02 Juni 2011




Die Brötchen waren eigentlich schon eingetütet für die 'Miami Thunder'. Nach dem Dreier von Dwyane Wade, der an diesem Abend lichterloh brannte (36 Zähler) und ein irres Highlight-Play nach dem anderen vorführte, lag der Gastgeber bereits mit 15 Punkten in Front. Es waren nur noch knapp 7 Minuten zu absolvieren, und Miami war nach einem eigenen 12-0 Lauf auf 88-73 davon gezogen. Das NBA Finale drohte zum Wade/James Slam Dunk Contest zu verkommen, und die Superfreunde plus 13 waren drauf und dran, vorentscheidend 2-0 in Führung zu gehen. Erst drei Mannschaften haben es bisher geschafft, einen solchen Rückstand in den Finals noch wett zu machen (Boston '69, Portland '77, Miami '06).

Dumm nur für Miami, dass sich James und Wade die Feierei nicht noch ein paar Minuten verkneifen konnten. Angestachelt von den Festivitäten der Heat-Stars direkt vor Dallas' Bank blickten sich die Mavs-Veteranen gegenseitig in die müden Augen und schworen sich: "So gehen wir heute nicht unter." Die wirbelnden Texaner spielten in den nächsten 6 Minuten einen perfekten Angriff nach dem anderen und machten - wie schon gegen Oklahoma City - zum zweiten Mal in diesen Playoffs einen 15-Punkte Rückstand in der Schlussphase noch wett. Dallas traf 9 seiner letzten 10 Wurfversuche und sammelte 22 der finalen 27 Punkte im Spiel ein. Jason Terry erzielte die Hälfte seiner insgesamt 16 Zähler im letzten Abschnitt und deckte den Tisch für Dirk 'Four Fingers' Nowitzki, der den Heat mit den letzten 9 Mavs-Punkten dann den Rest gab. Chris Bosh suchte gerade noch seine Männlichkeit, da hatte ihn Nowitzki schon mit einem Spinmove am Ellbogen stehen gelassen, um den entscheidenden Korb zum 95-93 Endstand einzunetzen - mit links wohlgemerkt, wie bereits schon kurz zuvor. Hatte jemand 'Fingerverletzung' gesagt ? Nowitzki jedenfalls blieb cool wie Eisbärtatzen und zeigte einmal mehr, wie man 'Clutch' auf Deutsch buchstabiert: D-I-R-K.

Lebron James blieb währenddessen den Nachweis seiner Air Jordan Tauglichkeit wieder mal schuldig und gab das Spiel in entscheidenden Momenten aus der Hand. Es schien ganz so, als hätte Nummer 6 vergessen, um was genau es im Juni eigentlich geht. Entweder das, oder er spielt nur mit uns. Anstatt den Ball zu seinem heute feurig heissen Teamkollegen mit der Nummer 3 zu passen (Wade berührte den Ball in den letzten 5 Minuten nur 5 mal bei gerade mal 2 Wurfversuchen), versuchte sich der King ohne Ring lieber in Einzelaktionen, während das Offensivspiel seiner Mannschaft zu jenem erbärmlichem Standbasketball verkam, den Puristen und Liebhaber des Spiels nur unter Gewaltandrohung gut finden können. Hinten beeindruckend, vorne eine Seuche. 30 der insgesamt 76 Heat-Wurfversuche waren Dreier - bei 31 Punkten direkt nach Mavs-Ballverlusten eigentlich ein unfassbarer Wert, der die Ideenlosigkeit dieser Mannschaft einmal mehr unterstreicht. Spielkultur sieht anders aus.

Den Mavericks kann's egal sein. Durch das nächste Mega-Comeback haben die widerstandsfähigen Pferdchen bewiesen, dass sie sich trotz grossen Rückständen, abgekarteten Schiedsrichterleistungen (die Starbonus-Pfiffe und vor allem Nicht-Pfiffe in der Liga haben ausgesprochen lächerliche Ausmasse angenommen) und der geballten Star-Power auf Miami's Seite niemals geschlagen geben. Dieses Veteranen-Team spielt hart und mit vollem Einsatz, bis zum letzten Sekundenticken. Anstatt in Frankenstein's 0-2 Sarg zurück nach Dallas zu fliegen, steht's urplötzlich 1-1. Und wir haben eine Finalserie...