07 Juni 2011



Lange vor den Dirk Nowitzkis, Pau Gasols und Tony Parkers dieser Welt war es für europäische Ausnahmetalente längst nicht so einfach wie heute, sich in der besten Liga der Welt zu etablieren. Dann, irgendwann mit Ende des kalten Krieges, fanden einige Akteure des alten Kontinents doch den Weg über den grossen Teich - ohne jedoch zu überzeugen. Die gesamte Geschichte des Spiels änderte sich schlagartig, als ein fröhlicher junger Mann aus der ehemaligen Republik Jugoslawien die grosse Basketballbühne betrat. Sein Name: Dražen Petrović.

Der in Kroatien geborene Ballzauberer hatte sich schon in sehr jungen Jahren einen Namen gemacht - und sich seinen Spitznamen 'Basketball-Mozart' mehr als verdient. Bereits mit 15 Jahren debütierte der 1,96m grosse Guard in der ersten jugoslawischen Liga, bevor er dann, zusammen mit seinem älteren Bruder, bei Cibona Zagreb für Furore sorgte. Nach 5 weiteren Saisons (4 bei Cibona, 1 bei Real Madrid), links und rechts gepflastert mit unzähligen persönlichen und kollektiven Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene (zum Beispiel: 112 Punkte in einer Partie, ein Scoring-Schnitt von 37.7 PPG in der Liga über 4 Saisons, Game-High 62 Punkte und 33.8 PPG auf europäischer Ebene, Landesmeister, Korac Cup Sieger, Euroleague Champion, Europameister, Weltmeister, Jugendolympiasieger, etc.) musste der junge Petrović einsehen, dass ihm in Europa die sportlichen Ziele ausgegangen waren. Also wechselte der Scharfschütze im Jahr 1989 zu den Portland Trail Blazers, die ihn bereits 3 Jahre zuvor mit dem 60. Pick im Draft selektiert hatten.

Obwohl er in Portland so gut wie nie zum Zug kam (die Blazers hatten bereits Clyde Drexler und Terry Porter im Backcourt), zeigte 'Petro' schon dort in begrenzter Spielzeit sein enormes Skillset am Ball sowie die beneidenswerte Treffsicherheit von überall auf dem Court (7.6 PPG in 13 Min. Spielzeit, 49% FG, 46% Dreierquote). Sein grosser Durchbruch kam 1991, als er nach New Jersey getradet wurde. Bei den Nets etablierte sich Petrovic auf Anhieb als erste Scoringoption und führte die Nets mit über 20 Punkten pro Partie in die Playoffs zurück. 1993 wurde er ins All-NBA-Team (3.) gewählt - als erster Europäer der Geschichte. Bei den olympischen Spielen 1992 in Barcelona hatte er zuvor die kroatische Nationalmannschaft zur Silbermedaille geführt - und zur einzigen Führung einer Equipe gegen das unschlagbare 'Dream Team' überhaupt. Noch bevor Petrovic sein gesamtes Potential realisieren durfte, verstarb er im Sommer 1993 als Beifahrer auf regennasser Autobahn in Denkendorf, Deutschland. Petrovic, dessen Nummer 3 die Nets gleich zwei mal unter die Hallendecke hängten, dem man gleich mehrere Statuen, Monumente und Trophäen widmete, der in der Hall of Fame verewigt ist, war der Wegbereiter für alle internationalen Karrieren in der NBA in den letzten zwei Jahrzehnten. Der erste europäische Basketball-Superstar wurde nur 28 Jahre alt.