Clippers und den Thunder sind die Memphis Grizzlies. In ihrem insgesamt 10. Jahr in Tennessee brauchte es eine Schulterverletzung ihres besten Spielers Rudy Gay, um erst so richtig in Fahrt zu kommen. Die Grizz verlagerten ihre Offensive vom Perimeter in die Zone und gaben den Ball früh und häufig in die Hände von Zach Randolph und Marc Gasol. Das Inside-Out Spiel trug Früchte. Memphis gewann 15 seiner letzten 25 regular season Partien und qualifizierte sich als 8. Team für die Playoffs - zum ersten Mal seit 2006. Und nicht nur das: gegen die favorisierten San Antonio Spurs gewannen die Grizzlies zunächst ihre erste Postseason-Partie überhaupt, später dann die Serie. Erst im Conference Halbfinale war Schluss - nach sieben hart umkämften Spielen gegen Oklahoma City. So ein Run weckt bekanntlich Begehrlichkeiten. Der als geizig verschriene Besitzer Michael Heisley öffnete im Sommer einmal mehr seinen Geldbeutel und verlängerte Gasol für 4 Jahre und 58 Millionen Dollar. Mit Randolph (71 Mio $), Gay (70 Mio $) und Conley (31 Mio $) ist Heisley also die nächsten vier Jahre 'all in'. Jetzt erwarten die Fans von diesem Spielerkern einen weiteren Sprung nach vorne, mitten hinein in die WC-Elite.
Realistisch: Die Verletzung von Darrell Arthur wird den Grizzlies mehr Probleme machen, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Der Abgang von Shane Battier's stillem, aber effektiven Game muss kompensiert werden. Die grösste Schwierigkeit für Coach Lionel Hollins wird sein, seinen All-Star Kaliber Forward Rudy Gay ins ausbalancierte Spielsystem zu integrieren, dass letztes Jahr noch so gut funktioniert hat. Jegliche Verbesserung muss von innerhalb des Teams kommen - die Optionen auf dem Tranfermarkt sind durch die hohen Gehaltsverpflichtungen beschränkt. Erwischt Memphis das richtige Matchup, ist wieder das Conference Halbfinale drin. Insgesamt aber kommt alles, was darüber liegt, eins bis zwei Jährchen zu früh.
Gewinner der Offseason? Natürlich die Los Angeles Clippers. Wer sich als ehemalige Lachnummer quasi über Nacht unter den Top 10 der Liga etabliert, hat sicherlich alles richtig gemacht. Die genauen Moves und ihre Langzeitimplikationen wurden hier, hier und hier bereits ausführlich beschwafelt. Genauso wie die Tatsache, dass die Neuerwerbungen Paul, Billups, Butler und Evans die Free Agency Moves fast aller anderen Teams zusammengenommen blasser aussehen lassen als Chris Kaman's Teint. Wieder einmal hänselt der notorisch knausrige Clippers-Besitzer Donald Sterling Beobachter mit der offensichtlichen Bereitschaft, es mit dem erklärten Ziel Championship ernst zu meinen. Was bisher eher wie ein Kalauer anmutete, scheint dank eines Paul-Griffin-Jordan Nukleus plötzlich gar nicht mehr so weit her geholt.
Realistisch: das Team ist schon jetzt der grosse Gewinner der Saison. Sicher: die massiven Personalprobleme auf den grossen Positionen führen im Falle einer Verletzung von Griffin oder Jordan fast unweigerlich zu einem steilen Abdriften in der Tabelle. Wenn man die Playoffs verpassen sollte, ebbt der grosse Hype genausoschnell wieder ab, wie täglich neue Clippers-"Fans" aus dem Boden geschossen kommen. Del Negro hat bisher seine Coaching-Tauglichkeit immer noch nicht unter Beweis gestellt. Aber nach vier Jahrzehnten der Bedeutungs- und Perspektivlosigkeit haben die Clippers mit Griffin und Paul endlich einen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Wenn nicht alle Dämme brechen und der Clippers-Fluch mit all seiner Wucht zuschlägt, sind die Playoffs ohne grössere Anstrengungen gebongt. Allein das wird schon ausreichen, um das Momentum nach 2012/13 zu tragen.
Best Case Szenario: Viel Getöse wurde in 2011 um das angeblich angespannte Verhältnis zwischen Kevin Durant und Russell Westbrook gemacht. Lasst Euch sagen, Russ und KD sind tight wie Spandex-Leggings. Je länger die beiden zusammen spielen, desto besser wird auch Westbrook's Verständnis davon werden, wie er zwischen Punktesammler- und Passgeber-Modus hin und her wechseln muss. Der 23-jährige lernt sozusagen 'on the fly' was es heisst, ein NBA-Team zu lenken. Solange er den besten natürlichen Scorer der Liga an seiner Seite hat, besteht einfach kein Bedarf für 20 eigene Wurfversuche. Zur Erinnerung noch mal: Durant ist auch erst 23 geworden. Der imposante Forward-Center Serge Ibaka ist erst 22. Und da ist ja dann noch der mächtigste Bart der Liga. James Harden (22) nähert sich langsam aber sicher dem für ihn reservierten All-Star Niveau. Obwohl er weiterhin von der Bank kommen wird (6th Man of the Year, btw) spielt der in Arizona State perfekt ausgebildete Guard nominell Starter-Minuten. Die vier angesprochenen Schlüsselspieler haben bereits jetzt jeweils 23 Playoff-Partien absolviert. In Kendrick Perkins, Thabo Sefolosha und Nick Collison haben die Thunder defensivstarke Rollenspieler, die eine extrem tiefe und vielseitige Rotation perfekt ausbalancieren. Junge Beine, ein eingespieltes Team, ein solider Coach, Playoff-Erfahrung und den besten Scorer der Liga. Klingt ziemlich stark nach Championship-Anspruch für den durch und durch gesündesten und organischsten Club der Liga.
Realistisch: wie geht das junge Team mit den plötzlich enormen Erwartungen um? Bisher operierten die Thunder immer unter dem Radar. Keiner hatte sie wirklich auf der Rechnung. Ist vor allem Westbrook mental bereit für 'Primetime-Basketball', wie er in den Conference Finals und später dann im Juni gespielt wird? Kann der Mann mit den meisten Ballverlusten der Liga in zwei der letzten drei Saisons endlich lernen, das Spiel zu machen, anstatt es selbst permanent übernehmen zu wollen? Und vor allem: ist die Verteidigung der Thunder stark genug, um gegen die Top-Teams der Liga zu bestehen? Eine für mich sehr überraschende Statistik war die unterdurchschnittliche D (letztes Jahr Platz 18 bei den kassierten Punkten, Platz 15 bei der Def Eff). So oder so: alles andere als das Erreichen des Conference Finals wäre eine herbe Enttäuschung.
Der Kopfkratzer-Award für die fragwürdigsten Personalentscheidungen der Offseason geht an die...Orlando Magic. Wieder einmal. Und es wird von Trade-Periode zu Trade-Periode deutlicher, dass GM Otis Smith keinen blassen Schimmer hat, was er eigentlich tut. Wer es nach jetzt knapp 3 Jahren und unzähligen Versuchen immer noch nicht hinbekommen hat, den dominantesten Center dieser Generation mit brauchbaren Spielern zu flankieren, der hat es im Endeffekt auch nicht verdient, einen Mann wie Dwight Howard langfristig halten zu dürfen. Und so muss man sich wohl oder übel bereit machen in Zentralflorida für die letzte Kirmes-Runde mit Dwight unter Center - inklusive des ganzen Theaters und Nonstop-Gebrabbels, das man noch aus der letzten Saison und von den Denver Nuggets kennt. Dabei sind die Magic alles andere als ein Fussabtreter. Dank Howard's Dominanz am Brett gewann man in den letzten 4 Jahren 222 von 328 möglichen Saisonspielen (68%). Aber wenn Glen 'Pig Baby' Davis die Free Agent Akquisition sein soll, die Howard von einer rosigen Zukunft in Orlando überzeugen soll, dann viel Glück dabei!
Realistisch: das Magic-Management hat für den Moment Stillhalten angedeutet. Je besser das Team in die Saison findet, desto ungestörter kann man sich hinter den Kulissen um den bestmöglichen Deal bemühen. Kein Team weiss besser als Orlando, wie es ist, einen All-Star Center und Franchise-Spieler ohne Gegenwert via Free Agency zu verlieren: Shaq machte sich im Sommer 1996 auf nach Los Angeles und gewann dort mit den Lakers 3 Meisterschaften in Folge. Es hatte danach 10 Jahre gedauert, bis die Magischen wieder aus ihrer Schockstarre erwachten.